Schlagwort: Digitaler Wandel

  • Apocalypse now (no, really!)

    Apocalypse now (no, really!)

    Ich habe mich vor paar Jahren mal als eine „Kassandra qua Amt“ bezeichnet, weil ich als Digitalstratege eigentlich immer der Überbringer von Hiobsbotschaften bin à la „Ihr Geschäftsmodell hat in der digitalen Welt nunmehr keine Daseinsberechtigung“ und „In Zeiten von Amazon ist Plus-minus-Null die neue Rendite“ oder „Die allermeisten stationären Flächen werden in der derzeitigen Nutzungsform nicht überleben“. Und daran muss ich wieder in diesen Tagen denken, weil die Nachrichtenlage im Einzelhandel (und nicht nur da!) gerade wieder sehr düster aussieht. Gerry Weber, Esprit, und anderen geht es schlecht bis grottig. Galeria-Kaufhof schrumpft sich gerade ungesund! Wohin man nur guckt, sieht man Insolvenzen, Entlassungswellen und Managerwechsel. Es hört sich in den Fußgängerzonen von vielen deutschen Städten nach Heulen und Zähneklappern an.

    Und so fängt jetzt die Apokalypse an, die stets dem deutschen Einzelhandel prophezeit wurde. Erste Verfallserscheinungen gab es natürlich immer wieder – Weltbild, Karstadt und einige andere Größen fielen vergleichsweise früh. Hier konnten aber Analysten, die weniger ganzheitlich denken, immer wieder spezifische Gründe aufführen, was die betreffenden Manager alles falsch gemacht hatten und wie schlecht die Konzepte waren – warum also gerade diese (aber eben nicht alle) Anbieter verschwinden oder sich verschlanken mussten. Andere beteten wiederum das Märchen von einer „Eintrübung der Konsumlaune“ oder „verlangsamten Wachstum“ auch dann herunter, als die deutsche Wirtschaft unübersehbar boomte und die Zahl der Beschäftigten auf ein Rekordniveau stieg. Wie auch immer die fragwürde Exegese: Wo ich die Vorwehen eines die Landschaft des Einzelhandels entrückenden Erdbeben endzeitlichen Ausmaßes spürte, sahen viele andere nur lauter flimmernde Einzelfälle.

    Wie geht noch mal das schöne Sprichwort? „Ein Prophet vor seiner Zeit wird für einen Irren genommen“ oder so ähnlich? Und wer immer wieder die Einzelhandelsapokalypse vorhergesagt hat – wer immer wieder auf sinkende Frequenz, stagnierenden Umsatz und fallende Bewertungen hingewiesen und gesagt hat: „Das kann nicht mehr lange halten“  –, der fragt sich irgendwann auch: „Na, wann kommt es denn endlich? Oder habe ich vielleicht doch was übersehen…?“ Ein bisschen kam ich mir manchmal vor wie der Junge, der Wolf schrie: „Leute, gleich ist hier Untergang! Endabrechnung! Apokalypse! Nee, warte, gleich… Also: Jetzt! Okay, immer noch nicht… Aber das kommt noch!“

    Wie auch immer ich mir das ganze ansah, kam ich allerdings immer wieder zum selben Schluss: Es dauert zwar etwas länger, als ich dachte, aber es wird kommen. Und wenn es kommt, wird es schneller gehen, als die meisten denken. Und so wage ich mal eine relativ spezifische Prognose: 2019 wird das Jahr der B2C-Insolvenzen in Deutschland. Bis Anfang 2020 wird die Einzelhandelslandschaft in Deutschland bis zur Kenntlichkeit entstellt worden sein.

    2019: Das Jahr der Offenbarung im Retail – online wie offline

    „Bis zur Kenntlichkeit“? Ja, denn die Welle an Pleiten wird nur das vor Augen führen, was man eigentlich schon hätte sehen sollen: Die Kunden wollen online kaufen – und sie wollen das möglichst günstig, möglichst schnell und mit möglichst viel Auswahl tun. Das fiel nur lange nicht so stark auf, weil sich manch ein stationäres Konzept gut durch die letzten Jahre durchmogeln konnte: Der Wirtschaft ging es gut und die Geldbörsen der Konsumenten saßen locker, weshalb man stagnierte, anstatt zu schrumpfen; Finanzierungsmittel gab es deswegen auch reichlich, womit die ganzen sinnlosen Sanierungen, Omnichannel-Einführungen und was-weiß-ich-nicht alles bezahlt werden konnten; und Städte und Eigentümer zogen bei Mietkonditionen mit, wenn die Einzelhändler ihnen die Pistole auf die Brust setzten und – einem verzweifelten Spieler gleich – versprachen, bei der nächsten Partie würden sie doch alles zurückgewinnen.

    Das wird 2019 vorbei sein. Die nächste Partie kommt nicht. Denn jetzt schwindet die Zuversicht in der Wirtschaft, sowohl beim Konsument als auch beim Investor. Und Thema Investoren: Das wird übrigens nicht nur stationäre Einzelhändler treffen. Anleger bewerten längst so manch ein Online-Handelskonzept viel kritischer als noch vor einigen Jahren. Der Glaube nämlich, dass die fundamental schlechten Kennzahlen von so einem Zalando auf Skalierungseffekte oder Wachstumsschmerzen zurückzuführen sind und dass, einmal die Marktdominanz endgültig erreicht, die schöne profitable Zeit kommt, schwindet angesichts des Leibhaftigen: Amazon. Der Beelzebub aus Seattle bedeutet nicht nur den Untergang des stationären Einzelhandels, sondern auch den des Online-Shops mittlerer Größe. Selbst den Marktzweiten und -dritten macht er die Hölle heiß und lässt ihre Erträge schmelzen. Jochen Krisch hat 2017 mit seiner Einzelhandels-Todesliste für wohliges Gruseln gesorgt: Zu den 50 am gefährdetsten Händlern von vor 18 Monaten würde ich mittlerweile eine ganze Reihe von 08-15-Onlinern hinzufügen, die gegen Amazon einfach keine Berechtigung mehr haben.

    Denn so simpel ist es eigentlich: Wer nicht in der digitalen Welt eine überzeugende Story hat – also es sich gemütlich gemacht hat in der Fußgängerzone von kleineren Großstädten – ist für Kunden zunehmend unsichtbar und unattraktiv. Und selbst wer den Sprung ins Digitale geschafft hat oder schon immer dort zu Hause war, braucht eine gewisse Größe und eine hohe Schmerztoleranz, um gegen die vier apokalyptischen Reiter mit den Buchstaben G, A, F und A durchzuhalten.

    Nennt mich also gern weiterhin Kassandra. Oder vielleicht – der Schwere der 2019 zu erwartenden Verwerfungen entsprechend – Nostradamus?

  • Pflege auf direkterem Weg – Willi Schukin über die App pflegefusion

    Pflege auf direkterem Weg – Willi Schukin über die App pflegefusion

    Wie kann man die Vermittlung von Pflegekräften vereinfachen? Momentan werden sie über Agenturen vermittelt, was teils mit großem bürokratischen Aufwand verbunden ist. Letztendlich kommt dadurch auch weniger Gehalt bei den Pflegekräften an. Willi Schukin, CEO der Pflege-Vermittlungsplattform pflegefusion, hat selbst Erfahrungen als Pflegekraft gesammelt. Zusammen mit seinem Team hat er sich einen Weg überlegt, der Pflege direkter, fairer und passender für alle Beteiligten vermittelt.

    • Vorstellung Willi Schukin und pflegefusion (ab 1:12)
    • Willi Schukin über seine persönliche Erfahrung als Pflegekraft in einem Pflegeheim (ab 5:15)
    • Der bisherige Weg zur Vermittlung einer Pflegekraft vs. die Vermittlung durch die App pflegefusion (ab 9:00)
    • Vorteile und Differenzierung durch die App (ab 14:55)
    • Aktueller Stand der Entwicklung der App und Netzwerkaufbau (ab 20:30)
    • Verhältnis von pflegefusion zu anderen Pflegeportalen und Differenzierung (ab 25:39)
    • Thema Funding (ab 28:55)
    • Geplante Reinvestitionen in behindertengerechtes Wohnen (ab 30:42)
    • Profil Willi Schukin (ab 32:45)
    • Abschluss (ab 37:50)
  • Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH über die Entstehung von real.digital

    Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH über die Entstehung von real.digital

    Was macht eine erfolgreiche Verschmelzung von Start-Up und Corporate aus? Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH berichtet in diesem Gespräch von seinen eigenen Erfahrungen mit Hitmeister GmbH und real.de. Was waren die damit verbundenen Herausforderungen und wie wichtig war dabei auch die menschliche Ebene, auf Basis der real.digital letztendlich erfolgreich entstanden ist?

    • Intro und Vorstellung Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH
    • Warum Hitmeister und real.de? (ab 1:01)
    • Die erfolgreiche Verschmelzung zwischen Corporate und Start-Up zu real.digital (ab 7:59)
    • Der Prozess der Acquisition und Intergration von Hitmeister (ab 12:27)
    • Die technologische Evolution (ab 16:23)
    • Herausforderung: Wie passen die Unternehmen zusammen? (ab 20:04)
    • Sicherung des Qualitätsstandarts (ab 25:15)
    • Wie zeigten sich erste Erfolge? (ab 26:29)
    • Gewichtung online und offline in der Transaktion (ab 29:18)
    • Wie wird der Erfolg von Real Digital gemessen? (ab 38:20)
    • Was hat den Deal so erfolgreich werden lassen? (ab 40:30)
    • Neue Herausforderungen für Philipp Blome (ab 43:35)

  • Tobias Meuser-Schaede über die digitale Entwicklung von Fissler

    Tobias Meuser-Schaede über die digitale Entwicklung von Fissler

    Wie sieht die aktuelle Entwicklung von Fissler GmbH aus, und ist Amazon Basic eine Bedrohung?

    Tobias Meuser-Schaede, Leiter E-Commerce von Fissler, erklärt im Digital Confession Drive mehr über die Weiterentwicklung der digitalen Vertriebskanäle von Fissler. Sieht er Amazon Basic als Bedrohung oder vielleicht sogar als Chance?

    • Endkunden Kontakt (ab 2:30)
    • Wie wird Fissler Werbung auf Amazon angenommen? (ab 3:40)
    • Neue Anwendungsfelder von Fissler (ab 8:00)
    • PIM Anbindungen (9:00)
    • Gefahren und Chancen durch Amazon Basic (ab 11:00)
    • Entwicklung von Vertriebswegen (ab 18:30)
    • Die größten Learnings aus dem Fissler Headquarter (ab 21:30)

  • Amazon und die Apotheker #1: das Szenario für 2019 und 2020

    Amazon und die Apotheker #1: das Szenario für 2019 und 2020

    Zum Start in dieses Jahr möchte ich euch mit einer Serie zu einem wichtigen Thema für 2019 beglücken. Wobei das Glück von der Perspektive der Leser abhängt. Es geht um die Bedrohung des hiesigen Gesundheitssektors durch Amazon – mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen! Die Akteure in diesem Bereich – vom Apotheker um die Ecke bis hin zu Ärzten und Versicherungsvertretern – sind einem erheblichen Risiko ausgesetzt und benötigen zukünftig ein starkes Nervensystem. Seid also gewarnt: nach der Lektüre können unangenehme Nebenwirkungen wie Angstzustände, Schlafstörungen und krankhaft wiederkehrende Alpträume auftreten! Neben ein paar Erkenntnissen natürlich.

    Denn Online-Monopolist Amazon – der größte und wertvollste Händler der Welt, dessen weltweiter Umsatz täglich um mehrere Milliarden wächst – interessiert sich nun für den – deutschen -Gesundheitsbereich.

    Ja, das ist als Drohung zu verstehen! Denn es geht hier um das Überleben ganzer Berufszweige.

    Gefahr für Apotheken!

    Aber warum will der US-Gigant in den deutschen Gesundheitsmarkt vordringen? Aus genau denselben Gründen, weshalb er sich bereits den Buchhandel und das Geschäft mit Filmen und Musik, den Verkauf von Consumer-Electronics, weißen Geräten und Heimwerkerbedarf oder Webhosting und Großhandel vorgeknöpft hat: Weil die Versorgung mit Arzneimitteln und medizinischen Dienstleistungen einen riesigen Markt darstellt, in dem die bestehenden Anbieter aus Sicht des Konzerns ineffizient arbeiten und sich zu hohe Margen genehmigen. Deshalb rechnet sich Amazon hier gute Chancen aus, mit seinem schlankeren Modell den Kunden ein besseres Angebot machen zu können. Denn am Ende ist es klar, dass das wertvollste Unternehmen der Welt den Endkunden mit Abstand am besten versteht und somit erfolgreich in fast jede Industrie problemlos eindringen kann.

    Ich weiß, dass ich mich mit solchen Aussagen auf vermintes Terrain wage. Wie jemand, der gerade im Alptraum feststeckt und wiederholt „Nein! Nein! Nein!“ schreit, heulen die Interessenverbände auf, wenn man zum Beispiel das naheliegenste Schreckensszenario Versandhandel vor ihnen ausbreitet. Das hat letztes Jahr der Kassenzone-Kollege Alex Graf erfahren, als er die Frage stellte, wie verzichtbar Apotheken in Deutschland sind und die Widerrede erschallte: „Du hast doch gar keine Ahnung!“ Irgendwie nachvollziehbar: Kein Mensch hört gern, dass er ersetzbar ist. Kein Händler, der in seine Fläche und sein Personal investiert hat und ausgesprochene Produktexpertise besitzt, lässt sich gern sagen, dass genau das vielen Kunden wurscht ist, weil sie zum Anbieter gehen, der billiger verkauft, immer aufhat und auch noch nach Hause liefert. Kein Ladeninhaber, der jeden Monat genau nachrechnen muss, wieviel er sich auszahlen kann (ob überhaupt!), hat dafür Verständnis, wenn man ihm sagt, er nehme eine zu hohe Marge.

    Aber so ist nun mal der Sachverhalt. Es gibt keinen Grund, warum stationären Apothekern nicht das blühen soll, was Buchhändlern, Elektronikfachhändlern und allen anderen, die mit standardisierten, austauschbaren Produkten auf einer stationären Fläche handeln, schon widerfahren ist. Das Modell „Apotheke in jeder Einkaufsstraße“ hat vermutlich nur so viel länger (mehr schlecht denn recht) überlebt, weil es bislang einen höheren Regulierungsschutz genossen hat. Im Umkehrschluss ist dieses Modell aber nur zwei oder drei Lockerungen der gesetzlichen Bestimmungen zu Rezepten und Arzneiversand vom Untergang entfernt. Werft bitte nicht nach mir mit dem Glas vom Nachttisch! Den Boten trifft ja keine Schuld.

    Logistik kills it all

    Dass es Amazon ist, der an diesem Untergang verdienen wird, ist übrigens so gut wie ausgemacht. Woher kommt diese Annahme? Lasst uns eine kleine Konzernaufstellung Stand heute mit einer Kurzfassung der Entwicklung der letzten paar Jahre machen. In Puncto schiere Größe wird nur für Q1 2018 der Umsatz von Amazon in Deutschland auf rund 4,8 Milliarden Euro geschätzt. In der Disziplin Logistik ist der Konzern derart zu Hause, dass etwa eine eigene Flugzeugflotte eingesetzt und die Lieferung per Drohne getestet wird. Amazon bildet Warenbewegungen innerhalb Europas mittlerweile so effizient ab, dass sich Cross-Border-Verschiebungen bereits bei nationalen Preisunterschieden in Höhe von Cent-Beträgen rechnen. In Deutschland werden derzeit elf Logistikzentren sowie sieben Verteilzentren betrieben. Darüber hinaus befassen sich an diversen Standorten Forschungs- und Entwicklungszentren mit neuesten Technologien. Weltweit beschäftigt Amazon 560.000 Mitarbeiter, wobei allein 2017 130.000 neue Stellen entstanden sind. In Deutschland arbeiten rund 12.000 festangestellte Vollzeitmitarbeiter für den Konzern.

    Mit eigenen Marken und Produkten unverzichtbar werden

    Derweil lassen sich die Leistungen und Produkte Amazons in drei Gruppen unterteilen: Produkte, Services und Prozesse. Das Produktsortiment umfasst schon lange nicht mehr nur Fremdmarken sondern zunehmend auch Eigenmarken wie Happy Belly oder Amazon Basics sowie die Geräteserien Echo, Fire TV und Kindle, die Amazon stärker in den Alltag der Kunden integrieren. Die damit verbundenen Dienstleistungen reichen von Prime Streaming-Diensten für Musik über Video bis hin zu Leihbüchereien. Zuletzt zählen noch Prozesse wie der Hosting Dienstleister AWS zum Leistungsportfolio Amazons in Deutschland. Im Juni 2016 startete zudem Amazon Business in Deutschland, neben den USA damals der zweite B2B-Markt. Zählte das neue Angebot im April 2017 noch 50.000 Kunden, waren es im Dezember 2017 schon 150.000. Anders als in den USA, wo Amazon bereits kleine Krankenhäuser und Städte mit Produkten für den Gesundheitsbereich beliefert, ist Amazon allerdings noch nicht im deutschen B2B-Healthcare Markt aktiv.

    Aber wer wollte wetten, dass das so bleibt? Und wer wollte Geld darauf setzen, dass Amazon – mit seiner in Deutschland bereits verfügbaren Infrastruktur – das lukrative B2C-Arzneimittelgeschäft gänzlich den aus dem Boden sprießenden Online-Apotheken überlassen will?

    Deshalb folgende Thesen für dieses neue Jahr 2019 und die kommenden 24 Monate

    i) Analog zur Akquisition von PillPack in den USA wird Amazon in das deutsche Apotheken Business vordringen.

    Im Juni 2018 stieg Amazon mit der Übernahme der amerikanischen Online-Apotheke PillPack in den Medikamentenhandel ein. Mit diesem Schritt geht es Amazon neben der Erweiterung seines Portfolios auch um die Skalierung eines ausgefeilten Geschäftsmodells.

    Es ist naheliegend und nur eine Frage der Zeit, dass Amazon in Deutschland bald ebenfalls in das lukrative Apotheken-Business einsteigen wird. Hierzu könnte der Gigant eine bestehende Versandapotheke akquirieren oder aber das Abo-artige Geschäftsmodell von PillPack (siehe ii) in den deutschen Markt überführen, sobald der Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten auch hierzulande zugelassen wird.

    ii) Amazon ist mehr als ein Paketversender. Wie bei PillPack wird es einen klaren Kundenmehrwert geben, direkt über Amazon zu bestellen.

    Zu der Zielgruppe PillPacks zählen insbesondere alte und chronisch kranke Patienten, die ihre Rezepte online einreichen können. Statt komplette Arzneimittelpackungen zu versenden, verpackt PillPack die Medikamente in der benötigten Dosis und beschriftet diese entsprechend. Ausgebildete Apotheker prüfen den Prozess, um sicherzustellen, dass der Patient genau weiß, zu welcher Tageszeit er welche Arznei zu sich nehmen muss. Die von PillPack versandten Dosen decken jeweils den Bedarf eines Monats ab (mehr hier).

    Im Wettbewerbsumfeld der deutschen Versandapotheken, in dem sich bisher kaum ein Marktteilnehmer durch sein Produkt- oder Dienstleistungsspektrum von der Konkurrenz abheben kann, bietet ein solcher Service wie bei PillPack einen klaren Mehrwert für den Kunden. Hinzu kommt weiterer Mehrwert für Amazon-Kunden durch die Einbindung von konzerneigenen Services: So könnten die Echo-Geräte mit Alexa dafür genutzt werden, per Spracheingabe Medikamente zu bestellen. Darüber hinaus wäre es denkbar, vom Arzt verschriebene Rezepte über die Kamera in der mobilen App zu scannen, woraufhin die verschriebenen Medikamente automatisch in den Warenkorb gelangen.

    iii) Wie mit Basic Care in den USA bringt Amazon eine exklusive OTC-Eigenmarke auf den Markt.

    Im August 2017 hat Amazon in den USA die Marke Basic Care auf den Markt gebracht. Die von Perrigo hergestellte Produktpalette reicht von Ibuprofen bis zu Haarwuchsmitteln. Durch das Anbieten von Arzneimitteln über eine Eigenmarke nutzt Amazon die Vergleichbarkeit und Preissensibilität der Endkunden bei Generika für ein besseres Kundenerlebnis und die Intensivierung der Kundenbeziehung.

    iv) Amazon schließt strategische Allianzen mit führenden Herstellern in der Health Technology Branche.

    Analog zu der Partnerschaft mit Cerner, einem der weltweit größten Unternehmen für Informationstechnik im Gesundheitswesen, schließt Amazon strategische Partnerschaften mit führenden Unternehmen in der deutschen Pharmaindustrie.

    Wem allein die vier Thesen für die kommenden zwei Jahre Schweißperlen auf die Stirn treiben und Wallungen verursachen, dem ist von den längerfristigen Prognosen, auf die ich in #2 und #3 dieser Serie eingehen werde, unbedingt abzuraten. Und wenn ihr ganz tapfer wart und diese bittere Pille ohne zu viele Beschwerden schlucken könnt, dann sehen wir uns hier demnächst wieder für die weiterführende Behandlung!

  • Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke – Recruiting und Bindung digitaler Talente

    Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke – Recruiting und Bindung digitaler Talente

    Wie genau lassen sich digitale Talente rekrutieren und wo finden sich diese? Diesen Fragen widmet sich Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke von der Fachhochschule Wedel im Digital Confession Drive zusammen mit Etribes Geschäftsführer Arne Stoschek. Es geht um genaue Relevanz bis hin zur Anziehung von Talent und Bindung eines Unternehmens.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Was genau macht Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke? (ab: 0:40)
    • Für wen ist es relevant digitales “Know-How” einzustellen? (ab: 2:00)
    • Die Herausforderungen, um Talente für sich zu gewinnen (ab: 3:00)
    • Wen bildet die Fachhochschule Wedel aus? (ab: 4:00)
    • Welche Rollen werden aktuell stark gesucht? (ab: 6:30)
    • Wie gut rekrutieren Firmen digitale Talente? (ab: 9:40)
    • Die Interessen der digitale Talente (ab: 14:00)
    • Welche Rolle spielt der Standort eines Unternehmens? (ab: 16:50)
    • Wie werden Hochschulkontakte aufgebaut? (ab: 19:40)
    • Wie wird man an Hochschulen richtig wahrgenommen (ab: 24:00)

  • Andreas Kwiatkowski über Mitarbeiter-Onboarding via Voice

    Andreas Kwiatkowski über Mitarbeiter-Onboarding via Voice

    Wie genau funktioniert das Geschäftmodell von SoundReply dem intelligent Onboarding Prozess für Mitarbeiter via Voice, und wie lässt sich die Voice Technologie im B2B Bereich implementieren? Darüber berichtet Andreas Kwiatkowski im Digital Confession Drive mit Etribes Geschäftsführer Arne Stoschek.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Was genau ist SoundReply? (ab: 1:30)
    • Was hat Andreas Kwiatkowski vorher gemacht? (ab 2:00)
    • Das smarte Voice Programm (ab 6:40)
    • Das Geschäftsmodell von SoundReply? (ab 14:10)
    • Wie wird SoundReply monetarisiert? (ab 16:00)
    • Wie groß ist der Markt der Voice Unterstützung im B2B? (ab 18:30)
    • Auf welchen Plattformen wird mit SoundReply gearbeitet? (ab 23:50)
    • Welche Systeme werden in Zukunft dominieren? (ab 31:40)
    • Wie entwickeln sich Alexa und Siri weiter? (ab 34:00)
    • Gibt es bereits weitere Skills für Siri? (ab 36:30)
    • Wohin wird sich Voice weiterentwickeln? (ab 40:20)

  • Familienunternehmen in der Digitalisierung

    Familienunternehmen in der Digitalisierung

    Schon vor Jahren haben wir bei Etribes für uns herausgefunden: Mit Familienunternehmen geht die Digitalisierung oft etwas leichter, da hier klare Führungsstrukturen und vor allem ein wirklich langfristiges Interesse am Weiterbestand des Unternehmens vorherrschen. Denn zwischen einem Kernprinzip des Digitalen, auf das wir Unternehmen eingeschworen haben – „Macht euch darauf gefasst: Ihr müsst neunmal scheitern, bevor euch etwas einmal gelingt“ – und der Fähigkeit von Familienunternehmen, aus Glauben ans Konzept und Verbundenheit mit der Firma auch mal lange Durststrecken durchzuhalten, spannt sich ein Band. Es ist ein Band, das es zu einem (legitimer-, aber in diesem Fall unheilvollerweise) auf seine Karriere bedachten Managers so nicht gibt. So sagen wir mittlerweile: Die digitale Transformation ist nicht delegierbar! Das müssen Leute angehen, die Eisen im Feuer haben – sprich: Die Inhaber.

    Nur: Einigen Familienunternehmen fehlt hier der Blick für ihre eigene Stärke oder ganz einfach der Mut der eigenen Courage. So habe ich die letzte Kolumne von Klaus Schweinsberg im Manager Magazin sofort und fast bis zur Unkenntlichkeit mit Markierungen überzogen, um es dann herauszuschneiden und passagenweise auswendig zu lernen. Denn er bringt unter dem Titel „Mach dein Digitalding“ dieses Dilemma, das wir im Beratungsgeschäft täglich erleben, bravourös auf den Punkt. Hier einige besonders brillante Formulierungen:

    „Es heißt: Digitalisierung ist Chefsache. Falsch! Das ist zu kurz gesprungen. Digitalisierung muss – zumindest im Mittelstand – Sache der Inhaber sein.“

    „Ebenso ist klar, dass der Weg zum digitalen Erfolg ein Langstreckenlauf ist. Kurzum: Das Scheitern kommt kurzfristig, der Erfolg – wenn überhaupt – erst nach vielen Jahren. Warum also soll ich als Manager ins Risiko gehen, wenn die Lorbeeren eh mein Nachfolger oder Nachnachfolger erntet? Warum sehenden Auges Misserfolge produzieren, wenn etwaige Erfolge allenfalls nach meiner Amtszeit zu erwarten sind?“

    „Wer heute in seinem Aufsichtsgremium nicht mindestens einen, besser zwei echte Digitalexperten hat, handelt grob fahrlässig.“

    „Am besten wäre es, Unternehmerfamilien setzten die nachwachsende Generation darauf an. Familien müssen aus dem Herdentrieb ausbrechen, der die Damen und Herren Nachfolger mit Vorliebe an die Uni St. Gallen, die WHU in Koblenz, die ZU Friedrichshafen oder gar nach Bielefeld leitet, wo der Nachwuchs vornehmlich mit Wissen vom Typus BWL 1.0 auf hohem Niveau gelangweilt wird. Wache Unternehmerfamilien 4.0 müssen ihre Erben enthusiasmieren, sich der digitalen Zukunft zu stellen.“

    Was Schweinsberg hier so grandios wie bissig ausformuliert, sagen wir – vielleicht mal etwas weniger geschliffen – seit Jahren. Und wer etwa „grob fahrlässig“ zu plakativ findet und journalistische Zu- bis Überspitzung wittert, dem sei mein neuerliches Gespräch mit Familienunternehmer und Digitalpionier Boris Thomas empfohlen. Auszug, wie er über Verbandstreffen in seiner Branche (Matratzen und Betten) berichtet:

    „Manchmal war es für mich schon erschreckend – ich muss es so sagen – wie wenig manche gestandenen Unternehmer wissen. Die haben mitunter gar nicht verstanden, warum Amazon so erfolgreich ist. Da denke ich mir: Kümmert euch!“

    So hat meiner Meinung nach Schweinsberg ins Schwarze getroffen. Nichtsdestotrotz bin ich immer ein Freund von Erfolgsbeispielen im Sinne der Problemlösung und einer positiven Einstellung. Deswegen wollte ich hier kurz ein paar Beispiele erwähnen, die zeigen, dass mancherorts seine Diagnose bereits aufgefasst worden ist und die Behandlungsvorschläge nun umgesetzt werden.

    Dass es zum Beispiel die Otto Gruppe noch in der Form, Größe und Vitalität gibt, führe ich darauf zurück, dass sich die Eigentümerfamilie (für den deutschen Mittelstand vergleichsweise) schnell darüber im Klaren war, was ihnen die Digitalisierung abverlangen würde. Seitdem ist viel gespöttelt worden – wahlweise über die angebliche Träge des Hamburger Konzerns oder über aktionistisch anmutende Culture-Transformation-Sachen wie die Einführung des Radikalduzens. Das trübt den Blick dafür, dass es beachtliche Erfolgsgeschichten gibt, die es so ohne die Überzeugung und Einsatz der Inhaberfamilie nicht gegeben hätte. Sie waren es, die die Transformation einleiteten – und sie waren es, die einem Jungunternehmer wie Tarek Müller viel Vertrauen und viele Freiheiten einräumten. Das Ergebnis? Otto.de geht es gar nicht so schlecht – und AboutYou geht es blendend!

    Ein Familienunternehmen, das den Rat von Schweinsberg umgesetzt hat, „die nachwachsende Generation darauf anzusetzen“, ist der hessische Heizungsbauer Viessmann. 2016 – im 99. Jahr ihres Bestehens – setzte die Traditionsfirma den futuristisch anmutenden Company-Builder Wattx mit ordentlichen Ressourcen und ehrgeiziger Zielsetzung auf – unter der Leitung des 27.-jährigen Nachwuchs Max Viessmann. Kernkompetenzen der Berliner Initiative: UX Research & Design, IoT und Data. All das lernt man sicherlich nicht im BWL-Seminar in Bielefeld!

    Ebenfalls in Berlin ansässig und auf die Erprobung von Zukunftskonzepten ausgerichtet: Hermann’s, ein Netzwerk für Food-Innovation – gegründet letztes Jahr vom Keks-Clan-Nachkommen Verena Bahlsen. Zitat: „Nur, wenn wir Menschen in den Entwicklungsprozess einladen, die fernab der Industrie unsere Welt neu erfinden, können wir auf innovative Ideen kommen.“ Ob ein Konzern-Manager, dessen erstes Ziel darin besteht, mehr Leibniz-Kekse zu verkaufen, das so sehen oder sagen würde…?

    Zwei andere Beispiele, die mir sofort einfallen, sind an der Schnittstelle Optiker-Dynastie und Wagniskapital zu finden: Ob die Venture-Aktivitäten eines Mark Fielmann oder die innovative Investment-Strategie von Benedict Rodenstock – Dass längst nicht alle im deutschen Mittelstand die Zeitenwende verkennen, lässt sich anhand solcher Beispiele erkennen. Aber es müssten ja schon sehr viele mehr sein, die so handeln. Um es mit einem letzten bereits auswendig gelernten Zitat von Professor Schweinsberg zu sagen:

    „Die Digitalisierung ist gerade für Familienunternehmen eine gewaltige Chance. Denn Familien können oft schneller entscheiden als große Aktionariate und langfristiger denken als Dax-CEOs. Allerdings muss die Unternehmerfamilie das Thema Digitalisierung dann auch aktiv besetzen. Dazu bedarf es dreierlei: eines kräftigen Willens, konkreten Wissens und klarer Werte.“

  • Alexander Graf über die aktuelle Entwicklung von Spryker

    Alexander Graf über die aktuelle Entwicklung von Spryker

    Wie sieht die aktuelle Weiterentwicklung von Spyker aus?

    In einer Welt zunehmender Endgerätevielfalt und steigender Komplexität des Kundenverhaltens ermöglicht es Spryker Unternehmen, ihre Kunden über alle aktuellen und zukünftigen digitalen Kontaktpunkte zu erreichen. Geschäftsführer Alexander Graf, erklärt im Digital Confession Drive mehr über das Unternehmen und die zukünftige Weiterentwicklung. 

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Aktuelle Entwicklungen von Spryker (ab 2:20)
    • Wie sich Spyker im Vergleich zu anderen Systemen differenziert (ab 4:30)
    • Wie wird mit Partnern von Spryker zusammengearbeitet? (ab 7:10)
    • Weiterentwicklung an Spryker und wohin es in Zukunft gehen soll (ab 12:20)
    • Industrie Partner von Spryker (ab 15:20)
    • Recruiting für Spryker (ab 18:20)

  • Oberst Sears hat niemand, der ihm schreibt

    Gestern war ein Tag spannender Nachrichten. Gleich morgens beim Kaffee ging es los mit einer spannenden E-Mail von Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber zur ersten Amazon-Bestellung hierzulande an diesem Tag im Jahr 1998: Viel ist seitdem passiert. Amazon hat nicht nur eine beachtliche Börsenentwicklung hingelegt, sondern auch das Leben von vielen Menschen völlig verändert. Sei es der Paketbote, der Lagerarbeiter im Logistikzentrum, der Angestellte im stationären Geschäft oder – und hier oft in einer Doppelrolle – der Endkunde, der eine (nicht nur, aber ganz besonders für Deutschland) neue Service-Welt kennenlernen konnte: Es fing an mit den englischen Büchern, die auf einmal ganz einfach bestellbar wurden! Dann kamen leicht zugängliche Filme in der Originalfassung, Server-Space und die kostenlose Lieferung bis zur Haus- bzw. Wohnungstür…

    Nachdem ich nun in Ruhe diese längere Nachricht durchgelesen und mir den zweiten Kaffee geholt hatte, habe ich Spiegel.de geöffnet und wurde mit dem Schicksal von US-Retailkette Sears konfrontiert – ein Schicksal, das einem noch einmal mit Nachdruck vor Augen führt, wie der stationäre Handel in seiner jetzigen Form ans Ende gelangt ist. Denn die immer neuen Rettungsversuche von Sears, Karstadt, Kaufhof und wie die vormals dominanten Giganten des Einzelhandels alle hießen sind schlicht und einfach nicht umsetzbar. Durch die trotz dieser Tatsachen ständig angestrebte Wiederholung gewinnen die „neuen Konzepte“ um „Kunden zurück in die Läden zu bringen“ und „Tradition wiederaufleben zu lassen“ sogar was tragikomisches. El coronel no tiene quien le escriba. Wem die Werke von Gabriel García Márquez geläufig sind, fühlt sich zwangsläufig erinnert an den Oberst, der niemand hat, der ihm schreibt. In der bekannten Kurzgeschichte wartet ein verarmter Kriegsveteran seit 15 Jahren auf die amtliche Bestätigung einer Pension, die er trotz Anträge und Vorsprachen nicht bekommt und nie bekommen wird.

    Was ist denn aber eigentlich meine Lektion aus den letzten 11 Jahren? Die Verdienste von Vorgestern sind leider dem Kunden von heute egal. Wie immer ist es sinnvoll, hier den 1999 Investoren-Brief von Jeff Bezos zu lesen – unabdingbarer Kundenfokus ist die Seite, die immer gewinnen wird. Daher kann man nur empfehlen, keinem der mannigfaltigen Selbstbetrugsversuche des stationären Handels Glauben zu schenken.

    Hier ist Click-&-Collect wie immer mein Lieblingsbeispiel: Das Konzept kombiniert das Schlechte aus zwei Welten (nicht anfassen können und dann noch in den Laden laufen müssen!). Von skrupellosen Beratern lässt es sich zwar leicht als Hoffnungsvision verkaufen, ist aber blöderweise nicht aus der Sicht des Kunden gedacht und stellt somit keine Möglichkeit dar, sich für die Zukunft aufzustellen. Es wird auch nicht ausreichen, einen Paketkasten im Laden einzurichten und zu hoffen, dass der Kunde noch etwas mitnimmt. Jede Handlung und jede Investition muss nützlich für den Kunden sein und dann wird man zusammen mit den neuen Technologieunternehmen wie Amazon auf der Gewinnerseite der Digitalisierung stehen können.

    Oder man zieht sich in Fantasien zurück und wartet jeden Morgen beim Kaffee auf den Briefträger. Doch gibt es weiterhin keine Post für den Oberst! Und ich muss jetzt los.

    P.S.: Und heute folgt dann umgehend C&A: C&A entlässt vier der sieben Vorstände