Kategorie: Amazon Toolbox

  • Werben als Seller bei Amazon – diskutiert mit Annemarie Schuster

    Werben als Seller bei Amazon – diskutiert mit Annemarie Schuster

    Wie können Seller erfolgreich bei Amazon werben? Diese Frage habe ich Annemarie Schuster, Amazon PPC Expert, gestellt. Annemarie Schuster hat 2013 selbst als Onlinehändlerin angefangen und konnte so über Jahre hinweg ihre Erfahrungen aufbauen und vertiefen. Inzwischen hat sie ihre eigene Agentur „Annythinks – die E-Commerce Agentur“ gegründet und bietet Beratung im Bereich E-Commerce an. Vielen Dank Annemarie für dieses Gespräch.

     

    • Intro und Vorstellung Annemarie Schuster
    • Was sind die ersten Schritte, die unternommen werden müssen bevor man bei Amazon als Seller werben sollte? (ab 5:09)
    • Wie wird die Werbung dann erfolgreich geschaltet? (ab 11:17)
    • Welche Werbeformate gibt es bzw. welche Lohnen sich? (16:52)
    • Einschätzungen zum aktuellen Stand der Option Werbung auf Amazon schalten zu können. (ab 21:03)
    • Nimmt der Konsument den Anbieter war oder nur das Produkt? (ab 22:58)
    • Nacherfassung und Optimierung der bereits aufgesetzten Kampagnen (ab 25:11)
    • Wieviel Werbung sollte man schalten? (ab 28:29)
    • Tipps für Karriereeinsteiger in diesem Umfeld (ab 31:32)
    • Abschluss (ab 36:05)

  • Angriff der Klonkrieger

    Angriff der Klonkrieger

    Ja, Amazon gehört definitiv zu den Gewinnern des letzten Jahres. Davon profitieren auch unzählige E-Commerce-Unternehmen, deren Geschäftsmodell darin besteht, Amazon Seller – also Händler, die Amazon als Marktplatz nutzen – zu kaufen und irgendwann profitabel zu machen.

    Das bekannteste ist Thrasio aus den USA: Mittlerweile wird das Unternehmen mit über einer Milliarde Dollar bewertet. Allein im Jahr 2020 flossen über 300 Millionen Dollar in die Kassen. Kriegskassen, muss man sagen.

    Denn um die Herrschaft im Amazon-Universum ist ein harter Kampf entbrannt. Immer mehr Unternehmen, die Seller aufkaufen und sie so gebündelt „Synergien heben“ lassen wollen, treten auf den Plan. Die Internet World Business führt dazu sogar Buch – und registrierte bis Ende 2020 mindestens eine Milliarde Dollar Funding in Summe.

    Auch in Deutschland gibt es Thrasio-Klone. Sie heißen etwa SellerX (mit 100 Millionen Euro ausgestattet) oder Razor Group (hier gab es zuletzt immerhin 25 Millionen Euro). Ganz neu dabei: BRANDED, die bis vor Kurzem im Stealth Mode für 150 Millionen Euro Amazon Seller aufgekauft haben. Bei dem sich hierzulande aufheizenden Markt will natürlich auch Thrasio selbst mitmischen und hat dafür 225 Millionen US-Dollar zur Seite gestellt. (Erwähnen will ich gern noch die Londoner Heroes – auch gut finanziert –, die das „europäische Thrasio“ werden wollen.)

    Reihenweise werden also dreistellige Millionenbeträge in Thrasio und seine Klone gesteckt. Wem bei diesen Zahlen die Ohren nicht schlackern, der hat den E-Commerce nie geliebt.

    Wie kann es sein, dass Händler, die zum Großteil mit Billigprodukten versuchen, nur durch Masse eine halbwegs vernünftige Marge zu erzielen, solch Begehrlichkeiten wecken? Und was verleitet Investoren dazu, so horrende Summen in Unternehmen zu pumpen, die diese Händler aufkaufen?

    Klar, wer auf Amazon die Nase vorn hat, bekommt ein ordentliches Stück vom E-Commerce-Kuchen ab. Ich denke, dass Investoren hier eine Möglichkeit sehen, indirekt vom Amazon-Hype zu profitieren: Wächst die Plattform, wachsen die Händler und ihre Marken. Und wer die Händler kontrolliert, verdient das große Geld.

    Das ist meiner Meinung nach aber ein großer Denkfehler – schließlich hat eine Marke auf Amazon nicht lange Bestand, weil es immer jemanden gibt, der den Preis unterbieten wird. Wachstum ist nur möglich, wenn möglichst viele Regionen beherrscht werden; aber auch da gibt es irgendwann ein Limit, zumal sich beispielsweise Synergieeffekte wohl kaum zwischen deutschen und spanischen Händlern ergeben werden, weil der Markt (zumindest in Europa) zu segmentiert ist. 

    Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis den Thrasios dieser Welt die Marge durch die Finger rinnt – und Investoren beim Platzen einer Blase sehr viel Geld verlieren werden.

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Vendor vorgestellt und diskutiert mit Phil Layer

    Amazon Dorf Talk – Amazon Vendor vorgestellt und diskutiert mit Phil Layer

    In der heutigen Ausgabe des Amazon Dorf Talks haben Christian Kelm und ich uns einen Experten rund um das Amazon Vendor Modell  hinzu geholt. Phil Layer ist selbstständiger Berater und unterstützt viele verschiedene Unternehmen und Marken deren Vendor Account zu steuern, teilweise setzt er es auch selbst für sie um. Phil, vielen Dank für ein spannendes, informatives Gespräch!

    • Intro und Vorstellung Phil Layer
    • Unterschied Vendor und Seller kurz erklärt (ab 2:58)
    • Weihnachten steht vor der Tür – was sollte ich als Vendor Manager noch umsetzen? (ab 4:24)
    • Was sind die Werbe- und Marketing Basics auf die bei einer Account-Übernahme geachtet werden sollten (ab 9:40)
    • Die Wichtigkeit der Werbung für Vendoren und die häufigsten Fehler im Überblick (ab 14:55)
    • Phil Layer über seine ersten beruflichen Erfahrungen im Bereich Amazon und die Veränderungen bzw. erweiterten Möglichkeiten heute (ab 19:09)
    • Verfügbarkeit von grundlegenden Daten und deren Messbarkeit im Kanal Vendor (ab 30:26)
    • Kann bzw. sollte heutzutage noch eine einzige Person, unabhängig von der Größe des Accounts, alleine zuständig sein für einen Vendor, also für den Markenauftritt einer Marke?  (ab 46:34)
    • Sollte ich mich als Vendor mit dem Seller Konstrukt beschäftigen? (ab 47:54)
    • Wie steht es um Kanalspezifische Sortimente? (ab 48:50)
    • Abschluss (51:30)

     

  • Paketabgabe? Digitalsteuer? Was ich mir wirklich zu Weihnachten gewünscht hätte

    Paketabgabe? Digitalsteuer? Was ich mir wirklich zu Weihnachten gewünscht hätte

    Nun haben wir es hinter uns, das erste Pandemie-Weihnachtsfest. Der Paketstau in den Verteilerzentren löst sich erst schleppend, die ersten Retourschwemmen verursachen weiterhin betriebliche Schwierigkeiten – und der stationäre Einzelhandel hat pünktlich zum Tag der Heiligen Drei Könige den Bescheid zugestellt bekommen, dass vor dem 31. Januar erst einmal gar nichts ist mit der Wiedereröffnung.

    Unter diesen Umständen ist es also kein Wunder, dass schon vor Weihnachten Einzelhandels-… Pardon: Wirtschaftsminister Peter Altmaier eine „Paketabgabe“ forderte. Die Idee? Online-Händler sollen pro versandtes Paket eine Abgabe erheben und an den Fiskus weiterleiten, der diese wiederum den leidenden stationären Einzelhändlern in der jeweiligen Region des Kunden auszahlen soll. Denn, so die Begründung, Online-Händler benutzen die Infrastruktur der Gemeinden, ohne sich im gleichen Maße wie ortsansässige Läden am örtlichen Steueraufkommen zu beteiligen. 

    Der Vorstoß ist – mit Verlaub – so abwegig, so realitätsfern und so weit weg von den Positionen einer eigentlich wirtschaftsfreundlichen Partei (wie die CDU vorgibt, sie zu sein), dass ich dem Herrn Altmaier beinahe unterstellt hätte, wieder mal allzu unkritisch eine Vorlage der Handelslobbyisten übernommen zu haben – Wir erinnern uns ja an die bizarre, im Spätsommer von ihm ins Spiel gebrachte Idee, Hersteller dazu zu verpflichten, stationären Einzelhändlern ihre Ware verbilligt abzugeben. 

    Bloß: So langsam frage ich mich, ob nicht Altmaier höchstpersönlich die immer unsinniger werdenden Vorschläge ausheckt. Den „Paketabgabe“-Vorstoß kann man den Lobbyverbänden jedenfalls nicht anlasten. So nahm beispielsweise der Handelsverband HDE wie folgt dazu Stellung: Es brauche „keine neuen Steuern auf Pakete, sondern bessere Kontrollen, um sicherzustellen, dass auch bei Lieferungen aus Fernost unsere hiesigen Regelungen für Produktsicherheit und Steuerzahlungen eingehalten werden“. Denn der HDE hat gelernt, dass er mittlerweile viele Online-, Multi- und Omnichannel-Händler in Deutschland vertritt, die von Altmaiers Abgabe betroffen wären, obwohl sie hier bereits alles mögliche an Steuern abführen: Gewerbesteuer, Umsatzsteuer auf verkaufte Produkte, Lohnsteuer für Angestellte, Steuern auf Gewinne… Klar: Ein Online-Händler zahlt noch nicht in allen Gemeinden Deutschlands, aus denen er eine Bestellung erhält, Gewerbesteuer. Das taten aber Quelle und Neckermann zu den guten alten Katalog-Händler-Zeiten auch nie und ich kann mich nicht  entsinnen, dass das damals Thema gewesen wäre. Es ist ja auch Sinn einer Steuer- und Zollunion, wie sie Deutschland seit Bismarcks Zeiten in mal größerem, mal kleinerem geografischem Umfang nun einmal darstellt, dass man auch ortsübergreifend Geschäfte tätigen kann, ohne immer neue Abgaben zu zahlen – was für mehr Wirtschaftskraft sorgt und so durchaus im Sinne des größeren, bundesweiten Gemeinwohls zu sehen ist.

    Dass ich das anno 2021 unserem Wirtschaftsminister offenkundig wieder in allen Einzelheiten erklären müsste, säße er mir denn gegenüber, ist traurig bis besorgniserregend und zeugt nicht gerade von einem Zukunftssinn. Wie ebenfalls die Tatsache, dass die Idee einer Paketabgabe Widerhall zu finden scheint – von dem derzeit einzigen anderen realistischen Koalitionspartner der CDU nach der nahenden Bundestagswahl. Ja, die Grünen sind nun auch dafür. Die überaus besinnlichen Weihnachtstage mit viel Zeit zu Hause haben wohl nicht dafür gereicht, dass sich alle im politischen Berlin ein wenig auf die Prinzipien von guter und wirkungsvoller Besteuerung – nun ja: besinnen. Ganz im Gegenteil: Anfang dieser Woche verpackte Robert Habeck von Bündnis90/Die Grünen Altmaiers Idee einer Paketabgabe unter den Namen „Digitalsteuer“ neu und ging damit auf Wähler- bzw. eher auf Koalitionspartnerfang. Denn ich schätze mal, dass die Idee einer Paketsteuer bei der eher jungen, eher onlineaffinen Wählerschaft der Grünen nicht unbedingt auf Gefallen stoßen wird…

    Und so haben wir die sehr unschöne Situation, dass zum Auftakt des Bundestagswahljahrs 2021 die nach Umfragen derzeit zwei größten Parteien (sorry, SPD) für eine halbgare Sondersteuer auf eine schlecht definierte Gruppe von Unternehmen sind, die nichts verbrochen haben – außer, dass sie Kunden Produkte mit dem mitten in einer Pandemie gebotenen Abstand verkauft haben.

    Natürlich ist klar, wer die eigentlichen Adressaten der Paketabgabe-Digitalsteuer sein sollen: Man will den „Großkonzernen aus Silicon Valley“ (hier: Amazon) an den Kragen und wieder die Kohle zurückholen, die früher über Saturn, Karstadt & Co. ins Steueraufkommen floss und nun immer spürbarer in die bereits überfließenden Kassen der Low-Tax-GAFAS versickert. Diese Notwendigkeit sehe ich auch ein. Es darf nicht passieren, dass große Teile unseres Wirtschaftslebens vom Kreislauf der Steuern und Investitionen abgekoppelt werden – so nach dem Motto: „Standort Deutschland: Wir zahlen Straßen, Brücken, und Müllabfuhr. Sie zahlen: Nichts! Sprechen Sie unseren freundlichen Bürgermeister an!“

    Nur: Der Zweck heiligt nicht das Mittel. Vor allem dann nicht, dass das vorgeschlagene Mittel regelrecht schädlich für alle ist, auch heimische Erfolgsunternehmen treffen würde und obendrein einen ordnungspolitischen Sündenfall erster Güte darstellen würde. Hiesigen Champions wie dem in mühsamsten Anstrengungen transformierten Otto-Versand eine Strafsteuer aufzuerlegen, nur um ein paar Milliarden von Amazon zurückzuholen? Tausende von Inhabergeführten Läden, die sowohl ihre Straße als auch die Briefkästen ihrer Kunden aufhübschen, mit einer neuen Abgabe behelligen, um Jeff Bezos zu zeigen, wo der Hammer hängt? Kann das allen Ernstes der Plan sein?

    Zumal – und das ist die Krux – Amazon eine solche Abgabe vermutlich spielend umgehen würde. Als ich das letzte Mal dort bestellt habe (also: vor rund drei Stunden), stand nämlich im Kleingedruckten der Bestellbestätigung nach wie vor „Amazon EU S.a.r.l.“. Wetten, dass das in Europa für steuerliche Zwecke in Luxemburg ansässige Amazon ein Kleinlaster-breites Schlupfloch finden bzw. vorm Europäischen Gerichtshof schneller die Abgabe kippen lassen würde, als man „Alexa!“ rufen kann? 

    Wir müssen dieses Thema endlich für das begreifen, was es ist: Ein europäisches Problem, dem auch nur durch eine koordinierte europäische Vorgehensweise beizukommen ist. Was nützt mir eine deutsche Paketsteuer, solange sich die GAFAs noch an so Köstlichkeiten wie dem berühmt-berüchtigten Dutch-Irish sandwich weiden und ihre effektive Steuerlast in den letzten Promillebereich drücken können? Bei der derzeitigen Gesetzeslage darf die EU nicht einmal von Irland verlangen, die sittenwidrig niedrige Lockbesteuerung von Apple einzustellen. Eigentlich ist es für den gesunden Menschenverstand klar, dass innerhalb eines Binnenmarktes die Besteuerung halbwegs koordiniert werden muss, sodass Sonderposten-Modelle wie „Nur 12,5% Körperschaftssteuer zahlen und in 27 Länder verkaufen!“ bald der Vergangenheit angehören – und/oder, dass Steuern in dem EU-Land abgeführt werden müssten, in dem die Umsätze auch getätigt werden. 

    Klar, dass geht nicht über Nacht und weder den Niederländern, den Luxemburgern oder den Iren wird es sonderlich gut gefallen. Aber: Es führt leider kein Weg daran vorbei, wenn wir in großen EU-Ländern wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien der fortschreitenden Erosion unserer Steuerbasis Einhalt gebieten wollen. Eine in diese Richtung gehende Initiative: Das hätte ich mir über Weihnachten gewünscht bzw. würde ich mir zu Weihnachten 2021 wünschen. 

  • Amazon geht auf KMU-Kuschelkurs

    Amazon geht auf KMU-Kuschelkurs

    2020 ist wahrlich das Jahr der nicht enden wollenden Überraschungen. Vor elf Monaten hätte ich nie gedacht, dass man zu Friedenszeiten ganze Bevölkerungen der westlichen Welt derart in die Pflicht nehmen können würde, wie es seitdem geschehen ist. Ebenfalls unvorstellbar für mich Anfang 2020: Dass die Deutschen massenhaft eine Gesundheitstracking-App herunterladen würden. Zum Jahresende geht die Corona-Warn-App aber auf die 20 Millionen Downloads zu. So ist es für dieses verrückte Jahr nur folgerichtig, dass auch Amazon etwas Verrücktes tut.

    Dabei ist 2020 für Amazon – völlig un-überraschend – prima gelaufen. Denn, dass der Distanzhändler, Streaming-Dienstleister und Server-Anbieter aus Seattle in einer Pandemie, in der von den Menschen verlangt wird, zu Hause zu bleiben, überproportional profitieren würde, war wirklich unschwer zu erkennen. Das Überraschendste bislang beim Riesenkonzern war, dass sich sein Gewinn nicht bloß verdoppelt, sondern verdreifacht hat.

    Aber, wie gesagt, 2020 ist eben immer für eine Überraschung gut. Und so habe ich nicht schlecht gestaunt – und das gleich mehrfach –, als mir der „Amazon KMU Impact Report 2020“ zu Händen kam. 

    O-Ton: „Bei Amazon ist die Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen ein Kernelement unserer Arbeit.“

    Im Bericht detailliert Amazon auf elf schön gestalteten PowerPoint-Slides, wie gut sie kleinere und mittlere Unternehmen unterstützen, was sie alles für Einzelunternehmer, Software-Entwickler und unabhängige Autoren tuen und wie sie damit sogar den Exportstandort Deutschland stärken. Das alles mit Zahlen untermauert und Fallbeispielen geschildert – und mit dem unübersehbaren Ziel, zu argumentieren, dass Amazon nicht der böse Monopolist aus den USA, sondern eher der nette Nachbar von nebenan ist.

    Kostprobe gefällig? „Dieser Report zeigt den Erfolg von deutschen Unternehmerinnen und Unternehmern und hebt hervor, wie Amazon kleine und mittlere Unternehmen beim Verkauf im In- und Ausland sowie bei der Schaffung neuer Arbeitsplätze unterstützt.“ Amazon spricht in feinstem Kommunikationsprofi-Zungenschlag von Arbeitsplätzen in Deutschland? Ja, habe ich auch nicht erwartet. 

    Und das war nur die erste Überraschung. Weiter geht’s mit spannenden Fallbeispielen, die sämtliche Steckenpferde der deutschen Wirtschaftsfolklore auf einmal reiten. Da ist die bayerische Hutmacherin, die ihre 155-Jahre-alte mittelständische Familienfirma mit Verkauf über Amazon-Marketplaces durch die Corona-Krise brachte. Dann kommt die Berliner-Szene-Gründerin, die mit sibirischem Kunsthandwerk aus Birkenrinde über einen Online-Shop  beste Umsätze macht – natürlich dank der Teilnahme an einem Amazon-Förderprogramm. Es gibt sogar den Versicherungsvertreter, der einsieht, dass er mit seinem Leben was Sinnvolleres anfangen könnte, und jetzt einen Paketdienstleister im Ökosystem Prime aufgebaut hat.

    Als dann auf Seiten 5 und 6 die Handelsblatt-Spezialreport-mäßige Aufstellungen der Bundesländer kamen – je nach Zahl der an Amazon angebundenen KMUs sowie nach Höhe der über Amazon erzielten Exportverkäufe aufgeschlüsselt – dachte ich kurz, ich hätte endgültig den Verstand verloren. „Amazon? Bist du das?“ fragte ich ungläubig und klopfte sachte an den Bildschirm. Oder vielleicht war das hier eine Persiflage, die so hintersinnig war, dass man sie kurz für bare Münze nahm… Amazon und die deutsche Exportwirtschaft? Klar, das sind keine Gegensätze. Aber wann hat man schon beide Begriffe in einem Satz gehört – jedenfalls: in einem positiv konnotierten Satz?

    Warum, weshalb, wieso wird hier von Amazon kommuniziert?

    Ein paar kurze Rücksprachen später stand fest: Der Bericht ist echt. Amazon legt offenbar auf einmal Wert darauf, seinen Beitrag zur deutschen Wirtschaft für die Öffentlichkeit herauszuarbeiten. Ja, dasselbe Amazon, dass jahrelang Marketing & Communcations für Geldverschwendung hielt und maßgeblich nach zwei Devisen handelte: „Reibungslose Logistik ist die beste Werbung“ und „Einmal der Ruf ruiniert, lebt es sich herrlich ungeniert“. Ja, dasselbe Amazon, dass Vendor-Manager in München öfter wechselte, als viele derselben ihre Bettwäsche, bis bekannte Herstellermarken entnervt aufgaben – und deren Brandbriefe der Konzern eiskalt an sich abperlen ließ.

    Ja, ausgerechnet dieses Amazon übt sich jetzt in Unternehmenskommunikation. Dass also Amazon kommuniziert, ist schon an und für sich interessant. Und was hier kommuniziert wird, ist es auch. Klar, es handelt sich um Corporate-Comms – und ebenso klar sind Amazon-Zahlen eine notorische Blackbox – weshalb man hier mehr als die eine sprichwörtliche Prise Salz dazu nehmen muss. So ist es wohl – auch das Ergebnis meiner Rücksprachen – dass Amazon mit „KMU“ den englischen Begriff „SME“ eins zu eins übersetzt hat und damit auf Deutsch eine andere, zufällig dem Amazon-Messaging schmeichelhaftere Rahmengröße absteckt. Bestimmt nur eine kleine Unaufmerksamkeit bei der Übertragung. Trotzdem: Dass Amazon-Verkaufspartner in Deutschland jetzt mehr als 120.000 Euro im Schnitt umsetzen – und dass diese Zahl etwa im Vergleich zum Vorjahr um 30.000 Euro (also: 25%!) angestiegen ist – zeigt die Wucht vom organischen Wachstum Amazons sowie von der Corona-Krise allgemein. Von den KMUs, die auf Amazon.de verkaufen, heißt es weiter, haben über 3.300 mehr als eine Million Dollar umgesetzt und insgesamt über 110.000 Arbeitsplätze geschaffen.

    Ob die Zahlen wirklich so stimmen und – noch wichtiger – wie man sie im Gesamtgefüge der deutschen Wirtschaft einordnen muss, steht erst einmal auf einem anderen Blatt. Was aber hier kommuniziert wird, spricht Bände: Amazon redet auf einmal über die Arbeitsplätze, die in seiner Lieferkette gesichert werden. Vielleicht haben sie in der Münchner Kommunikations-Abteilung aufgestockt und dabei paar Leute von BMW rübergelockt? Denn das Manöver kennt man von der Lobbyarbeit der Autobauer. („Jeder siebter Arbeitsplatz in Deutschland hängt von der Autoindustrie ab…“)

    Versteht mich bitte nicht falsch: Das alles ist völlig legitim! Unternehmen dürfen ruhig ihre eigenen Erfolge benennen und hervorheben, wo diese mit gesellschaftlich erwünschten Zielen übereinstimmen. Und in Deutschland stehen Öffentlichkeit und Politikbetrieb eben auf die Schaffung von Arbeitsplätzen, auf Exporterfolge und auf mittelständische Familienunternehmen. Dass Amazon in allen drei Anliegen vielleicht gar nicht so schädlich ist, wie gemeinhin angenommen, darf das Unternehmen ruhig zeigen. Ich würde es als Berater sogar ausdrücklich empfehlen.

    Nur: Jahrelang schien Amazon überhaupt nicht zu interessieren, wie es in Deutschland wahrgenommen wurde. Der Online-Handel-Marktanteil von über 50% sprach für sich. Dem deutschen Konsumenten war es ganz offenkundig Schnurz, dass gefühlt jede zweite Woche Enthüllungsberichte aus den Amazon-Lagern im Fernsehen liefen und die Zeitungen vollgestopft mit Berichten von verzweifelten Karstadt-Mitarbeitern waren. Dasselbe Muster kann man übrigens auch im Lebensmitteleinzelhandel beobachten: Der Deutsche hat Mitleid mit Mastschweinen, wenn sie in der ARD bei Panorama gezeigt werden – und kauft deren Nackensteaks bei Lidl für 1,99€ das Kilo. Kühl strategisch besehen gab es wohl für Amazon genauso wenig Bedürfnis zu kommunizieren, wie für ALDI oder Penny.

    So bleibt die Frage, warum Amazon anfängt, zu kommunizieren – und warum ausgerechnet jetzt, wo das Unternehmen in der Corona-Krise sein Wachstum von „Turbo“ auf „Ultraturbo“ hochschalten konnte und dabei medial gar nicht so schlecht wegkam. Das eindeutig asozialere Verhalten legten nämlich deutsche Markenhersteller wie Adidas und Lebensmittelbetriebe wie Tönnies an den Tag, während Amazon eine Corona-Zulage und passende Arbeitsschutzmaßnahmen einführte.

    Zu den Gründen kann man letztendlich nur spekulieren. Merkt Amazon etwas von der oft aufgestellten (aber schlecht zu überprüfenden) Behauptung, dass jüngere Konsumentenschichten Corporate-Social-Responsibility höher bewerten beim Einkauf als Vorgängergenerationen? Vielleicht gibt es konzerninterne Ergebnisse, die zeigen, dass Amazon die jüngeren, sozialeren Käufer ausgehen. Oder vielleicht hat der immer schärfer gewordene Ton in der Politik Amazon einen Schreck verpasst. Derzeit sieht Regulierung oder kartellrechtliches Vorgehen gegen Amazon zwar unwahrscheinlich aus: Amazon hat sich in der Corona-Krise als sicherer, zuverlässiger, ja systemrelevanter Versorger erwiesen. Auf europäischer Ebene haben Google und Facebook aber trotz (beziehungsweise: gerade wegen) aller Marktmacht schon eins auf die Mütze bekommen. Interessanterweise prangt auf jeder Seite des Berichts eine Europa-Karte und es ist auch oft die Rede davon, wie Amazon KMUs europaweit hilft. Vielleicht bewertet der Konzern mittlerweile eine härtere Gangart aus Brüssel als strategisches Risiko, dem es mit politischer Kommunikation entgegenzutreten gilt?

    Oder vielleicht haben die Manager bei Amazon in der Corona-Krise eine Art Läuterung erlebt und ihre Soziale-Markwirtschafts-Ader entdeckt? Nun ja: 2020 ist ein urkomisches Jahr voller echter Überraschungen gewesen – aber so abgedreht wiederum auch nicht.

  • Amazon Dorf Talk – Welche Amazon-News gibt es im November 2020?

    Amazon Dorf Talk – Welche Amazon-News gibt es im November 2020?

    Was sind die aktuellen News von Amazon auch aus anderen Ländern? In dieser Ausgabe des Amazon Dorf Talks arbeiten wir uns durch die momentanen Neuigkeiten, die uns im November erreichten.

  • Amazon: Doch kein Schurke – aber immer noch alternativlos!

    Amazon: Doch kein Schurke – aber immer noch alternativlos!

    Es ist in der Pandemie erstaunlich ruhig geworden – um Amazon. Nicht still, aber ruhig, verglichen etwa mit dem Lärmpegel früherer Jahre. Das waren die Zeiten, in denen alle (vom Buchhändler bis hin zum Berliner Politikbetrieb) auf den Konzern so laut einschossen, dass man kaum sein eigenes Wort hörte – etwa wenn man darauf hinzuweisen versuchte, dass wir in einer freien Marktwirtschaft leben, in der viele Konsumenten einfach gern das Angebot von Amazon wahrnehmen. 

    Mittlerweile haben aber selbst Gewerkschafter gemerkt, dass Amazon zwar ungern hiesigen Gepflogenheiten, aber durchaus deutschen Arbeitsgesetzen Folge leistet – und in strukturschwachen Regionen Arbeitsgelegenheiten anbietet. Zwar wird wie jedes Jahr kurz vor dem PrimeDay Amazon von ver.di bestreikt, aber die mediale Schlacht wurde in diesem Jahr bei den kommunalen Arbeitgebern ausgetragen. Schließlich zahlt Amazon schon seit März eine Corona-Prämie an seine Logistik-Mitarbeiter aus, während die öffentlichen Krankenhäuser noch vielerorts mit dem Geld knausern, dass sie zu diesem Zwecke vom Bund bekamen… 

    So haben selbst die hartgesottensten Arbeitskämpfer den Geräuschpegel in der Auseinandersetzung mit Amazon merkbar runtergeregelt. Was sie gerade in der Corona-Krise merken, erkennt man auch im Politikbetrieb: Amazon isn’t the bad guy here. Denn in der Pandemie hat der Konzern genau das geleistet, was erwünscht ist: Möglichst kontaktlos Ware an Menschen bringen, die sich möglichst zu Hause aufhalten sollen. Dabei waren die Logistikmitarbeiter des Konzerns keinem erhöhten Ansteckungsrisiko ausgesetzt, sie bekamen eine Zulage für die zusätzliche Arbeit und ihre Zahl wird noch erhöht, während im Einzelhandel massenhaft Kündigungen rausgehen. 

    Natürlich macht Amazon all das keineswegs uneigennützig: Der Umsatz ist um fast 40% angestiegen; Gewinn hat sich verdreifacht. Ich kann aber nichts Ehrenrühriges daran finden, in einer Marktwirtschaft mit einem guten Angebot auf der Höhe der Zeit finanzielle Erfolge zu feiern. Viele in Berlin und anderswo sehen das mittlerweile ähnlich. Das jahrelange Raunen über ein „Lex Amazon“, um den Konzern dazu zu zwingen, mehr Steuern zu zahlen oder ihn gar aufzubrechen, ist ja auch verstummt. 

    Was heißt das alles für Handelsstrategien? 

    1. Amazon wird noch einmal schneller wachsen und der stationäre Handel noch einmal schneller zusammenbrechen, als alle – inklusive Amazon selbst – erwartet haben.
    2. Die Politik wird nicht mitten in einer Pandemie gegen einen Konzern vorgehen, der sich als zuverlässiger Kontaktlos-Versorger breiter Bevölkerungsschichten gezeigt hat.
    3. Wer Handel betreiben will und noch kein operatives Team für Amazon hat, hat ein Problem.

    Wer also gegen alle Indizien immer noch auf die Karte „Irgendwann steigt die Frequenz in den Innenstädten wieder“ setzt oder seine Hoffnung in der Möglichkeit sieht, Amazon über die Politik die Handschellen anzulegen, muss umdenken – und bekommt  eine letzte Chance, dies rechtzeitig zu tun. So würde ich sagen: Die Adventszeit im Zeichen vom sogenannten „Mini-Lockdown“ könnte man als beste Gelegenheit betrachten, im Weihnachtsgeschäft neue Wege an den Kunden zu bahnen. Und da führen viele Wege über Amazon.

  • Amazon Dorf Talk – Wie verlief der Prime Day 2020?

    Amazon Dorf Talk – Wie verlief der Prime Day 2020?

    Am 13. und 14. Oktober 2020 fand der diesjährige Amazon Prime Day statt. Christian Otto Kelm und ich haben uns dazu einmal ausgetauscht. War der Prime Day 2020 erfolgreich und was können wir aus den Ergebnissen für das Weihnachtsgeschäft lernen?

    • Intro
    • Erste Einschätzungen zum Prime Day 2020 (ab 1:59)
    • Was führte zu dem diesjährigen Ergebnis? Ist Amazon überlastet? (ab 8:23)
    • Welche Probleme kamen durch den Prime Day 2020 bei Amazon ans Licht und was bedeutet das für den Weihnachtseinkauf in diesem Jahr? (ab 14:15)
    • Selbst Lego scheint in diesem Jahr hinsichtlich Weihnachtsgeschäft „planlos“ (ab 19:59)
    • Wer hat denn einen Plan für das diesjährige Weihnachtsgeschäft? (ab 23:37)
    • Daten zum Prime Day 2020 (ab 27:21)
    • Zusammenfassung und Abschluss (ab 34:52)

  • Amazon Dorf Talk – Zahlen aus dem Kongress

    Amazon Dorf Talk – Zahlen aus dem Kongress

    Amazon kann einerseits auftreten als jemand der eine Technologieplattform bereitstellt über die Leute ihre Ware verkaufen können. Dann können sie als Großhändler auftreten, das bedeutet sie kaufen Ware von Herstellern und verkaufen diese weiter. Zusätzlich jedoch kann Amazon auch selbst Hersteller werden und bekommt dann die komplette Marge zugesprochen. Der Vorwurf, der dadurch im Raum steht ist daher folgender: Wie sehr benutzt Amazon die Plattform, ihre Technologiekompetenz und ihre Vormachtstellung in der Handelsfunktion um die eigenen Waren so zu platzieren, dass man eventuell sogar mit den Daten der Unternehmen, denen man dann Konkurrenz macht, das Produkt besser platziert und so eine höhere Marge für sich vereinnahmt? Christian Kelm und ich haben uns dazu einmal ausgetauscht und die Zahlen dazu einmal genauer betrachtet.

    • Hintergrund und Einführung in die Thematik
    • Sind diese Anschuldigungen haltlos? Wie geht Amazon vor? (ab 5:54)
    • Wie steht es um die Zahlen in den einzelnen Kategorien und wie ist das Vorgehen von Amazon? (ab 09:56)
    • Kategorie Küche und Haushalt im Detail (ab 21:16)
    • Amazon Flywheel Exkurs (ab 25:35)
    • Kategorie Bekleidung im Detail (ab 28:14)
    • Abschluss (ab 32:02)

  • Amazon Dorf Talk – Mögliche Prognosen für die nächsten 12 Monate

    Amazon Dorf Talk – Mögliche Prognosen für die nächsten 12 Monate

    Was steht in den nächsten 12 Monaten bei Amazon an? Christian Kelm und ich wagen einen Blick in die Zukunft von 2021 und stellen ein paar Prognosen auf.

    • Prognose 1 – Die geografische Erweiterung ist erreicht, was bedeutet das? (ab 1:15)
    • Prognose 2 – Mögliche Expansion daher: Der Schritt durch die Haustür (ab 5:28)
    • Gläserner Kunde – Datenschutz vs. Datenselbstbestimmung (ab 13:21)
    • Aktionen Prime Day, B2B Day und Aufkommen von Fanshops – Amazon fehlt noch der letzte Schritt: Das soziale Netzwerk (ab 26:59)