Autor: Nils Seebach

  • Amazon Dorf Talk – Brauche ich einen eigenen Onlineshop?

    Amazon Dorf Talk – Brauche ich einen eigenen Onlineshop?

    Auf der Suche nach einer Wasserrohrzange habe ich mich im Onlinesortiment bei Knipex direkt auf deren Webseite einmal genauer umgeschaut – zum Kauf wurde ich letztendlich allerdings auf Amazon fündig. In der heutigen Ausgabe des Amazon Dorf Talks diskutieren Christian Kelm und ich die Option des Herstellers überhaupt gar keinen eigenen Onlineshop zu betreiben, dafür aber Marktplätze zu bestücken.

    • Intro
    • Wie ist Knipex auf Amazon aufgestellt? (ab 2:18)
    • Warum hat Knipex keinen Onlineshop? Unsere Theorien. (ab 4:53)
    • Vendorenkonzept vs. Sellerkonzept nochmals kurz erklärt (ab 12:00)
    • Was brauche ich als Marke um online erfolgreich zu sein? (12:55)
    • Exkurs zu Disney (ab 15:00)
    • Wo setzt Knipex an? (ab 22:45)
    • Abschluss (ab 26:00)

  • „Blockheizkraft? Nein danke!“ Ein alltägliches Beispiel von Deutschlands Digitalstau

    „Blockheizkraft? Nein danke!“ Ein alltägliches Beispiel von Deutschlands Digitalstau

    Wie der Künstlername „Digitalkaufmann“ vermuten lässt, bin ich der Letzte, der Deutschland als „digitale Wüste“ beschimpft und uns am Liebsten eine Silicon-Valley-Kur pur verschreiben will. Das Valley mag ja tonangebend sein. Was man aus der Ferne nicht merkt, sind die gewaltigen sozialen Probleme und die grottenschlechte Lebensqualität. In und um Hamburg haben wir auch ein Unicorn und viele spannende digitale Player dazu, haben aber ebenfalls einen funktionierenden ÖPNV und die allgemeine Krankenversicherungspflicht. Nein, ganz wie das Silicon Valley wollen wir nicht werden. Ja, ich bin hier in der norddeutschen Tiefebene eigentlich ganz zufrieden.

    Eigentlich. Denn bei aller Liebe zu unserem Land und bei allem Verständnis dafür, dass wir in Europa nicht einfach alles von den Amerikanern oder den Asiaten kopieren wollen oder können: Im Alltag versucht Deutschland gerade gefühlt alles, mich – und viele andere Bürger – sehr unzufrieden zu machen. Mal ist es die hiesige Verwaltung, die – wie wir in der Corona-Krise alle merken – irgendwo zwischen den Einstellungen „eine Spur zu behäbig“ und „vollends vor der Wirklichkeit kapituliert“ an Faxgeräten festhält und sonst so herrlich bundesrepublikanisch vor sich hinwurstelt. Mal sind es die eklatant hinkende Digitalisierung und der dadurch zum Ausdruck gebrachten Mangel an Kundenfokus deutscher Unternehmen, die einen verzweifeln lassen.

    Und weil wir hier in der dritten Welle alle das böse C-Wort nicht mehr hören können, wähle ich heute ein Beispiel aus der Firmenwelt des berühmten deutschen Mittelstands, um zu zeigen, wie wir in diesem Land Tag ein, Tag aus unser eigentlich riesiges Potenzial in den Wind schlagen.

    Die Geschichte fängt vor fünf Jahren an, als ich gebaut habe. Immer nur Zukunftsfähigkeit predigen und selber keine neuen Wege gehen? Das konnte es nicht sein. Weshalb ich auch vor der eigenen, noch einzubauenden Tür kehren und mein neues Zuhause smart und energieeffizient betrieben wissen wollte. Als eine sehr vernünftige Lösung dafür wurde mir ein hauseigenes Blockheizkraftwerk angepriesen – eine Anlage also, die zwar Gas verbrennt, dabei aber Strom erzeugt und so den ökologischen Fußabdruck verkleinern sollte. Ich war sofort angetan. Das war ja eine Technologie, die bislang nur bei Stadtwerken und Baugenossenschaften zum Einsatz kam. Und jetzt gab es die für zu Hause? Die technikverliebten Ingenieure des deutschen Mittelstands machten es möglich!

    So habe ich mich trotz des leicht schwindelerregenden Preises für ein Mini-Blockheizkraftwerk von Vaillant entschieden. Guter deutscher Maschinenbau – und noch dazu „smarte“ Funktionen wie Internetverbindung? Was will man mehr? Was das nämlich alles später ermöglichen könnte! Vielleicht würde man die Anlage künftig mit einem smarten Stromzähler verbinden und überschüssigen Strom ins Netz abgeben können? Oder in einen bis dahin bestimmt handelsüblich gewordenen E-Flitzer vor der Haustür leiten? Ich sah mich da schon in der Pionierrolle meiner Vorgänger im Ort, die in den frühen 2000ern bauten und dank dem Einspeisegesetzes sogar etwas Geld mit der damals auch nicht günstigen Investition Solarpaneel verdienten. Und für die Zwischenzeit würden die smarten Eigenschaften des BHKW bestimmt zu besserer Fehlererkennung und vernünftigerer, weil vorausschauender Wartung führen…

    Fünf Jahre später bin ich ernüchtert – und stehe, fast knöcheltief in ausgelaufenem Kühlwasser, in meinem Keller vor einem Haufen Sondermüll der besonders teuren Sorte. Viele keineswegs smarten sondern starr nach Plan terminierte Wartungen und einige kostspielige – persönlich, von mir am Telefon organisierten – Reparaturen später steht fest: „smart“ und „connected“ war an dieser Anlage nichts.

    So stellte sich heraus, dass die Verbindung mit dem Internet eigentlich nur bedeutete, dass man (Betonung auf:) eventuell eine E-Mail bekam, wenn es eine Störung gab. Diesen Störfall hatte man aber meistens schon vor Ankunft der E-Mail bemerkt, da es im Haus etwas kühl geworden war – oder daran, dass das Fehlerlämpchen an der mal wieder persönlich von mir, inzwischen schon fast routinemäßig, inspizierten Anlage blinkte. Fernwartung oder -fehlererkennung? Gar predictive maintenance? Fehlanzeige! Nein: Trotz Meldetechnik aus 2015 musste, ganz wie 1985, die Anlage erst kaputt gehen und wir einige Wochen vor eilends herbeigeschafften Heizelementen ausharren, bis ein Techniker von Vaillant vorbeikam.

    Und dieser hatte dann keinen Zugriff auf die möglicherweise für die Fehlerdiagnose und -behebung relevante Daten. Denn diese wurden schlichtweg nicht erfasst. Ja, richtig: Die Anlage wurde als „smart“ verkauft und kann sich mit dem Internet verbinden, kann sich vermutlich ein Instagram-Konto anlegen, nur: Nützliche Daten über den eigenen Betrieb kann sie nicht sammeln. Das könnte ja zu einer Profilierung von unserem Verbrauch führen und sei – hat mir einer am Telefon nach einem verzweifelten Wutausbruch meinerseits erklärt – nicht mit den hierzulande geltenden Vorstellungen vom (ja, ihr ahnt’s schon) Datenschutz vereinbar!

    Meiner Vorstellung von Datenschutz entspricht es allerdings auch nicht, das Vaillant mir eine Anlage geliefert hat, die sich mit dem Internet verbinden, mich aber nicht vor den allzu häufigen Störungen mit Daten über Verbrauch, Stillzeiten usw. schützen kann. Das ist das Schlechteste aus beiden Welten: Hacker könnten bei Vaillant eindringen, meine Anschrift samt IP-Adresse meiner Heizung erbeuten – und für dieses Risiko bekomme ich: Nichts.

    Schlusspointe: Bei unserem ach so auf Qualität und Langfristigkeit bedachten Mittelständler Vaillant (Website-Banner: „Umweltfreundliche Heizlösungen“ und Hashtag #warumwarten) besteht die vorgeschlagene Lösung in der Verschrottung unseres fünf Jahre alten Blockheizkraftwerk – zusammen mit einem Kostenvoranschlag(!) für ein Neues. Hmm. „Blockheizkraft? Nein danke!“

    Wir schreiben also 2021 und ich habe mein „smartes“ Blockheizkraftwerk grade ersetzen lassen, in der stillen Hoffnung es möge irgendwie funktionieren. Ja, soweit hat mich Deutschland, hat mich der deutsche Mittelstand mittlerweile. Ich glaube, als nächstes rufe ich bei Telefunken an: Vielleicht haben die noch ein Faxgerät für mich übrig. 

  • Jeff Bezos tritt ab: Jetzt kommt Day Two

    Jeff Bezos tritt ab: Jetzt kommt Day Two

    Der Paukenschlag ist mittlerweile verhallt. Aber als er im Februar ankündigte, an der Spitze seines Unternehmens den Platz für einen Nachfolger zu räumen, war der Überraschungscoup perfekt. Viele hadern damit, am Zenit ihrer Macht abzutreten und damit der alten Weisheit Folge zu leisten, dass man dann besser gehe, wenn es am Schönsten ist. Bezos tat es einfach. 

    Klassisch Jeff Bezos. Ein Mann, dessen Vorgehensweise, wäre er denn Norddeutscher, mit dem Motto „Nicht lange snacken, Kopp in Nacken“ gut beschrieben wäre. Mit seinem Hang zum Machen, wo andere zaudern, hat er Amazon gegründet, ausgebaut und zu bislang ungekannten Höhen geführt. Dabei machte er selten einen Hehl daraus, wie ihm seine Kunststücke gelangen. Deswegen genossen seine Letters to Shareholders immer so viel Aufmerksamkeit: Hier erklärte ein – vielleicht: Der – Ausnahme-Unternehmer seiner Generation freimütig, Jahr für Jahr, Schritt für Schritt und in aller Offenheit, wie er seinen Weltkonzern erschuf. 

    Nun also erschien vor ein paar Wochen sein letztes Schreiben an die Aktionäre. Was sagt uns denn dieses Finale über Bezos und über das nach seinem Bilde erschaffene Amazon?

    Eine glänzende Bestandsaufnahme – mit einigen Überraschungen

    Vielleicht das Offensichtlichste zuerst: Hier lässt einer seine Erfolge Revue passieren – und zwar berechtigterweise. Denn nach nur 25 Jahren Bestand steht das Unternehmen Amazon nämlich folgendermaßen da:

    Last year, we hired 500,000 employees and now directly employ 1.3 million people around the world. We have more than 200 million Prime members worldwide. More than 1.9 million small and medium-sized businesses sell in our store, and they make up close to 60% of our retail sales. Customers have connected more than 100 million smart home devices to Alexa.

    Es handelt sich also um ein Unternehmen der Sonderklasse, bei der es zur Verbildlichung nur noch Ländervergleiche tun. Amazon hat so viele Mitarbeiter wie Estland Einwohner. Und wären Prime-Mitglieder ein Land, würde sich dessen Bevölkerungszahl vermutlich an fünfter Stelle – direkt nach dem bevölkerungsreichen Inselstaat Indonesien (264 Millionen Menschen) und noch vor Brasilien und Pakistan (jeweils 207 Millionen) – einpendeln. Bezos lässt übrigens – vermutlich aus Pietätsgründen – den schon länger exorbitant und nun noch einmal in der Coronakrise sprunghaft angestiegenen Gesamtumsatz unerwähnt, der fürs Jahr 2020 als Bruttoinlandsprodukt Amazon zwischen Argentinien und Österreich situieren würde.

    Stattdessen stellt er einige andere interessante Berechnungen an – etwa wer die Aktionäre sind und um wie viel genau sie über die Jahre von Amazon profitiert haben:

    We’ve created $1.6 trillion of wealth for shareowners. Who are they? Your Chair is one, and my Amazon shares have made me wealthy. But more than 7/8ths of the shares, representing $1.4 trillion of wealth creation, are owned by others. Who are they? They’re pension funds, universities, and 401(k)s, and they’re Mary and Larry, who sent me this note out of the blue just as I was sitting down to write this shareholder letter.

    Im Folgenden fügt Bezos einen Brief von besagten Kleinaktionären der ersten Stunde ,Mary und Larry ein, aus dem hervorgeht, dass zwei 1997 gekaufte Aktien mittlerweile reichen, um eine satte Anzahlung für ein Eigenheim aufzubringen. Das ist ein sehr geschickter – und keineswegs tatsachenverdrehender – rhetorischer Schachzug von Bezos, um den sagenhaften Reichtum, zu dem er gekommen ist, ins Verhältnis zu stellen. Tatsächlich ist es mir schon immer zu billig gewesen, auf die Gründer von Jahrhundertunternehmen und deren enormen Verdienste zu schimpfen: Klar, Jeff Bezos hat sich eine goldene Nase verdient – wie Bill Gates oder Henry Ford vor ihm auch. Was oft genug dabei unbeachtet bleibt: Solche Unternehmer schöpfen auch Werte für ihre Anteilseigner. In den USA sind diese zu einem nicht unbeträchtlichen Teil vergleichsweise „kleine Fische“, deren Depots nicht in die Millionen oder Milliarden gehen, die aber dank der Investition einen bescheidenen Wohlstand sichern. Das im Letter to Shareholders einmal herauszuarbeiten, ist legitim. (Übrigens sei hier zum Vergleich einmal angemerkt, dass die reichsten Unternehmer Deutschlands – die ALDI-Brüder – keinen solchen weitverbreiteten Wertezuwachs generiert haben: Wie so viele der größten Konzerne hierzulande scheuen sie Streubesitz und halten lieber alles in Familienhand.)

    Eine weitere ungewöhnliche und äußerst legitime Berechnung aus dem Brief: Wie viel Zeitaufwand Amazon seinen Kunden über die Jahre erspart hat.

    Customers complete 28% of purchases on Amazon in three minutes or less, and half of all purchases are finished in less than 15 minutes. Compare that to the typical shopping trip to a physical store – driving, parking, searching store aisles, waiting in the checkout line, finding your car, and driving home. Research suggests the typical physical store trip takes about an hour. If you assume that a typical Amazon purchase takes 15 minutes and that it saves you a couple of trips to a physical store a week, that’s more than 75 hours a year saved. That’s important. We’re all busy in the early 21st century.

    Auch diese Sichtweise ist typisch Bezos: Erfrischend anders und absolut ehrlich. Gewissermaßen gibt er hier ein großes (Nicht-)Geheimnis des Amazon-Erfolgs preis: Es spart den Leuten Zeit. Wer die Geschichte des Unternehmens kennt, weiß um die Bedeutung des früh eingeführten one-click buy. Kunden lieben Amazon unter anderem deswegen, weil es wahnsinnig schnell geht – vor allem Kunden in den endlosen amerikanischen Haus-mit-Vorgarten-Vororten, die sonst für jeden Kleineinkauf in ihre Autos steigen müssen. (Und eben auch die 60% der Deutschen, die nach wie vor nicht in den größten Ballungszentren der Bundesrepublik leben und die es ebenfalls so langsam leid sind, immer in die Stadt fahren zu müssen, wenn ihnen im Neubau-Eigenheim mit Carport das Küchenkrepp ausgeht.)

    Die Schattenseiten des Amazon-Erfolgs – ebenfalls mit Überraschungen

    Ebenso interessant wie der gut begründete Bombast der ersten Hälfte seines letzten Aktionärsschreibens ist allerdings der Platz, der sich Bezos in der zweiten Hälfte für einen vorauseilenden Widerspruch gegen Kritik an Amazon – und daher an ihm und seinem Vermächtnis – einräumt. 

    Eine erste Feststellung: Rund ein Viertel der ca. 4100 Wörter im 2021 Letter to Shareholders entfallen auf Absätze, in denen Bezos entweder die Vorwürfe dementiert, Amazon würde seinen Lagerhallenarbeiter schlecht behandeln oder Amazons neue Initiative beschreibt, der weltbeste Arbeitgeber mit den weltweit sichersten Arbeitsplätzen zu werden. 1170 Wörter zu Arbeitnehmerthemen sind enorm viel, wenn man bedenkt, dass der legendäre erste 1997 Letter to Shareholders überhaupt nur 1630 Wörter zählte, von denen bloß 126 den Arbeitnehmern galten – und wo maßgeblich ihre „Aufopferungsbereitschaft“ beschworen wurde.

    Lange schien Bezos – und mit ihm sein Konzern – nach dem Motto zu verfahren: „Einmal den Ruf ruiniert, lebt es sich herrlich ungeniert“. Vielleicht wird einem allerdings der Ruf doch wieder etwas wichtiger, wenn man sich mit wachsendem Alter fragt, was von einem zurückbleiben wird. Klar ist, Bezos will nicht als Menschenschinder in die Geschichte eingehen und versucht nun einiges zurechtzurücken:

    If you read some of the news reports, you might think we have no care for employees. In those reports, our employees are sometimes accused of being desperate souls and treated as robots. That’s not accurate. (…) Employees are able to take informal breaks throughout their shifts to stretch, get water, use the restroom, or talk to a manager, all without impacting their performance. These informal work breaks are in addition to the 30-minute lunch and 30-minute break built into their normal schedule.

    Ich lasse das mal so stehen, merke aber lediglich an, dass zahlreiche systematische Verstöße gegen arbeitsrechtliche Standards in verschiedenen Ländern von so vielen Mitarbeitern, Gewerkschaften und unabhängigen, vertrauenswürdigen Medien dokumentiert worden sind, dass man eigentlich nur zum Schluss gelangen kann, dass da etwas dran ist. Man darf ebenfalls annehmen, dass Bezos arg suboptimale Zustände in der Amazon-Fulfilment-Maschinerie lange Zeit wenn nicht aktiv so gestaltet, doch zumindest im Streben nach dem besten Kundenerlebnis billigend in Kauf genommen hat.

    So viel gibt er ja auch selbst zwischen den Zeilen zu. Mitten in einer Breitseite gegen Gewerkschaften heißt es dann plötzlich: „I think we need to do a better job for our employees.“ Später kommt dann folgender Schlüsselpassus:

    Despite what we’ve accomplished, it’s clear to me that we need a better vision for our employees’ success. We have always wanted to be Earth’s Most Customer-Centric Company. We won’t change that. It’s what got us here. But I am committing us to an addition. We are going to be Earth’s Best Employer and Earth’s Safest Place to Work.

    Danach folgen weitere 825 Wörter zu einem weiteren Engagement, das der scheidenden Bezos seinem Unternehmen auf die Fahne schreibt: The Climate Pledge. Amazon wolle schnell grüner werden. Auch hier bekommt man den deutlichen Eindruck, es schreibe einer mehr als ein Stück weit an seiner eigenen Geschichte und versuche auf den letzten Metern so einige Versäumnisse zu korrigieren. Weshalb es auch etwas wundert, dass der Begriff „tax“ lediglich einmal im Schreiben vorkommt. Denn neben der Missachtung der Arbeitnehmerrechte sowie den steigenden Emissionen durch den Betrieb von Lagerfläche, Lieferlogistik und Rechenzentren ist die Steuermoral immer der dritte Kritikpunkt, der an Amazon angebracht wird. Allerdings hat Bezos hier bereits vorgebaut: In einer überraschenden Wendung forderte er Anfang April selbst höhere Unternehmenssteuern! Auslöser war wohl, dass kein geringerer als US-Präsident Joe Biden Amazon namentlich unter den Unternehmen erwähnte, die seiner Ansicht nach allzu aggressiven Gebrauch von Steuerschlupflöcher machten. 

    Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Amazon in meinen Augen seine politische Kommunikationsstrategie wohl deswegen vernehmbar in Richtung Versöhnlichkeit verändert hat, weil regulatorische Eingriffe mittlerweile eins der größten Risiken für den Fortbestand des Konzerns darstellen. Man könnte ja Amazon locker in einen Marktplatzbetreiber, ein Werbeunternehmen und einen Hosting-Anbieter aufspalten und hätte immer noch drei der größten Firmen der Welt (die übrigens meine Meinung nach auf längerer Sicht vielleicht kompetitiver wären, als der Großtanker Amazon es künftig noch bleiben wird…). Ob Bezos nun wirklich ein Geläuterter ist oder einfach nur jetzt so tut – um seines Rufs sowie um die Unversehrtheit seines Lebenswerks willen – , ist unwichtig. Ihm ist jedenfalls wohl klar geworden, dass Amazon künftig etwas mehr auf den Unterschied wird achten müssen zwischen dem, was es per Gesetz (oder eben per Gesetzeslücke) darf und dem, was es in den Augen einer zunehmend kritischen politischen Öffentlichkeit eigentlich sollte.

    Das sind natürlich alles Themen für seinen Nachfolger, Andy Jassy, dem er zum Schluss allerdings einen gewichtigen Gedanken mit auf den Weg gibt, der vor allzu viel Anpassung an äußeren Erwartungen warnt: „Differentiation is survival and the universe wants you to be typical.“ Mit einem ausführlichen Zitat aus dem Werk von Evolutionsbiologen Richard Dawkins beschreibt Bezos nichts Geringeres als die Eigenschaften vom Leben an sich: Die Unterscheidung und Abgrenzung von der unmittelbaren Umgebung. Wo es kalt ist, sind Lebewesen wärmer. Wo es trocken ist, halten Lebewesen Flüssigkeit. Arbeiten Lebewesen nicht daran, sich von der Umgebung zu differenzieren, sterben sie. Das Leben ist immer – und auch hier sehe ich in Bezos eine weitere norddeutsche Haltung (allerdings der etwas melancholischeren Sorte) – Streben, Anstrengung, Müh. 

    Bezos schließt sein Schreiben daraufhin mit folgendem Appell samt seiner bekanntesten Lösung: „Never, never, never let the universe smooth you into your surroundings. It remains Day 1.

    Es war aber nur so lange Day One, wie die Ausnahmeerscheinung Bezos an der Spitze seines Unternehmens stand – und nur so lange, wie der Markt und der Staat keine Antwort auf Amazon fanden. Beides ändert sich gerade. Jetzt kommt Day Two.

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Update April 2021

    Amazon Dorf Talk – Amazon Update April 2021

    Heute gibt es einen bunten Blumenstrauß an Themen: Was war los bei Amazon im April 2021? Wir haben uns den 2020 Letter to Shareholders angeschaut und auch die neue Amazon App etwas genauer unter die Lupe genommen. Welche Änderungen wird bzw. gibt es in der Portfoliostruktur?

    • Intro
    • 2020 Letter to Shareholders (ab 1:25)
    • Die neue Amazon App – von der Suchmaschine hin zu Inspiration (ab 6:48)
    • Änderungen/Umdenken hinsichtlich Portfoliostruktur (ab 14:31)
    • Schlusswort (ab 25:43)

  • Interview zu Spacs auf startbase.de

    Interview zu Spacs auf startbase.de

    Kürzlich habe ich ein Interview auf startbase.de gegeben zum Thema Spacs:

    „Spacs sind für mich das Zeichen einer völligen Überhitzung des Marktes. Wir leben derzeit in einer Start-up-Welt, in der es noch nie so einfach war, schnell an Geld zu kommen. Wir haben derzeit eine Überversorgung mit Kapital.“ Was meint ihr dazu?

    Das Interview könnt ihr hier lesen:

    https://www.startbase.de/interviews/spacs-sind-fuer-mich-das-zeichen-einer-voelligen-ueberhitzung-des-marktes/

  • Rechtstexte für Websites und Online Shops digitalisiert

    Rechtstexte für Websites und Online Shops digitalisiert

    Niklas Plutte ist Gründer und Geschäftsführer von avalex GmbH, einem Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat  Rechtstexte für Websites oder Online Shops zu erstellen, die sich dann automatisch an die aktuelle Rechtslage anpassen. Wie funktionieren die Prozesse dahinter und wäre die Idee noch erweiterbar bzw. gibt es Konkurrenz? Danke Niklas für einen spannenden Einblick und weiterhin viel Erfolg!

    • Intro Thematik und Niklas Plutte
    • Vorstellung avalex GmbH (ab 3:13)
    • Zielkunden von avalex (ab 6:00)
    • Könnte avalex auch als Abmahnbusiness funktionieren? (ab 7:46)
    • Rechtsanwälte und Digitalisierung, wie ist da der Stand? (ab 9:40)
    • Wird es in Zukunft beispielsweise auch Möglich sein gesellschaftsrechtliche Verträge so abzubilden, oder andere Bereiche? (ab 12:36)
    • Kundenakquise (ab 17:38)
    • Wie steht es um Notare und Digitalisierung? (ab 24:40)
    • Abschluss (ab 29:09)

  • Amazon Dorf Talk – Mythen zum Thema Vendor vs. Seller

    Amazon Dorf Talk – Mythen zum Thema Vendor vs. Seller

    In der heutigen Ausgabe sind Christian Otto Kelm und ich zusammen mit Frank Holzweissig, Leiter E-Commerce bei Rotho Kunststoff AG, noch einmal tiefer in das Thema Vendor vs. Seller eingestiegen. Welche Mythen bestehen rund um diese Thematik? Wie können sich Unternehmen mit Amazon besser aufstellen bzw. besser einigen?

    • Intro
    • Lieblingsmythos 1 : Thema Arbeitsaufwand (ab 2:30)
    • Mythos 2: Thema Logistik (ab 6:12)
    • Mythos 3: Thema Pricing (ab 18:24)
    • Mythos 4: Thema Erreichbarkeit 24/7 (ab 29:48)
    • Zusammenfassung und Abschluss (ab 36:24)

  • Was ist Amazons Business?

    Was ist Amazons Business?

    Es ist eins dieser schönen Zitate, die – losgelöst von seinem Urheber und in leicht abgewandelter Form – seit Jahrzehnten immer wieder die Runde machen: „The business of America is business.“ Damit soll der wirtschaftsfreundliche Präsident Calvin Coolidge einmal zusammengefasst haben, worum es in den USA geht: ums Geschäft. Auch Ronald Reagan soll das gesagt haben, sowie jede Menge andere Wirtschaftsliberale, die den Vorrang von ökonomischer Aktivität in der Politik der USA und nicht zuletzt in der Gesellschaft des Landes unterstreichen wollten.

    Heute möchte ich den altbewährten Spruch leicht zweckentfremden, um einen anderen Befund zu umschreiben: „Increasingly, the business of Amazon is Business.“  Was ich damit meine: Amazon Business, der seit 2015 bestehende B2B-Marktplatz des Seattler Giganten, wächst immer schneller und wird strategisch gesehen immer zentraler. Dabei gehen dieses Wachstum und die damit beginnende Verschiebung der Gewichte wegen der pandemiebedingten Explosion in den Amazon-B2C-Zahlen beinahe von der Fachöffentlichkeit vollkommen unbemerkt vor sich.

    Das ist ja insofern nachvollziehbar, als das Amazon insgesamt nach Berechnungen des Kollegen Grafs 2020 um 500 Millionen Dollar pro Tag gewachsen ist. Wenn der Konzern also, wie am 15. März 2021, eine Pressmitteilung herausgibt, in der es heißt, dass der Jahresumsatz von Amazon Business mittlerweile die 25-Milliarden-Dollar-Marke erreicht, sorgt das verständlicherweise nicht unbedingt für großes Aufsehen. Sind das umgerechnet doch gerade mal 50 der 366 Tage im Jahr 2020!

    Legt man aber die Amazon-Verkleinerungsbrille ab und betrachtet die Zahl 25 Milliarden Dollar für sich, wird einem wieder klar, worum es hier geht. Umso mehr, wenn man sich auch noch dazu ein paar Gedanken zur Natur des Marktes macht.

    Erst einmal zur Einordnung der Größe. Ja, Amazon mag für 2020 einen Umsatz von insgesamt kopfzerbrechenden, alle bisherigen Maßstäbe übertreffenden 386 Milliarden Dollar ausgewiesen haben. Schieben wir das aber gedanklich beiseite und fügen wir kurz, die 25 Milliarden Dollar – also: rund 20 Milliarden Euro – von Amazon Business in der Umsatztabelle der DAX-Konzerne ein. Siehe da: Nur Amazon Business erreicht bereits nach fünf Jahren Bestand einen guten Mittelfeldwert und ist so ungefähr gleich auf mit den Industriekonzernen Henkel (Gründunggsjahr 1876) und Linde (gegründet 1879).

    Von Null auf Henkel in nur fünf Jahren, also. Ohne die Corona-Supernova im etablierten B2C-Geschäft würde vermutlich Amazon Business die Schlagzeilen machen. Zumal sich die Kundenkartei zwischenzeitlich in einer veritablen „Best of“-US-Wirtschaft verwandelt hat – mit einer Sonder-Zustatz-Edition „Public Procurement“. Etablierte corporates wie Citigroup, Intel, Cisco und ExxonMobil sind in der Pressemitteilung nämlich genauso aufgelistet wie eine Tech-Firma wie Uber; ebenfalls dabei bei Amazon Business sind die Einkäufer von 45 der 50 US-Bundesstaaten und 90 der 100 größten Städten und Gemeinden, zudem eine Reihe von Universitäten, Krankenhäuser und anderen öffentlichen Einrichtungen. Das alles habe ich noch nicht in die für den deutschen Journalismus gängige Einheit „Saarland“ umgerechnet, aber das Einkaufsvolumen allein aus den Verwaltungen der Bundesstaaten dürfte das Mehrfache dessen aller Ministerien in Saarbrücken bei weitem übertreffen.

    Strategisch ist das natürlich von kaum zu unterschätzender Wichtigkeit, wenn sich Amazon neben den Löwenteil des Einzelhandels auch noch nennenswerte Prozente des Industriegroßhandels und nicht zuletzt große Volumina aus Bedarfskäufen durch die öffentliche Hand sichert. In die Zukunft projiziert also: „The business of Amazon is Business.

  • Diversity, Entscheidungsfindung und Digitalisierung in Unternehmen

    Diversity, Entscheidungsfindung und Digitalisierung in Unternehmen

    Philip Meissner ist Professor an der ESCP Business School, Berlin, er hat dort den Lehrstuhl Strategisches Management und Entscheidungsfindung. Wie werden Entscheidungen in Unternehmen getroffen bzw. wo gibt es Optimierungsbedarf?  Wie sollten Unternehmen personell aufgestellt sein? Wir haben diese Punkte, natürlich alles mit Bezug zum Thema Digitalisierung, einmal diskutiert. Danke Philip Meissner für die informativen Einblicke!

    • Intro Philip Meissner und Thematik
    • Warum tun sich viele Unternehmen schwer ausreichend Entscheidungen für die Digitalisierung zu treffen? (ab 2:14)
    • „Diversity“ in Unternehmen unterstützt die Entscheidungsfindung.  (ab 3:45)
    • Was sollten Unternehmen bei der personellen Aufstellung beachten? (ab 7:22)
    • Wie können sich „alte Hasen“ ändern? (ab 14:29)
    • Best practice Beispiele – Welche Unternehmen leben diese Ansätze schon? (ab 21:14)
    • Abschluss (ab 27:07)

     

  • Digital Unit Building: Der Umsetzungsschwäche ein Ende!

    Digital Unit Building: Der Umsetzungsschwäche ein Ende!

    Während Corona als Katalysator die Digitalisierung beschleunigt, zeichnet sich ein bedenklicher Trend ab: Das Auseinanderklaffen zwischen mittlerweile allgegenwärtigen digitalen Konzepten einerseits und dem hartnäckig geringem Grad der Digitalisierung in Deutschland andererseits. In der Politik spricht man hier von einem Vollzugsdefizit: Dieses beschreibt, wie es sein kann, dass es seit März 2020 rund einmal die Woche ein neues, von im Regierungsauftrag tätigen Wissenschaftlern erarbeitetes Konzept gibt, wie man der Pandemie mit flächendeckenden Schnelltests, digitalen Echtzeitmeldungen und höchstens hyperlokalen Schließungen Herr werden kann, wir aber faktisch noch mit den größten Einschränkungen der Grundrechte und der Geschäftsfreiheit seit dem Zweiten Weltkrieg leben. Oder – eine Nummer kleiner – warum schon im Herbst ein digitales Einreiseformular livegeschaltet wurde, von dem kaum ein Einreisender je etwas erfährt und dessen Ausfüllung selten bis gar nicht kontrolliert wird.

    Diagnose: „Umsetzungsschwäche“

    Bei vielen Unternehmen, die wir bei Etribes beraten, ist die Lage strukturell ähnlich. Auch sie haben keinen Mangel mehr an – oft sehr schlüssigen – digitalen Konzepten. Entgegen allen Vorurteilen ist es weder in der Deutschland AG noch beim Mittelstand so, dass zigarrenrauchende Manager des alten Schlages am Werk sind, die der Meinung sind, dass sich „dieses Internet“ nicht durchsetzen werde. Das war höchstens vor zehn Jahren noch der Fall. Ganz im Gegenteil: Schon vor Corona hatten die meisten in den Chefetagen hierzulande den Braten gerochen. Seit den Einschränkungen im Frühjahr ist nun auch wirklich dem Allerletzten klar, dass der Kontakt zu Kunden zumindest zum Teil online abzubilden ist – auch, beziehungsweise gerade, in B2B-Branchen. Die Gremien zum Thema „Digitalstrategie“ haben mittlerweile schon öfter getagt, interne Positionspapiere und Pläne liegen vor. Nur umgesetzt – oder: erfolgreich umgesetzt – ist davon vielerorts leider wenig. Der Politik  „Vollzugsdefizit“ ist der Wirtschaft  „Umsetzungsschwäche“.

    Das ist nicht nur unser Befund. Schätzungsweise 70% aller digitalen Transformationsprojekte scheitern in der Umsetzung, wie ehemaliger IT-Vorstand von Proctor & Gamble Tony Saldanha überzeugend dargestellt hat. Warum das im Einzelfall so ist, hängt unserer Erfahrung nach vom betroffenen Unternehmen ab. Die üblichen Verdächtigen sind jedenfalls schnell ausgemacht: Fehlende operative Kompetenzen im Bereich E-Commerce und Online-Marketing, die zu einer hohen Abhängigkeit von externen Dienstleistern führen, was wiederum den Aufbau dieser eigenen Kompetenzen blockiert, sowie unrealistisch niedrige Budgetvorstellungen im Finanzwesen und/oder die penible Einhaltung verschiedenster Richtlinien für die Freigabe von Mitteln, die ein dynamisches Vorgehen verhindern. Die typischen „Legacy“-Beschwerden also. Wir sehen aber auch Fälle, wo es weder an Geld noch an internen Vorgaben scheitert – und wo digitales Wissen mehr als nur im Ansatz vorhanden ist –, wo aber das eigentliche digitale Konzept am Marktbedarf vorbei- oder schlichtweg nicht aufgeht.

    Digitalisierung: Erfolgsfaktor Organisationskultur

    Ein übergreifender Faktor, auf den wir mittlerweile viele Probleme in der Umsetzung zurückführen: Die Schnittstelle Mensch-Organisationskultur. Unbestritten ist, dass digitale Transformationen vollkommen von digitalen Talenten abhängen. An der Infrastruktur – etwa Serverkapazität oder Analyse-Tools – mangelt es nicht. Die ist schnell eingekauft. Es handelt sich ja nicht um den Aufbau einer Präzisionsproduktionsanlage, bei der die Beschaffung kritischer Einzelteile über Monate hinweg Thema sein kann. Nein, hier machen die Köpfe den Unterschied. Und um die richtigen Köpfe in ein Unternehmen reinzubekommen und in einem Unternehmen Wirkung erzeugen zu lassen, muss die Organisationskultur passen. Tut sie das nicht, laufen die für die digitale Transformation teuer eingekauften Digital-Talente vor Ende der Probezeit wieder davon und nehmen schlimmstenfalls auch noch die ehrgeizigen internen Team-Mitglieder mit, die noch dreißig Jahre bis zur Rente haben und sich daher auf die eigene Zukunftsfähigkeit und die des Arbeitgebers bedacht sind. 

    Bei Etribes lautet unser Lösungsvorschlag für eine solche Umsetzungsschwäche immer öfter „Digital Unit“. Darunter verstehen wir vom Kerngeschäft getrennte „interne Ausgründungen“, um – zunächst in einzelnen Projekten oder durch eine klar definierte Initiative – die Digitalisierung so voranzubringen, dass digitale Talente nicht frustriert und (noch wichtiger) schnelle Ergebnisse sichtbar werden. Sie preschen als „Schnellboote“ vor, weil ein größeres Unternehmen eben ein „Tanker“ ist, den man nicht allzu schnell umsteuern kann (und auch nicht so umzusteuern versuchen sollte; Konzernvorgaben und -richtlinien sind selten ganz ohne Grund etabliert). Später, wenn das Schnellboot ein gangbaren Kurs navigiert hat, kann es wieder andocken und als Lotse den Tanker in die richtige Richtung leiten.

    „Digital Units“ sind Umsatzbringer

    Die Vorteile von so einer Art interner Ausgründung liegen auf der Hand: Mit ihnen ist eine Dynamik zu erreichen, die völlig zurecht nicht in etablierten Strukturen zu haben ist. In einigen Projekten, die wir bei Etribes begleitet haben, messen wir den Aufbau der Unit und die Umsetzung von digitalen Strategien in Kalenderwochen, während sich die Gesamtorganisation höchstens im Quartalsrhythmus steuern lässt  – was unter anderem daran liegt, dass wir unsere Experten auf Zeit als Interim-Leiter einsetzen. Einigen Unternehmen ist die Idee eines solchen „Söldners“ mit einer eigenen „internen Truppe“ erst einmal suspekt. Doch die Ergebnisse sprechen dann für sich. Mir fällt sofort ein: Ein Großkunde in der Logistikbranche (Standort Hamburg, Umsatz niedrig-elfstellig), der nach unserem Interim-Einsatz in einer Inkubationseinheit ein Booking-Tool für den Container-Transport auf die Straße bekam, über das er bereits ein Jahr später eine Milliarde Euro Umsatz machte. Oder ein Kunde in der Verbindungstechnik, mit dem wir binnen Monaten eine ganze Digital-Commerce-Abteilung aufgebaut und in vier Ländern ausgerollt haben. Oder eine Brauerei, die wegen der Schließung der Gastronomie 2020 rund 6% des Umsatzes einbüßte und mit der wir nun auf Hochdruck in einer kleinen Einheit an digitalen Lösungen arbeiten…

    Ja, bei Etribes haben wir der Umsetzungsschwäche in Sachen Digitalisierung schon lange vor der Coronakrise den Kampf angesagt – und gehen in der Krise jetzt verstärkt gegen sie vor. Und ja: Wir wären auch für Anfragen aus der Politik offen!