Autor: Nils Seebach

  • #79 Digitalkaufmann.de – Frank Arndt über die Verschmelzung von B2B & B2C

    #79 Digitalkaufmann.de – Frank Arndt über die Verschmelzung von B2B & B2C

    Wohin entwickeln sich die E. ZIEGLER Metallbearbeitung AG und Ihre Produkte im Rahmen der Digitalisierung? Im Digital Confession Drive mit Frank Arndt, Leiter des Online Marketing der ZIEGLER AG, werden spannende Themen über das Unternehmen und die Weiterentwicklung besprochen. Stefan Luther, Geschäftsführer von Etribes, erfährt in diesem Gespräch mehr über eine Verschmelzung zwischen B2B & B2C Kunden bis hin zur Innovation in alltäglichen Gegenständen in der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel selbstlöschende Mülleimer.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Kennt und nutzt der B2C Markt überhaupt die Produktbezeichnungen der E. ZIEGLER Metallbearbeitung AG? (ab 1:40)
    • Wie sieht ZIEGLER sich selbst als Marke & Servicedienstleister? (ab 5:50)
    • Wie funktioniert der Vertrieb bei ZIEGLER? (ab 8:47)
    • Welche Möglichkeiten wurden durch neue Technologien für ZIEGLER bereits geschaffen? (ab 11:00)
    • Wie entsteht die Verschmelzung zwischen B2B & B2C? (ab 16:50)
    • Wie ist das Digitalisierungsteam von ZIEGLER aufgebaut? (ab 22:40)
    • Wie differenziert sich die E. ZIEGLER Metallbearbeitungs AG? (ab 26:30)
    • Gibt es bereits technologische Innovationen bei eher unspektakulären Produkten von ZIEGLER wie z.B. Mülleimer? (ab 34:20)

  • Andreas Kwiatkowski über Mitarbeiter-Onboarding via Voice

    Andreas Kwiatkowski über Mitarbeiter-Onboarding via Voice

    Wie genau funktioniert das Geschäftmodell von SoundReply dem intelligent Onboarding Prozess für Mitarbeiter via Voice, und wie lässt sich die Voice Technologie im B2B Bereich implementieren? Darüber berichtet Andreas Kwiatkowski im Digital Confession Drive mit Etribes Geschäftsführer Arne Stoschek.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Was genau ist SoundReply? (ab: 1:30)
    • Was hat Andreas Kwiatkowski vorher gemacht? (ab 2:00)
    • Das smarte Voice Programm (ab 6:40)
    • Das Geschäftsmodell von SoundReply? (ab 14:10)
    • Wie wird SoundReply monetarisiert? (ab 16:00)
    • Wie groß ist der Markt der Voice Unterstützung im B2B? (ab 18:30)
    • Auf welchen Plattformen wird mit SoundReply gearbeitet? (ab 23:50)
    • Welche Systeme werden in Zukunft dominieren? (ab 31:40)
    • Wie entwickeln sich Alexa und Siri weiter? (ab 34:00)
    • Gibt es bereits weitere Skills für Siri? (ab 36:30)
    • Wohin wird sich Voice weiterentwickeln? (ab 40:20)

  • Alexander Wunschel über erfolgreiches Podcasting

    Alexander Wunschel über erfolgreiches Podcasting

    Was macht einen erfolgreichen Podcast aus und wohin entwickeln sich diese? Im Digital Confession Drive mit Alexander Wunschel geht es um die Entwicklung und Vermarktung erfolgreicher Podcasts. Der erfahrene Podcast Experte gibt seine größten Insights für einen erfolgreichen Podcast preis und gibt Ausblicke in die Zukunft, wohin sich diese weiterentwickeln werden.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Wie Alexander Wunschel zum Podcasting kam (ab: 0:30)
    • Wie haben sich Podcasts in den letzten Jahren entwickelt? (ab: 4:20)
    • Welche Podcast Formate sind für Firmen geeignet? (ab 9:20)
    • Welche Strategien man nutzen sollte, um einen Podcast erfolgreich zu launchen (ab: 14:30)
    • Wie relevant sind Bewertungen bei iTunes? (ab: 16:50)
    • Wie wichtig sind Zusatzmaterialien wie Intros und Outros? (ab: 28:00)
    • Wohin wird die Entwicklung von Podcasts gehen? (ab: 29:00)

  • Familienunternehmen in der Digitalisierung

    Familienunternehmen in der Digitalisierung

    Schon vor Jahren haben wir bei Etribes für uns herausgefunden: Mit Familienunternehmen geht die Digitalisierung oft etwas leichter, da hier klare Führungsstrukturen und vor allem ein wirklich langfristiges Interesse am Weiterbestand des Unternehmens vorherrschen. Denn zwischen einem Kernprinzip des Digitalen, auf das wir Unternehmen eingeschworen haben – „Macht euch darauf gefasst: Ihr müsst neunmal scheitern, bevor euch etwas einmal gelingt“ – und der Fähigkeit von Familienunternehmen, aus Glauben ans Konzept und Verbundenheit mit der Firma auch mal lange Durststrecken durchzuhalten, spannt sich ein Band. Es ist ein Band, das es zu einem (legitimer-, aber in diesem Fall unheilvollerweise) auf seine Karriere bedachten Managers so nicht gibt. So sagen wir mittlerweile: Die digitale Transformation ist nicht delegierbar! Das müssen Leute angehen, die Eisen im Feuer haben – sprich: Die Inhaber.

    Nur: Einigen Familienunternehmen fehlt hier der Blick für ihre eigene Stärke oder ganz einfach der Mut der eigenen Courage. So habe ich die letzte Kolumne von Klaus Schweinsberg im Manager Magazin sofort und fast bis zur Unkenntlichkeit mit Markierungen überzogen, um es dann herauszuschneiden und passagenweise auswendig zu lernen. Denn er bringt unter dem Titel „Mach dein Digitalding“ dieses Dilemma, das wir im Beratungsgeschäft täglich erleben, bravourös auf den Punkt. Hier einige besonders brillante Formulierungen:

    „Es heißt: Digitalisierung ist Chefsache. Falsch! Das ist zu kurz gesprungen. Digitalisierung muss – zumindest im Mittelstand – Sache der Inhaber sein.“

    „Ebenso ist klar, dass der Weg zum digitalen Erfolg ein Langstreckenlauf ist. Kurzum: Das Scheitern kommt kurzfristig, der Erfolg – wenn überhaupt – erst nach vielen Jahren. Warum also soll ich als Manager ins Risiko gehen, wenn die Lorbeeren eh mein Nachfolger oder Nachnachfolger erntet? Warum sehenden Auges Misserfolge produzieren, wenn etwaige Erfolge allenfalls nach meiner Amtszeit zu erwarten sind?“

    „Wer heute in seinem Aufsichtsgremium nicht mindestens einen, besser zwei echte Digitalexperten hat, handelt grob fahrlässig.“

    „Am besten wäre es, Unternehmerfamilien setzten die nachwachsende Generation darauf an. Familien müssen aus dem Herdentrieb ausbrechen, der die Damen und Herren Nachfolger mit Vorliebe an die Uni St. Gallen, die WHU in Koblenz, die ZU Friedrichshafen oder gar nach Bielefeld leitet, wo der Nachwuchs vornehmlich mit Wissen vom Typus BWL 1.0 auf hohem Niveau gelangweilt wird. Wache Unternehmerfamilien 4.0 müssen ihre Erben enthusiasmieren, sich der digitalen Zukunft zu stellen.“

    Was Schweinsberg hier so grandios wie bissig ausformuliert, sagen wir – vielleicht mal etwas weniger geschliffen – seit Jahren. Und wer etwa „grob fahrlässig“ zu plakativ findet und journalistische Zu- bis Überspitzung wittert, dem sei mein neuerliches Gespräch mit Familienunternehmer und Digitalpionier Boris Thomas empfohlen. Auszug, wie er über Verbandstreffen in seiner Branche (Matratzen und Betten) berichtet:

    „Manchmal war es für mich schon erschreckend – ich muss es so sagen – wie wenig manche gestandenen Unternehmer wissen. Die haben mitunter gar nicht verstanden, warum Amazon so erfolgreich ist. Da denke ich mir: Kümmert euch!“

    So hat meiner Meinung nach Schweinsberg ins Schwarze getroffen. Nichtsdestotrotz bin ich immer ein Freund von Erfolgsbeispielen im Sinne der Problemlösung und einer positiven Einstellung. Deswegen wollte ich hier kurz ein paar Beispiele erwähnen, die zeigen, dass mancherorts seine Diagnose bereits aufgefasst worden ist und die Behandlungsvorschläge nun umgesetzt werden.

    Dass es zum Beispiel die Otto Gruppe noch in der Form, Größe und Vitalität gibt, führe ich darauf zurück, dass sich die Eigentümerfamilie (für den deutschen Mittelstand vergleichsweise) schnell darüber im Klaren war, was ihnen die Digitalisierung abverlangen würde. Seitdem ist viel gespöttelt worden – wahlweise über die angebliche Träge des Hamburger Konzerns oder über aktionistisch anmutende Culture-Transformation-Sachen wie die Einführung des Radikalduzens. Das trübt den Blick dafür, dass es beachtliche Erfolgsgeschichten gibt, die es so ohne die Überzeugung und Einsatz der Inhaberfamilie nicht gegeben hätte. Sie waren es, die die Transformation einleiteten – und sie waren es, die einem Jungunternehmer wie Tarek Müller viel Vertrauen und viele Freiheiten einräumten. Das Ergebnis? Otto.de geht es gar nicht so schlecht – und AboutYou geht es blendend!

    Ein Familienunternehmen, das den Rat von Schweinsberg umgesetzt hat, „die nachwachsende Generation darauf anzusetzen“, ist der hessische Heizungsbauer Viessmann. 2016 – im 99. Jahr ihres Bestehens – setzte die Traditionsfirma den futuristisch anmutenden Company-Builder Wattx mit ordentlichen Ressourcen und ehrgeiziger Zielsetzung auf – unter der Leitung des 27.-jährigen Nachwuchs Max Viessmann. Kernkompetenzen der Berliner Initiative: UX Research & Design, IoT und Data. All das lernt man sicherlich nicht im BWL-Seminar in Bielefeld!

    Ebenfalls in Berlin ansässig und auf die Erprobung von Zukunftskonzepten ausgerichtet: Hermann’s, ein Netzwerk für Food-Innovation – gegründet letztes Jahr vom Keks-Clan-Nachkommen Verena Bahlsen. Zitat: „Nur, wenn wir Menschen in den Entwicklungsprozess einladen, die fernab der Industrie unsere Welt neu erfinden, können wir auf innovative Ideen kommen.“ Ob ein Konzern-Manager, dessen erstes Ziel darin besteht, mehr Leibniz-Kekse zu verkaufen, das so sehen oder sagen würde…?

    Zwei andere Beispiele, die mir sofort einfallen, sind an der Schnittstelle Optiker-Dynastie und Wagniskapital zu finden: Ob die Venture-Aktivitäten eines Mark Fielmann oder die innovative Investment-Strategie von Benedict Rodenstock – Dass längst nicht alle im deutschen Mittelstand die Zeitenwende verkennen, lässt sich anhand solcher Beispiele erkennen. Aber es müssten ja schon sehr viele mehr sein, die so handeln. Um es mit einem letzten bereits auswendig gelernten Zitat von Professor Schweinsberg zu sagen:

    „Die Digitalisierung ist gerade für Familienunternehmen eine gewaltige Chance. Denn Familien können oft schneller entscheiden als große Aktionariate und langfristiger denken als Dax-CEOs. Allerdings muss die Unternehmerfamilie das Thema Digitalisierung dann auch aktiv besetzen. Dazu bedarf es dreierlei: eines kräftigen Willens, konkreten Wissens und klarer Werte.“

  • Nils Zuendorf über das Geschäft mit dem Amazon-Marktplatz

    Nils Zuendorf über das Geschäft mit dem Amazon-Marktplatz

    Wie stark entwickeln sich Amazon-Marketing-Agenturen? Nils Zuendorf ist Head of Paid Advertising von dem Unternehmen factor-a. Eine der führenden Amazon Agenturen in Deutschland. Im Digital Confession Drive verrät er, was heute bei Amazon beachtet werden muss und wo genau für viele Unternehmen noch Potenziale sind.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Veränderungen bei factor-a nach der Aufnahme in das Agenturnetzwerk Dept  (ab 1:07)
    • Werbeformate auf Amazon (ab 5:17)
    • Die Kombination von Awareness + Sales Impuls (ab: 6:52)
    • Die Weiterentwicklung der Werbeformate für Amazon Business (ab: 8:23)
    • Die überraschenden Entwicklungen bei Amazon (ab: 10:25)  
    • Die besten Möglichkeiten für Werbetreibende (ab 15:10)
    • Die Amazon Prognosen für 2019 (ab 19:56)

  • Paul Manuel from DEPT on the agency’s development

    Paul Manuel from DEPT on the agency’s development

    Dept is an international digital agency with more than 1000 employees. How does its current development look like and what are the biggest findings that came out of the process of growing an international digital agency?  The agency’s Co-founder Paul Manuel talks a little bit more about Dept itself and it’s origin, today’s agency network and his insights, learnings and experience of the Dept journey so far. 

    • Introduction Paul Manuel and Dept
    • Privat Equity (3:00)
    • What is Paul’s motivation to further grow the agency?  (4:10)
    • The advantages for their clients (6:00)
    • What are the biggest findings of the journey of acquisitions so far? (9:30)
    • In which direction is Dept going? (18:13)

  • Marc Aufzug von factor-a (part of Dept) über KPIs auf Amazon und Amazon Business

    Marc Aufzug von factor-a (part of Dept) über KPIs auf Amazon und Amazon Business

    Wie bekommt man KPIs von Amazon und wie läuft Amazon Business aktuell?

    Factor-a (part of Dept) bietet durch die Kombination von Software und Agentur Marken und Herstellern einen entscheidenden Vorsprung auf Amazon.

    Geschäftsführer Marc Aufzug, erklärt im Digital Confession Drive mehr über factor-a (part of Dept), KPIs von Amazon und Amazon Business.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Was hat sich durch Dept bei factor-a verändert? (ab 1:50)
    • Wie und weshalb wurde sich für Dept entschieden? (ab 3:15)
    • Wie ist die aktuelle Stellung im Dept Netzwerk (ab 4:30)
    • Wie interagieren Kunden mit Amazon? (ab 8:30)
    • Wie steht es 2019 um das Wachstum in Amazon (ab 12:20)
    • Der optimale Point of Sale bei Amazon (ab 15:50)
    • KPIs von Amazon (ab 17:10)
    • Schlechte Anwendungen und Kategorien bei Amazon (ab 18:10)
    • Die Meinung über Amazon Business (ab 23:10)

  • Alexander Graf über die aktuelle Entwicklung von Spryker

    Alexander Graf über die aktuelle Entwicklung von Spryker

    Wie sieht die aktuelle Weiterentwicklung von Spyker aus?

    In einer Welt zunehmender Endgerätevielfalt und steigender Komplexität des Kundenverhaltens ermöglicht es Spryker Unternehmen, ihre Kunden über alle aktuellen und zukünftigen digitalen Kontaktpunkte zu erreichen. Geschäftsführer Alexander Graf, erklärt im Digital Confession Drive mehr über das Unternehmen und die zukünftige Weiterentwicklung. 

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Aktuelle Entwicklungen von Spryker (ab 2:20)
    • Wie sich Spyker im Vergleich zu anderen Systemen differenziert (ab 4:30)
    • Wie wird mit Partnern von Spryker zusammengearbeitet? (ab 7:10)
    • Weiterentwicklung an Spryker und wohin es in Zukunft gehen soll (ab 12:20)
    • Industrie Partner von Spryker (ab 15:20)
    • Recruiting für Spryker (ab 18:20)

  • Oberst Sears hat niemand, der ihm schreibt

    Gestern war ein Tag spannender Nachrichten. Gleich morgens beim Kaffee ging es los mit einer spannenden E-Mail von Amazon-Deutschland-Chef Ralf Kleber zur ersten Amazon-Bestellung hierzulande an diesem Tag im Jahr 1998: Viel ist seitdem passiert. Amazon hat nicht nur eine beachtliche Börsenentwicklung hingelegt, sondern auch das Leben von vielen Menschen völlig verändert. Sei es der Paketbote, der Lagerarbeiter im Logistikzentrum, der Angestellte im stationären Geschäft oder – und hier oft in einer Doppelrolle – der Endkunde, der eine (nicht nur, aber ganz besonders für Deutschland) neue Service-Welt kennenlernen konnte: Es fing an mit den englischen Büchern, die auf einmal ganz einfach bestellbar wurden! Dann kamen leicht zugängliche Filme in der Originalfassung, Server-Space und die kostenlose Lieferung bis zur Haus- bzw. Wohnungstür…

    Nachdem ich nun in Ruhe diese längere Nachricht durchgelesen und mir den zweiten Kaffee geholt hatte, habe ich Spiegel.de geöffnet und wurde mit dem Schicksal von US-Retailkette Sears konfrontiert – ein Schicksal, das einem noch einmal mit Nachdruck vor Augen führt, wie der stationäre Handel in seiner jetzigen Form ans Ende gelangt ist. Denn die immer neuen Rettungsversuche von Sears, Karstadt, Kaufhof und wie die vormals dominanten Giganten des Einzelhandels alle hießen sind schlicht und einfach nicht umsetzbar. Durch die trotz dieser Tatsachen ständig angestrebte Wiederholung gewinnen die „neuen Konzepte“ um „Kunden zurück in die Läden zu bringen“ und „Tradition wiederaufleben zu lassen“ sogar was tragikomisches. El coronel no tiene quien le escriba. Wem die Werke von Gabriel García Márquez geläufig sind, fühlt sich zwangsläufig erinnert an den Oberst, der niemand hat, der ihm schreibt. In der bekannten Kurzgeschichte wartet ein verarmter Kriegsveteran seit 15 Jahren auf die amtliche Bestätigung einer Pension, die er trotz Anträge und Vorsprachen nicht bekommt und nie bekommen wird.

    Was ist denn aber eigentlich meine Lektion aus den letzten 11 Jahren? Die Verdienste von Vorgestern sind leider dem Kunden von heute egal. Wie immer ist es sinnvoll, hier den 1999 Investoren-Brief von Jeff Bezos zu lesen – unabdingbarer Kundenfokus ist die Seite, die immer gewinnen wird. Daher kann man nur empfehlen, keinem der mannigfaltigen Selbstbetrugsversuche des stationären Handels Glauben zu schenken.

    Hier ist Click-&-Collect wie immer mein Lieblingsbeispiel: Das Konzept kombiniert das Schlechte aus zwei Welten (nicht anfassen können und dann noch in den Laden laufen müssen!). Von skrupellosen Beratern lässt es sich zwar leicht als Hoffnungsvision verkaufen, ist aber blöderweise nicht aus der Sicht des Kunden gedacht und stellt somit keine Möglichkeit dar, sich für die Zukunft aufzustellen. Es wird auch nicht ausreichen, einen Paketkasten im Laden einzurichten und zu hoffen, dass der Kunde noch etwas mitnimmt. Jede Handlung und jede Investition muss nützlich für den Kunden sein und dann wird man zusammen mit den neuen Technologieunternehmen wie Amazon auf der Gewinnerseite der Digitalisierung stehen können.

    Oder man zieht sich in Fantasien zurück und wartet jeden Morgen beim Kaffee auf den Briefträger. Doch gibt es weiterhin keine Post für den Oberst! Und ich muss jetzt los.

    P.S.: Und heute folgt dann umgehend C&A: C&A entlässt vier der sieben Vorstände

  • Don’t be a black cab!

    Don’t be a black cab!

    Bei meinem letzten Besuch in London konnte ich wieder eine spannende Anregung mitnehmen – allerdings aus einem dem ersten Anschein nach alles andere als inspirierenden Kontext. Ich quälte mich nämlich mit einem extrem schlecht gelaunten Taxifahrer durch den dichten innerstädtischen Verkehr und er erzählte mir ausführlich und enthemmt sein ganzes Leid.

    Zuallererst war ihm zufolge Boris Johnson „voll doof“ (auf eine Übersetzung des genauen Wortlautes verzichte ich: So ein Digitalkaufmann ist ja auf einen adäquaten Auftritt bedacht). Zwar konnte ich aus vielen Gründen da nur voll zustimmen, aber mein Chauffeur störte sich zumeist daran, dass der chaotische Hasardeur Johnson damals in seiner Funktion als Londoner Bürgermeister neuartige Radwege auf der Straße („bike lanes“) einführte, die zu einem völligen Kollaps des bereits stark hinkenden Verkehrs geführt haben. Warum er nach dieser Meisterleistung im Kleinen den Brexit im Großen maßgeblich mitbestimmen durfte, bleibt mir persönlich ein Rätsel – aber okay, englische Exzentrizität und so.

    Der Fahrer redete sich nun warm – und dann richtig in Rage. Neben den verkehrstechnischen Nachwirkungen der Amtszeit vom Tölpel Johnson mühe er sich nämlich auch noch mit der ganzen Konkurrenz von Uber, Blacklane, MyTaxi & Co. ab. (Auch hier überspringe ich aus Gründen des guten Geschmacks die genauen Bezeichnungen, die er für seine Mitbewerber auf dem Asphalt übrig hatte). Ohne dass ich auch nur die Frage stellen musste, warum er sich mit ein wenig das Geschäft bekanntlich belebender Konkurrenz so schwer tat, betete er mir seine Sicht der Dinge herunter.

    Die Black Cabs seien doch ikonisch und ein unverzichtbarer Teil der Geschichte der Stadt London! Touristen wollten sie sehen und mit ihnen fahren! Zudem wüssten die geprüften Fahrer ganz ohne Karte oder elektronische Hilfestellung, wo sie wie hinmüssen: die als „The Knowledge“ bekannte Prüfung zu bestehen und eine der begehrten Lizenzen zu bekommen, sei unglaublich schwierig und ein patentes Qualitätsmerkmal. Dann das Taxi selbst: Ein Sonderfahrzeug, das geräumig sei und Schutz sowie Privatsphäre für Fahrer und Kunde gleichermaßen biete. Ich solle mir auch mal die Kosten dafür klarmachen! Eine echte Investition sei das!

    Je weniger wir im Verkehr vorankamen, desto ärgerlicher wurde der gute Mann. Black-Cab-Fahrer wie er hätten seit Generationen geholfen, die Wirtschaft der britischen Hauptstadt buchstäblich in Bewegung zu halten und zum ikonischen Stadtbild beigetragen – und nun dürfe sich jeder Heinzi (auch hier war die Wortwahl im Originalen um einiges bunter…) mit zwei Augen und vier Rädern ein Taxifahrer nennen und die Preise dabei kaputt machen. Eine Schande sei das! Und eine Gefahr! Ich solle nur warten, nur warten solle ich, bis der erste übermüdete Uber-Fahrer einen Großunfall baue oder einen Fahrgast sexuell belästige. Dann werde man sehen!

    Was ich – abgesehen von der Kreativität der englischen Sprache in dem, was Schimpfwörter und deren mehrfachen Einsatz innerhalb eines Satzes angeht – an diesem Gespräch Monolog erstaunlich fand: Diese Argumente decken sich (minus Kleinigkeiten) zu 100% mit den Argumenten vieler deutscher Firmen, die ich als Berater vorgetragen bekomme: „Aber Herr Seebach, wir sind doch eine MARKE! Wir haben eine über Generationen zurückreichende BEZIEHUNG mit unseren Kunden! Wir stehen für QUALITÄT wie kein anderer!“ Und so weiter und so fort.

    Wie sich dieser Duktus auf niveauvollem Englisch anhört, konnte ich während der sich immer weiter in die Länge ziehenden Taxifahrt der Werbung am Klappsitz im hinteren Abteil des – zugegebenermaßen überaus geräumigen – Gefährts entnehmen:

    1. „It’s a recognisable taxi and you can trust the quality“ – zu Mittelstandsdeutsch: „Marke mit Wiedererkennungswert und Qualitätsversprechen“
    2. „It has an adjustable child restraint harness and a unique swivel seat for improved access“ – bzw. „Produktmerkmale und einzigartige Besonderheiten“
    3. „It’s convenient and readily available when you need one“ – „Immer für Sie da!“
    4. „It has a safe and comfortable private passenger compartment“ – „Für Ihre Sicherheit und Ihren Komfort“

    Und genau wie beim deutschen Mittelständler lautet mein Fazit: Alles super, nur nicht mit der Zeit gedacht. Die eigenen Features wie Brand, Service, und einzelne Produktmerkmale werden in den Vordergrund gestellt. In der neuen, digitalen Welt zählen aber für den Kunden nur noch Preis, Angebot und Verfügbarkeit. Diese von Amazon ins Extreme gedachten und umgesetzten Werte trumpfen jedes Mal aufs Neue. So einfach ist das. Wenn man also nicht in jeder dieser Kategorien der jeweils Beste ist, dann machen die neuen Mitbewerber das Rennen. Dann kann man so viele „swivel seats“ haben wie man will, denn der Kunde entscheidet sich trotzdem für die schnelle App, weil er lieber fünf als zehn Minuten wartet, beziehungsweise von der Haustür abgeholt werden und nicht auf offener Straße um ein gerade vorbeifahrendes Black Cab buhlen möchte.

    Vor allem: Als ich den Fahrpreis dann zahlen musste und feststellte, dass dieser einen nicht unerheblichen Prozentsatz des Fluges in die britische Hauptstadt ausmachte, verstand ich, warum immer mehr Briten auf Uber & Co. umsteigen. Das letzte Mal so viel für eine Fahrdienstleistung bezahlt habe ich wohl in Wien nach einer Fiaker-Tour. Das gab auch viel Flair und Tradition – noch dazu mit mehr Romantik und weniger schlechte Laune!