Schlagwort: Digitalisierung

  • Pflege auf direkterem Weg – Willi Schukin über die App pflegefusion

    Pflege auf direkterem Weg – Willi Schukin über die App pflegefusion

    Wie kann man die Vermittlung von Pflegekräften vereinfachen? Momentan werden sie über Agenturen vermittelt, was teils mit großem bürokratischen Aufwand verbunden ist. Letztendlich kommt dadurch auch weniger Gehalt bei den Pflegekräften an. Willi Schukin, CEO der Pflege-Vermittlungsplattform pflegefusion, hat selbst Erfahrungen als Pflegekraft gesammelt. Zusammen mit seinem Team hat er sich einen Weg überlegt, der Pflege direkter, fairer und passender für alle Beteiligten vermittelt.

    • Vorstellung Willi Schukin und pflegefusion (ab 1:12)
    • Willi Schukin über seine persönliche Erfahrung als Pflegekraft in einem Pflegeheim (ab 5:15)
    • Der bisherige Weg zur Vermittlung einer Pflegekraft vs. die Vermittlung durch die App pflegefusion (ab 9:00)
    • Vorteile und Differenzierung durch die App (ab 14:55)
    • Aktueller Stand der Entwicklung der App und Netzwerkaufbau (ab 20:30)
    • Verhältnis von pflegefusion zu anderen Pflegeportalen und Differenzierung (ab 25:39)
    • Thema Funding (ab 28:55)
    • Geplante Reinvestitionen in behindertengerechtes Wohnen (ab 30:42)
    • Profil Willi Schukin (ab 32:45)
    • Abschluss (ab 37:50)
  • E-Food / Lebensmitteleinzelhandel

    E-Food / Lebensmitteleinzelhandel

    1. Marktsituation in Deutschland

    1.1 Vorstellung Status Quo in DE: Zahlen & Fakten

    Gefühlt wird seit Jahren über den E-Food-Markt und sein riesiges Potential berichtet, aber im Gegensatz zu anderen Ländern und anderen Branchen scheint dieser in Deutschland nicht wirklich in Bewegung zu kommen. Das große Potential ist vor allem der Größe des Marktes zu verschulden: 200 Milliarden Euro werden in Deutschland mit Lebensmitteln umgesetzt, wovon allerdings nur 1,5% auf einen Online-Kanal zurückzuführen sind. Nichtsdestotrotz wächst der online Markt mit über 10% pro Jahr. Eine Studie von PwC fand heraus, dass mehr als 40% der befragten Konsumenten ihre Lebensmittel in den nächsten 12 Monaten online einkaufen wollen. Bereits 15% der Befragten kaufen schon heute mehr als die Hälfte ihrer Lebensmittel online ein. Neben dem Anbieter Amazon Fresh, steigen auch hiesige Handelskonzerne wie Rewe, EDEKA mit der Tochter Bringmeister und die Metro mit dem Startup m in den vielversprechenden Markt ein. Auffällig bei dieser Entwicklung ist, dass sich Lebensmitteldiscounter bis jetzt noch keine relevante Position am Markt sichern konnten. Sowohl Lidl als auch Kaufland zogen sich nach kurzer Zeit aus dem online Handel zurück. Das macht den Weg frei für vielversprechende Anbieter aus dem Ausland, wie zum Beispiel PicNic aus den Niederlanden, die jetzt immer weiter in den deutschen Markt eindringen und bereits in Neuss, Kaarst, Meerbusch, Teilen von Düsseldorf und auch in Mönchengladbach verfügbar sind. Aber warum haben wir trotzdem nicht das Gefühl, dass viel im online Lebensmittelmarkt passiert? Wer gehört aktuell zu den relevanten Playern auf dem Markt und was können wir von ausländischen Konzepten lernen?

    1.2 Relevante Konzepte je Kategorie

    Zu den relevantesten online Lebensmittelhändlern der Vollsortimenter gehören Rewe, Bringmeister, Amazon, aber auch stark wachsende Marktbegleiter wie Picnic spielen zurzeit eine wichtige Rolle. In einer Umfrage in 2017 gaben 44% der Befragten an bereits frische Lebensmittel bei Rewe Online gekauft zu haben. Damit setzt sich Rewe deutlich von seinen Konkurrenten ab, die nicht einmal die Hälfte des Wertes erreichen. Nicht verwunderlich, denn Rewe kommt auf einen Marktanteil von 31%. Dahinter rangieren Amazon Fresh/Pantry (15%) und Allyouneedfresh (13%). Am meisten Wachstumspotential zeigt dabei Amazon, die sich mit ihren Konzepten Amazon Fresh, Amazon Pantry und Prime Now deutlich flexibler aufgestellt haben. Allein im ersten Quartal 2018 kam Amazon auf einen Umsatz von 65 Millionen Euro durch den Verkauf von Lebensmitteln. Das ist ein Zuwachs von 33% im Vergleich zum Vorjahr. Laut einer Prognose der Lebensmittelzeitung soll der Umsatz von Amazon Fresh in Deutschland bis 2021 auf 120 Millionen Euro ansteigen, Prime Now soll knapp 100 Millionen Euro Umsatz erreichen. Wann Amazon auch in Deutschland eine Kooperation mit einem stationären Händler, wie zuvor in USA mit Wholefoods, eingeht, ist vermutlich nur eine Frage der Zeit. Außerdem könnte dies auch die zögerliche Expansion von Amazon Fresh erklären, die sich bisher noch in einer Art Testphase befinden. Schon länger wird gemunkelt, dass es sich dabei um Real handeln könnte. Ähnlich große Bedeutung misst die von mir und meinen Partnern gegründete Amazon Agentur factor-a den Eintritt von Amazon auf dem deutschen Lebensmittelmarkt zu. Viele der Hersteller stecken bei der Amazon Optimierung noch in den “Kinderschuhen” und wer hier am schnellsten reagiert, verschafft sich einen riesigen Vorteil. Zurzeit spielen durch Amazon Freshs zögerliche Expansion Amazon Pantry und Prime für die Kunden von Factor-a jedoch noch eine größere Rolle. Factor-a ist europaweiter Marktführer im Amazon-Vendor-Management und gehört mittlerweile zum internationalen Amsterdamer Dept.-Netzwerk. Nils Zuendorf, Head of Paid Advertising bei factor-a, erzählte mir bereits im Digital Confession Drive auf der Dmexco alles über das Geschäft mit dem Amazon-Marktplatz. Ein weiterer Player, der mittlerweile in aller Ohren ist, ist der bereits in mehreren Städten in NRW tätige online Supermarkt Picnic. Im Kassenzone Interview verrät Frederic Knaudt, verantwortlich für Picnic Deutschland, dass Picnic sich vor allem durch die Punkte auszeichnet, die den anderen online Lieferdiensten noch Schwierigkeiten bereiten. Durch das Milchmann-Prinzip umgehen sie die Lieferkosten, da die Routen jeden Tag unabhängig von den Bestellungen gefahren werden. Außerdem können sie damit auf die Minute genau die Ankunft der Lieferung angeben. Denn zu hohe Lieferkosten (48%) und nicht exakte Lieferzeiten (38,3%) sind die am häufigsten genannten Gründe für den Endverbraucher nicht im Internet Lebensmittel zu bestellen. “Der Kunde hat weniger Flexibilität, weiß dafür aber ganz genau, wann wir kommen.” beschreibt Frederic Picnics Geschäftsmodell im Interview. Hinzu kommt, dass Picnic immer den günstigsten Preis garantiert, welcher wöchentlich angepasst wird. Picnic setzt damit genau dort an, wo in Deutschland angesetzt werden muss, um den Endverbraucher für den Onlinehandel mit Lebensmitteln zu sensibilisieren und scheint im Moment der vielversprechendste Player auf dem Markt zu sein.

    Abgesehen von den Supermärkten gibt es auch Player im online Lebensmittelhandel, die sich auf Nischen spezialisiert haben. Bei der Frucht- und Gemüselieferung sind dies Konzepte wie etepetete-bio und Rübenretter, welche nicht den Normen entsprechendes Gemüse wöchentlich oder zweiwöchentlich in der Form von Aboboxen verkaufen, wodurch die Verschwendung verringert wird. Viele dieser Player konnten schon ihre Daseinsberechtigung bestätigen und zeigen, dass die Bereitschaft in der Bevölkerung da ist Lebensmittel über das Internet zu bestellen.

    Ebenfalls gibt es einige online Händler, die sich auf Getränke spezialisiert haben. Mit kollex wurde 2018 ein Joint Venture in Kooperation zwischen Coca Cola, Bitburger und Krombacher gegründet, welches unter der Leitung von Udo Kießlich eine online B2B  Getränkeplattform für Gastronomen und Getränkefachgroßhändler anbietet. Durch den Einsatz von neuen, digitalen Lösungen soll der Bestellprozess beim Kunden deutlich beschleunigt und vereinfacht werden. Ende 2018 wurden die ersten Pilotprojekte gestartet, wobei der bundesweite Rollout für das erste Halbjahr 2019 geplant ist. Solche Projekte haben durch das große Kapital, welches durch die drei starken Partner zur Verfügung steht, eine vielversprechende Erfolgswahrscheinlichkeit. Ein B2C online Getränkelieferant, der etwas an das Geschäftsmodell von Picnic erinnert, ist Flaschenpost, welches zuletzt 2018 eine 20 Millionen Euro Finanzierungsrunde abschloss. Mittlerweile liefern sie in 8 Städten in Deutschland Getränke aus und garantieren günstige Preise und eine Lieferung unter 120 Minuten ohne Liefergebühr. Da setzen sie genau wie Picnic an den beiden Pain Points der Deutschen an: Lieferkosten und Zeitfenster. Ein wichtiger Punkt, der bei der Getränkelieferung von besonderer Bedeutung ist, ist die kostenlose Pfandrückgabe, die Flaschenpost ebenfalls garantiert. Mit ihrem Geschäftsmodell kommen sie bereits auf über 1 Millionen Bestellungen pro Jahr. Weitere Anbieter sind zum Beispiel der online Getränkehändler durst.de, welcher die Möglichkeit bietet sich Getränke aus der Nähe liefern zu lassen, oder Kale&Me, ein Zulieferer von kaltgepressten Säften, die bereits schwarze Zahlen schreiben. Ein anderen Ansatz hat die von Helge Morgenstern gegründete Weinsuchmaschine Vinoa.de, die die direkte Bestellung beim Hersteller und Weinhändler ermöglicht. Diese hat mir Helge im Gespräch auf digitalkaufmann.de bereits vorgestellt.

    Ein weiteres Konzept, welches immer mehr an Relevanz gewinnt, sind die Cook at Home Konzepte in der Form von Kochboxen. Die verbreitetsten Anbieter dafür sind HelloFresh, Marley Spoon und Lidls Kochzauber. Das Prinzip ist einfach: Der Kunde sucht sich eine Kochbox aus, welche ihm mit Rezept zu einem gewünschten Zeitpunkt zum selber kochen geliefert wird. Das Angebot richtet sich vor allem an die steigende Anzahl an arbeitenden Haushalten, in denen häufig die Zeit zum Einkaufen verloren geht. Der weltweite Umsatz von HelloFresh belief sich im 3. Quartal 2018 bereits auf 302 Millionen Euro. Ein Schritt weiter geht Dr. Oetker mit seinem neuen Vorstoß sein digitales Geschäft im online Lebensmittelhandel mit dem Lieferdienst Juit auszubauen. Dieser bietet frisch zubereitete Tiefkühlgerichte in sogenannten Gerichte-Boxen an, die sechs, acht oder zwölf Mahlzeiten enthalten. Es wird sich zeigen, ob die Tiefkühlgerichte gegen die Cook at Home Konzepte ankommen.

    Der Food Delivery Markt kommt ebenfalls in den letzten Jahren in Bewegung. Seit einigen Jahren ist es bereits Standard, dass der Kunde sein Essen nicht direkt beim Restaurant sondern über Internetplattformen, die das Angebot der umgebenden  Lieferdienste bündeln, bestellt. Weitere Konzepte, wie zum Beispiel Foodora oder Deliveroo, die ebenfalls alltäglichen Restaurants die online Lieferung ermöglichen, verzeichnen ebenfalls ein relevantes Wachstum in den letzten Jahren. Lange war es ein Zweikampf zwischen den Essenslieferdiensten Delivery Hero und Lieferando, der jetzt entschieden scheint. Der holländische Internetriese plant 2019 die Delivery Hero Marken Lieferheld, Foodora und Pizza.de zu übernehmen und knackt mit dem Deal fast die 1 Milliarden Euro. Zukünftig sollen alle Lieferdienste unter dem Namen Lieferando ihr Essen ausliefern.

    Einordnung der relevanten Player nach der Vollständigkeit ihrer Vision und ihrer Fähigkeit zur Umsetzung:

    2. Internationaler Vergleich

    2.1 Reifegrad Deutschland im internationalen Vergleich

    Wie schlägt sich der online Lebensmittelhandel in Deutschland allerdings im Vergleich zum Ausland? Den Deutschen wird immer hinterher gesagt auf Traditionen zu verharren und nicht schnell genug auf Wandel zu reagieren. Sowie wir weiterhin auf unser Bargeld bestehen, ist auch der online Lebensmittelhandel noch nicht wirklich in Deutschland angekommen. 14% aller Deutschen haben 2018 Lebensmittel online bestellt. Im Vergleich zu seiner europäischen Konkurrenz schlägt sich Deutschland damit eher durchschnittlich. In Großbritannien ist es bereits über ein Drittel der Bevölkerung. Auch mit Blick in die Zukunft sind wir in dem Bereich unterdurchschnittlich. Nur 40% der deutschen Bevölkerung plant in den nächsten 12 Monaten den online Lebensmitteleinkauf. Das sind 8% weniger als der weltweite Durchschnitt. Führend in diesem Bereich sind die asiatischen Länder: In China planen 88% der Bevölkerung den online Einkauf von Lebensmitteln. Auch in absoluten Umsatzzahlen hinken wir den fortschrittlicheren Ländern hinterher. Über eine Milliarde wird in Deutschland im online Lebensmittelhandel umgesetzt. Im Vergleich zu den USA (14,7 Mrd. Euro) und Großbritannien (11,2 Mrd. Euro) wirkt der Markt dann doch vergleichsweise klein. Aber warum geht es im online Lebensmittelhandel in Deutschland so schleppend voran? In Deutschland fehlt (noch) die nötige Akzeptanz, um signifikant den Markt verändern zu können. Zwar stieg der online Markt mit FMCG-Produkten 2017 um 15,9% zum Vorjahr, allerdings scheint das Wachstum zu stagnieren. In einer Umfrage von Oliver Wyman, gaben 44% der Befragten an zu wenig Vertrauen in die Produktqualität zu haben. Der Foodwatch Report 2018 zeigt, dass dieses Misstrauen durchaus berechtigt ist, man den Anbietern allerdings dennoch eine Chance geben sollte. Diese leisteten sich nur beim frischen Gemüse und Obst einige kleine Ausrutscher. Vor allem bei der Lieferzeit wussten die Händler zu überzeugen und hielten alle ihre Same Day bzw. Next Day Delivery ein. Die Dauer der Lieferung als Grund zum Nichtkauf, den 34% der Befragten der Oliver Wyman Studie angaben, scheint also unbegründet. Beide Seiten, Supermärkte und Endverbraucher, sind zurzeit in Deutschland noch äußerst vorsichtig unterwegs. Neue Konzepte und Marktbegleiter werden die Investitionen auf Seiten der Anbieter erhöhen, sodass langfristig die Kundenakzeptanz davon profitieren wird. Dass sich der online Lebensmittelhandel auch in Deutschland durchsetzt, scheint also nur eine Frage der Zeit sein zu können.

    2.2 Best Practices aus anderen Ländern, welche m.E. erwähnt und / oder vorgestellt werden sollten:

    Aber was passiert währenddessen in anderen Ländern? Ähnlich wie Amazon in Amerika baut auch Alibaba sein offline Geschäft mit seiner Supermarktkette Hema aus, zeigt sich jedoch in ihrer Umsetzung deutlich innovativer als sein amerikanisches Gegenstück. Durch die mobile App ist es möglich die Strichcodes zu scannen und dadurch Produktinformationen und Rezeptvorschläge zu erhalten. Nach dem Einkauf erhält der Kunde die Option seinen nächsten Einkauf nach Hause liefern zu lassen. Alle Kunden in einem drei Kilometer Radius erhalten ihre Ware sogar innerhalb von 30 Minuten. Im Gegensatz zu den westlichen Märkten versteht es Alibaba die Barrieren zum online Lebensmittelhandel zu verringern, sodass seine Kunden komfortabel mit der online Lieferung werden. Bezahlt wird durch die zu Alibaba gehörigen Bezahldienste Taobao und Alipay. An ausgewählten Geschäften besteht sogar die Möglichkeit der Bezahlung via Facescan. Die Vereinfachung und Digitalisierung des Geschäftsvorgangs steht im Mittelpunkt des asiatischen Unternehmens. Allmählich wird seine Kundschaft an die neuen Prozesse herangeführt, sodass es nicht verwunderlich ist, dass sie uns in dem Bezug um einiges voraus sind.

    Bleiben wir in Asien und gehen zu einen der am weitesten entwickelten Märkte für FMCG-Produkte: Südkorea. 70% aller Einwohner kaufen mindestens einmal im Monat FMCGs online. Allein in 2016 wuchs der Anteil des online Geschäfts auf ein Fünftel des Gesamtmarktes. Aber wieso funktioniert der Markt in Südkorea so gut? Zum einen ist die Bevölkerungsdichte deutlich höher als beispielsweise in Deutschland: Kostenlose Lieferungen sind somit deutlich leichter umsetzbar. Zum anderen kommt noch hinzu, dass nahezu überall kostenfreies Wlan angeboten wird und das Online-Bezahlungssystem weit fortgeschritten ist (Roger 2016). Dass Deutschland noch einiges an seiner technologischen Infrastruktur verbessern muss, hört man ja nicht zum ersten Mal.

    Aber auch andere europäische Länder zeigen schon jetzt, wie die Zukunft aussehen könnte: So machte der E-Food-Markt in Großbritannien 2016 bereits 7,3% des Gesamtumsatzes mit Lebensmitteln aus. Im Jahr 2014 konnte die Supermarktkette Tesco ihren Umsatz im Online-Bereich auf 2,9 Milliarden Pfund steigern (Syndy, 2017). Bei einem gesamten Marktvolumen von knapp acht Milliarden Euro in Großbritannien ist Tesco der größte Anbieter auf der Insel. Insgesamt wurden sechs Prozent des Gesamtumsatzes im Lebensmittelsektor Großbritanniens im Jahr 2015 online verzeichnet. Ein weiterer hartnäckiger Online Pure Player der Insel ist Ocado. Bereits 2000 starteten sie ihre Geschäftstätigkeit und zeichneten sich in den letzten Jahren vor allem durch sehr hohe Investitionen im technologischen Bereich aus: Jegliche Software und die Technologie für das hochautomatisierte Lager wurden Inhouse entwickelt. Das Ergebnis sind jährliche Umsätze von über 1 Mrd. Pfund. Durch die Unabhängigkeit vom stationären Handel, baute sich Ocado ein Netzwerk auf und konnte sich vollends auf ihre Kernkompetenz konzentrieren: Der Technologie. Der Druck, den der Online Pure Player auf die stationären Supermärkte ausübt, ist dabei enorm wichtig, um den Wandel im online Lebensmittelsektor voranzutreiben.

    3. Zusammenfassung

    3.1 Herausforderungen

    Aber woran scheitert der Markt in Deutschland noch? Es gibt noch viele Herausforderungen, die bewältigt werden müssen. Die Logistik ist mit das größte Handlungsfeld in Deutschland. Es müssen nicht nur die aktuellen Versandkosten deutlich reduziert werden, sondern die Lieferzeiten müssen für Lebensmittel deutlich verkürzt und die Zustellzeiten müssen angepasst werden. Das bestätigt auch eine Umfrage, in der 48% der Befragten angaben aufgrund der Lieferkosten nicht online zu bestellen und 38,3% sich einen garantierten Lieferzeitpunkt wünschten. Die hohen Kosten und Schwierigkeiten mit der Logistik sind aber kaum verwunderlich. 26 von 35 befragten LEH-Onlineshops gaben an, dass ein eigener Lieferdienst ihr Ware ausliefern würde. Hier scheint Picnics Ansatz die beste Lösung zu bieten. Weitere Probleme bestehen in Deutschland vor allem in der unsicheren Produktqualität und der mangelnden Sicht- und Fühlbarkeit der Produkte. Ein Ansatz hierfür wäre, wie bereits Alibaba in China, den Kunden im stationären Laden für den Onlinehandel zu sensibilisieren, um auf diese Weise Vertrauen beim Endverbraucher zu schaffen. Hinzu kommen die strengen Regularien die im Internethandel in Deutschland gelten. Erst kürzlich wurden die Amazon Dash Buttons, die seit 2016 auf dem Markt sind und die Bestellung von Verbrauchsgütern per Knopfdruck ermöglichen, vom Oberlandesgericht München verboten, da sie zu einer zu hohen Intransparenz beim Bestellvorgang führen würden. Eine weitere Herausforderung, die Fredereic Knaudt im Kassenzone Interview erwähnt, ist die richtigen Mitarbeiter zu finden. Das alleine sei der Grund warum Picnic noch nicht am Samstag ihre Ware ausliefert. Deutschland zeigt sich als ein schwieriges Umfeld für den online Lebensmittelsektor.

    3.2 Chancen

    Aber hat der deutsche Markt denn dann überhaupt eine Chance? Ja, hat er. Langsam erreichen auch die neuesten Innovationen den deutschen Markt. Picnic wandte ein altes Prinzip neu an: Durch das Milchmann-Prinzip werden täglich mehrmals die gleichen Routen gefahren, sodass alle auf der Route liegenden Haushalte zu unterschiedlichen Zeiten erreicht werden können. Nach und nach weitere Städte zu beliefern anstatt sofort deutschlandweit zu launchen, hatte zufriedene Kunden zur Folge und wird sich vielleicht als die richtige Herangehensweise für den deutschen Markt herauskristallisieren. Mit Instacart und Shipt sind bereits Player auf dem amerikanischen Markt, die sich ausschließlich auf die Auslieferung von Lebensmitteln konzentrieren und auf diese Weise den Markt erheblich aufmischen könnten. Auch stationäre Händler, denen die Anfangsinvestitionen zu hoch sind, haben so eine Alternative, um doch relevant bleiben zu können. Desweiteren haben hohe Investitionen von Amazon zur Folge, dass das Logistik Netzwerk für den Lebensmittelhandel ausgebaut wird. Ein weiterer innovativer Ansatz ist die autonome Lebensmittellieferung, die durch die Kooperation zwischen dem Lebensmittelunternehmen Kroger und dem Tech-Unternehmen Nuro ins Rollen kommt. Via App kann das autonome Fahrzeug vor der Haustür geöffnet und die Ware kann entnommen werden. Außerdem erscheinen auch immer mehr Nischenplayer auf der Oberfläche, mit denen vor allem das Thema Nachhaltigkeit neuen Aufwind bekommt: Konzepte wie Kauf-ne-Kuh oder die bereits erwähnten Rübenretter und etepetete-bio versenden Fleisch und Gemüse über das Internet und sorgen vor allem dafür, dass Lebensmittel nicht verschwendet werden. Es bleibt uns nichts anderes übrig als die Entwicklungen abzuwarten, und mir, wie viele bereits zuvor, zu sagen, dass der E-Food-Markt ein riesiges Potential besitzt.

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Demand Side Platform (DSP)

    Amazon Dorf Talk – Amazon Demand Side Platform (DSP)

    In diesem Amazon Dorf Talk haben Christian Otto Kelm und ich uns noch einmal mit dem Thema „Amazon Demand Side Platform“ auseinandergesetzt. Was hat sich bisher getan?

    • Was hat sich in den letzten drei Monaten geändert? (ab 1:26)
    • Wie gehen Agenturen mit der Thematik um? (ab 4:40)
    • DSP Definition und Funktionalität auf Amazon (ab 6:10)
    • Re-targeting richtig gemacht (ab 10:00)
    • Faustregeln zum Budget (ab 19:07)
    • Abschluss (ab 22:59)

  • Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH über die Entstehung von real.digital

    Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH über die Entstehung von real.digital

    Was macht eine erfolgreiche Verschmelzung von Start-Up und Corporate aus? Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH berichtet in diesem Gespräch von seinen eigenen Erfahrungen mit Hitmeister GmbH und real.de. Was waren die damit verbundenen Herausforderungen und wie wichtig war dabei auch die menschliche Ebene, auf Basis der real.digital letztendlich erfolgreich entstanden ist?

    • Intro und Vorstellung Philipp Blome CEO von Metro Markets GmbH
    • Warum Hitmeister und real.de? (ab 1:01)
    • Die erfolgreiche Verschmelzung zwischen Corporate und Start-Up zu real.digital (ab 7:59)
    • Der Prozess der Acquisition und Intergration von Hitmeister (ab 12:27)
    • Die technologische Evolution (ab 16:23)
    • Herausforderung: Wie passen die Unternehmen zusammen? (ab 20:04)
    • Sicherung des Qualitätsstandarts (ab 25:15)
    • Wie zeigten sich erste Erfolge? (ab 26:29)
    • Gewichtung online und offline in der Transaktion (ab 29:18)
    • Wie wird der Erfolg von Real Digital gemessen? (ab 38:20)
    • Was hat den Deal so erfolgreich werden lassen? (ab 40:30)
    • Neue Herausforderungen für Philipp Blome (ab 43:35)

  • Technical debt erobert das Land

    Technical debt erobert das Land

    Wer hier länger mitliest, wird bereits folgendes von mir wissen: Ich finde, in Vorstandsetagen und Finanzabteilungen weiß man entschieden zu wenig über die konkrete bilanztechnische Ausgestaltung der digitalen Welt. Zudem neige ich gelegentlich zur Schwarzseherei – beziehungsweise ich wende einfach einen (vielen zu) sehr realistischen Blick auf Unternehmen und Märkte an. Und ich mag es hin und wieder gerne mal etwas literarisch.

    Und wem das alles gefällt, der wird heute nicht enttäuscht!

    Zunächst mal der literarische Vergleich. Kennt ihr eigentlich „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“? Es ist ein sträflich vernachlässigtes Werk der deutschen Zwischenkriegsliteratur, das leider vor den Döblins, Falladas und Manns der Weimarer Jahre in die zweite Reihe geraten ist. Die Autorin Gabriele Tergit schildert auf eine für unser Medienzeitalter durchaus relevante Art und Weise den künstlich von der Publizistik herbeigeschriebenen Aufstiegs und den darauffolgenden rasanten Falls eines höchstens mittelmäßig talentierten Berliner Volkssängers – Georg Käsebier – in Zeiten der Weltwirtschaftskrise. Mit von der Partie – und ebenfalls äußerst relevant für heute – Immobilienhaie und Spekulanten, die das Planungsrecht missbrauchen und den finanziellen Druck nach unten an ihre Subunternehmer durchreichen (aber das ist ein anderes Thema).

    Eine Szene aus dieser unterhaltsamen Lektüre ist mir besonders in Erinnerung geblieben: Eine alte Witwe muss aus ihrer viel zu großen Wohnung ausziehen, in der sie bislang notgedrungen Zimmer untervermietet hatte, weil ihr bereits durch die Hyperinflation der 20er entwertetes Vermögen nun in der Krise der frühen 30er Jahre endgültig verschwunden ist. Sie tröstet sich aber damit, dass die wuchtigen Möbel, die sie sich in der Glanzzeit der belle époque angeschafft hat, immerhin noch etwas wert sein werden. Bis ihr beim Auszug klar wird: Alle sind jetzt nur noch scharf auf Bauhaus! Die schweren Holzbuffets (mit einigen Kratzern) und die üppig bezogenen Stühle (mit deutlichen Gebrauchsspuren) taugen folglich nur noch für den Lumpenhändler – der womöglich für die kostspielige Entsorgung sogar Geld verlangen wird.

    Jetzt machen wir einen Gedankensprung vom verarmten Berlin der frühen 1930ern zur Start-up-Metropole von heute – und von der Literatur der Weimarer Zeit zu den Entwicklerrunden in jungen Unternehmen. Hier kommt vermehrt das Thema technical debt auf: Damit ist die „Schuldenlast“ gemeint, die aufgebaut wird, wenn die Software-Entwicklung nicht sauber oder zu schnell durchgeführt wird (häufig bedingt ja Letzteres Ersteres). Einige Start-ups leben insofern auf Pump, als dass sie zwar durchaus first to market waren und damit glänzten, jetzt aber auf Jahre hinaus hinter den Kulissen wieder umbauen müssen, um die „Lassen wir mal fünf gerade sein“-Lösungen der rauschenden Anfangszeit zu beseitigen. Und so läuft vielen CTOs beim Ausdruck technical debt eiskalt den Rücken runter, da hier viele Entwicklerstunden für Refactoring und Aufarbeitung von eigentlich bereits fertig gestellten Projekten nach vorne raus erklärt – und vor allem bezahlt – werden müssen.

    Technical Debt: Nicht nur Berlin, sondern auch Bonn, Bingen und Böblingen.

    Und völlig zu Recht ist ihnen bange. Nur sollten meiner Meinung nach nicht nur in Berlin-Mitte führende IT-ler schlaflose Nächte verbringen. Ich finde nämlich, dass bei jeder Konzernführungssitzung die Frage nach dem technical debt gestellt werden sollte. Ebenso sollte diese Position als Rückstellung auf Bilanzen eine feste Position bekommen. Investieren Unternehmen doch schon seit Jahren viel zu wenig in die technische Infrastruktur – und dann sollen auf einmal sämtliche Problemstellen mit einem Ruck aufgelöst werden.

    Wohin das führt, kann man überdeutlich an der Entwicklung von zahlreichen SAP-Projekten verfolgen. Denn hier wird oft die Rechnung ohne den Wirt gemacht: Die toxische technical debt – sprich: das Chaos vielzähliger, über Jahrzehnte stückwerksweise aufgebauter Legacy-Systeme – wird nicht unterschlagen, sondern einfach komplett verkannt. Was als Befreiungsschlag gedacht ist, der all diese alten Systeme zusammenführen oder ersetzen soll, artet dann regelmäßig in eine zermürbende Stellungsschlacht aus, in der Kosten exorbitant anwachsen und vor dem Einsturz gefährdete provisorische Lösungen mangels angekündigter SAP-Wunderwaffe doch noch jahrelang weiterlaufen müssen.

    Die WiWo hat letztens eine lange Liste der fehlgeschlagenen SAP-Einführungen und -Umbauten aufgestellt, die von Hersteller wie Haribo über Einzelhändler wie Edeka bis zu Geldinstituten wie die Deutsche Bank so ungefähr die gesamte Deutschland AG tangiert. Bei Lidl beliefen sich die Kosten vom „Elwis“ getauften SAP-Durchstart auf 500 Millionen – also: eine halbe Milliarde – Euro, bis er sang und klanglos beerdigt wurde. (Um hier übrigens nicht nur auf SAP und deutsche Großkonzerne rumzuhacken: Das bislang wohl „biggest IT failure ever seen“ ereignete sich in Großbritannien, als sich das dortige landesweite Gesundheitswesen an eine Rundumerneuerung seiner Systeme versuchte. Die Kosten waren im Zeitraum 2002-2014 auf 10 Milliarden Pfund hochgeschnellt, bis das Monster-Projekt ohne brauchbares Ergebnis gestoppt wurde. Heute dient es der Forschung als Negativ-Fallbeispiel schlechthin.)

    Aber trotz dieser enormen Fallhöhe habe ich bisher noch keine einzige CFO-Präsentation gesehen, in dem das Thema technical debt auch nur angeschnitten wird. Dabei sollten Investitionen in Technologien von rund 3-5% des Umsatzes die Regel sein: Alles, was darunter liegt, lässt schon einmal Rückschlüsse darauf zu, dass in der Bilanz so einiges an unerkanntem technical debt schlummert.

    Man fühlt sich irgendwie diffus an 2008-2009 erinnert: Damals wurden Schulden – in dem Fall für Hypotheken in den USA – nicht als gefährliche Passiva betrachtet, sondern sogar mal als Aktiva verkauft und verbucht. Das ging Jahre lang gut, weil einfach keiner die Frage stellte, was das Zeug war. Zwar werden hier keine Anteile an alten IT-Systemen in undurchsichtigen Konstruktionen als A-Ware auf der Börse verhökert und der Vergleich taugt insofern nur begrenzt. Aber Bilanzen – und somit Aktienwerte – werden durchaus schöngerechnet, wenn die teils gewaltige Last an technical debt überhaupt nicht ausgewiesen wird.

    Daher zurück zur anfänglichen literarischen Szene mit der glückslosen Witwe, die in der Illusion verharrt, ihre alten Möbel seien doch noch zu etwas gut – bis sie schlagartig einsehen muss, dass sie sie sogar Geld kosten werden…

  • Amazon und die Apotheker #1: das Szenario für 2019 und 2020

    Amazon und die Apotheker #1: das Szenario für 2019 und 2020

    Zum Start in dieses Jahr möchte ich euch mit einer Serie zu einem wichtigen Thema für 2019 beglücken. Wobei das Glück von der Perspektive der Leser abhängt. Es geht um die Bedrohung des hiesigen Gesundheitssektors durch Amazon – mit all seinen Risiken und Nebenwirkungen! Die Akteure in diesem Bereich – vom Apotheker um die Ecke bis hin zu Ärzten und Versicherungsvertretern – sind einem erheblichen Risiko ausgesetzt und benötigen zukünftig ein starkes Nervensystem. Seid also gewarnt: nach der Lektüre können unangenehme Nebenwirkungen wie Angstzustände, Schlafstörungen und krankhaft wiederkehrende Alpträume auftreten! Neben ein paar Erkenntnissen natürlich.

    Denn Online-Monopolist Amazon – der größte und wertvollste Händler der Welt, dessen weltweiter Umsatz täglich um mehrere Milliarden wächst – interessiert sich nun für den – deutschen -Gesundheitsbereich.

    Ja, das ist als Drohung zu verstehen! Denn es geht hier um das Überleben ganzer Berufszweige.

    Gefahr für Apotheken!

    Aber warum will der US-Gigant in den deutschen Gesundheitsmarkt vordringen? Aus genau denselben Gründen, weshalb er sich bereits den Buchhandel und das Geschäft mit Filmen und Musik, den Verkauf von Consumer-Electronics, weißen Geräten und Heimwerkerbedarf oder Webhosting und Großhandel vorgeknöpft hat: Weil die Versorgung mit Arzneimitteln und medizinischen Dienstleistungen einen riesigen Markt darstellt, in dem die bestehenden Anbieter aus Sicht des Konzerns ineffizient arbeiten und sich zu hohe Margen genehmigen. Deshalb rechnet sich Amazon hier gute Chancen aus, mit seinem schlankeren Modell den Kunden ein besseres Angebot machen zu können. Denn am Ende ist es klar, dass das wertvollste Unternehmen der Welt den Endkunden mit Abstand am besten versteht und somit erfolgreich in fast jede Industrie problemlos eindringen kann.

    Ich weiß, dass ich mich mit solchen Aussagen auf vermintes Terrain wage. Wie jemand, der gerade im Alptraum feststeckt und wiederholt „Nein! Nein! Nein!“ schreit, heulen die Interessenverbände auf, wenn man zum Beispiel das naheliegenste Schreckensszenario Versandhandel vor ihnen ausbreitet. Das hat letztes Jahr der Kassenzone-Kollege Alex Graf erfahren, als er die Frage stellte, wie verzichtbar Apotheken in Deutschland sind und die Widerrede erschallte: „Du hast doch gar keine Ahnung!“ Irgendwie nachvollziehbar: Kein Mensch hört gern, dass er ersetzbar ist. Kein Händler, der in seine Fläche und sein Personal investiert hat und ausgesprochene Produktexpertise besitzt, lässt sich gern sagen, dass genau das vielen Kunden wurscht ist, weil sie zum Anbieter gehen, der billiger verkauft, immer aufhat und auch noch nach Hause liefert. Kein Ladeninhaber, der jeden Monat genau nachrechnen muss, wieviel er sich auszahlen kann (ob überhaupt!), hat dafür Verständnis, wenn man ihm sagt, er nehme eine zu hohe Marge.

    Aber so ist nun mal der Sachverhalt. Es gibt keinen Grund, warum stationären Apothekern nicht das blühen soll, was Buchhändlern, Elektronikfachhändlern und allen anderen, die mit standardisierten, austauschbaren Produkten auf einer stationären Fläche handeln, schon widerfahren ist. Das Modell „Apotheke in jeder Einkaufsstraße“ hat vermutlich nur so viel länger (mehr schlecht denn recht) überlebt, weil es bislang einen höheren Regulierungsschutz genossen hat. Im Umkehrschluss ist dieses Modell aber nur zwei oder drei Lockerungen der gesetzlichen Bestimmungen zu Rezepten und Arzneiversand vom Untergang entfernt. Werft bitte nicht nach mir mit dem Glas vom Nachttisch! Den Boten trifft ja keine Schuld.

    Logistik kills it all

    Dass es Amazon ist, der an diesem Untergang verdienen wird, ist übrigens so gut wie ausgemacht. Woher kommt diese Annahme? Lasst uns eine kleine Konzernaufstellung Stand heute mit einer Kurzfassung der Entwicklung der letzten paar Jahre machen. In Puncto schiere Größe wird nur für Q1 2018 der Umsatz von Amazon in Deutschland auf rund 4,8 Milliarden Euro geschätzt. In der Disziplin Logistik ist der Konzern derart zu Hause, dass etwa eine eigene Flugzeugflotte eingesetzt und die Lieferung per Drohne getestet wird. Amazon bildet Warenbewegungen innerhalb Europas mittlerweile so effizient ab, dass sich Cross-Border-Verschiebungen bereits bei nationalen Preisunterschieden in Höhe von Cent-Beträgen rechnen. In Deutschland werden derzeit elf Logistikzentren sowie sieben Verteilzentren betrieben. Darüber hinaus befassen sich an diversen Standorten Forschungs- und Entwicklungszentren mit neuesten Technologien. Weltweit beschäftigt Amazon 560.000 Mitarbeiter, wobei allein 2017 130.000 neue Stellen entstanden sind. In Deutschland arbeiten rund 12.000 festangestellte Vollzeitmitarbeiter für den Konzern.

    Mit eigenen Marken und Produkten unverzichtbar werden

    Derweil lassen sich die Leistungen und Produkte Amazons in drei Gruppen unterteilen: Produkte, Services und Prozesse. Das Produktsortiment umfasst schon lange nicht mehr nur Fremdmarken sondern zunehmend auch Eigenmarken wie Happy Belly oder Amazon Basics sowie die Geräteserien Echo, Fire TV und Kindle, die Amazon stärker in den Alltag der Kunden integrieren. Die damit verbundenen Dienstleistungen reichen von Prime Streaming-Diensten für Musik über Video bis hin zu Leihbüchereien. Zuletzt zählen noch Prozesse wie der Hosting Dienstleister AWS zum Leistungsportfolio Amazons in Deutschland. Im Juni 2016 startete zudem Amazon Business in Deutschland, neben den USA damals der zweite B2B-Markt. Zählte das neue Angebot im April 2017 noch 50.000 Kunden, waren es im Dezember 2017 schon 150.000. Anders als in den USA, wo Amazon bereits kleine Krankenhäuser und Städte mit Produkten für den Gesundheitsbereich beliefert, ist Amazon allerdings noch nicht im deutschen B2B-Healthcare Markt aktiv.

    Aber wer wollte wetten, dass das so bleibt? Und wer wollte Geld darauf setzen, dass Amazon – mit seiner in Deutschland bereits verfügbaren Infrastruktur – das lukrative B2C-Arzneimittelgeschäft gänzlich den aus dem Boden sprießenden Online-Apotheken überlassen will?

    Deshalb folgende Thesen für dieses neue Jahr 2019 und die kommenden 24 Monate

    i) Analog zur Akquisition von PillPack in den USA wird Amazon in das deutsche Apotheken Business vordringen.

    Im Juni 2018 stieg Amazon mit der Übernahme der amerikanischen Online-Apotheke PillPack in den Medikamentenhandel ein. Mit diesem Schritt geht es Amazon neben der Erweiterung seines Portfolios auch um die Skalierung eines ausgefeilten Geschäftsmodells.

    Es ist naheliegend und nur eine Frage der Zeit, dass Amazon in Deutschland bald ebenfalls in das lukrative Apotheken-Business einsteigen wird. Hierzu könnte der Gigant eine bestehende Versandapotheke akquirieren oder aber das Abo-artige Geschäftsmodell von PillPack (siehe ii) in den deutschen Markt überführen, sobald der Versand von verschreibungspflichtigen Medikamenten auch hierzulande zugelassen wird.

    ii) Amazon ist mehr als ein Paketversender. Wie bei PillPack wird es einen klaren Kundenmehrwert geben, direkt über Amazon zu bestellen.

    Zu der Zielgruppe PillPacks zählen insbesondere alte und chronisch kranke Patienten, die ihre Rezepte online einreichen können. Statt komplette Arzneimittelpackungen zu versenden, verpackt PillPack die Medikamente in der benötigten Dosis und beschriftet diese entsprechend. Ausgebildete Apotheker prüfen den Prozess, um sicherzustellen, dass der Patient genau weiß, zu welcher Tageszeit er welche Arznei zu sich nehmen muss. Die von PillPack versandten Dosen decken jeweils den Bedarf eines Monats ab (mehr hier).

    Im Wettbewerbsumfeld der deutschen Versandapotheken, in dem sich bisher kaum ein Marktteilnehmer durch sein Produkt- oder Dienstleistungsspektrum von der Konkurrenz abheben kann, bietet ein solcher Service wie bei PillPack einen klaren Mehrwert für den Kunden. Hinzu kommt weiterer Mehrwert für Amazon-Kunden durch die Einbindung von konzerneigenen Services: So könnten die Echo-Geräte mit Alexa dafür genutzt werden, per Spracheingabe Medikamente zu bestellen. Darüber hinaus wäre es denkbar, vom Arzt verschriebene Rezepte über die Kamera in der mobilen App zu scannen, woraufhin die verschriebenen Medikamente automatisch in den Warenkorb gelangen.

    iii) Wie mit Basic Care in den USA bringt Amazon eine exklusive OTC-Eigenmarke auf den Markt.

    Im August 2017 hat Amazon in den USA die Marke Basic Care auf den Markt gebracht. Die von Perrigo hergestellte Produktpalette reicht von Ibuprofen bis zu Haarwuchsmitteln. Durch das Anbieten von Arzneimitteln über eine Eigenmarke nutzt Amazon die Vergleichbarkeit und Preissensibilität der Endkunden bei Generika für ein besseres Kundenerlebnis und die Intensivierung der Kundenbeziehung.

    iv) Amazon schließt strategische Allianzen mit führenden Herstellern in der Health Technology Branche.

    Analog zu der Partnerschaft mit Cerner, einem der weltweit größten Unternehmen für Informationstechnik im Gesundheitswesen, schließt Amazon strategische Partnerschaften mit führenden Unternehmen in der deutschen Pharmaindustrie.

    Wem allein die vier Thesen für die kommenden zwei Jahre Schweißperlen auf die Stirn treiben und Wallungen verursachen, dem ist von den längerfristigen Prognosen, auf die ich in #2 und #3 dieser Serie eingehen werde, unbedingt abzuraten. Und wenn ihr ganz tapfer wart und diese bittere Pille ohne zu viele Beschwerden schlucken könnt, dann sehen wir uns hier demnächst wieder für die weiterführende Behandlung!

  • Joachim Rabe über die Herausforderungen des Feinkost Unternehmens Gourmondo

    Joachim Rabe über die Herausforderungen des Feinkost Unternehmens Gourmondo

    Wie sieht die Zukunft von Gourmondo aus? Joachim Rabe ist Gesellschafter und Geschäftsführer bei Gourmondo, dem führenden Online-Lebensmittelhändler für Feinkost. Im Digital Confession Drive beantwortet er Fragen rund um die Zukunft des Feinkost Unternehmens und wie sie die branchentypischen Herausforderungen bewältigen. Denn neben den klassischen Problemen bei Lebensmitteln im E-Commerce, steht der Feinkostbereich vor weiteren noch spezifischeren Herausforderungen.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Lebensmittel im E-Commerce (ab 5:03)
    • Die Zukunft von Gourmondo (ab 9:00)
    • Der Weg zum Ziel – wie Gourmondo sein Ziel erreichen will (ab 12:55)
    • Die Zielgruppe von Gourmondo (ab 16:53)
    • Reason why (ab 19:53)
    • Abo-Modelle und Empfehlungen (ab 23:00)
    • Lebensmittel des täglichen Bedarfs (ab 27:00)
    • Das Gourmondo Unternehmen (ab 29:40)
    • Logistik (ab 31:43)

  • Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke – Recruiting und Bindung digitaler Talente

    Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke – Recruiting und Bindung digitaler Talente

    Wie genau lassen sich digitale Talente rekrutieren und wo finden sich diese? Diesen Fragen widmet sich Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke von der Fachhochschule Wedel im Digital Confession Drive zusammen mit Etribes Geschäftsführer Arne Stoschek. Es geht um genaue Relevanz bis hin zur Anziehung von Talent und Bindung eines Unternehmens.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Was genau macht Prof. Dr. Jan Paul Lüdtke? (ab: 0:40)
    • Für wen ist es relevant digitales “Know-How” einzustellen? (ab: 2:00)
    • Die Herausforderungen, um Talente für sich zu gewinnen (ab: 3:00)
    • Wen bildet die Fachhochschule Wedel aus? (ab: 4:00)
    • Welche Rollen werden aktuell stark gesucht? (ab: 6:30)
    • Wie gut rekrutieren Firmen digitale Talente? (ab: 9:40)
    • Die Interessen der digitale Talente (ab: 14:00)
    • Welche Rolle spielt der Standort eines Unternehmens? (ab: 16:50)
    • Wie werden Hochschulkontakte aufgebaut? (ab: 19:40)
    • Wie wird man an Hochschulen richtig wahrgenommen (ab: 24:00)

  • Der Weg von Ströer zum Multichannel Medienhaus mit Christian von den Brincken

    Der Weg von Ströer zum Multichannel Medienhaus mit Christian von den Brincken

    Wie differenzieren Unternehmen zwischen Online & Print Werbung? Im Digital Confession Drive mit Christian von den Brincken von der Ströer SE & Co. KGaA geht es um den Weg zum Multichannel Medienhaus, den Point of Sale einer Marketingstrategie und wie genau Ströer effektiv für sich Vertrieb macht. Außerdem klärt Christian von den Brincken, den genauen Zusammenhang von Print & Online Werbung als Multichannel Modell auf.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Vortsellung Christin von den Brincken (ab 0:20)
    • Was macht Ströer genau? (ab 2:40)
    • Wie Ströer den Weg zum Multichannel Medienhaus gemeistert hat (ab 5:50)
    • Point of Sale von der Ströer Strategie (ab 7:30)
    • Differenziert ein Kunde von Ströer zwischen Online Werbung und Print? (ab 15:50)
    • Wie funktioniert der Vertrieb von Ströer? (ab 19:50)
    • Wie möchte sich Ströer im Markt weiterentwickeln? (ab 24:00)

  • #79 Digitalkaufmann.de – Frank Arndt über die Verschmelzung von B2B & B2C

    #79 Digitalkaufmann.de – Frank Arndt über die Verschmelzung von B2B & B2C

    Wohin entwickeln sich die E. ZIEGLER Metallbearbeitung AG und Ihre Produkte im Rahmen der Digitalisierung? Im Digital Confession Drive mit Frank Arndt, Leiter des Online Marketing der ZIEGLER AG, werden spannende Themen über das Unternehmen und die Weiterentwicklung besprochen. Stefan Luther, Geschäftsführer von Etribes, erfährt in diesem Gespräch mehr über eine Verschmelzung zwischen B2B & B2C Kunden bis hin zur Innovation in alltäglichen Gegenständen in der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel selbstlöschende Mülleimer.

    Hier die Aufteilung des Gesprächs:

    • Kennt und nutzt der B2C Markt überhaupt die Produktbezeichnungen der E. ZIEGLER Metallbearbeitung AG? (ab 1:40)
    • Wie sieht ZIEGLER sich selbst als Marke & Servicedienstleister? (ab 5:50)
    • Wie funktioniert der Vertrieb bei ZIEGLER? (ab 8:47)
    • Welche Möglichkeiten wurden durch neue Technologien für ZIEGLER bereits geschaffen? (ab 11:00)
    • Wie entsteht die Verschmelzung zwischen B2B & B2C? (ab 16:50)
    • Wie ist das Digitalisierungsteam von ZIEGLER aufgebaut? (ab 22:40)
    • Wie differenziert sich die E. ZIEGLER Metallbearbeitungs AG? (ab 26:30)
    • Gibt es bereits technologische Innovationen bei eher unspektakulären Produkten von ZIEGLER wie z.B. Mülleimer? (ab 34:20)