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Mai 2015

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Der Handel oder die Hoffnung von morgen?

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Money! Mit großem Interesse verfolge ich seit einiger Zeit den K5 Fond/Depot von Exciting Commerce Herausgeber Jochen Krisch und Zooplus Gründer Sven Rittau. Sowohl der Investment-Mix aus bis dato 6 E-Commerce Aktien und die bisherigen Erfolge des Portfolios sehen schonmal spannend aus. Weiterhin finde ich es als „Digitaler“ natürlich auch spannend die Entwicklungen und Trends an den öffentlichen Märkten nach zu vollziehen. Vor allem durch die tägliche Arbeit mit zahlreichen digitalen Themenblöcken und vertrauliche Einsichten in die Entwicklung von Firmen, entwickelt man eine völlig andere Wahrnehmung des Marktumfeldes als es in den öffentlichen Handelsabläufen ersichtlich wird. Diese Einsichten führen dazu, dass man manches an den öffentlichen Märkten kritischer beurteilt – daher habe ich auch einige Bedenken am Konzept des K5 Fond/Depot und ich zweifle noch etwas an dem Vorhaben, da die Markteckdaten für mich nicht stimmig sind.

Erstens vertrete ich momentan eher die Einschätzung, dass wir uns durch Makro Faktoren wie niedrige Zinsen und Zentralbankgeldschwemme in einer erheblichen Spekulationsblase befinden. Daher ist ein kurzfristiger Einstieg in den Aktienmarkt mit großer Vorsicht zu betrachten. Diese Einschätzung teilen die Betreiber des K5 Fonds/Depot ebenfalls. Allerdings stellt sich die Frage, ob nicht grade diejenigen Firmen, die zur Zeit das meiste Kapital erhalten und als Überflieger an der Börse gelten, im Endeffekt am stärksten abgestraft werden. Wäre das der Fall, so würde der Fond gerade zu Spitzenbewertungen einkaufen und müsste rechtzeitig vorhersehen, wann die Party vorbei ist und ein voller Exit aus den einzelnen Portfoliowerten Sinn macht. Das ist kein einfaches unterfangen und es gibt viele Finanzexperten, die sich regelmäßig daran die Finger verbrennen. Daher beurteile ich die Erfolgschancen über die nächsten 18 Monate eher als kritisch. Das Argument, dass die zunehmende Geldmenge zu höheren Kursen führt, ist übrigens nicht nur für den Handel von morgen stichhaltig. Man könnte also auch mit einem einfachen ETFs, der die Leitindexis trackt, ebenfalls von der „Bezuschussung“ der Zentralbanken und dessen Auswirkungen profitieren.

Zweitens schätze ich mittel- und langfristig ein, dass der „Handel von morgen“ keinerlei bewertbare Erfolge erzielt, die eine langfristige Anleger-Strategie ableiten lassen. Die wenigsten Firmen generieren Gewinne, die deren momentanen Bewertungen auch nur ansatzweise rechtfertigen würden. Hier wäre es wichtig, im K5 Portfolio nicht nur die Zusammensetzung, sondern weitere Indikatoren (wie den Market Cap zu Umsatz oder Gewinn Ratio) und KPIs zu verstehen. Zwar gewinnen die inkludierten Unternehmen weiterhin Marktanteile, dabei verschieben sich im Marktumfeld E-Commerce die Marktgrenzen jedes Jahr um 20-40% nach oben und es ist noch lange nicht klar, wie sich diese Firmen im später stattfindenden Verdrängungswettbewerb behaupten können. Bisher haben die meisten Firmen nur gezeigt, dass sie gut im Geld ausgeben sind und ebenfalls in der Lage sind, von einem sehr positiven Investorenklima zu profitieren. Langfristig ist der Geschäftserfolg der meisten (Handels-)Unternehmen aber noch fraglich. Dies kann natürlich auch positive Aspekte für eine Bewertung haben, wenn sich Unternehmen nicht negativer sondern erheblich positiver entwickeln als gedacht. Es fällt mir allerdings schwer zu glauben, dass bei den momentanen Bewertungen nicht bereits die möglichst positivsten Annahmen getroffen werden.

Drittens entwickelt sich der Markt stark in Richtung Monopolisierung. Facebook, Google, Appel und Amazon (später sicherlich auch Alibaba) sind da die Hauptakteure und in einem digitalen Handelsportfolio investiere ich zwar auch in andere Aktien, aber am Ende sind alle abhängig von einigen wenigen, unberechenbaren Firmen. Wenn außerdem Jeff Bezos morgen aufwacht und beschließt, den Tierfuttermarkt in Europa zu erobern, dann wird meine Amazon Aktie nicht unbedingt mehr wert – aber meine Zooplus Aktie wird innerhalb kürzester Zeit eine Bruchlandung erleben. Weiterhin unterstellt der K5 Fond, dass es einen „Handel von morgen“ durch Händler überhaupt noch geben wird. Was aber, wenn der Handel von morgen über einige sehr wenige Händler-Monopole (Amazon und Alibaba) und ansonsten über Hersteller abgewickelt wird? Meiner Ansicht nach könnte der eigenständige Handel als Wertschöpfungskette in den nächsten Jahren wegbrechen. Vielleicht sollte man also nicht ein Portfolio des „Handel von morgen“ sondern lieber der „Monopolisten und Hersteller von morgen“ aufbauen.

Insgesamt finde ich das Vorhaben nach wie vor spannend und bin sehr gespannt, was wir hier in den kommenden Monaten beobachten können. Für den risikoscheuen Anleger würde ich allerdings empfehlen, vorerst nur zu beobachten und erst wieder nach der bevorstehenden Marktkorrektur zu investieren.

Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

Weitere Informationen auch unter Xing und LinkedIN.



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