Kategorie: Amazon Toolbox

  • Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert Fortsetzung

    Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert Fortsetzung

    Weiter geht es mit der Fortsetzung unseres Gesprächs mit Manuel Siskowski von Wiesemann 1893. Wir gucken uns das Produktpackaging einmal genauer an und schauen auch, inwiefern einzelne Aspekte des stationären Handels für Wiesemann 1893 vielleicht doch relevant sein können. Wie wird Wiesemann 1893 am Markt wahrgenommen bzw. was können Wettbewerber lernen?

    • Intro und Unboxing
    • Produktpackaging bei Wiesemann 1893 (ab 5:13)
    • Welche Aspekte des stationären Weges könnten vielleicht doch relevant für das Unternehmen sein? (ab 10:58)
    • Wie reagiert die Industrie auf Wiesemann 1893? (ab 18:18)
    • Umdenken im Markt seit Contorion und Hoffmann Aquise? (ab 19:41)
    • Beispielrechnung: Herstellung und Verkauf von Werkzeugkoffern (ab 25:57)
    • Wie werden die Kunden von Wiesemann 1893 angesprochen? (32:14)
    • Ein Blick in die Zukunft und Abschluss (ab 43:31)

  • Amazon Dorf Talk – Das online Marktplatzgeschäft von Victorinox AG

    Amazon Dorf Talk – Das online Marktplatzgeschäft von Victorinox AG

    Wer kennt sie nicht die kleinen roten Schweizer Taschenmesser? Benjamin Abbenseth, Senior Key Account Manager Online Marketplaces bei Victorinox, gibt uns im heutigen Gespräch spannende Insights wie Victorinox es angeht aus der Organisation heraus eine zentrale Vertriebs- und Marketingorganisation für das Thema Marktplatz zu bauen. Das 1884 gegründete, weltweit tätige Familienunternehmen produziert und vertreibt inzwischen fünf Produktkategorien, darunter auch Küchenmesser, Reisegepäck und Uhren.
    • Intro Benjamin Abbenseth von Victorinox AG  (ab 0:55)
    • Welche Marktplätze sind für Victorinox relevant? (ab 3:00)
    • Amazonstrategie von Victorinox (ab 4:53)
    • Ein Blick auf die Vertriebsstruktur (ab 10:00)
    • Die Pandemie als Beschleuniger für das online Geschäft? (ab 17:49)
    • Vor- und Nachteile der Zentralisierung intern aus dem Unternehmen heraus. (ab 19:28)
    • Thema Graumarkt (ab 25:30)
    • Wie ist Victorinox im asiatischen online Handel aufgestellt? (ab 27:47)
    • Amazon aus dem operativen vs. strategischen Blickwinkel  (ab 30:52)
    • Abschluss (ab 34:25)

  • Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert

    Amazon Dorf Talk – Wiesemann 1893 Handwerkzeug digitalisiert

    Heute schauen wir uns das Unternehmen Wiesemann 1893 einmal genauer an. Gründer und Geschäftsführer von Wiesemann 1893, Manuel Siskowski, zeigt uns wie er mit seinem Team „alte Handwerkzeugskunst“ neu aufgelegt und komplett digitalisiert hat. Christian Kelm und ich hatten so viele Fragen, dass wir noch einen weiteren Podcast hierzu aufnehmen werden.

    • Intro und Vorstellung Manuel Siskowski, Gründer und Geschäftsführer von Wiesemann 1893
    • Test Christian Kelm: Wieviele Handwerkzeugmarken sind bekannt? (ab 2:48)
    • Positionierung, Portfolio, Aufstellung und Vertrieb Wiesemann 1893 (ab 4:34)
    • Zukunftspläne Wiesemann 1893 (ab 20:56)
    • Was sagen Mitbewerber? (ab 25:27)
    • Vor- und Nachteile des rein digitalen Models und Kundenansprache (ab 30:17)
    • Amazon Content und Onlineshop Content sind nahezu gleich. Welche Entscheidungen sind wann und warum zum Thema Amazon getroffen worden? (ab 39:05)
    • Abschluss und Ausblick auf die Fortsetzung dieses Gesprächs in einer weiteren Amazon Dorf Talk Folge (ab 44:07)

  • Weitere Features bei Business Prime!

    Weitere Features bei Business Prime!

    Was beginnt am 21. Juni? Der meteorologische Sommer? Ja, auch. Aber noch interessanter ist – für mich jedenfalls – dieser Stichtag aus Amazon-technischer Sicht. Ab dem 21. Juni beginnen nämlich die Prime-Day-Angebote. Und in diesem Jahr bewirbt Amazon den vergleichsweise neuen Business Prime mit einem Sondermailing! (Es gibt Business Prime bereits seit 2017. Danke Lennart von warenausgang.com)

    Erst im Frühjahr ging ich mal wieder auf die Bedeutung von Business für Amazon ein. Daher überrascht es nicht, dass der Konzern nun das Angebot auf B2B weiter ausdehnen möchte, das im B2C-Bereich aus gelegentlichen Nutzern scharenweise hochprofitable Amazon-Dauerkunden gemacht hat, die glücklich im Lock-in taumeln und so gar keine Preis- oder Produktvergleiche mehr durchführen.

    Womit will Amazon also Geschäftskunden diesen Rundumsorglos-Pakt schmackhaft machen? Ja, ich schreibe „Pakt“, nicht „Paket“, denn die Entscheidung für Prime gleicht einer inoffiziellen Vereinbarung: Du, liebes Amazon, machst mir das Einkaufen einfacher denn je und sorgst dafür, dass ich nie wieder etwas von Lieferkosten höre; ich zahle dir dafür eine Gebühr und tätige dann den Löwenanteil meiner Einkäufe bei dir. Damit sich aber ein Geschäftskunde – zumal ein professioneller Einkäufer, dem es in die Wiege gelegt worden ist, immer mehrere Angebote zu vergleichen – für eine ähnliche Abmachung entscheidet, muss man ihm natürlich etwas Besonderes bieten.

    Was genau bietet Amazon also seinen Business-Kunden im Mailing vom 9. Juni an? Die vier Punkte kann man wie folgt zusammenfassen und interpretieren:

    1. Amazon Guided Buying: Hier können Kunden ihre Richtlinien einstellen, um ihre Teams zu Produkten und Verkäufern zu leiten, die ihrer jeweiligen Einkaufspolitik entsprechen. Wer also genug hat von Mitarbeitern, die nach Lust und Laune – ohne weitere Kriterien – entscheiden, soll hier ein Werkzeug an die Hand bekommen.
    2. Amazon Spend Visibility: Amazon bietet (vermutlich AI-gestützte) Tools an, um Ausgabenmuster zu analysieren, die Kunden bei Budgetentscheidungen und der Erstellung von Richtlinien unterstützen sollen. Eine gut organisierte Einkaufsabteilung hat so etwas womöglich bereits. Andere nicht unbedingt. Könnte also für einige interessant sein. 
    3. Schnelle, KOSTENLOSE Lieferung für Unternehmen: Die Großbuchstaben sind nicht von mir. Amazon weiß eben, was die Kunden wollen – ob B2C oder B2C. 
    4. Exklusive Angebote für Business-Prime-Kunden: Hier erhält man Angebote von „Partnern wie LexOffice und American Express“. Ich glaube, das kann man getrost als „begleitendes Geplänkel“ verbuchen, wie es das bei allen Treueprogrammen gibt. Nice-to-have, selten entscheidend.

    So dekliniert Amazon also seine legendäre convenience im B2B-Bereich. Auf den ersten Blick schlüssig. Auf dem zweiten Blick frage ich mich allerdings, warum Punkt 3 nicht Punkt 1 ist!? In der Kommunikation lernt man ja immer, das Wichtigste zuerst und an prominentester Stelle zu betonen. Und für mich ist das die „KOSTENLOSE Lieferung“. Es wird sehr interessant, ob das wirklich für sämtliche Waren, auch sperrige Produkte, gilt und ob das so stark zieht, wie im B2C-Segment – wo Liefergebühren von 4€,  5€ oder 10€ natürlich eine höhere Barriere darstellen und wo Versandkostenfreiheit erst überhaupt von Amazon durchgesetzt wurde.

  • Amazon Dorf Talk – Brauche ich einen eigenen Onlineshop?

    Amazon Dorf Talk – Brauche ich einen eigenen Onlineshop?

    Auf der Suche nach einer Wasserrohrzange habe ich mich im Onlinesortiment bei Knipex direkt auf deren Webseite einmal genauer umgeschaut – zum Kauf wurde ich letztendlich allerdings auf Amazon fündig. In der heutigen Ausgabe des Amazon Dorf Talks diskutieren Christian Kelm und ich die Option des Herstellers überhaupt gar keinen eigenen Onlineshop zu betreiben, dafür aber Marktplätze zu bestücken.

    • Intro
    • Wie ist Knipex auf Amazon aufgestellt? (ab 2:18)
    • Warum hat Knipex keinen Onlineshop? Unsere Theorien. (ab 4:53)
    • Vendorenkonzept vs. Sellerkonzept nochmals kurz erklärt (ab 12:00)
    • Was brauche ich als Marke um online erfolgreich zu sein? (12:55)
    • Exkurs zu Disney (ab 15:00)
    • Wo setzt Knipex an? (ab 22:45)
    • Abschluss (ab 26:00)

  • Jeff Bezos tritt ab: Jetzt kommt Day Two

    Jeff Bezos tritt ab: Jetzt kommt Day Two

    Der Paukenschlag ist mittlerweile verhallt. Aber als er im Februar ankündigte, an der Spitze seines Unternehmens den Platz für einen Nachfolger zu räumen, war der Überraschungscoup perfekt. Viele hadern damit, am Zenit ihrer Macht abzutreten und damit der alten Weisheit Folge zu leisten, dass man dann besser gehe, wenn es am Schönsten ist. Bezos tat es einfach. 

    Klassisch Jeff Bezos. Ein Mann, dessen Vorgehensweise, wäre er denn Norddeutscher, mit dem Motto „Nicht lange snacken, Kopp in Nacken“ gut beschrieben wäre. Mit seinem Hang zum Machen, wo andere zaudern, hat er Amazon gegründet, ausgebaut und zu bislang ungekannten Höhen geführt. Dabei machte er selten einen Hehl daraus, wie ihm seine Kunststücke gelangen. Deswegen genossen seine Letters to Shareholders immer so viel Aufmerksamkeit: Hier erklärte ein – vielleicht: Der – Ausnahme-Unternehmer seiner Generation freimütig, Jahr für Jahr, Schritt für Schritt und in aller Offenheit, wie er seinen Weltkonzern erschuf. 

    Nun also erschien vor ein paar Wochen sein letztes Schreiben an die Aktionäre. Was sagt uns denn dieses Finale über Bezos und über das nach seinem Bilde erschaffene Amazon?

    Eine glänzende Bestandsaufnahme – mit einigen Überraschungen

    Vielleicht das Offensichtlichste zuerst: Hier lässt einer seine Erfolge Revue passieren – und zwar berechtigterweise. Denn nach nur 25 Jahren Bestand steht das Unternehmen Amazon nämlich folgendermaßen da:

    Last year, we hired 500,000 employees and now directly employ 1.3 million people around the world. We have more than 200 million Prime members worldwide. More than 1.9 million small and medium-sized businesses sell in our store, and they make up close to 60% of our retail sales. Customers have connected more than 100 million smart home devices to Alexa.

    Es handelt sich also um ein Unternehmen der Sonderklasse, bei der es zur Verbildlichung nur noch Ländervergleiche tun. Amazon hat so viele Mitarbeiter wie Estland Einwohner. Und wären Prime-Mitglieder ein Land, würde sich dessen Bevölkerungszahl vermutlich an fünfter Stelle – direkt nach dem bevölkerungsreichen Inselstaat Indonesien (264 Millionen Menschen) und noch vor Brasilien und Pakistan (jeweils 207 Millionen) – einpendeln. Bezos lässt übrigens – vermutlich aus Pietätsgründen – den schon länger exorbitant und nun noch einmal in der Coronakrise sprunghaft angestiegenen Gesamtumsatz unerwähnt, der fürs Jahr 2020 als Bruttoinlandsprodukt Amazon zwischen Argentinien und Österreich situieren würde.

    Stattdessen stellt er einige andere interessante Berechnungen an – etwa wer die Aktionäre sind und um wie viel genau sie über die Jahre von Amazon profitiert haben:

    We’ve created $1.6 trillion of wealth for shareowners. Who are they? Your Chair is one, and my Amazon shares have made me wealthy. But more than 7/8ths of the shares, representing $1.4 trillion of wealth creation, are owned by others. Who are they? They’re pension funds, universities, and 401(k)s, and they’re Mary and Larry, who sent me this note out of the blue just as I was sitting down to write this shareholder letter.

    Im Folgenden fügt Bezos einen Brief von besagten Kleinaktionären der ersten Stunde ,Mary und Larry ein, aus dem hervorgeht, dass zwei 1997 gekaufte Aktien mittlerweile reichen, um eine satte Anzahlung für ein Eigenheim aufzubringen. Das ist ein sehr geschickter – und keineswegs tatsachenverdrehender – rhetorischer Schachzug von Bezos, um den sagenhaften Reichtum, zu dem er gekommen ist, ins Verhältnis zu stellen. Tatsächlich ist es mir schon immer zu billig gewesen, auf die Gründer von Jahrhundertunternehmen und deren enormen Verdienste zu schimpfen: Klar, Jeff Bezos hat sich eine goldene Nase verdient – wie Bill Gates oder Henry Ford vor ihm auch. Was oft genug dabei unbeachtet bleibt: Solche Unternehmer schöpfen auch Werte für ihre Anteilseigner. In den USA sind diese zu einem nicht unbeträchtlichen Teil vergleichsweise „kleine Fische“, deren Depots nicht in die Millionen oder Milliarden gehen, die aber dank der Investition einen bescheidenen Wohlstand sichern. Das im Letter to Shareholders einmal herauszuarbeiten, ist legitim. (Übrigens sei hier zum Vergleich einmal angemerkt, dass die reichsten Unternehmer Deutschlands – die ALDI-Brüder – keinen solchen weitverbreiteten Wertezuwachs generiert haben: Wie so viele der größten Konzerne hierzulande scheuen sie Streubesitz und halten lieber alles in Familienhand.)

    Eine weitere ungewöhnliche und äußerst legitime Berechnung aus dem Brief: Wie viel Zeitaufwand Amazon seinen Kunden über die Jahre erspart hat.

    Customers complete 28% of purchases on Amazon in three minutes or less, and half of all purchases are finished in less than 15 minutes. Compare that to the typical shopping trip to a physical store – driving, parking, searching store aisles, waiting in the checkout line, finding your car, and driving home. Research suggests the typical physical store trip takes about an hour. If you assume that a typical Amazon purchase takes 15 minutes and that it saves you a couple of trips to a physical store a week, that’s more than 75 hours a year saved. That’s important. We’re all busy in the early 21st century.

    Auch diese Sichtweise ist typisch Bezos: Erfrischend anders und absolut ehrlich. Gewissermaßen gibt er hier ein großes (Nicht-)Geheimnis des Amazon-Erfolgs preis: Es spart den Leuten Zeit. Wer die Geschichte des Unternehmens kennt, weiß um die Bedeutung des früh eingeführten one-click buy. Kunden lieben Amazon unter anderem deswegen, weil es wahnsinnig schnell geht – vor allem Kunden in den endlosen amerikanischen Haus-mit-Vorgarten-Vororten, die sonst für jeden Kleineinkauf in ihre Autos steigen müssen. (Und eben auch die 60% der Deutschen, die nach wie vor nicht in den größten Ballungszentren der Bundesrepublik leben und die es ebenfalls so langsam leid sind, immer in die Stadt fahren zu müssen, wenn ihnen im Neubau-Eigenheim mit Carport das Küchenkrepp ausgeht.)

    Die Schattenseiten des Amazon-Erfolgs – ebenfalls mit Überraschungen

    Ebenso interessant wie der gut begründete Bombast der ersten Hälfte seines letzten Aktionärsschreibens ist allerdings der Platz, der sich Bezos in der zweiten Hälfte für einen vorauseilenden Widerspruch gegen Kritik an Amazon – und daher an ihm und seinem Vermächtnis – einräumt. 

    Eine erste Feststellung: Rund ein Viertel der ca. 4100 Wörter im 2021 Letter to Shareholders entfallen auf Absätze, in denen Bezos entweder die Vorwürfe dementiert, Amazon würde seinen Lagerhallenarbeiter schlecht behandeln oder Amazons neue Initiative beschreibt, der weltbeste Arbeitgeber mit den weltweit sichersten Arbeitsplätzen zu werden. 1170 Wörter zu Arbeitnehmerthemen sind enorm viel, wenn man bedenkt, dass der legendäre erste 1997 Letter to Shareholders überhaupt nur 1630 Wörter zählte, von denen bloß 126 den Arbeitnehmern galten – und wo maßgeblich ihre „Aufopferungsbereitschaft“ beschworen wurde.

    Lange schien Bezos – und mit ihm sein Konzern – nach dem Motto zu verfahren: „Einmal den Ruf ruiniert, lebt es sich herrlich ungeniert“. Vielleicht wird einem allerdings der Ruf doch wieder etwas wichtiger, wenn man sich mit wachsendem Alter fragt, was von einem zurückbleiben wird. Klar ist, Bezos will nicht als Menschenschinder in die Geschichte eingehen und versucht nun einiges zurechtzurücken:

    If you read some of the news reports, you might think we have no care for employees. In those reports, our employees are sometimes accused of being desperate souls and treated as robots. That’s not accurate. (…) Employees are able to take informal breaks throughout their shifts to stretch, get water, use the restroom, or talk to a manager, all without impacting their performance. These informal work breaks are in addition to the 30-minute lunch and 30-minute break built into their normal schedule.

    Ich lasse das mal so stehen, merke aber lediglich an, dass zahlreiche systematische Verstöße gegen arbeitsrechtliche Standards in verschiedenen Ländern von so vielen Mitarbeitern, Gewerkschaften und unabhängigen, vertrauenswürdigen Medien dokumentiert worden sind, dass man eigentlich nur zum Schluss gelangen kann, dass da etwas dran ist. Man darf ebenfalls annehmen, dass Bezos arg suboptimale Zustände in der Amazon-Fulfilment-Maschinerie lange Zeit wenn nicht aktiv so gestaltet, doch zumindest im Streben nach dem besten Kundenerlebnis billigend in Kauf genommen hat.

    So viel gibt er ja auch selbst zwischen den Zeilen zu. Mitten in einer Breitseite gegen Gewerkschaften heißt es dann plötzlich: „I think we need to do a better job for our employees.“ Später kommt dann folgender Schlüsselpassus:

    Despite what we’ve accomplished, it’s clear to me that we need a better vision for our employees’ success. We have always wanted to be Earth’s Most Customer-Centric Company. We won’t change that. It’s what got us here. But I am committing us to an addition. We are going to be Earth’s Best Employer and Earth’s Safest Place to Work.

    Danach folgen weitere 825 Wörter zu einem weiteren Engagement, das der scheidenden Bezos seinem Unternehmen auf die Fahne schreibt: The Climate Pledge. Amazon wolle schnell grüner werden. Auch hier bekommt man den deutlichen Eindruck, es schreibe einer mehr als ein Stück weit an seiner eigenen Geschichte und versuche auf den letzten Metern so einige Versäumnisse zu korrigieren. Weshalb es auch etwas wundert, dass der Begriff „tax“ lediglich einmal im Schreiben vorkommt. Denn neben der Missachtung der Arbeitnehmerrechte sowie den steigenden Emissionen durch den Betrieb von Lagerfläche, Lieferlogistik und Rechenzentren ist die Steuermoral immer der dritte Kritikpunkt, der an Amazon angebracht wird. Allerdings hat Bezos hier bereits vorgebaut: In einer überraschenden Wendung forderte er Anfang April selbst höhere Unternehmenssteuern! Auslöser war wohl, dass kein geringerer als US-Präsident Joe Biden Amazon namentlich unter den Unternehmen erwähnte, die seiner Ansicht nach allzu aggressiven Gebrauch von Steuerschlupflöcher machten. 

    Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Amazon in meinen Augen seine politische Kommunikationsstrategie wohl deswegen vernehmbar in Richtung Versöhnlichkeit verändert hat, weil regulatorische Eingriffe mittlerweile eins der größten Risiken für den Fortbestand des Konzerns darstellen. Man könnte ja Amazon locker in einen Marktplatzbetreiber, ein Werbeunternehmen und einen Hosting-Anbieter aufspalten und hätte immer noch drei der größten Firmen der Welt (die übrigens meine Meinung nach auf längerer Sicht vielleicht kompetitiver wären, als der Großtanker Amazon es künftig noch bleiben wird…). Ob Bezos nun wirklich ein Geläuterter ist oder einfach nur jetzt so tut – um seines Rufs sowie um die Unversehrtheit seines Lebenswerks willen – , ist unwichtig. Ihm ist jedenfalls wohl klar geworden, dass Amazon künftig etwas mehr auf den Unterschied wird achten müssen zwischen dem, was es per Gesetz (oder eben per Gesetzeslücke) darf und dem, was es in den Augen einer zunehmend kritischen politischen Öffentlichkeit eigentlich sollte.

    Das sind natürlich alles Themen für seinen Nachfolger, Andy Jassy, dem er zum Schluss allerdings einen gewichtigen Gedanken mit auf den Weg gibt, der vor allzu viel Anpassung an äußeren Erwartungen warnt: „Differentiation is survival and the universe wants you to be typical.“ Mit einem ausführlichen Zitat aus dem Werk von Evolutionsbiologen Richard Dawkins beschreibt Bezos nichts Geringeres als die Eigenschaften vom Leben an sich: Die Unterscheidung und Abgrenzung von der unmittelbaren Umgebung. Wo es kalt ist, sind Lebewesen wärmer. Wo es trocken ist, halten Lebewesen Flüssigkeit. Arbeiten Lebewesen nicht daran, sich von der Umgebung zu differenzieren, sterben sie. Das Leben ist immer – und auch hier sehe ich in Bezos eine weitere norddeutsche Haltung (allerdings der etwas melancholischeren Sorte) – Streben, Anstrengung, Müh. 

    Bezos schließt sein Schreiben daraufhin mit folgendem Appell samt seiner bekanntesten Lösung: „Never, never, never let the universe smooth you into your surroundings. It remains Day 1.

    Es war aber nur so lange Day One, wie die Ausnahmeerscheinung Bezos an der Spitze seines Unternehmens stand – und nur so lange, wie der Markt und der Staat keine Antwort auf Amazon fanden. Beides ändert sich gerade. Jetzt kommt Day Two.

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Update April 2021

    Amazon Dorf Talk – Amazon Update April 2021

    Heute gibt es einen bunten Blumenstrauß an Themen: Was war los bei Amazon im April 2021? Wir haben uns den 2020 Letter to Shareholders angeschaut und auch die neue Amazon App etwas genauer unter die Lupe genommen. Welche Änderungen wird bzw. gibt es in der Portfoliostruktur?

    • Intro
    • 2020 Letter to Shareholders (ab 1:25)
    • Die neue Amazon App – von der Suchmaschine hin zu Inspiration (ab 6:48)
    • Änderungen/Umdenken hinsichtlich Portfoliostruktur (ab 14:31)
    • Schlusswort (ab 25:43)

  • Amazon Dorf Talk – Mythen zum Thema Vendor vs. Seller

    Amazon Dorf Talk – Mythen zum Thema Vendor vs. Seller

    In der heutigen Ausgabe sind Christian Otto Kelm und ich zusammen mit Frank Holzweissig, Leiter E-Commerce bei Rotho Kunststoff AG, noch einmal tiefer in das Thema Vendor vs. Seller eingestiegen. Welche Mythen bestehen rund um diese Thematik? Wie können sich Unternehmen mit Amazon besser aufstellen bzw. besser einigen?

    • Intro
    • Lieblingsmythos 1 : Thema Arbeitsaufwand (ab 2:30)
    • Mythos 2: Thema Logistik (ab 6:12)
    • Mythos 3: Thema Pricing (ab 18:24)
    • Mythos 4: Thema Erreichbarkeit 24/7 (ab 29:48)
    • Zusammenfassung und Abschluss (ab 36:24)

  • Was ist Amazons Business?

    Was ist Amazons Business?

    Es ist eins dieser schönen Zitate, die – losgelöst von seinem Urheber und in leicht abgewandelter Form – seit Jahrzehnten immer wieder die Runde machen: „The business of America is business.“ Damit soll der wirtschaftsfreundliche Präsident Calvin Coolidge einmal zusammengefasst haben, worum es in den USA geht: ums Geschäft. Auch Ronald Reagan soll das gesagt haben, sowie jede Menge andere Wirtschaftsliberale, die den Vorrang von ökonomischer Aktivität in der Politik der USA und nicht zuletzt in der Gesellschaft des Landes unterstreichen wollten.

    Heute möchte ich den altbewährten Spruch leicht zweckentfremden, um einen anderen Befund zu umschreiben: „Increasingly, the business of Amazon is Business.“  Was ich damit meine: Amazon Business, der seit 2015 bestehende B2B-Marktplatz des Seattler Giganten, wächst immer schneller und wird strategisch gesehen immer zentraler. Dabei gehen dieses Wachstum und die damit beginnende Verschiebung der Gewichte wegen der pandemiebedingten Explosion in den Amazon-B2C-Zahlen beinahe von der Fachöffentlichkeit vollkommen unbemerkt vor sich.

    Das ist ja insofern nachvollziehbar, als das Amazon insgesamt nach Berechnungen des Kollegen Grafs 2020 um 500 Millionen Dollar pro Tag gewachsen ist. Wenn der Konzern also, wie am 15. März 2021, eine Pressmitteilung herausgibt, in der es heißt, dass der Jahresumsatz von Amazon Business mittlerweile die 25-Milliarden-Dollar-Marke erreicht, sorgt das verständlicherweise nicht unbedingt für großes Aufsehen. Sind das umgerechnet doch gerade mal 50 der 366 Tage im Jahr 2020!

    Legt man aber die Amazon-Verkleinerungsbrille ab und betrachtet die Zahl 25 Milliarden Dollar für sich, wird einem wieder klar, worum es hier geht. Umso mehr, wenn man sich auch noch dazu ein paar Gedanken zur Natur des Marktes macht.

    Erst einmal zur Einordnung der Größe. Ja, Amazon mag für 2020 einen Umsatz von insgesamt kopfzerbrechenden, alle bisherigen Maßstäbe übertreffenden 386 Milliarden Dollar ausgewiesen haben. Schieben wir das aber gedanklich beiseite und fügen wir kurz, die 25 Milliarden Dollar – also: rund 20 Milliarden Euro – von Amazon Business in der Umsatztabelle der DAX-Konzerne ein. Siehe da: Nur Amazon Business erreicht bereits nach fünf Jahren Bestand einen guten Mittelfeldwert und ist so ungefähr gleich auf mit den Industriekonzernen Henkel (Gründunggsjahr 1876) und Linde (gegründet 1879).

    Von Null auf Henkel in nur fünf Jahren, also. Ohne die Corona-Supernova im etablierten B2C-Geschäft würde vermutlich Amazon Business die Schlagzeilen machen. Zumal sich die Kundenkartei zwischenzeitlich in einer veritablen „Best of“-US-Wirtschaft verwandelt hat – mit einer Sonder-Zustatz-Edition „Public Procurement“. Etablierte corporates wie Citigroup, Intel, Cisco und ExxonMobil sind in der Pressemitteilung nämlich genauso aufgelistet wie eine Tech-Firma wie Uber; ebenfalls dabei bei Amazon Business sind die Einkäufer von 45 der 50 US-Bundesstaaten und 90 der 100 größten Städten und Gemeinden, zudem eine Reihe von Universitäten, Krankenhäuser und anderen öffentlichen Einrichtungen. Das alles habe ich noch nicht in die für den deutschen Journalismus gängige Einheit „Saarland“ umgerechnet, aber das Einkaufsvolumen allein aus den Verwaltungen der Bundesstaaten dürfte das Mehrfache dessen aller Ministerien in Saarbrücken bei weitem übertreffen.

    Strategisch ist das natürlich von kaum zu unterschätzender Wichtigkeit, wenn sich Amazon neben den Löwenteil des Einzelhandels auch noch nennenswerte Prozente des Industriegroßhandels und nicht zuletzt große Volumina aus Bedarfskäufen durch die öffentliche Hand sichert. In die Zukunft projiziert also: „The business of Amazon is Business.

  • Amazon Dorf Talk – Wie verankern Unternehmen Amazon erfolgreich?

    Amazon Dorf Talk – Wie verankern Unternehmen Amazon erfolgreich?

    Frank Holzweissig, Leiter E-commerce Rotho Kunststoff AG, diskutiert mit uns am eigenen Praxisbeispiel, was geschehen muss, damit ein Unternehmen Amazon erfolgreich mit einbinden bzw. verankern kann.

    • Intro Frank Holzweissig und Thematik
    • Warum sollte ein klassischer Vendor darüber nachdenken sich auch das Seller Model einmal genauer anzuschauen? (ab 3:55)
    • Woher kommt die Zurückhaltung beim Thema Verhandlungen mit Amazon? (ab 10:58)
    • Frank Holzweissig über seine Erfahrungen mit Amazon bei Rotho (ab 19:03)
    • Überzeugungsarbeit im Unternehmen in puncto Amazon (ab 27:25)
    • Der Wechsel vom Vendor zum Seller, wie kommt es zum Scheitern bzw. wo muss ein Umdenken stattfinden? (36:43)
    • Zusammenfassung und Abschluss (ab 41:54)