Schlagwort: Digitaler Wandel

  • Don’t be a black cab!

    Don’t be a black cab!

    Bei meinem letzten Besuch in London konnte ich wieder eine spannende Anregung mitnehmen – allerdings aus einem dem ersten Anschein nach alles andere als inspirierenden Kontext. Ich quälte mich nämlich mit einem extrem schlecht gelaunten Taxifahrer durch den dichten innerstädtischen Verkehr und er erzählte mir ausführlich und enthemmt sein ganzes Leid.

    Zuallererst war ihm zufolge Boris Johnson „voll doof“ (auf eine Übersetzung des genauen Wortlautes verzichte ich: So ein Digitalkaufmann ist ja auf einen adäquaten Auftritt bedacht). Zwar konnte ich aus vielen Gründen da nur voll zustimmen, aber mein Chauffeur störte sich zumeist daran, dass der chaotische Hasardeur Johnson damals in seiner Funktion als Londoner Bürgermeister neuartige Radwege auf der Straße („bike lanes“) einführte, die zu einem völligen Kollaps des bereits stark hinkenden Verkehrs geführt haben. Warum er nach dieser Meisterleistung im Kleinen den Brexit im Großen maßgeblich mitbestimmen durfte, bleibt mir persönlich ein Rätsel – aber okay, englische Exzentrizität und so.

    Der Fahrer redete sich nun warm – und dann richtig in Rage. Neben den verkehrstechnischen Nachwirkungen der Amtszeit vom Tölpel Johnson mühe er sich nämlich auch noch mit der ganzen Konkurrenz von Uber, Blacklane, MyTaxi & Co. ab. (Auch hier überspringe ich aus Gründen des guten Geschmacks die genauen Bezeichnungen, die er für seine Mitbewerber auf dem Asphalt übrig hatte). Ohne dass ich auch nur die Frage stellen musste, warum er sich mit ein wenig das Geschäft bekanntlich belebender Konkurrenz so schwer tat, betete er mir seine Sicht der Dinge herunter.

    Die Black Cabs seien doch ikonisch und ein unverzichtbarer Teil der Geschichte der Stadt London! Touristen wollten sie sehen und mit ihnen fahren! Zudem wüssten die geprüften Fahrer ganz ohne Karte oder elektronische Hilfestellung, wo sie wie hinmüssen: die als „The Knowledge“ bekannte Prüfung zu bestehen und eine der begehrten Lizenzen zu bekommen, sei unglaublich schwierig und ein patentes Qualitätsmerkmal. Dann das Taxi selbst: Ein Sonderfahrzeug, das geräumig sei und Schutz sowie Privatsphäre für Fahrer und Kunde gleichermaßen biete. Ich solle mir auch mal die Kosten dafür klarmachen! Eine echte Investition sei das!

    Je weniger wir im Verkehr vorankamen, desto ärgerlicher wurde der gute Mann. Black-Cab-Fahrer wie er hätten seit Generationen geholfen, die Wirtschaft der britischen Hauptstadt buchstäblich in Bewegung zu halten und zum ikonischen Stadtbild beigetragen – und nun dürfe sich jeder Heinzi (auch hier war die Wortwahl im Originalen um einiges bunter…) mit zwei Augen und vier Rädern ein Taxifahrer nennen und die Preise dabei kaputt machen. Eine Schande sei das! Und eine Gefahr! Ich solle nur warten, nur warten solle ich, bis der erste übermüdete Uber-Fahrer einen Großunfall baue oder einen Fahrgast sexuell belästige. Dann werde man sehen!

    Was ich – abgesehen von der Kreativität der englischen Sprache in dem, was Schimpfwörter und deren mehrfachen Einsatz innerhalb eines Satzes angeht – an diesem Gespräch Monolog erstaunlich fand: Diese Argumente decken sich (minus Kleinigkeiten) zu 100% mit den Argumenten vieler deutscher Firmen, die ich als Berater vorgetragen bekomme: „Aber Herr Seebach, wir sind doch eine MARKE! Wir haben eine über Generationen zurückreichende BEZIEHUNG mit unseren Kunden! Wir stehen für QUALITÄT wie kein anderer!“ Und so weiter und so fort.

    Wie sich dieser Duktus auf niveauvollem Englisch anhört, konnte ich während der sich immer weiter in die Länge ziehenden Taxifahrt der Werbung am Klappsitz im hinteren Abteil des – zugegebenermaßen überaus geräumigen – Gefährts entnehmen:

    1. „It’s a recognisable taxi and you can trust the quality“ – zu Mittelstandsdeutsch: „Marke mit Wiedererkennungswert und Qualitätsversprechen“
    2. „It has an adjustable child restraint harness and a unique swivel seat for improved access“ – bzw. „Produktmerkmale und einzigartige Besonderheiten“
    3. „It’s convenient and readily available when you need one“ – „Immer für Sie da!“
    4. „It has a safe and comfortable private passenger compartment“ – „Für Ihre Sicherheit und Ihren Komfort“

    Und genau wie beim deutschen Mittelständler lautet mein Fazit: Alles super, nur nicht mit der Zeit gedacht. Die eigenen Features wie Brand, Service, und einzelne Produktmerkmale werden in den Vordergrund gestellt. In der neuen, digitalen Welt zählen aber für den Kunden nur noch Preis, Angebot und Verfügbarkeit. Diese von Amazon ins Extreme gedachten und umgesetzten Werte trumpfen jedes Mal aufs Neue. So einfach ist das. Wenn man also nicht in jeder dieser Kategorien der jeweils Beste ist, dann machen die neuen Mitbewerber das Rennen. Dann kann man so viele „swivel seats“ haben wie man will, denn der Kunde entscheidet sich trotzdem für die schnelle App, weil er lieber fünf als zehn Minuten wartet, beziehungsweise von der Haustür abgeholt werden und nicht auf offener Straße um ein gerade vorbeifahrendes Black Cab buhlen möchte.

    Vor allem: Als ich den Fahrpreis dann zahlen musste und feststellte, dass dieser einen nicht unerheblichen Prozentsatz des Fluges in die britische Hauptstadt ausmachte, verstand ich, warum immer mehr Briten auf Uber & Co. umsteigen. Das letzte Mal so viel für eine Fahrdienstleistung bezahlt habe ich wohl in Wien nach einer Fiaker-Tour. Das gab auch viel Flair und Tradition – noch dazu mit mehr Romantik und weniger schlechte Laune!

  • Amazon Dorf Talk – Einschätzung zum Prime Day 2018

    Amazon Dorf Talk – Einschätzung zum Prime Day 2018

    Der Amazon Prime Day 2018 war in unseren Augen aus B2C-Sicht ein flop. Neben technischen Problemen, einem neuen nicht gut durchdachten Konzept und schlechtem Targeting haben Christian und ich uns einmal über unsere Eindrücke ausgetauscht. Wie sah es hingegen aus B2B-Sicht aus und wie waren eure Erfahrungen?

    • Amazon ist down: Marketing Gag oder technisches Problem? (ab 1:30)
    • Konzept des Prime Day 2018 und die eventuelle Problematik (ab 3:24)
    • Preisproblematiken und schlechtes Marketing (ab 4:45)
    • Thematik des Targeting (ab 7:10)
    • Keine großen Angebote, bzw. zum Beispiel auf Mobile auch gar nicht gut auffindbar (ab 8:33)
    • Woher kamen dann dennoch die guten Zahlen? (ab 10:14)
    • Der Prime Day 2018 aus Händlersicht (ab 12:54)
    • Abschluss, die Problematik der bisherigen Technologie und wie hat Amazon im Wandel (ab 17:00)

     

  • Vom Salat zur Agentur – Rapid Prototyping mit Moritz Mann

    Vom Salat zur Agentur – Rapid Prototyping mit Moritz Mann

    Moritz Mann, Gründer von Stadtsalat und Protofy, hat sich mit mir in den Etribes-Büros in Hamburg zu einem spannenden Interview getroffen. Im Gespräch erzählt er wie es zu der Gründung von Stadtsalat und Protofy kam und warum es sich seiner Meinung nach lohnt schnell ein MVP (Minimum Viable Product) an den Markt zu bringen und zu testen. Stadtsalat wurde beispielsweise in nur einer Woche auf die Beine gestellt.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Intro Moritz Mann und die Gründung von Stadtsalat
    • Rapid Prototyping vom Salat zur Agentur (ab 9:07)
    • Kunden von Protofy (ab 12:15)
    • Livegang nach einem Wochenende – wie kommt das an? (ab 14:37)
    • Re-Integration des MVPs ins Kerngeschäft (ab 18:30)
    • Kaufangebote nach erfolgreichem MVP? (ab 24:00)

  • Tasty Geheimtipps mit Malte Steiert von Foodguide

    Tasty Geheimtipps mit Malte Steiert von Foodguide

    Wie konnte Foodguide ohne Marketing Budget wachsen? Welche Rolle spielen Instagram und wie wirkten sich TV Auftritte wie bei der Höhle des Löwen auf das Geschäft aus?

    Im Digital Confession Drive Interview erzählt Malte Steiert, CEO & Co-Founder der Foodguide App UG, über das bisherige Wachstum der Company und der Entwicklung von Geschäftsmodellen in einem durch Yelp, Foodora und Co. geprägten Markt.

    • Vorstellung Foodguide
    • Wie kam es zu der Entwicklung der Foodguide App? (ab 5:10)
    • Das Geschäftsmodell dahinter – Monetarisierung der Idee (ab 8:25)
    • Wie groß ist Foodguide heute und woher kam das Funding? (ab 14:20)
    • Werbewirkung und Nebenwirkungen des “Höhle des Löwen” Auftritts  (ab 17:20)
    • Wie sieht die Zukunft aus für die Foodguide App? (ab 19:50)
    • Warum steht der große Investmentcase noch aus? (ab 22:25)
    • Warum zieht der Social-Network-Gedanke bei Investoren nur noch bedingt? (ab 23:45)
    • Ist der Gastronomiemarkt durch Yelp, Foodora und Co. von digitalen Geschäftsmodellen abgeschreckt? (ab 28:00)
    • Expansion außerhalb von Europa? Wo geht die Reise hin? (ab 35:00)
    • Taste Tours und weitere Konzepte (ab 40:00)

  • Böses Erwachen im Matratzenlager

    Böses Erwachen im Matratzenlager

    Wie regelmäßige Leser wissen, rauben Matratzen mir seit längerem den Schlaf. War es für mich doch von Anfang an unverständlich, wie sich Start-Ups wie Casper, Emma, Bruno und wie sie alle heißen mittels eines einzelnen, äußerst sperrigen Produkts mit sagenhaft niedriger Wiederkaufsfrequenz dauerhaft am Markt zu behaupten gedachten. Ich habe versucht, das Thema von allen Seiten zu beleuchten und mich an Fachleute gewandt wie Boris Thomas von Lattoflex, um auf Nummer sicher zu gehen, dass ich nichts übersehen hatte. Aber das Ergebnis war und blieb: Das konnte einfach nicht funktionieren, weil es gegen sämtliche E-Commerce-Regeln geht, Kunden teuer zu akquirieren, um ihnen nur einmal etwas zu verkaufen.

    Und trotzdem floss den Matratzen-Me-Toos mit den lässigen Vornamen das Investoren-Geld in immer größeren Mengen zu: Man konnte der Blase beim Entstehen förmlich zugucken. Es war gewissermaßen wie in einem Alptraum, in dem man mitten in einer fröhlich-lachenden Gesellschaft schreit, so laut man kann, um vor einer drohenden Gefahr zu warnen – und keiner hört hin.

    Jetzt wachen aber alle nach einer hitzigen Nacht im kühlen Morgenlicht auf. Die britische Eve bleibt weit unter den eigenen Umsatzzielen für 2018 stecken und zieht sich aus einigen europäischen Märkten – vor allem Deutschland – zurück. Das Berliner Start-Up muun ist nun insolvent. So komme ich aus einem Zustand zu mir, in dem ich mich teilweise fragte, ob doch nicht ich von Sinnen sei und die anderen irgendwie eine Einsicht hätten, die mir verwahrt blieb. Matratzen-Start-Ups und Investoren werden hingegen aus einem schönen Traum geweckt, in dem sie glaubten, die Regeln der Schwerkraft überwunden zu haben.

    Beim bösen Erwachen müssen aber alle jetzt das einsehen, was mir und einigen anderen E-Commerce-Experten, auf die der Matratzen-Markt-Schlaftrunk nicht so recht einwirken wollte, schon immer auffiel.

    1. Nur weil ein Markt riesengroß ist, heißt es nicht unbedingt, dass da immer etwas zu holen ist. Ja, alle müssen schlafen. Alle müssen aber auch essen – und guckt euch mal die Margen im Lebensmittelhandel an! Weder Lebensmittelproduzenten noch Supermärkte verdienen besonders üppig: Nur über die Größe geht‘s. In der Gastronomie stehen Wirte meistens vor der Entscheidung, entweder das Personal oder das Finanzamt zu betrügen. Und bei den Online-Essenslieferdiensten ist die Konkurrenz brutal und die Marge messerfein. Zum Thema Essen übrigens: Alle müssen ebenfalls aufs Klo, aber die städtischen Wasserwerke, die die Sielnutzungsgebühren abkassieren, sind deswegen auch noch lange keine Gewinnmaschinen.
    2. Manche Produkte sind eben schwierig – vor allem in E-Commerce. Wie der Kollege Graf in einem Podcast mit dem Matratzen-Concord-Digitalchef Marcus Diekmann detailliert herausarbeitete, ist es ein Gerücht, dass Matratzen nur ein paar Euros in der Herstellung kosten. Zudem sind sie groß und sperrig, müssen aber gelagert und geliefert werden. Die im Online-Handel üblichen Retouren sind dabei praktisch immer Totalabschreibungen, weil der Verbraucher die Idee einer „gebrauchten Matratze“ im Einzelhandel eklig findet (dafür im Hotel irgendwie nicht). Dann kommt die Qualitätsfrage: Das Casper-Bruno-Eve-Konzept „Eine Matratze für alle!“ lehnen Fachleute allein schon aus dem Grund ab, weil die Gewichtsspanne bei erwachsenen Menschen von 40 Kilo bis 140 Kilo reicht. Der Marketingspruch lässt Erwartungen hochleben, die schlichtweg nicht erfüllt werden können.
    3. Ohne Wiederkäufer gibt es kein profitables Auskommen im E-Commerce. Der Deutsche kauft durchschnittlich alle 10-15 Jahre eine Matratze. Punkt. Auch wenn sie bis dahin total durchgelegen ist und nach Meinung der Schlafforscher schon früher ersetzt werden müsste, wird sie eben in dem Rhythmus gekauft. Ich muss also mit dem ersten Kauf schon eine sehr fette Marge einfahren, um auf meinen Deckungsbeitrag zu kommen. Denn die Akquisitionskosten sind hoch. Die schöne Idee, dass ich alternativ den einmal gewonnenen Kunden mit Bettwäschen und anderen Einrichtungsobjekten profitabel beglücken kann, läuft zudem ins Leere: An den Matratzenkauf denkt der Kunde eben alle zehn Jahre. Dazwischen sieht er schöne Bettwäsche stationär überall liegen oder sucht sie online mit höchster Wahrscheinlichkeit der Gewohnheit nach beim Plattformmarktplatz seines Vertrauens.

    Alle diese elementaren Haken an der Sache wurden nicht nur übersehen von den Scharen an Matratzen-Konzepten, die dem von Casper geschlagenen Pfad folgten, und den Investoren, die ihnen dabei Geld hinterherschmissen – nein, sie wurden noch zugespitzt. Großer Markt? Wird aber für jeden kleiner, wenn alle da gleichzeitig reinwollen. Schwierige Produkte? Werden noch komplizierter, wenn alle mit nahezu identischen Einheitsvarianten den Preis nach unten und die Erwartungen nach oben treiben. Teure Marketingkosten? Werden erst recht exorbitant, wenn alle auf dieselben Keywords bieten. Denn – und das ist auch noch so eine Tatsache, die alle übersahen – der Matratzenmarkt ist längst nicht so „offline“, wie alle das glauben und Gründerszene das schreibt (vermutlich deswegen, weil Innenstadtrandbereiche heutzutage gefühlt zu 90% aus Dänisches-Bettenlager-Matratzen-Concord-Filialen bestehen). Umfragen deuten doch darauf hin, dass schon vier Fünftel aller Matratzenkäufer ihre Customer-Journey online beginnen (siehe noch einmal den Podcast von Alex und Marcus). Wir schreiben eben nicht mehr 2008. Es liegen nicht mehr so weite Felder online brach rum, die man billig mit Google AdWords und Amazon Search Advertising bestellen kann, um danach die ganz große Ernte einzufahren.

    Insofern bleibt festzuhalten, dass das Geschäftsmodell – wie eine der von Casper & Co. vertriebenen Matratzen – im Kern aus Schaum besteht. Das, was wir in den letzten Tagen sehen, ist keine „Konsolidierung“, wie das Deutsche Start-ups nennt: Das ist das Ende.

    Das schöne Geld der dem Hype verfallenen Investoren ist dabei schon ausgegeben worden: Google, Amazon und alle anderen, die an Performance-Marketing verdienen, haben es eingesackt. Und hierbei sprechen wir über Beträge, die einem die Tränen in die Augen treiben könnten, wenn man denkt, was man damit alles Interessantes hätte finanzieren können: DN Capital war an einer 22-Millionen-Pfund-Runde für Eve beteiligt! Aber was soll’s: VCs werden weiterhin ihrem Herdentrieb folgen. Und leider mangelt es vielen institutionellen Investoren und den Fonds, denen sie ihre beträchtlichen Umfänge anvertrauen, an digitalem Knowhow (mehr zu diesem, meinem Lieblingssteckenpferd, hier).

    Die einzigen, die aus der ausgeträumten Mär am Matratzenmarkt jetzt noch Gewinn schlagen können? Naja, wenn ich ein großer Matratzenhersteller wäre, würde ich einfach die Domains aus der Insolvenzmassen für fast nichts kaufen und auf ein eigenes Portal umlenken. Aber zum Glück habe ich nicht so viel mit dem Matratzenmarkt zu tun – und die Dinge rauben mir nun nicht mehr den Schlaf!

  • Butter bei die Fische – Digitale Bierverkostung mit Helge Morgenstern

    Butter bei die Fische – Digitale Bierverkostung mit Helge Morgenstern

    Ein spannender Bereich ist die Verknüpfung der digitalen Welt in den Bereichen „Food“, „Ernährung“ und „Getränke“. Helge Morgenstern, Gründer der Weinsuchmaschine Vinoa.de, hat bereits viel Erfahrung in diesem Bereich. Aktuell ist er bei der Nordmann Unternehmensgruppe tätig, einem Getränkehändler, für den Helge die Bereiche Digital und New Business betreut.  In unserer ersten Ausgabe von „Butter bei die Fische“ hat er mich nicht nur auf eine Bierprobe mit viel Informationen eingeladen, sondern wir diskutieren, wie die Digitalisierung das Thema Handelsketten und Zwischenhändler verändert, wie Kunden Getränke heutzutage einkaufen und wie sich auch der Bereich der Gastronomie verändert. Da wir hier noch ganz am Anfang stehen, gebt uns zu diesem Format gern Feedback und Fragen oder aber auch Vorschläge zu Themen die ihr spannend findet.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Intro Thema und Vorstellung Helge Morgenstern und Nordmanngruppe
    • Ratsherren und Trends (ab 3:40)
    • Wie kam Helge Morgenstern in den Bereich Digitalisierung und Getränke? (ab 6:20)
    • Die Gründung und der Mehrwert von Vinoa.de, einer Weinsuchmaschine (ab 19:37)
    • Haupt-Learnings aus dem Aufbau von Vinoa.de (ab 31:46)
    • Trends und Schwerpunkte für 2018 (ab 35:57)

  • Es eilt: Controlling und die (Nicht-)Digitalisierung

    Letztens stieß ich bei FAZ.net auf einen interessanten Artikel von den Direktoren des Instituts für Management und Controlling der WHU – Otto Beisheim School of Managment, Utz Schäffer und Jürgen Weber. Titel: „Der Controller verliert die Kontrolle“; Tenor: Wie eine Umfrage ergebe, sei der Mangel an Digitalverständnis unter denjenigen, die börsennotierte Unternehmen quantifizieren, betreuen und mitsteuern sollen, regelrecht erschreckend. Die Controller selber stellen sich das niederschmetternde Zeugnis aus: Laut den Autoren gaben nur 26% der Befragten an, die auf ihre Umfrage reagierten, dass sie die bislang getätigten Investitionen in die Digitalisierung des Controllings in deren jeweiligen Unternehmen für ausreichend hielten.

    Was als „Schock-Ergebnis“ daherkommen sollte, überraschte mich ehrlich gesagt nicht. Denn auf die Notwendigkeit eines Controllings, das den Realitäten des digitalen Zeitalters gerecht wird, habe ich schon das eine oder andere Mal hier hingewiesen und dabei wichtige Fragestellungen diskutiert: Wie bewertet man eigentlich E-Commerce-Geschäftsmodelle? Wie führt man eine angemessene Due-Diligence im digitalen Umfeld durch? Etwas breiter gefasst habe ich auch mal über die Rolle des Controllings insgesamt im Konzern- sowie Investorenumfeld  berichtet und welchen Platz Beratungsunternehmen hier einnehmen können. Aber es geht hier nicht um „Hab‘ ich doch gesagt!“ und „Hatte ich doch recht!“ Ich will eben aufrichtig hoffen, dass ein aufsehenerregender Artikel auf einem so reichweitestarken Portal wie FAZ.net seinen Teil dazu beiträgt, dass das Thema breiter in der Wirtschaft verankert und auch endlich angegangen wird.

    Ich stehe mit meinem Gefühl, dass es mit der Digitalisierung im Controlling noch deutlich zu langsam vorangeht, keineswegs alleine da. Der Kollege Alex „Kassenzone“ Graf etwa hat schon mit mehreren profilierten Gesprächspartnern über den Stillstand gesprochen. Im Gespräch mit Iskender Dirik von Microsoft for Start-ups letztes Jahr zum Thema Corporate Venture Capital etwa merkte Letzterer an:

    „Ein alteingesessener M&A-ler, der auf EBIT-Basis einkauft und das Venture-Geschäft nicht versteht, kann hier wenig beitragen. Für den Corporate-VC bringt das nichts – und schlimmstenfalls sitzt er auch noch im Investment-Committee und macht einem ein Strich durch die Rechnung: „Häh? Verstehe ich nicht. Hier sind überall rote Zahlen drunter!“ Da sagt der VC-Mensch: „Rote Zahlen sind doch mein Geschäft!““

    Oder, wie es vor ihm Florian Heinemann – ebenfalls im Gespräch mit Alex – formulierte:

    „Die Beurteilung eines digitalen Geschäftsmodells in der frühen Phase erfordert ein ganz anderes Controlling: Traditionelle Ansätze passen schlecht auf digitale Start-ups. Die Otto-Group controllt schließlich ein AboutYou anders als so ein BonPrix – zu Recht! Aber das will erstmal gelernt werden.“

    Dennoch wird vielerorts im Controlling genauso weitergemacht, wie es schon immer gemacht worden ist. Das Schaurig-Faszinierende an dem FAZ-Artikel ist dabei, dass erstens vielen Controllern in der Deutschland AG völlig klar ist, wo die Versäumnisse liegen. Sie laufen also sehenden Auges mit Milliardenschweren Unternehmen ins Minenfeld. Und zweitens ist der Mangel an Digitalwissen im Controlling nicht nur bei Übernahmen oder Investitionen gefährlich, weil hier falsch gekauft, beziehungsweise aus Missverständnis nicht gekauft wird, sondern er bremst auch eine vernünftige Aufsicht der Vorgänge innerhalb eines bestehenden Unternehmens nach Stand der Technik aus. Dies wird vor allem in Bezug auf Big-Data klar, zu dem die FAZ-Autoren aus ihren Ergebnissen vermerkten:

    „Die befragten Controller sind denn auch ganz überwiegend der Meinung, dass insbesondere im Bereich von Data Science und IT Kenntnissen, aber auch bei eher weichen Fähigkeiten wie Kommunikationsfähigkeiten und Change Management Nachholbedarf besteht. Gleichzeitig registrieren wir vielfach eine gewisse Hilflosigkeit bei der Frage, wie die identifizierte Lücke geschlossen werden soll.“

    Zu meinen Ohren hört sich das nicht nur resigniert an, sondern nach massenhaftem Verstoß gegen das Aktiengesellschaftsrecht. Denn: Wenn die technische Möglichkeit nun gegeben ist, mehr Daten als je zuvor über die Aktivitäten des eigenen Unternehmens zu erfassen und präzise auszuwerten, von dieser Möglichkeit aber kein Gebrauch gemacht wird – worüber sich die zuständigen Abteilungen noch dazu völlig im Klaren sind – dann ist das meines Erachtens grob fahrlässig. Oder, wie die Autoren der Studie es formulieren: „Ausreden sind also nicht mehr möglich. Die Uhr tickt.“

    Nun doch genug der Schelte! Dass die Akteure, auf die es ankommt – also: die Controller selbst –, ein Problembewusstsein entwickelt haben, ist ein großer Fortschritt und stellt eine Basis dar, auf der man aufbauen kann. Unternehmen, die ihre Verantwortung wahrnehmen wollen, in der digitalisierten Wirtschaft sachkundig handeln zu können, stehen zwar vor einer Lernkurve. Aber sie stehen weder alleine noch mittellos da! Leute, die sich zu digitalem Controlling schon länger Gedanken gemacht haben, gibt es ja ein paar.

  • Der M&A-Markt im Zeitalter der digitalen Transformation – Mark Miller von CatCap GmbH

    Wie hat sich der M&A-Markt in den letzten zwei Jahrzehnten entwickelt? Welchen Einfluss hat die digitale Transformation auf dieses Geschäftsfeld? Mark Miller, geschäftsführender Gesellschafter der CatCap GmbH erzählt im Digital Confession Drive Interview, mit Arne Stoschek, Geschäftsführer von Etribes, wie sich der Merger & Acquisitions-Markt entwickelt hat, welche Einflüsse die digitale Transformation hat und welche Unterschiede es zwischen den amerikanischen und europäischen Industrien liegen.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Intro Mark Miller
    • Wie hat sich der M&A-Markt in den letzten Jahren verändert? (ab 1:03)
    • Gibt es den klassischen M&A-Kunden? (ab 3:06)
    • An welche Investoren werden die Deals vermittelt? (ab 6:05)
    • Das Geschäftsmodell von CatCap (ab 7:14)
    • Aktuelle Themen im M&A-Markt (ab 7:45)
    • Abgrenzung der M&A-Märkte: Amerika vs. Deutschland (ab 9:50)
    • Silicon Valley ist gesättigt – wie die europäische Industrie davon profitieren kann (ab 11:15)
    • Die Internetbranche – ein Risiko Markt? (ab 18:25)
    • Zusammenarbeit mit Investoren (ab 21:00)
    • Ab wann ist ein Börsengang in Deutschland sinnvoll? (ab 22:15)
    • Investition in den Panic-Button (ab 27:16)

  • Digitalisierung in Südostasien – Ein Einblick mit Max Scheichenost

    Max Scheichenost ist vor sechs Jahren nach Südostasien ausgewandert. Dort leitet er die Internetagentur Falcon Agency und ist selbst Gründer und Managing Partner von Alps Ventures, einem Inkubator für Digitalagenturen, mit Sitz in Singapur. Die Zeit in der er auswanderte beschreibt er als „Disneyland für Unternehmer“, er fand quasi einen Markt vor in dem noch alles möglich war und viel ausprobiert werden konnte. Im Gespräch mit Digitalkaufmann.de gibt er einen Einblick wie sich dieser Markt entwickelt hat, welche Projekte gerade ihn für sein Team spannend sind und wie die digitale Welt in Südostasien heute aussieht.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Intro Max Scheichenost
    • Südostasien per Definition (ab 1:58)
    • Falcon Agency & Alps Ventures (ab 3:53)
    • Inwiefern ist digitales Know How aus Europa „exportierbar“ und wie sah der Markt noch vor sechs Jahren aus? (ab 6:08)
    • Wie sieht der digitale Markt in Südostasien heute aus und wie geht man mit dem Thema Talente/Mitarbeiter vor Ort um? (ab 9:55)
    • Was sind die momentanen Hauptprojekte und Themen von Max und seinem Team? (ab18:15)
    • Hat man in Südostasien als Unternehmen noch die Chance eine eigene Kundenbindung herzustellen, ohne sich die Kunden von großen Plattformen wie Amazon oder Alibaba zu „mieten“? (ab 21:15)
    • Ausblick auf die Zukunft der großen Player am Markt – Wer wird in Südostasien das digitale Rennen gewinnen? (23:50)

    Eine kleine Anmerkung noch:
    Leider durften wir im SOHO House Berlin nicht filmen, daher gibt es ein Foto von uns und ansonsten den strahlend blauen Himmel über den Dächern Berlins

     

  • borek.digital – „Machen wir mal“ – Ein Accelerator Programm aus Braunschweig

    borek.digital – „Machen wir mal“ – Ein Accelerator Programm aus Braunschweig

    Wie bekomme ich heutezutage als Unternehmen die passenden Leute zu mir, wenn ich nicht in den digitalen Hubs wie Berlin, Hamburg oder München sitze? Richard Borek, von Richard Borek GmbH & Co. KG und sein Team, haben sich genau dieser Problematik gestellt und unter dem Motto „Machen wir mal“ das Accelerator Programm borek.digital in Braunschweig ins Leben gerufen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Es gibt jungen Leuten vor Ort die Chance ihre Startup Ideen vorzustellen, genauer zu durchdenken und bestenfalls auch noch umzusetzen. Ich selbst habe mir als Teil der Jury des letzten Startup-Weekends ein Bild machen dürfen. Erfahrt hier selbst, was da in Braunschweig auf die Beine gestellt wurde.

    • borek.digital – Startup Weekend (ab 1:45)
    • borek.digital – Accelerator Programm (ab 7:39)
    • Welche Unterstützung/Beschleunigung bietet das Programm (ab 9:02)
    • Braunschweig als Standort mit der TU Braunschweig (ab 12:20)
    • Anzahl Gründerinnen vs. Gründer in Braunschweig (ab 20:30)
    • Abschluss und bereits entstandene Gründungen (ab 24:40)