Kategorie: Amazon Toolbox

  • Vergesst die Superlativen! Die eigentliche Bedeutung von Amazon Prime Day war eine andere

    Vergesst die Superlativen! Die eigentliche Bedeutung von Amazon Prime Day war eine andere

    Wisst ihr noch, die alte Masche vom Schulhof? „Guck mal da! Siehst du das nicht? Nee, da! Daaaa…“ sagen die einen, während die anderen dem armen Opfer hinterrücks eine böse Überraschung bereiten? (Bei uns wahlweise das Mittagessen aus dem Ranzen klauen oder einen großen Zettel mit „Ich bin doof“ am Rücken befestigen.) Jetzt, wo alle aus der Sommerpause wieder zurückkommen und auch in Bayern und Baden Württemberg die Kinder wieder in die Schule gehen, musste ich daran denken.

    Denn in der Ferienzeit ist Amazon ein ähnlicher Trick gelungen.

    „Prime Day 2019 Surpassed Black Friday and Cyber Monday Combined!“ posaunte die Überschrift der Konzern-Pressemitteilung zum diesjährigen Seattler Schnäppchenfest. Tenor des Textes: groß, größer, am Primesten. Jeder Absatz strotzte nur vor Zahlen: 175 Millionen Artikel verkauft! Zwei Milliarden Dollar Umsatz an einem Tag! Hunderttausende hiervon, Hunderttausende davon in soundso vielen Ländern! Guckt mal hier! Himmelhohe Zahlen!!

    Die Überschriften in den Medien speisten sich erwartungsgemäß daraus: „Amazon Prime Day 2019: Das waren die Top-Seller!“ lautete etwa eine typische bei Computerbild.de. Und keine Frage, die Zahlen sind imposant. Interessanter wären allerdings Zahlen für die Produkte, die Amazon zwar erwähnte, deren Umsatz der Konzern aber nicht bezifferte: nämlich seine eigenen.

    „Alexa, How Was Prime Day?“ fragte Amazon selbst in der ersten Hälfte der Überschrift seiner Pressemitteilung – eine Frage, die die zweite Hälfte ja beantwortete (siehe oben). Im ersten Absatz hieß es dann geradeaus: „Prime Day was also the biggest event ever for Amazon devices (…) top-selling deals worldwide were Echo Dot, FIre TV Stick with Alexa Voice Remote, and Fire TV Stick 4K with Alexa Voice Remote.“ Das erwähnten viele der Medien auf dem Amazon-PR-Verteiler auch: Computerbild schrieb auch in einer Zwischenüberschrift, dass „Amazon-Geräte weltweit beliebt“ seien. Doch gerade hier hätte man eigentlich merken können, dass dies die eigentliche Kerninformation war – und nicht, dass „auch andere Produkte, die unter den Zigtausenden Schnäppchen zu finden waren, es den Prime-Kunden angetan hatten“.

    Denn hier stellen sich allerhand Fragen, zuallererst: Wie viele Alexas und Fires denn genau? Und warum gibt Amazon hier keine Zahlen bekannt, wo man doch in derselben PM peinlichst genau aufgezählt bekommt, dass in den USA 100.000 Brotdosen, 100.000 Laptops, 200.000 Fernseher, 350.000 Luxuskosmetikartikel sowie 400.000 Bestellungen für Haustierbedarf am Prime Day über die virtuelle Theke gingen? Weil die einzelnen Handelsprodukte strategisch unwichtig sind und das Unternehmen daher offen drüber kommuniziert. Alexa & Co. sind aber als exklusiver Kundenbindungskanal, die das Bestellverhalten von Amazon-Kunden nachhaltig ändern soll, Chefsache – und eben keine Füllmasse in der Zahlenwand.

    Eine weitere Frage, die sich daraus ergibt, ist eher rhetorischer Natur: Krass! Die Leute kaufen die Dinger selber? Amazon muss sie nicht verschenken?! Die Antwort hier ist allerdings, dass diese Frage nur wir Commerce-Experten stellen, die wir ja wissen, dass die Kunden mit dem Kauf von Echo-fähigen Devices Amazon den Schlüssel zu ihrem Kaufverhalten in die Hand drücken und dabei auch noch die Haustür sperrangelweit auf lassen. Uns erscheint daher logisch, dass Kunden dafür eine Gegenleistung verlangen (beziehungsweise zumindest nicht dafür selber zahlen wollen) sollten. Aus Kundensicht stellt sich diese Frage aber nicht – oder die Gegenleistung ist klar ersichtlich: Amazon verkauft mir einen günstigeren Flachbildschirmfernseher/Tablet-Computer/Lautsprecher und bietet mir sogar oben drauf auch noch die megapraktische Alexa-Anwendung dazu an, die mein Leben einfacher macht! Geil!

    Letztendlich ist es nichts anderes, als der Kuhhandel, den der Kunde mal mehr, mal minder wissend mit Apple und Google (hier in der Variante Android) eingeht: Du kaufst ein Gerät und wir stellen dir einen Betriebssystem zur Verfügung; im Gegenzug wissen wir alles über dich und haben einen privilegierten Zugang zu dir als Kunden. Amazon schiebt sich mit Echo an den Filtern Handy und Desktop vorbei und bindet den Kunden per Gerät direkt an sich. Und da Voice erst am Anfang seiner Entwicklung steht und sicherlich eine immer größere Rolle im Commerce der Zukunft spielen wird (und längst nicht nur im Verkauf von schnöden Waren wie Brotdosen…), ist Amazon mit Alexa ein brillanter erster Zug gelungen, wenn es darum geht, die Kundenbindung auf diesem Schachbrett zu zementieren.

    Aber guckt mal! PrimeDayLive in München mit den Fantastischen Vier und Clueso! Guckt ihr? Taylor Swift für Amazon in New York! Ja, guckt, da oben…!

  • Ortlieb vs. Amazon: Ein fulminanter Sieg – in einem Nebenkriegsschauplatz

    Ortlieb vs. Amazon: Ein fulminanter Sieg – in einem Nebenkriegsschauplatz

    Diesen Artikel findet ihr ab jetzt auch direkt bei e-tailment

    Nun ist es amtlich: Der Bundesgerichtshof hat es Amazon verboten, Google-Anzeigen auf Suchanfragen wie „Ortlieb Fahrradtaschen“ zu schalten, die dann zu Angeboten von anderen Herstellern auf Amazon führen (hier Meldung nachlesen). Das kommt nicht ganz überraschend. Ist es auch schwer, eine Argumentation zu finden, die diese Praxis rechtfertigen kann: Nicht nur Deutschland, sondern alle hochentwickelten Volkswirtschaften nehmen den gesetzlichen Schutz von Markenrechten sehr ernst, weil sie ein Kernelement des Kapitalismus bilden. Wo kämen wir denn sonst dahin, wenn jeder mit „Porsche“ werben dürfte, um Opels zu verkaufen? Und sagen wir es mal so: Ich möchte sehen, wie lange Amazon tatenlos zuschauen würde, wenn ein Hersteller von No-Name Lesegeräten Google-Anzeigen auf „Kindle“ zu buchen versuchte…

    Ja, solche Raub-Anzeigen stellen schon – auf gut Hamburger Kaufmännisch gesagt – ein fragwürdiges Geschäftsgebaren dar. Ortlieb muss sich wehren können, wenn seine Markenrechte derart beschnitten werden und es ist nur zu begrüßen, dass der Bundesgerichtshof der Firma endlich Recht gegeben hat.

    Ortlieb sieht dieses Urteil allerdings bestimmt als eine Art ‚Etappensieg‘ in seinem Kampf gegen Amazon an – und gerade das ist problematisch. Denn der kleine Premiumhersteller aus der schwäbischen Provinz möchte nichts, aber rein gar nichts mit Amazon zu tun haben und versucht seit Jahren seine Ware partout von der Plattform fernzuhalten beziehungsweise runterzubekommen: „Seit 2011 müssen Fachhändler, die Beutel und Rucksäcke vertreiben wollen, zudem eine Vertragsklausel unterschreiben. Sie dürfen die Ware nicht auf digitalen Marktplätzen wie Amazon anbieten. Wer wiederholt dagegen verstößt, fliegt raus,“ berichtete die ZEIT (29/2019, kostenpflichtig). Es ist der nachvollziehbare Versuch, den Vertrieb exklusiv zu halten und damit dem Preissog und der Beliebigkeit zu entkommen. Es ist aber ein zum Scheitern verurteilter Versuch.

    Klar, Amazon darf jetzt nicht mehr mit dem Markennamen Ortlieb als Lockvogelware im Netz hantieren. Was Ortlieb aber gar nicht verhindern kann, ist, dass Kunden, die schon bei Amazon sind und in der konzerneigenen Sucheingabe nach dem Markennamen suchen, auch andere Produkte angezeigt bekommen. Das, haben Gerichte geklärt, ist nach wie vor zulässig – genau wie es zulässig ist, dass ein stationärer Fahrradhändler, der ebenfalls kein Ortlieb listen darf, Kunden, die sich im Laden nach dieser Marke erkundigen, auf Fahrradtaschen anderer Hersteller aufmerksam macht, bevor sie wieder rausgehen.

    Das Problem für Ortlieb ist: Es suchen und kaufen verdammt viele Leute bei Amazon Produkte. Nach wie vor wird schätzungsweise jeder zweite Euro, der im Online-Handel in Deutschland umgesetzt wird, bei Amazon ausgegeben. So werden entsprechend viele Kunden einerseits von frechen Fachhändlern unautorisiert reingestellte beziehungsweise andererseits vom Konzern irgendwie verschaffte und gelistete Ortlieb-Produkte auf Amazon vorfinden und kaufen oder, schlimmer noch: Sie werden Produkte von anderen Marken kaufen, die auf Amazon eine gute Präsenz haben.

    Das ist für Ortlieb eine reine lose-lose-Situation. Entweder kaufen die Kunden ohne die fachliche Beratung, die Ortlieb ihnen zuteil lassen werden möchte und ohne, dass der Hersteller durch den Kauf den direkten Kontakt zu ihnen aufbauen kann, oder sie kaufen eben gar keine Ortlieb-Taschen.

    Insofern wird sich bald zeigen, dass der Sieg über Amazon vor Gericht zwar fulminant und umfassend war, dass er aber am Verlauf des Krieges wenig ändert, weil er eben auf einem Nebenschauplatz stattfand. Für meine Begriffe kämpft Ortlieb auf verlorenem Posten.

  • Amazon und die Apotheker #3: Was nach 2025 von Amazon zu erwarten sein wird

    Amazon und die Apotheker #3: Was nach 2025 von Amazon zu erwarten sein wird

    Schön, dass Sie sich wieder zur Behandlung bei uns einfinden! Viele brechen nämlich bereits nach der ersten Sitzung ab, weil die Nebeneffekte so unangenehm ausfallen. Auch die zweite Verabreichung kann es in sich haben. Dabei kann ich zumindest die Apotheker jetzt beruhigen: Das Schlimmste haben Sie jetzt hinter sich! Und nachdem dieser Blick in die Zukunft für diejenigen besonders schmerzhaft ausgefallen ist, die vorwiegend mit dem stationären Handel von Arzneimitteln versuchen, Geld zu verdienen, müssen jetzt andere Akteure im Gesundheitssystem die Zähne zusammen beißen.

    Denn Stand 2025 hat Amazon nicht nur Verwerfungen im Medikamenten-Markt verursacht, sondern diesen regelrecht aufgerollt. Wir befinden uns seit 2022 in einer liberalisierten Umgebung, in dem sich Deutsche weitestgehend ohne Gang zu einem der wenig verbliebenen stationären Apothekern mit Arzneimitteln versorgen dürfen – und dieses auch gern tun. Bereits im Frühjahr 2019 brachte sich Amazon in Deutschland mit diversen Personalien in Stellung, damit es pünktlich zur Aufhebung des Fernhandelsverbots von verschreibungspflichtigen Medikamenten durch die aus der Bundestagswahl 2021 hervorgegangene Koalition loslegen konnte. Vor allem chronisch Kranke haben Dienste wie automatischer Nachschub und Alexa schätzen gelernt. Neue Amazon-Health-Produkte, die Anfang der 2020er als MVP mit MedTech-Start-ups auf den US-Markt gebracht wurden, werden nun nach und nach in Deutschland gelauncht.

    Auch viele ältere Patienten sind von den Leistungen Amazons begeistert. Die 80-Jährigen von 2025 waren nämlich Anfang der 2000er die ersten ‚Silver Surfer‘: eine ganze Rentnergeneration hat schon seit 10 Jahren Smartphones und findet – nun, da sie zunehmend schlecht sieht und das Gedächtnis nachlässt – nichts dabei, Alexa zu fragen, welche der zwei Pillen in dem Umschlag „Dienstag“ gleich nochmal vor dem Mittagessen einzunehmen ist…

    Soviel zur Ausgangslage 2025: Was unternimmt das nunmehr weltgrößte Unternehmen (dessen Gründer Jeff Bezos übrigens zum Anfang des Jahres abdankt, da er Ende Januar als US-Präsident eingeschworen wird) als nächstes im angesichts des fortschreitenden demografischen Wandels nach wie vor höchstattraktiven Gesundheitssektor?

    i) Amazon verstärkt das B2B Pharma Business und beliefert Krankenhäuser und Praxen.

    Nachdem es sich den B2C-Arzneimitttelhandel mit ein paar europaweit aktiven Pure-Playern mehr oder minder vollständig aufgeteilt hat, entschließt sich Amazon dazu, durch die Belieferung von Gewerbekunden neue Zielgruppen zu erschließen. Schließlich ist der Konzern mit Amazon Business mittlerweile seit bald 10 Jahren in Deutschland vertreten. Die Position im B2B-Handel ist entsprechend stark. Und: Aufgrund des steigenden Kostendrucks im Gesundheitssystem – die Babyboomer werden nun gebrechlich und deren immer teureren Behandlungen müssen von einer stark abnehmenden Erwerbsbevölkerung bezahlt werden – und aufwändiger Beschaffungsprozesse ist ein Kooperation mit Amazon Business für Krankenhäuser besonders attraktiv. Mit Lösungen wie die bereits in den USA verbreiteten Dash-Buttons sowie predictive purchasing auf Basis von historischen Verbrauchsdaten hilft Amazon, den hektischen Klinikalltag etwas entspannter zu machen. (Dass die Preise unschlagbar günstig sind, muss man wohl nicht extra erwähnen.)

    ii) Amazon steigt in den Markt der privaten Krankenkassen ein.

    Bereits im Januar 2018 gründeten Amazon, Berkshire Hathaway und J.P. Morgan Chase eine Krankenkasse für die eigenen Mitarbeiter. Zudem gingen sie ein Bündnis ein, die sich mit der Digitalisierung vom US-Gesundheitsmarkt befasst. Es handelt sich immerhin um einen im internationalen Vergleich sagenhaft ineffizient organisierten Sektor, der 16% des US-amerikanischen Bruttoinlandsprodukts verschlingt – und indem es sich einige Anbieter mit sehr hohen Margen äußerst bequem eingerichtet haben. 2025 betreibt dieses Bündnis schon erste eigene Krankenhäuser in Metropolen wie New York und Los Angeles. Ein Flaggschiff-Hospital wird demnächst in Sichtweite vom Amazon-Sitz in Seattle eröffnet.

    Obwohl der Gesundheitssektor in Deutschland vergleichsweise effizient aufgestellt ist, hüben wie drüben weiß Amazon die Trägheit in der privaten Krankenversorgung auszunutzen. Und die kleinteilig organisierten deutschen PKV haben die Entwicklungen der letzten Jahre verschlafen. Jüngere Kunden machen sich kundig und lassen sich immer seltener mit Lockprämien ködern. Schließlich sehen sie, wie ihre Eltern nun mit dem Renteneintritt plötzlich vierstellige Summen an ihre privaten Versicherer überweisen müssen und dabei komischerweise viele neue Medikamente selber zahlen müssen. So viel umsonst O-Saft kann man bei seinen Krankenhausaufenthalten im Einzelbettzimmer gar nicht trinken, als dass man auf seine Kosten käme.

    Hier sieht Amazon einen großen Markt: Da der Konzern bereit ist, weniger Marge als klassische private Krankenkassen zu akzeptieren, solange es der Kundenbindung an die Amazon-Infrastruktur dient, kann er sich es leisten, attraktivere monatliche Prämien anzubieten. Zudem besitzt Amazon bereits so viele Daten über Bestandskunden, dass es ihre Attraktivität als potenzieller Versicherter deutlich besser beurteilen kann, als das eine herkömmliche private Krankenkasse auf Basis eines Fragebogens zu tun vermag. Mit solchen aufwandsarmen, gesundlebenden Kunden geht Amazon eine äußerst sichere Wette ein und setzt seine Krankenversicherungsaktivitäten auf einem soliden Fundament auf.

    iii) Amazon baut seine Vormachtstellung als One-Stop-Solution aus.

    Amazon besetzte schon in den 2010er-Jahren relativ weitläufig den Kundenzugang. So gehörten Nahrungsergänzungsmittel schon 2019 zu einer besonders starken Kategorie bei Amazon in Deutschland. Die Nähe zu OTC-Produkten und verschreibungspflichtigen Medikamenten ließ also schon vorher darauf schließen, dass Amazon auch für diese Produkte das Vertrauen der Verbraucher genießen würde.

    Mit Hilfe von Geräten wie Echo konnte Amazon zudem seinen Einfluss auf den Kaufprozess des Kunden weiter ausbauen und einen immer größeren Anteil der Haushaltsausgaben für sich beanspruchen. Das Ergebnis: Im Jahr 2025 ist es in vielen Haushalten vollkommen normal, sich mit Alexa über Symptome einer Krankheit zu unterhalten. Zudem stellen von Start-ups in Partnerschaft mit Amazon Health entwickelte smart peripherals wie vernetzte Thermometer Alexa eine Reihe von Daten direkt zur Verfügung. Und bei einigen besonders fortschrittlichen Arztpraxen sind Termine über Voice zu buchen…

    So spannend solche Aussichten für Konsumenten, Krankenhäuser und Versicherte sein mögen, unsere Langzeitvorhersagen fallen weniger erfreulich aus für Handelsunternehmen in der Lieferkette zum Krankenhaus, für private Krankenkassen und für all diejenigen im Gesundheitssektor, die es bislang gewohnt sind, direkten Zugang zum Konsumenten zu genießen. Aber so viel Ehrlichkeit muss sein.

    Und jetzt haben Sie diese teilweise schmerzhafte Behandlung absolviert. Sie waren sehr tapfer. Mein ärztlicher Rat: Zur Sicherung des Behandlungserfolg in regelmäßigen Abständen hier reinlesen! Und wenn ich Ihnen im Umgang mit der unerfreulichen Diagnose behilflich sein kann, zögern Sie nicht. Aber erst einmal brauchen Sie sich keinen Termin am Empfang geben lassen: Gehen Sie raus und genießen Sie den Frühling!

  • Amazon und das Gesundheitswesen #2: Wie Amazon 2020-2025 den Gesundheitsmarkt umkrempeln wird

    Amazon und das Gesundheitswesen #2: Wie Amazon 2020-2025 den Gesundheitsmarkt umkrempeln wird


    Willkommen zum zweiten Termin in meiner „Praxis“: In dieser etwas unangenehmen Behandlung geht es um Amazon und die Gesundheitsbranche. Bitte nehmt im Wartezimmer Platz, ihr werdet gleich aufgerufen. Der Blick in die Zukunft des deutschen Gesundheitssystems hat durchaus Nebenwirkungen wie Übelkeit, Ein- und Durchschlafprobleme sowie krankhaft wiederkehrende Alpträume. Danke, dass Ihr Euch nicht abschrecken lasst und weitere Einblicke zulassen wollt.

    Die Verabreichung der ersten Dosis begann mit einem kurzen Status-Quo zu Amazon und seinen Geschäftsfeldern. Daraus leiteten wir ab, was Amazon allein mit bestehenden Fähigkeiten und unter Anwendung erprobter Vorgehensweisen schon in den nächsten zwei Jahren im deutschen Gesundheitsmarkt alles auf die Beine stellen könnte. Der Amazon-Markteintritt durch Zukäufe samt neuem Kundenmehrwertkonzept (Stichwörter: Abo-Modelle, Nachschub per Alexa, Same-Day-Delivery), den ich für 2019-2020 vorhersagte, wird – so meine weitere düstere Prognose – dazu führen, dass Gesundheitsversorger unter noch mehr Druck geraten als ohnehin schon.

    Das Modell „flächendeckend stationäre Apotheke“ wird zuerst dem Angriff von Amazon irgendwie standhalten müssen. Die Stärken der klassischen Apotheken sind nicht darauf ausgerichtet einem skalierbaren Online-Konzept und dessen kompetenter Umsetzung etwas entgegensetzen zu können. Vielmehr werden eine Menge „alter“ Nachteile durch ein derartiges Konzept umso klarer sichtbar. Regionale Gebundenheit, nur begrenzt mögliche Skalierung, teures und zahlreiches Personal im stationären Bereich und eine Mischmarge aus Rezept- wie OTC-Umsätzen waren über Jahrzehnte erhebliche Vorteile der Apotheken– diese drehen sich nun ins Gegenteil. Derzeit geht es den Apotheken noch einigermaßen gut, weil viele Vorschriften die Deutschen regelrecht dazu anhalten, ihre Rezepte bei ihnen einzulösen. Bisher ein schöner Nebeneffekt: Beim Einkauf landen immer auch einige rezeptfreie Waren in der Einkaufstasche der Kunden. Je weniger Kunden allerdings in die Apotheke kommen, desto schneller kippt das System: Sobald der Kunde nicht mehr wegen eines Rezeptes in die Apotheke „muss“, wird auch das Segment der OTC/Mitnahme-Produkte erheblich unter Druck geraten. Ähnlich wie ich es bei der „Retail Apokalypse“ dargestellt habe, wird auch bei den stationären Apotheken die Abnahme der Kundenzahl erhebliche strukturelle Änderungen mit sich bringen. Hinzu kommt ein weiterer kritischer Aspekt: wer vom politischen Willen lebt führt eine Existenz auf Messers Schneide. (Ja? Fragt mal bei den AKW-Betreibern, den Landesbanken oder den Schornsteinfegern nach, wie es sich anfühlt, von heute auf morgen die Rückendeckung der Politik zu verlieren.)

    Daher betreffen die mittelfristigen Prognosen für die Gesundheitsbranche 2020-2025 in erster Linie die Apotheker, da sie als Händler am Unmittelbarsten unter dem Vorstoß von Amazon leiden werden. Aber auch an Herstellern, Ärzten und sogar Krankenkassen wird die wachsende Marktmacht des Konzerns im Pharmabereich nicht spurlos vorbeigehen. Allerdings treten für Letztere die Folgen erst etwas später ein. Darum wird es in meiner Langzeitvorhersage im dritten Teil dieser Serie gehen.

    So, nun bitte ins Sprechzimmer, jetzt wird es konkret:

    i) Die Zahl der stationären Apotheken nimmt ab 2020 rapide ab.
    2020 spielt der stationäre Handel neben digitalen Vertriebskanälen nur noch eine untergeordnete Rolle im alltäglichen Leben der Konsumenten. Die Folge: Branchenübergreifend haben Händler in allen Lagen aufgrund abnehmender Besucher-Frequenz mit starken Umsatzeinbußen zu kämpfen. Nachdem Amazon 2019 mit seinem OTC-Konzept den Apothekern schon einige Frequenzbringer abjagte und Anfang 2020 einige rechtliche Hürden für den Versand verschreibungspflichtiger Medikamente aus dem Weg geräumt werden, blicken stationäre Apotheken auf eine unsichere Zukunft.

    ii) Die Informationssuche sowie der Einkauf verlagern sich endgültig ins Internet.
    Nicht nur der Kauf von Produkten verlagert sich in digitale Kanäle: Auch die Informationssuche und der Produktvergleich finden zunehmend online statt. Insbesondere Pharmaprodukte, die über standardisierte Kriterien, Abmessungen und Inhaltsangaben verfügen, können online einfacher verglichen werden. Analog zu Versicherungscheckmaschinen bieten mittlerweile seriös aufgestellte, redaktionell betreute Webseiten gute Übersichten verfügbarer Medikamente an – mit direktem Durchklick zur Bestellung beim günstigsten und schnellsten Anbieter (also: Amazon). Der gesamte Prozess von der Informationssuche bis zum Kaufabschluss kann also online abgebildet werden. Die Apotheken-Umschau, 2018 Deutschlands reichweitenstärkstes Publikumsheft, baut zu Ende 2021 erste Redaktionsstellen ab.

    iii) Mit der Wahl einer neuen Regierung 2021 entfällt das aktuelle Rx-Versandverbot.
    Der vierte GroKo-/erste Jamaika-Vertrag enthält eine Passage, die eine Abschaffung des Versandverbots für Medikamente beinhaltet. Wo es 2018 hieß, man stärke „die Apotheke vor Ort“ und setze sich für ein Verbot des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ein, steht in diesem Vertrag (nicht ohne eine gewisse Ironie): „Wir stärken die Versorgung vor Ort: Einsatz für die Sicherstellung des Versandhandels mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln.“ Gegen das Lobbying des Apothekenverbands haben sich Interessenvertretungen chronisch kranker Patienten sowie Krankenkassen und Ärzte durchgesetzt.

    iv) Internationale Transparenz erhöht den Druck im deutschen Markt.
    Auch im Koalitionsvertrag 2021 zu lesen: Die Preisbindung für Arzneimittel fällt. So wird die starke Konkurrenz durch rabattierte Medikamente aus dem Ausland in kürzester Zeit über den deutschen Markt rollen – nicht zuletzt forciert durch Amazon als europäisch agierende Handelsplattform. Treppenwitz der Geschichte: Auch die Apotheker-Verbände forderten zur Sicherung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit die Aufhebung der Preisbindung. Denn der durchschlagende Erfolg der schwarz-bis-grauen Märkte für Arzneimittel aus dem europäischen Ausland im Online-Versand war nicht mehr zu übersehen, und so versuchen auch die Apotheker die eigene Position durch Preiswettbewerb zu verbessern. Dieses Verhalten ist ebenfalls in vielen B2C Bereichen (Fashion, Bücher etc.) schon jetzt sichtbar.

    v) Amazon bringt mit MVPs eine neue Innovationsgeschwindigkeit in das deutsche Gesundheitswesen.
    Ähnlich wie die gemeinschaftliche Entwicklung des Pantry-Konzeptes mit dem Konsumgüterhersteller Procter & Gamble verbündet sich Amazon auch im Gesundheitswesen mit führenden Herstellern, um neue Konzepte auszuprobieren. Bereits 2019 kooperierten Amazon und Merck. Sie initiierten einen Entwickler-Contest mit dem Ziel, Alexa-Skills für Diabetes-Patienten entwickeln zu lassen. Nach der Aufhebung des Versandverbot 2021 wird ein innovativer Ansatz zum Monitoring und zur Einstellung von Insulin powered by Amazon auf dem deutschen Markt gelauncht. Die Partnerunternehmen testen ähnliche Systeme für Antikoagulationstherapien und – besonders kompliziert – für Dialysen.

    vi) Amazon überträgt seine Health Care Pläne nach Deutschland.
    Bereits im Juli 2017 gründete Amazon 1492, ein geheimes Labor für Innovationen im Gesundheitswesen. Seitdem haben sie eine Reihe von Gesundheitsexperten für das Projekt eingestellt, darunter den Seattler Arzt Martin Levine und Taha Kass-Hout, den ehemaligen Chief Health Informatics Officer der U.S. Food and Drug Administration (FDA).
    Nachdem das Team jahrelang das Pressen und Ziehen von Daten aus alten elektronischen Krankenakten perfektioniert hat, stellt Amazon ab 2022 diese Informationen den Verbrauchern und ihren Ärzten zur Verfügung – zunächst nur auf dem US-Markt. Es wird von Marktbeobachtern zu Recht als erster Schritt in Richtung einer Telemedizin-Plattform angesehen. 2024 folgt dann eine Reihe von Gesundheitsanwendungen für bestehende Amazon-Hardware, einschließlich Echo und Dash. Krankenhäuser und Arztpraxen in USA sind mit den Fähigkeiten der Amazon-Sprachassistentin Alexa in Sachen Patientenmanagement und Nachschub begeistert.
    In Deutschland fangen nun einige Ärzteverbände an, energisch gegen eine Lockerung des Fernbehandlungsverbots zu agieren. Andere Stimmen aus dem Berufskollegium – etwa Ärzte in ländlichen Gebieten mit einer alternden, weniger mobilen Bevölkerung – begrüßen einige Aspekte der Deregulierung.

    So, liebe Akteure im Gesundheitswesen, ihr habt mit diesem Termin nun das Schlimmste hinter euch gebracht. Beim dritten und letzten Termin werden die Anderen mal ein starkes Nervenkostüm mitbringen müssen. Holt euch nun das Rezept an der Theke ab – und legt euch erst einmal hin bis die Nebeneffekte abklingen.

    Der Nächste, bitte!

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Demand Side Platform (DSP)

    Amazon Dorf Talk – Amazon Demand Side Platform (DSP)

    In diesem Amazon Dorf Talk haben Christian Otto Kelm und ich uns noch einmal mit dem Thema „Amazon Demand Side Platform“ auseinandergesetzt. Was hat sich bisher getan?

    • Was hat sich in den letzten drei Monaten geändert? (ab 1:26)
    • Wie gehen Agenturen mit der Thematik um? (ab 4:40)
    • DSP Definition und Funktionalität auf Amazon (ab 6:10)
    • Re-targeting richtig gemacht (ab 10:00)
    • Faustregeln zum Budget (ab 19:07)
    • Abschluss (ab 22:59)

  • Amazon Dorf Talk – Einschätzung zur Cyber Week 2018

    Amazon Dorf Talk – Einschätzung zur Cyber Week 2018

    Wie sah die Cyper Week 2018 aus? Christian und ich diskutieren in dieser Runde welche Fehler im Bereich der Anbieter aufkamen, wie es von der Seite der Logistik aussah und generell die Stimmung und Einschätzung dieser Aktion. Gibt es wirklich noch tolle Deals?

      • Einschätzung – Was passiert während der Cyber Week und wer profitiert?
      • Einkauf über Mobile (ab 6:03)
      • Resteverkauf? (ab 8:05)
      • Lego als best case vs. was lief bei anderen Anbietern falsch? (8:56)
      • Logistik und Lagerhaltung – Probleme mit der Einlagerung (ab 16:50)
      • Angabe von längeren Lieferzeiten, dann aber doch schnellere Lieferung (ab 21:58)
      • Zusammenfassung und Ausblick (ab 27:20)

  • Amazon und die Apotheker #1: das Szenario für 2019 und 2020

    Amazon und die Apotheker #1: das Szenario für 2019 und 2020

    Zum Start in dieses Jahr möchte ich euch mit einer Serie zu einem wichtigen Thema für 2019 beglücken. Wobei das Glück von der Perspektive der Leser abhängt. Es geht um die Bedrohung des hiesigen Gesundheitssektors durch Amazon – mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen! Die Akteure in diesem Bereich – vom Apotheker um die Ecke bis hin zu Ärzten und Versicherungsvertretern – sind einem erheblichen Risiko ausgesetzt und benötigen zukünftig ein starkes Nervensystem. Seid also gewarnt: nach der Lektüre können unangenehme Nebenwirkungen wie Angstzustände, Schlafstörungen und krankhaft wiederkehrende Alpträume auftreten! Neben ein paar Erkenntnissen natürlich.

    Denn Online-Monopolist Amazon – der größte und wertvollste Händler der Welt, dessen weltweiter Umsatz täglich um mehrere Milliarden wächst – interessiert sich nun für den – deutschen -Gesundheitsbereich.

    Ja, das ist als Drohung zu verstehen! Denn es geht hier um das Überleben ganzer Berufszweige.

    Gefahr für Apotheken!

    Aber warum will der US-Gigant in den deutschen Gesundheitsmarkt vordringen? Aus genau denselben Gründen, weshalb er sich bereits den Buchhandel und das Geschäft mit Filmen und Musik, den Verkauf von Consumer-Electronics, weißen Geräten und Heimwerkerbedarf oder Webhosting und Großhandel vorgeknöpft hat: Weil die Versorgung mit Arzneimitteln und medizinischen Dienstleistungen einen riesigen Markt darstellt, in dem die bestehenden Anbieter aus Sicht des Konzerns ineffizient arbeiten und sich zu hohe Margen genehmigen. Deshalb rechnet sich Amazon hier gute Chancen aus, mit seinem schlankeren Modell den Kunden ein besseres Angebot machen zu können. Denn am Ende ist es klar, dass das wertvollste Unternehmen der Welt den Endkunden mit Abstand am besten versteht und somit erfolgreich in fast jede Industrie problemlos eindringen kann.

    Ich weiß, dass ich mich mit solchen Aussagen auf vermintes Terrain wage. Wie jemand, der gerade im Alptraum feststeckt und wiederholt „Nein! Nein! Nein!“ schreit, heulen die Interessenverbände auf, wenn man zum Beispiel das naheliegenste Schreckensszenario Versandhandel vor ihnen ausbreitet. Das hat letztes Jahr der Kassenzone-Kollege Alex Graf erfahren, als er die Frage stellte, wie verzichtbar Apotheken in Deutschland sind und die Widerrede erschallte: „Du hast doch gar keine Ahnung!“ Irgendwie nachvollziehbar: Kein Mensch hört gern, dass er ersetzbar ist. Kein Händler, der in seine Fläche und sein Personal investiert hat und ausgesprochene Produktexpertise besitzt, lässt sich gern sagen, dass genau das vielen Kunden wurscht ist, weil sie zum Anbieter gehen, der billiger verkauft, immer aufhat und auch noch nach Hause liefert. Kein Ladeninhaber, der jeden Monat genau nachrechnen muss, wieviel er sich auszahlen kann (ob überhaupt!), hat dafür Verständnis, wenn man ihm sagt, er nehme eine zu hohe Marge.

    Aber so ist nun mal der Sachverhalt. Es gibt keinen Grund, warum stationären Apothekern nicht das blühen soll, was Buchhändlern, Elektronikfachhändlern und allen anderen, die mit standardisierten, austauschbaren Produkten auf einer stationären Fläche handeln, schon widerfahren ist. Das Modell „Apotheke in jeder Einkaufsstraße“ hat vermutlich nur so viel länger (mehr schlecht denn recht) überlebt, weil es bislang einen höheren Regulierungsschutz genossen hat. Im Umkehrschluss ist dieses Modell aber nur zwei oder drei Lockerungen der gesetzlichen Bestimmungen zu Rezepten und Arzneiversand vom Untergang entfernt. Werft bitte nicht nach mir mit dem Glas vom Nachttisch! Den Boten trifft ja keine Schuld.

    Logistik kills it all

    Dass es Amazon ist, der an diesem Untergang verdienen wird, ist übrigens so gut wie ausgemacht. Woher kommt diese Annahme? Lasst uns eine kleine Konzernaufstellung Stand heute mit einer Kurzfassung der Entwicklung der letzten paar Jahre machen. In Puncto schiere Größe wird nur für Q1 2018 der Umsatz von Amazon in Deutschland auf rund 4,8 Milliarden Euro geschätzt. In der Disziplin Logistik ist der Konzern derart zu Hause, dass etwa eine eigene Flugzeugflotte eingesetzt und die Lieferung per Drohne getestet wird. Amazon bildet Warenbewegungen innerhalb Europas mittlerweile so effizient ab, dass sich Cross-Border-Verschiebungen bereits bei nationalen Preisunterschieden in Höhe von Cent-Beträgen rechnen. In Deutschland werden derzeit elf Logistikzentren sowie sieben Verteilzentren betrieben. Darüber hinaus befassen sich an diversen Standorten Forschungs- und Entwicklungszentren mit neuesten Technologien. Weltweit beschäftigt Amazon 560.000 Mitarbeiter, wobei allein 2017 130.000 neue Stellen entstanden sind. In Deutschland arbeiten rund 12.000 festangestellte Vollzeitmitarbeiter für den Konzern.

    Mit eigenen Marken und Produkten unverzichtbar werden

    Derweil lassen sich die Leistungen und Produkte Amazons in drei Gruppen unterteilen: Produkte, Services und Prozesse. Das Produktsortiment umfasst schon lange nicht mehr nur Fremdmarken sondern zunehmend auch Eigenmarken wie Happy Belly oder Amazon Basics sowie die Geräteserien Echo, Fire TV und Kindle, die Amazon stärker in den Alltag der Kunden integrieren. Die damit verbundenen Dienstleistungen reichen von Prime Streaming-Diensten für Musik über Video bis hin zu Leihbüchereien. Zuletzt zählen noch Prozesse wie der Hosting Dienstleister AWS zum Leistungsportfolio Amazons in Deutschland. Im Juni 2016 startete zudem Amazon Business in Deutschland, neben den USA damals der zweite B2B-Markt. Zählte das neue Angebot im April 2017 noch 50.000 Kunden, waren es im Dezember 2017 schon 150.000. Anders als in den USA, wo Amazon bereits kleine Krankenhäuser und Städte mit Produkten für den Gesundheitsbereich beliefert, ist Amazon allerdings noch nicht im deutschen B2B-Healthcare Markt aktiv.

    Aber wer wollte wetten, dass das so bleibt? Und wer wollte Geld darauf setzen, dass Amazon – mit seiner in Deutschland bereits verfügbaren Infrastruktur – das lukrative B2C-Arzneimittelgeschäft gänzlich den aus dem Boden sprießenden Online-Apotheken überlassen will?

    Deshalb folgende Thesen für dieses neue Jahr 2019 und die kommenden 24 Monate

    i) Analog zur Akquisition von PillPack in den USA wird Amazon in das deutsche Apotheken Business vordringen.

    Im Juni 2018 stieg Amazon mit der Übernahme der amerikanischen Online-Apotheke PillPack in den Medikamentenhandel ein. Mit diesem Schritt geht es Amazon neben der Erweiterung seines Portfolios auch um die Skalierung eines ausgefeilten Geschäftsmodells.

    Es ist naheliegend und nur eine Frage der Zeit, dass Amazon in Deutschland bald ebenfalls in das lukrative Apotheken-Business einsteigen wird. Hierzu könnte der Gigant eine bestehende Versandapotheke akquirieren oder aber das Abo-artige Geschäftsmodell von PillPack (siehe ii) in den deutschen Markt überführen, sobald der Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten auch hierzulande zugelassen wird.

    ii) Amazon ist mehr als ein Paketversender. Wie bei PillPack wird es einen klaren Kundenmehrwert geben, direkt über Amazon zu bestellen.

    Zu der Zielgruppe PillPacks zählen insbesondere alte und chronisch kranke Patienten, die ihre Rezepte online einreichen können. Statt komplette Arzneimittelpackungen zu versenden, verpackt PillPack die Medikamente in der benötigten Dosis und beschriftet diese entsprechend. Ausgebildete Apotheker prüfen den Prozess, um sicherzustellen, dass der Patient genau weiß, zu welcher Tageszeit er welche Arznei zu sich nehmen muss. Die von PillPack versandten Dosen decken jeweils den Bedarf eines Monats ab (mehr hier).

    Im Wettbewerbsumfeld der deutschen Versandapotheken, in dem sich bisher kaum ein Marktteilnehmer durch sein Produkt- oder Dienstleistungsspektrum von der Konkurrenz abheben kann, bietet ein solcher Service wie bei PillPack einen klaren Mehrwert für den Kunden. Hinzu kommt weiterer Mehrwert für Amazon-Kunden durch die Einbindung von konzerneigenen Services: So könnten die Echo-Geräte mit Alexa dafür genutzt werden, per Spracheingabe Medikamente zu bestellen. Darüber hinaus wäre es denkbar, vom Arzt verschriebene Rezepte über die Kamera in der mobilen App zu scannen, woraufhin die verschriebenen Medikamente automatisch in den Warenkorb gelangen.

    iii) Wie mit Basic Care in den USA bringt Amazon eine exklusive OTC-Eigenmarke auf den Markt.

    Im August 2017 hat Amazon in den USA die Marke Basic Care auf den Markt gebracht. Die von Perrigo hergestellte Produktpalette reicht von Ibuprofen bis zu Haarwuchsmitteln. Durch das Anbieten von Arzneimitteln über eine Eigenmarke nutzt Amazon die Vergleichbarkeit und Preissensibilität der Endkunden bei Generika für ein besseres Kundenerlebnis und die Intensivierung der Kundenbeziehung.

    iv) Amazon schließt strategische Allianzen mit führenden Herstellern in der Health Technology Branche.

    Analog zu der Partnerschaft mit Cerner, einem der weltweit größten Unternehmen für Informationstechnik im Gesundheitswesen, schließt Amazon strategische Partnerschaften mit führenden Unternehmen in der deutschen Pharmaindustrie.

    Wem allein die vier Thesen für die kommenden zwei Jahre Schweißperlen auf die Stirn treiben und Wallungen verursachen, dem ist von den längerfristigen Prognosen, auf die ich in #2 und #3 dieser Serie eingehen werde, unbedingt abzuraten. Und wenn ihr ganz tapfer wart und diese bittere Pille ohne zu viele Beschwerden schlucken könnt, dann sehen wir uns hier demnächst wieder für die weiterführende Behandlung!

  • Amazon Dorf Talk – Schwarze Schafe auf dem Amazon Marktplatz

    Amazon Dorf Talk – Schwarze Schafe auf dem Amazon Marktplatz

    Schlechte Geschäftspraktiken gibt es leider auch auf Amazon, doch was bedeutet „black hat“ eigentlich? Welche Graubereiche gibt es und wie geht Amazon damit um bzw. wie kann man selbst am Besten dagegen vorgehen? Christian und ich haben uns einmal zu diesem Thema ausgetauscht.

    • Intro
    • Was bedeutet „black hat“ auf Amazon? (ab 2:40)
    • Die feine Trennlinie zwischen anständiger, detaillierter Arbeit und black hat (ab 4:49)
    • Wie identifiziert man das Fehlverhalten eines Anderen und wie geht man dagegen vor? (ab 7:00)
    • Wie hilfreich sind Dienstleister, die den gesperrten Amazon Account wieder entsperren? (ab 13:39)
    • Ist es möglich meinen Account vor einem „black hat“-Angriff zu schützen? (ab 16:00)
    • Absicherung durch gespiegelte Accounts (ab 19:00)
    • „Black hat“-Thematik Zusammenfassung (ab 22:02)
    • China-Händler-Thematik (ab 27:38)
    • Abschluss (ab 32:05)

  • Amazon Dorf Talk – In eigener Sache

    Amazon Dorf Talk – In eigener Sache

    Kurze Vorstellung der Amazon Dorf Talk-Reihe von Christian Otto Kelm und mir für alle neuen Zuschauer sowie Intro und Test im neuen Studio.

  • Amazon Dorf Talk – Try to buy oder eBay vs. Amazon

    Amazon Dorf Talk – Try to buy oder eBay vs. Amazon

    eBay vs. Amazon – In der heutigen Ausgabe schauen wir uns einfach einmal die Prozesse beider Platformen an. Wo kann ich wie und vor allem was besser bestellen? Lohnt sich vielleicht doch der direkte Vergleich? Sicher ist auf jeden Fall, das man sich vorab überlegen muss welche Platformstrategie man fährt, sprich wo und wie man seine Produkte verkauft. Und: Nein, wir haben dann doch keine Waschmaschine bestellt.

     

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Intro
    • Ebay vs. Amazon – Wir testen den Bestellvorgang für den Kauf einer Waschmaschine (ab 3:15)
    • Zusammenfassung vom Test – eBay als Chance (ab 11:57)
    • Eventuelle Erwartungshaltungen an die jeweilige Platform und eBay vs. eBay Kleinanzeigen (ab 16:10)
    • Amazon ist von der Nutzbarkeit her einfacher, es muss aber nicht unbedingt Amazon ODER eBay sein (ab 19:41)
    • Abschluss (ab 23:50)