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Bei Zalando wird zur Zeit ein gutes Ergebnis nach dem anderen gefeiert. Der Börsenkurs des Unternehmens steht bei knapp EUR 40 und somit deutlich höher als der Ausgabepreis von EUR 21,50 vor drei Jahren. Somit also alles in Butter beim deutschen Aktien-Digital-Vorzeigebeispiel? Adrian Hotz hat mich mit einem spannenden Hinweis auf die Aktionärsstruktur allerdings leicht ins Zweifeln gebracht. 

Bevor ich den Punkt des Streubesitzes vs. Investorenbesitz der Aktie genauer bewerte, möchte ich einmal das Grundargument gegen Zalando auf dem deutschen Markt aufgreifen. Insgesamt teile ich die Meinung, dass ein Zalando neben einem Amazon als Plattform für den Abverkauf von Mode nur noch eine begrenzte Chance hat. Immer wieder versucht Zalando zwar erfolgreiche Modelle zu kopieren und sich vom Abverkauf weg zu entwickeln aber in der Masse scheint es nicht zu gelingen von dem noch sehr erfolgreichen Geschäftsmodell eine neue Marschrichtung einzuschlagen. Schaut man sich die 2016 Zahlen aus der Statista Datenbasis für den Bereich Fashion an, sieht Zalando mit Platz Nummer 1 und Platz Nummer 8 in der Liste schon sehr erfolgreich aus. Allerdings werden hier auch Mitbewerber wie die OTTO Group durch neue Modelle wie AboutYou beständig den Druck aufrecht erhalten. Nur was hier zu beachten sein sollte, ist die Position 7 von Amazon die es bereits jetzt im deutschen Modehandel einnimmt. Was noch viel wichtiger ist, sind die 3% des Gesamtgeschäftes die diese Umsätze für Amazon.de (nur Deutschland) ausmachen. Wenn ich davon ausgehe, dass E-Commerce von dem Unternehmen mit dem höchsten Werbe- und Technologieeinsatz gewonnen wird, dann kann Amazon durch die anderen Geschäftszweige und nur 3% der Umsatzfokussierung auf Fashion dieses Spiel problemlos gewinnen. Amazon wird pro Jahr wahrscheinlich mehr in Werbung, Technologie und Kundenfokus investieren können als die gesamte Marktbewertung von Zalando. Daher ist es mehr eine Frage, ob Amazon den Fashionbereich als Fokus ansieht und dementsprechend investiert als das Zalando in irgendeiner Form eine verteidigbare Marktposition errungen hat. Weiterhin wird das Geschäft schwieriger werden, da ein Großteil des Online Marktwachstums sich in den nächsten Jahren abschwächen wird. Wenn der Markt im Online Bereich nicht mehr so rasant wächst, wird ein harter Verdrängungswettbewerb um Marktanteile einsetzen und hier hat das Unternehmen mit der engeren Kundenbindung die Nase vorn. Meiner Meinung nach ist Amazon durch Prime und den ständig weiter entwickelten Kundenfokus den Kundenbindungsideen von Zalando weit überlegen.

Quelle: Statista e-Commerce Datenbasis

Jetzt aber zurück zum Aktienkurs und dem Streubesitz von lediglich 34,7%. Hier stütze ich die Meinung, dass die bisherigen Rocket Großinvestoren Kinnevik und Baillie Gifford keinerlei langfristige Ziele rund um Zalando verfolgen dürften. Ebenfalls kann der Global Founders Fund die Gewinne aus einem Verkauf der Aktien sicherlich gut für weitere Fundraising und Erfolgsmeldungen gebrauchen. Die schwache Entwicklung von Rocket Internet und die noch schwächere Entwicklung im Börsenhandel wird bei all diesen Investoren dazu führen, dass sie sich nach weiteren Erlösquellen umschauen und ein großteiliger Verkauf der Zalando Aktien kommt da sicherlich gelegen. Weiterhin ist es auch interessant die Anteilskäufe und -verkäufe des Gründers Ruben Ritters zu sehen. Hier wird bereits seit Jahren ein kontinuierliches Divestment der Aktie betrieben und auch wenn bei sehr günstigen Option zugeschlagen wird, ist der Trend des Verkaufes eindeutig zu sehen. Ein Abverkauf bis zu einer gewissen Schallgrenze ist natürlich für einen Gründer mit limitierter Liquidität völlig verständlich. Einerseits für den privaten Gebrauch aber sicherlich auch um Gründungs- und vor allem Steuerkosten zu bezahlen. Die hier gezeigten Verkäufe von über EUR 18 Mio. wirken allerdings auch für diese Betrachtung schon relativ üppig.

Quelle: http://www.finanzen.net/insiderdaten/?nachname=Ritter,%20Rubin&vorname=

Durch die Kombination eines Makro Trends (Amazon) gegen die Amazon Aktie und mit einem Großteil der Aktionäre hochmotiviert die Aktie abzustoßen, würde ich mich über eine deutliche Reduzierung des Aktienpreises nicht wundern. Das Handelsvolumen der Aktie erscheint mir auch nicht so stark, als ob im Markt noch erhebliche Liquidität vorhanden ist, die auf ein Investment wartet. Daher folge ich jetzt mal komplett der Meinung von Adrian und würde hier kein Investment empfehlen und wie Adrian grade tweetet, glaubt die Berenberg Bank auch nicht mehr an neue Höchststände für die Aktie.

Quelle: http://www.finanzen.net/aktien/zalando-Aktie

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Showing 3 comments
  • Peter
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    Hallo Nils,

    ist etwas off topic, aber nachdem ich das in verschiedenen Blogs immer wieder sehe, möchte ich einmal nachhaken.

    ich muss immer etwas die Stirn runzeln, wenn in Analysen/Bewertungen der Top eCom-Player im Fashionmarkt auf Statista-Daten verwiesen wird. Diese führen ja logischerweise nur Unternehmen auf, die auch entsprechende Zahlen veröffentlichen.
    Meiner Kenntnis nach gibt es jedoch mind. 3 Unternehmen, die in der Top10 stehen würden und eine nicht unerhebliche Rolle im Markt spielen.
    Darauf wird jedoch m.E. nie hingewiesen, geschweige denn die Unternehmen einmal unter die Lupe genommen.

    • Nils Seebach
      Nils Seebach
      Antworten

      Hallo Peter – die Daten beziehen sich auf 2016 und eventuell liegt es daran, dass die anderen Unternehmen nicht gezeigt werden. Weiterhin auch nur die .de Domains z.B. Asos oder andere internationale Firmen tauchen da nicht auf, wenn sie nicht eine spezifische deutsche URL haben. Insgesamt hat Statista diese Daten auch erst ganz neu in einem Produkt zusammen gefasst (ecommercedb.com) – da sind die Daten sicherlich noch nicht optimal aber ich finde es einen super ersten Schritt. Unsere Industrie ist ja noch etwas jung für ernsthafte Anbieter wie Bloomberg oder Reuters – daher versucht Statista das erst einmal so gut wie möglich zu erfassen. Dort werden in den nächsten Monaten auch weitere Features eingebaut und ich denke über kurz oder lang wird sich die Qualität noch verbessern. Jetzt aber die spannendste Frage an dich zurück: welche 3 Unternehmen fehlen denn deiner Meinung nach noch?

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