Schlagwort: Digitaler Wandel

  • Stadt, Land, Gorillas.

    Stadt, Land, Gorillas.

    Regelmäßige Digitalkaufmann-Leser wissen, dass ich in einem niedersächsischen Dorf zu Hause bin. Hier finden ja die Amazon-Dorf-Talks statt, hier unterhalte ich mich übers digitale Landleben und hier erlebe ich die Höhen und Tiefen beim Bau und Betrieb eines Einfamilienhaus im Grünen. Allerdings spielt auch die Stadt seit jeher eine große Rolle in meinem Leben: In Hamburg sitzen nämlich die Unternehmen, die ich mitgegründet habe. Erst mit der Pandemie entfiel für mich über Monate die Verpflichtung, mindestens zweimal die Woche in die Stadt zu fahren. Insofern war 2020 das „landigste“ Jahr, das ich bislang verbracht habe.

    Zu Mitte 2021 wendet sich das Blatt nun wieder. Bei Etribes ist im Büro wieder mehr los. So gut das mobile Arbeiten und Home-Office geklappt haben mögen: Alle wissen wir, was dabei verloren ging. Und immer mehr von uns sind geimpft. Und so kommt es, dass ich im letzten Monat wieder öfter in der Stadt war und mich mehr mit Mitarbeitern unterhalten habe, die in Hamburg wohnen – einfach so, über dies und das. Was mir dabei auffällt: Der Graben zwischen Stadt und Land ist realer denn je und ist in der Pandemie ein ganzes Stück tiefer geworden.

    Infrastruktur auf dem Dorf: Besser als ihr Ruf

    Dabei rede ich nicht von einem imaginären mentalen Graben, wie der so oft propagiert wird. Es ist eben nicht so – wie sich das einige in Hamburg vorstellen –, dass alle auf dem Dorf gegen die Homo-Ehe sind und aus ihren SUVs gegenstandslos „Merkel muss weg!“ brüllen. Hamburg tendiert dazu, für sich eine Monopolstellung in Sachen Liberalität zu beanspruchen, die schon 2001 mit dem Einzug der Schill-Partei in die Bürgerschaft – und spätestens 2015 mit dem der AfD – offenkundig so nicht gegeben ist.

    Nein, der Graben ist ein digitaler. Darunter verstehe ich allerdings keinen infrastrukturellen Graben: Ja, es mag noch ländliche Gegenden in Deutschland ohne Breitband und ohne Mobilempfang geben, aber längst nicht mehr so viele, wie gedacht. In unserem Dorf haben wir zum Beispiel dank EU-Fördermittel bereits Glasfaser und surfen mit derselben Geschwindigkeit wie die Bürger in Stellingen, Schnelsen und der Schanze – Vielleicht sind wir sogar ein paar Megabits schneller unterwegs. Die Vorstellung, dass das Land vom schnellen Internet völlig abgekoppelt ist, stimmt längst nicht mehr.

    Digitale Dienstleistung außerhalb der Stadt? Fehlanzeige!

    Wo die Stadt dem Land aber spürbar davongerast ist: Digitale Dienstleistungen. Vor allem seit Beginn der Pandemie hat sich hier wieder ein Graben aufgetan. Für jemanden, der den Großteil der letzten 12 Monate mit geringem Kontakt zur Stadt verbrachte, ist es einfach krass, jetzt zu erleben, was man in Hamburg mittlerweile per Klick innerhalb weniger Minuten alles geliefert bekommen kann. So habe ich letztens das Wochenende in Hamburg verbracht und bei Gorillas den Einkauf dafür gemacht – der in 9 (sage und schreibe: neun!) Minuten da war. 

    Das war Anfang 2020 noch nicht so. Da nutzten einige in Hamburg den Lieferservice von Rewe und man sah recht viele Lieferando-Boten rumradeln; hin und wieder bestellten wir bei Etribes (damals noch draußen in der Schokoladenfabrik) bei so einem Lieferdienst auch etwas, der allerdings selten in unter 40 Minuten da war. Schnitt, Sommer 2021: Alle holen ihre Getränke von Flaschenpost und den Supermarkteinkauf bei Gorillas: Jetzt bestellt, in 10 Minuten da! Krass.

    Und umso krasser, wo ich jetzt wieder auf dem Dorf bin. Der Wochenendeinkauf von Gorillas? Mach mal aus 9 Minuten wieder mindestens zwei Stunden: Da muss man sich ins Auto setzen, zum örtlichen Edeka fahren, das Zeug in den Einkaufswagen legen, an der Kasse anstehen, zurückfahren… Lieferung in unter 10 Minuten bestellen? Utopisch! Hier kann man nämlich gar nichts bestellen, von niemandem. Nein, kein Supermarkt weit und breit bietet überhaupt einen Lieferservice an – auch nicht für den nächsten Tag oder selbst nur an einem Tag der Woche mit einer festen Runde. Da kann mir Picnic nicht schnell genug ins benachbarte Kreisstädchen kommen! 

    Gorillas am Toben in der Stadt – Stille auf dem Land

    Das wird allerdings dauern. Einerseits, weil es natürlich völlig illusorisch wäre, mit unserer ländlichen Bevölkerungsdichte einen on-demand-Schnelleinkaufsservice wie Gorillas betriebswirtschaftlich sinnvoll auslasten zu wollen. So schnell werden solche Konzepte nicht einmal die dichtest besiedelten Viertel der Ballungsräume verlassen, geschweige denn sich auf dem Dorf niederlassen. Andererseits, weil selbst auf kleinere Städte gemünzte Konzepte wie Picnic noch viele low-hanging fruits in der Kategorie 50.000 bis 100.000 Einwohner abzuernten haben, bevor sie sich die Weiten der norddeutschen Tiefebene vornehmen.

    Was ich mir allerdings denken kann: Genau so, wie das Thema Breitbandausbau hier auf dem Land vor rund fünf Jahren heiß diskutiert wurde und sich so viel Druck aufbaute, dass Politik und Verwaltung tätig wurden – ja, genau so könnte es mit dem sich auftuenden digital services gap kommen. Wenn nämlich in fünf Jahren in jeder deutschen Stadt ab 100.000 Einwohner jeder Einkauf nach Hause bestellt werden kann, wird die Hälfte der Bevölkerung, die in Städten und Gemeinden unterhalb dieser Schwelle wohnt, mehr und besseres von ihren Händlern verlangen. Nicht zuletzt deswegen, weil die ländliche Bevölkerung Deutschlands vorwiegend aus Familien mit Kindern einerseits und rasch alternden Seniorenhaushalten andererseits besteht, die beide gute Gründe haben, sich die schweren Einkäufe nach Hause bestellen zu wollen. 

    Spätestens dann also wird der örtliche Edeka vermutlich anfangen müssen, ein wie auch immer geartetes Lieferkonzept anzubieten, weil die anderen diesen Markt für sich entdecken werden. Da vertraue ich übrigens ganz auf die Marktwirtschaft: Zwischen Verlangen nach convenience bei entsprechender Zahlungsbereitschaft auf dem Dorf und operativen Herausforderungen in dünner besiedelten Gegenden wird irgendwer auf ein Geschäftsmodell kommen, das profitabel zu betreiben ist. 

    Bis die Gorillas aber über die Wiesen stürmen, wird es wohl allerdings dauern…

  • Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert Fortsetzung

    Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert Fortsetzung

    Weiter geht es mit der Fortsetzung unseres Gesprächs mit Manuel Siskowski von Wiesemann 1893. Wir gucken uns das Produktpackaging einmal genauer an und schauen auch, inwiefern einzelne Aspekte des stationären Handels für Wiesemann 1893 vielleicht doch relevant sein können. Wie wird Wiesemann 1893 am Markt wahrgenommen bzw. was können Wettbewerber lernen?

    • Intro und Unboxing
    • Produktpackaging bei Wiesemann 1893 (ab 5:13)
    • Welche Aspekte des stationären Weges könnten vielleicht doch relevant für das Unternehmen sein? (ab 10:58)
    • Wie reagiert die Industrie auf Wiesemann 1893? (ab 18:18)
    • Umdenken im Markt seit Contorion und Hoffmann Aquise? (ab 19:41)
    • Beispielrechnung: Herstellung und Verkauf von Werkzeugkoffern (ab 25:57)
    • Wie werden die Kunden von Wiesemann 1893 angesprochen? (32:14)
    • Ein Blick in die Zukunft und Abschluss (ab 43:31)

  • Amazon Dorf Talk – Das online Marktplatzgeschäft von Victorinox AG

    Amazon Dorf Talk – Das online Marktplatzgeschäft von Victorinox AG

    Wer kennt sie nicht die kleinen roten Schweizer Taschenmesser? Benjamin Abbenseth, Senior Key Account Manager Online Marketplaces bei Victorinox, gibt uns im heutigen Gespräch spannende Insights wie Victorinox es angeht aus der Organisation heraus eine zentrale Vertriebs- und Marketingorganisation für das Thema Marktplatz zu bauen. Das 1884 gegründete, weltweit tätige Familienunternehmen produziert und vertreibt inzwischen fünf Produktkategorien, darunter auch Küchenmesser, Reisegepäck und Uhren.
    • Intro Benjamin Abbenseth von Victorinox AG  (ab 0:55)
    • Welche Marktplätze sind für Victorinox relevant? (ab 3:00)
    • Amazonstrategie von Victorinox (ab 4:53)
    • Ein Blick auf die Vertriebsstruktur (ab 10:00)
    • Die Pandemie als Beschleuniger für das online Geschäft? (ab 17:49)
    • Vor- und Nachteile der Zentralisierung intern aus dem Unternehmen heraus. (ab 19:28)
    • Thema Graumarkt (ab 25:30)
    • Wie ist Victorinox im asiatischen online Handel aufgestellt? (ab 27:47)
    • Amazon aus dem operativen vs. strategischen Blickwinkel  (ab 30:52)
    • Abschluss (ab 34:25)

  • Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert

    Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert

    Heute schauen wir uns das Unternehmen Wiesemann 1893 einmal genauer an. Gründer und Geschäftsführer von Wiesemann 1893, Manuel Siskowski, zeigt uns wie er mit seinem Team „alte Handwerkzeugskunst“ neu aufgelegt und komplett digitalisiert hat. Christian Kelm und ich hatten so viele Fragen, dass wir noch einen weiteren Podcast hierzu aufnehmen werden.

    • Intro und Vorstellung Manuel Siskowski, Gründer und Geschäftsführer von Wiesemann 1893
    • Test Christian Kelm: Wieviele Handwerkzeugmarken sind bekannt? (ab 2:48)
    • Positionierung, Portfolio, Aufstellung und Vertrieb Wiesemann 1893 (ab 4:34)
    • Zukunftspläne Wiesemann 1893 (ab 20:56)
    • Was sagen Mitbewerber? (ab 25:27)
    • Vor- und Nachteile des rein digitalen Models und Kundenansprache (ab 30:17)
    • Amazon Content und Onlineshop Content sind nahezu gleich. Welche Entscheidungen sind wann und warum zum Thema Amazon getroffen worden? (ab 39:05)
    • Abschluss und Ausblick auf die Fortsetzung dieses Gesprächs in einer weiteren Amazon Dorf Talk Folge (ab 44:07)

  • Markteinstieg im Onlinehandel in Asien – wie könnte das aussehen?

    Markteinstieg im Onlinehandel in Asien – wie könnte das aussehen?

    Im heutigen Gespräch werfen wir einen Blick auf den asiatischen Onlinehandel. Wie schaffe ich es aus Europa heraus in diesem Markt Fuß zu fassen und warum ist dieser Schritt auch insbesondere für Luxusmarken seit Covid-19 eine Chance? Wo gibt es Unterschiede zu Amazon und wie steht es um die Kostenstruktur? Gibt es eventuelle Stolpersteine? Als China und Luxury Brand Expert gibt uns Marcel Roessner, ehemals Alibaba Tmall, heute bei Zalando, spannende Insights, die er durch langjährige Erfahrung im Luxusmarkensegment sammeln konnte.

    • Intro und Vorstellung Marcel Roessner, ehemals Alibaba Tmall heute bei Zalando SE
    • Wie sahen die ersten Schritte in Richtung Asien und die Platform Tmall aus? (ab 5:13)
    • Unterschiede Amazon vs. Tmall (ab 7:45)
    • Was sind die ersten operativen Schritte für die tatsächliche Umsetzung? (ab 9:55)
    • Kostenstruktur (ab 15:54)
    • Wo liegen eventuelle Stolpersteine? (ab 18:06)
    • Abschluss (ab 32:21)

  • Amazon Dorf Talk – Brauche ich einen eigenen Onlineshop?

    Amazon Dorf Talk – Brauche ich einen eigenen Onlineshop?

    Auf der Suche nach einer Wasserrohrzange habe ich mich im Onlinesortiment bei Knipex direkt auf deren Webseite einmal genauer umgeschaut – zum Kauf wurde ich letztendlich allerdings auf Amazon fündig. In der heutigen Ausgabe des Amazon Dorf Talks diskutieren Christian Kelm und ich die Option des Herstellers überhaupt gar keinen eigenen Onlineshop zu betreiben, dafür aber Marktplätze zu bestücken.

    • Intro
    • Wie ist Knipex auf Amazon aufgestellt? (ab 2:18)
    • Warum hat Knipex keinen Onlineshop? Unsere Theorien. (ab 4:53)
    • Vendorenkonzept vs. Sellerkonzept nochmals kurz erklärt (ab 12:00)
    • Was brauche ich als Marke um online erfolgreich zu sein? (12:55)
    • Exkurs zu Disney (ab 15:00)
    • Wo setzt Knipex an? (ab 22:45)
    • Abschluss (ab 26:00)

  • „Blockheizkraft? Nein danke!“ Ein alltägliches Beispiel von Deutschlands Digitalstau

    „Blockheizkraft? Nein danke!“ Ein alltägliches Beispiel von Deutschlands Digitalstau

    Wie der Künstlername „Digitalkaufmann“ vermuten lässt, bin ich der Letzte, der Deutschland als „digitale Wüste“ beschimpft und uns am Liebsten eine Silicon-Valley-Kur pur verschreiben will. Das Valley mag ja tonangebend sein. Was man aus der Ferne nicht merkt, sind die gewaltigen sozialen Probleme und die grottenschlechte Lebensqualität. In und um Hamburg haben wir auch ein Unicorn und viele spannende digitale Player dazu, haben aber ebenfalls einen funktionierenden ÖPNV und die allgemeine Krankenversicherungspflicht. Nein, ganz wie das Silicon Valley wollen wir nicht werden. Ja, ich bin hier in der norddeutschen Tiefebene eigentlich ganz zufrieden.

    Eigentlich. Denn bei aller Liebe zu unserem Land und bei allem Verständnis dafür, dass wir in Europa nicht einfach alles von den Amerikanern oder den Asiaten kopieren wollen oder können: Im Alltag versucht Deutschland gerade gefühlt alles, mich – und viele andere Bürger – sehr unzufrieden zu machen. Mal ist es die hiesige Verwaltung, die – wie wir in der Corona-Krise alle merken – irgendwo zwischen den Einstellungen „eine Spur zu behäbig“ und „vollends vor der Wirklichkeit kapituliert“ an Faxgeräten festhält und sonst so herrlich bundesrepublikanisch vor sich hinwurstelt. Mal sind es die eklatant hinkende Digitalisierung und der dadurch zum Ausdruck gebrachten Mangel an Kundenfokus deutscher Unternehmen, die einen verzweifeln lassen.

    Und weil wir hier in der dritten Welle alle das böse C-Wort nicht mehr hören können, wähle ich heute ein Beispiel aus der Firmenwelt des berühmten deutschen Mittelstands, um zu zeigen, wie wir in diesem Land Tag ein, Tag aus unser eigentlich riesiges Potenzial in den Wind schlagen.

    Die Geschichte fängt vor fünf Jahren an, als ich gebaut habe. Immer nur Zukunftsfähigkeit predigen und selber keine neuen Wege gehen? Das konnte es nicht sein. Weshalb ich auch vor der eigenen, noch einzubauenden Tür kehren und mein neues Zuhause smart und energieeffizient betrieben wissen wollte. Als eine sehr vernünftige Lösung dafür wurde mir ein hauseigenes Blockheizkraftwerk angepriesen – eine Anlage also, die zwar Gas verbrennt, dabei aber Strom erzeugt und so den ökologischen Fußabdruck verkleinern sollte. Ich war sofort angetan. Das war ja eine Technologie, die bislang nur bei Stadtwerken und Baugenossenschaften zum Einsatz kam. Und jetzt gab es die für zu Hause? Die technikverliebten Ingenieure des deutschen Mittelstands machten es möglich!

    So habe ich mich trotz des leicht schwindelerregenden Preises für ein Mini-Blockheizkraftwerk von Vaillant entschieden. Guter deutscher Maschinenbau – und noch dazu „smarte“ Funktionen wie Internetverbindung? Was will man mehr? Was das nämlich alles später ermöglichen könnte! Vielleicht würde man die Anlage künftig mit einem smarten Stromzähler verbinden und überschüssigen Strom ins Netz abgeben können? Oder in einen bis dahin bestimmt handelsüblich gewordenen E-Flitzer vor der Haustür leiten? Ich sah mich da schon in der Pionierrolle meiner Vorgänger im Ort, die in den frühen 2000ern bauten und dank dem Einspeisegesetzes sogar etwas Geld mit der damals auch nicht günstigen Investition Solarpaneel verdienten. Und für die Zwischenzeit würden die smarten Eigenschaften des BHKW bestimmt zu besserer Fehlererkennung und vernünftigerer, weil vorausschauender Wartung führen…

    Fünf Jahre später bin ich ernüchtert – und stehe, fast knöcheltief in ausgelaufenem Kühlwasser, in meinem Keller vor einem Haufen Sondermüll der besonders teuren Sorte. Viele keineswegs smarten sondern starr nach Plan terminierte Wartungen und einige kostspielige – persönlich, von mir am Telefon organisierten – Reparaturen später steht fest: „smart“ und „connected“ war an dieser Anlage nichts.

    So stellte sich heraus, dass die Verbindung mit dem Internet eigentlich nur bedeutete, dass man (Betonung auf:) eventuell eine E-Mail bekam, wenn es eine Störung gab. Diesen Störfall hatte man aber meistens schon vor Ankunft der E-Mail bemerkt, da es im Haus etwas kühl geworden war – oder daran, dass das Fehlerlämpchen an der mal wieder persönlich von mir, inzwischen schon fast routinemäßig, inspizierten Anlage blinkte. Fernwartung oder -fehlererkennung? Gar predictive maintenance? Fehlanzeige! Nein: Trotz Meldetechnik aus 2015 musste, ganz wie 1985, die Anlage erst kaputt gehen und wir einige Wochen vor eilends herbeigeschafften Heizelementen ausharren, bis ein Techniker von Vaillant vorbeikam.

    Und dieser hatte dann keinen Zugriff auf die möglicherweise für die Fehlerdiagnose und -behebung relevante Daten. Denn diese wurden schlichtweg nicht erfasst. Ja, richtig: Die Anlage wurde als „smart“ verkauft und kann sich mit dem Internet verbinden, kann sich vermutlich ein Instagram-Konto anlegen, nur: Nützliche Daten über den eigenen Betrieb kann sie nicht sammeln. Das könnte ja zu einer Profilierung von unserem Verbrauch führen und sei – hat mir einer am Telefon nach einem verzweifelten Wutausbruch meinerseits erklärt – nicht mit den hierzulande geltenden Vorstellungen vom (ja, ihr ahnt’s schon) Datenschutz vereinbar!

    Meiner Vorstellung von Datenschutz entspricht es allerdings auch nicht, das Vaillant mir eine Anlage geliefert hat, die sich mit dem Internet verbinden, mich aber nicht vor den allzu häufigen Störungen mit Daten über Verbrauch, Stillzeiten usw. schützen kann. Das ist das Schlechteste aus beiden Welten: Hacker könnten bei Vaillant eindringen, meine Anschrift samt IP-Adresse meiner Heizung erbeuten – und für dieses Risiko bekomme ich: Nichts.

    Schlusspointe: Bei unserem ach so auf Qualität und Langfristigkeit bedachten Mittelständler Vaillant (Website-Banner: „Umweltfreundliche Heizlösungen“ und Hashtag #warumwarten) besteht die vorgeschlagene Lösung in der Verschrottung unseres fünf Jahre alten Blockheizkraftwerk – zusammen mit einem Kostenvoranschlag(!) für ein Neues. Hmm. „Blockheizkraft? Nein danke!“

    Wir schreiben also 2021 und ich habe mein „smartes“ Blockheizkraftwerk grade ersetzen lassen, in der stillen Hoffnung es möge irgendwie funktionieren. Ja, soweit hat mich Deutschland, hat mich der deutsche Mittelstand mittlerweile. Ich glaube, als nächstes rufe ich bei Telefunken an: Vielleicht haben die noch ein Faxgerät für mich übrig. 

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Update April 2021

    Amazon Dorf Talk – Amazon Update April 2021

    Heute gibt es einen bunten Blumenstrauß an Themen: Was war los bei Amazon im April 2021? Wir haben uns den 2020 Letter to Shareholders angeschaut und auch die neue Amazon App etwas genauer unter die Lupe genommen. Welche Änderungen wird bzw. gibt es in der Portfoliostruktur?

    • Intro
    • 2020 Letter to Shareholders (ab 1:25)
    • Die neue Amazon App – von der Suchmaschine hin zu Inspiration (ab 6:48)
    • Änderungen/Umdenken hinsichtlich Portfoliostruktur (ab 14:31)
    • Schlusswort (ab 25:43)

  • Rechtstexte für Websites und Online Shops digitalisiert

    Rechtstexte für Websites und Online Shops digitalisiert

    Niklas Plutte ist Gründer und Geschäftsführer von avalex GmbH, einem Unternehmen, das sich darauf spezialisiert hat  Rechtstexte für Websites oder Online Shops zu erstellen, die sich dann automatisch an die aktuelle Rechtslage anpassen. Wie funktionieren die Prozesse dahinter und wäre die Idee noch erweiterbar bzw. gibt es Konkurrenz? Danke Niklas für einen spannenden Einblick und weiterhin viel Erfolg!

    • Intro Thematik und Niklas Plutte
    • Vorstellung avalex GmbH (ab 3:13)
    • Zielkunden von avalex (ab 6:00)
    • Könnte avalex auch als Abmahnbusiness funktionieren? (ab 7:46)
    • Rechtsanwälte und Digitalisierung, wie ist da der Stand? (ab 9:40)
    • Wird es in Zukunft beispielsweise auch Möglich sein gesellschaftsrechtliche Verträge so abzubilden, oder andere Bereiche? (ab 12:36)
    • Kundenakquise (ab 17:38)
    • Wie steht es um Notare und Digitalisierung? (ab 24:40)
    • Abschluss (ab 29:09)

  • Amazon Dorf Talk – Mythen zum Thema Vendor vs. Seller

    Amazon Dorf Talk – Mythen zum Thema Vendor vs. Seller

    In der heutigen Ausgabe sind Christian Otto Kelm und ich zusammen mit Frank Holzweissig, Leiter E-Commerce bei Rotho Kunststoff AG, noch einmal tiefer in das Thema Vendor vs. Seller eingestiegen. Welche Mythen bestehen rund um diese Thematik? Wie können sich Unternehmen mit Amazon besser aufstellen bzw. besser einigen?

    • Intro
    • Lieblingsmythos 1 : Thema Arbeitsaufwand (ab 2:30)
    • Mythos 2: Thema Logistik (ab 6:12)
    • Mythos 3: Thema Pricing (ab 18:24)
    • Mythos 4: Thema Erreichbarkeit 24/7 (ab 29:48)
    • Zusammenfassung und Abschluss (ab 36:24)