Monat: September 2021

  • Ein Blick in die Zukunft der zahnärztlichen Praxis mit Christian Henrici

    Ein Blick in die Zukunft der zahnärztlichen Praxis mit Christian Henrici

    In seinem Buch „Mein Beruf- meine Zukunft, Kriterien einer Entscheidungsfindung – Angestellt oder Selbstständig?“ gibt uns Christian Henrici, CEO OPTI health consulting GmbH, einen Einblick in die Zukunft der zahnärztlichen Praxis. Wir haben uns in diesem Beitrag einmal genauer über das Buch aber auch über Christians Beweggründe dieses Buch zusammenzustellen unterhalten. Auch ich habe einen Beitrag mit Hinblick auf die Digitalisierung dazu geleistet und freue mich die Informationen hier zu teilen.

    • Intro Christian Henrici, CEO OPTI health consulting GmbH
    • Die Arbeit der Zahnärzte in den USA vs. Deutschland (ab 3:11)
    • Wie kam es zu dem Buch „Mein Beruf – meine Zukunft“? (ab 8:03)
    • Buchvorstellung mit Schwerpunkt „Warum ist Marketing von besonderer Relevanz für Zahnärzte?“  (ab 10:12)
    • Ein Blick in die weitere Kapitel des Buches (ab 17:15)
    • Abschluss (ab 20:00)

    Weitere Informationen zum Buch gibt es beim Verlag Quintessence Publishing unter folgendem Link: https://www.quintessence-publishing.com/deu/de/product/mein-beruf-meine-zukunft

     

  • Disney PlusMinus: Müssen wir bald wieder ins Kino?

    Disney PlusMinus: Müssen wir bald wieder ins Kino?

    Inmitten der weltweiten Pandemie, in der wir uns seit bald zwei Jahren befinden, geschah etwas vorher Undenkbares: In einer der größten Industrien der Welt, der Filmbranche, wurden althergebrachte Gesetze außer Kraft gesetzt. Vor rund einem Jahr wagte Disney den ersten Schritt und brachte „Mulan“ an den Kinos vorbei direkt auf seine Plattform Disney+. Es war eine Sensation, über die ich auch beim Fachdienst W&V geschrieben habe: Zum ersten Mal kam ein Blockbuster nicht erst nach langen Monaten in den Sälen und quälender BluRay-/DVD-Exklusivität übers Internet in die Wohnzimmer. 

    Und obwohl es vordergründig als Pandemie-Reaktion verstanden wurde – schließlich hatten noch überall auf der Welt viele Kinos zu – keimte in mir und vielen anderen die mehr als leise Hoffnung auf, dass Disney+ hier Corona als taktische Gelegenheit ausnutzte, um einen strategischen Sprung zu machen. Denn was spricht eigentlich dagegen, auch bei Filmen einen Direct-to-consumer-Ansatz anzuwenden, wo jetzt in der Form von Streaming eine direkte Verbindung zwischen mir als Konsumenten und Disney als Produzenten gegeben ist?

    Bei der W&V schrieb ich im vergangenen Herbst: „D2C wie Disney-to-consumer. Gerade dieses Beispiel sollte für alle mehrstufigen Vertriebspartner eine Warnung sein, dass Marken, die in der Lage sind, den Kunden direkt anzusprechen, diesen Weg auch gehen werden. Nicht nur in Corona-Zeiten und nicht nur als Übergangslösung. Umgekehrt sollten Markenunternehmen spätestens jetzt, wo Disney den vor wenigen Jahren noch undenkbaren Schritt Richtung Direktvertrieb geht, merken, dass Erfolg künftig noch viel mehr in den eigenen Händen liegt: Sind doch die technischen Voraussetzungen für D2C-Geschäft auf noch nie dagewesene Art vorhanden – und das Wissen, wie man übers Internet direkt an Konsumenten verkauft, wird immer weiter verbreitet. Vor allen Dingen zeigt sich: Am Ende gewinnt sowohl die Marke als auch der Kunde.“

    Die Kunden – und das ist das Wichtigste hier – sind nämlich zunehmend woanders unterwegs, als in Innenstädten oder Shopping-Centern, wo Kinos in der Regel zu finden sind. Beflügelt durch die Pandemie ist der digitale Raum zu Hause bei vielen Menschen zentral(er) geworden. So bevorzugen sie zunehmend – ob in Sachen E-Commerce oder Entertainment – den bequemeren Service und die niedrigeren Preise, die sie am heimischen PC oder auf dem Smartphone bekommen.

    Aber in diesem Herbst sehen wir, dass Disney wieder einen Rückzieher macht. So war letztens beim Spiegel zu lesen: „Disney will Filme, deren Start noch für dieses Jahr angesetzt ist, zunächst im Kino zeigen, erst später auf seiner Streamingplattform Disney+.“

    Als ich das sah, war ich über den Rückschritt entsetzt. Wieso würde man auf einen funktionierenden Direktvertriebsweg wieder verzichten? Weder für Disney noch für den Kunden hat es nämlich einen Sinn, Filme wieder wochenlang in Kino-Quarantäne zu stecken. Für Disney nicht, weil ihm Direkteinnahmen über sein Streamingportal entgehen (zur Erinnerung: Bereits zahlende Disney+-Nutzer gaben oben drauf noch um die 30 Euro aus, um „Mulan“ zu streamen!). Und für den Kunden nicht, weil er wieder ins Kino muss.

    Ja, „muss“. Seien wir ehrlich: Abgesehen von einigen wenigen ganz tollen Sälen, wo man eine wirklich interessante Filmauswahl oder Getränke am Platz oder sonstwas Besonderes bekommt, ist das moderne Kino einfach eine Filmguckabfertigungsmaschine, in die man vor der Pandemie nur noch deswegen ging, weil die Kinder unbedingt den neuen Disney-Film sehen wollten. 

    So war die Möglichkeit, in Ruhe einen neuen Film zu gucken – ohne als wandelnde Brieftasche ausgenommen zu werden – als echter Fortschritt zu bewerten. Und weil andere Studios wie Universal nach- oder gar vorzogen, konnte man davon ausgehen, dass hier ein besonders lästiges, kundenunfreundliches Exemplar des mehrstufigen Vertriebs endlich zum Fall gebracht worden war. Aber nein: Jetzt werden die Hürden wieder errichtet. Und aus Disney+ wird auf einmal Disney-.

  • Target und Amazon: Auch zwei Schwalben machen noch keinen stationären Sommer

    Target und Amazon: Auch zwei Schwalben machen noch keinen stationären Sommer

    Vieles im Leben verläuft in Zyklen. So folgt auf Sommer Herbst und auf Herbst Winter. Nach Winter kommt Frühling und dann wieder Sommer. Auch die Konjunktur hat einen Zyklus: Der eine oder andere Boom mag zwar etwas länger anhalten. Auch ein Abschwung kann sich in die Länge ziehen. Aber nachdem es lange genug abwärts gegangen ist, kann es ab einem gewissen Punkt nur wieder aufwärts gehen. Wie auch in der Mode: Hosen werden weiter, dann enger, dann wieder weiter…

    So gehen nicht wenige Analysten unausgesprochen davon aus, dass etwa das furiose Wachstum im E-Commerce irgendwann in einer Stagnation enden, gar in ein Schrumpfen umkehren wird – und dass der schwindende stationäre Handel dadurch wieder zu Kräften kommt. Selbst auf den tiefsten, kältesten Winter folgte nämlich bislang noch immer irgendwann ein Sommer. Es ist also durchaus verständlich, dass viele dieses Denkmuster auf andere Entwicklungen übertragen. Schließlich hat es sich bislang bewährt.

    Wer zu einem zyklischen Verständnis der Handelslandschaft neigt, sucht also bereits seit Jahren nach den ersten Anzeichen von Frühling in einem für bricks-and-mortar retail äußerst lang anhaltendem Winter. Gleich jemand, der die ersten Krokusse erspäht, wie sie sich durch den Schneemantel empor kämpfen, deuten sie jede positive – bzw. jede nicht negative – Nachricht aus der Warte stationärer Händler als erstes Frühlingszeichen oder gleich als Vorbote vom lang ersehnten Sommer.

    Diese Herangehensweise ist in den letzten Wochen besonders deutlich an den Beispielen Amazon und Target zu sehen gewesen. „Amazon trug zum Kollaps der Warenhäuser bei. Nun will das Unternehmen angeblich selbst zu einem Warenhaus werden!“, hieß es letztens bei CNN Business, dem zu Ohren gekommen war, dass der Seattler Konzern plane, in Ohio und Kalifornien einige kleinformatige Gemischtwarenläden aufzumachen. Tenor: Saulus wird zum Paulus; auf Abschwung folgt Aufschwung; nach Winter kommt Sommer.

    Im Falle von Target wird gern ein neulich erschienener Artikel aus der Financial Times zitiert, der detailliert auf die derzeit gute Lage des US-Einzelhandelskonzerns eingeht. In vielen Sachen bloß Glück. Obwohl die Kette nur 18 Prozent seiner Umsätze mit Lebensmitteln macht, dufte es als versorgungsrelevant auch während der Lockdowns geöffnet bleiben und weiterhin die Kosmetik-, Haushaltswaren-, Möbel-und-Deko-, sowie Kleidungssortimente verkaufen, die zusammengenommen gute 75 Prozent seines Absatzes ausmachen. Andere Ketten, die nur Kosmetik oder nur Kleidung verkaufen, mussten ihre Türen schließen. So blieb einfach mehr vom stationären Kuchen für Target übrig.

    Auch gern übersehen: „Revenues in 2020 leapt 20 per cent to $93.6bn, driven by in-store traffic as well as ecommerce.“ Die 20 Prozent Wachstum im Pandemiejahr waren also – wen wundert’s? – nicht einzig und allein aufs stationäre Geschäft zurückzuführen. Und gerade hier hat Target ein Problem: Online-Bestellungen versendet es zum größten Teil aus den „Wohlfühloasen“, zu denen es seine Geschäfte umgemodelt hat. Ja, es laufen Picker durch die Gänge des Einkaufsparadies – und sie werden dabei von Kunden angesprochen, was sie in ihrer Arbeit behindert. Das ist ineffizient, kostspielig und suboptimal für die Kunden, die mit vollem stationären Service einkaufen wollen. Nicht umsonst bauen etwa Rewe und DM hierzulande große automatisierte Lagerhallen. Diese Händler, die lange mit „Läden als Läger“ als Strategie flirteten, haben nämlich erkannt, dass das Kommissionieren in bestehenden Märkten höchstens als Brückenlösung anzusehen ist: Statt Synergien in der Fläche gibt es letzten Endes nur Reibefläche.

    Der Artikel wird also tendenziös quergelesen, wozu zugegebenermaßen die Überschrift „US retailer Target defies bricks-and-mortar doubters“ auch einlädt (Online-Redakteure überspitzen ja gern Texte, damit sie geklickt werden). Wer ihn aufmerksamer liest, bekommt einen nuancierteren Eindruck. Umso mehr, wenn er oder sie noch anderes Wissen dazu aufruft, um den Erfolg von Target in Verhältnis zu setzen.

    Target und Amazon – Fische und Teiche

    Target ist im Pandemiejahr um 20 Prozent gewachsen? Sehr schön. Amazon hat fast 40 Prozent geschafft. Target hat einen Gesamtumsatz von beinahe 100 Milliarden USD. und einen Nettoertrag von gut 4 Milliarden USD? Amazon setzte Richtung 400 Milliarden USD um und steigerte dabei den net income um 84 Prozent auf 21,33 Milliarden USD. Target genießt derzeit eine außerordentlich gute Marktbewertung von 130 Milliarden USD? Amazon wird mit über 1,5 Billionen USD bewertet…

    So haben wir hier das alte Phänomen mit der Größe des Fisches im Verhältnis zum Teich. Neben den anderen stationären Ketten, mit denen es seit jeher verglichen worden ist, sieht Target gar nicht mal so schlecht, ja sogar ganz gut aus. Schließlich ist es nicht bereits insolvent (wenn auch – wie der aufmerksame Leser ebenfalls dem FT-Artikel entnimmt – mit Schulden beladen).

    Verglichen mit Amazon ist Target allerdings kein so toller Hecht. Und während Target jetzt dafür gefeiert wird, dass es im Jahr nach der Pandemie sein Gewicht hält, legt Amazon jeden Tag weiter zu – und wächst pro Jahr um ein ganzes Target. Wir sollten also die Verhältnisse klar im Kopf behalten. 

    Amazon: Die stationäre Einkaufsfläche als Mittel zum Zweck

    Natürlich bleibt die Frage, warum Amazon jetzt Läden aufmacht, wenn es weiterhin online so gut läuft. Sind etwa die Grenzen der Expansionsmöglichkeiten online erreicht? So nach dem Motto: Nach dem langen, warmen E-Commerce-Sommer kommt nun der Herbst? Mitnichten. Amazon hat weiterhin überhaupt keine Probleme, neue Kunden online anzusprechen und aus bestehenden immer mehr share of wallet herauszuholen.

    Die stationären Flächen, die es aufmachen will – sowie die Wholefood-Stores, die es vor ein paar Jahren aufkaufte und die ersten Amazon-Go-Märkte – sind anders zu verstehen. Sie dienen nämlich der Amazon-Logistik und sind primär als innerstädtische Lagerfläche zu verstehen, die zufällig auch Läden sind. Einen zweiten Zweck erfüllen sie als Marketing-Kanal: Amazon kann es sich leisten, nicht nur durch Plakatwände und Bushaltestellen auf sein Prime-Programm aufmerksam zu machen und sich ins öffentliche Gespräch einzubringen. (Es funktioniert übrigens bestens: Die Meldungen zu Amazons Plänen sind ja auch bei mir wieder Anlass zu einem Artikel gewesen…)

    Ist aber ein Amazon-Laden, in den Kunden reingehen können und dessen Lagerfläche auch für Lieferungen innerhalb einer Stunde im Umkreis verwendet wird, nicht doch wieder das Gleiche wie ein Target- Store, in dem gepickt wird? Oberflächlich betrachtet vielleicht schon. Bloß: Jeder, der in einen Amazon-Laden reinläuft, ist bereits Amazon-Kunde mit einem Konto und einer Kaufhistorie. Beiläufige Frequenzbummler sind nicht vorgesehen. Nach wie vor kann aber ein jeder ganz anonym in ein Target-Geschäft reingehen und gegen Bargeld einen beliebigen Artikel erwerben. Die Logik ist also eine völlig andere – und fällt für Amazon in puncto Kundendaten und -treue ungemein günstiger aus.

    So geht der endlose Amazon-Sommer weiter. Für Target und seinesgleichen handelt es sich hier höchstens um ein paar warme Herbstwochen. Oder wir ändern das Denkmuster im Falle Stationär/Online grundlegend und achten darauf, keine linearen Entwicklungen mit exponentiellen Kurven als Zyklen zu denken – so natürlich und verständlich diese Tendenz auch sein mag.