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  • Keine halben Sachen bei Amazon: Weitere 200 Milliarden für die KI-Zukunft

    Keine halben Sachen bei Amazon: Weitere 200 Milliarden für die KI-Zukunft

    Amazon bleibt sich treu: Statt auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzt der Konzern auf langfristige Dominanz. Eine Analyse des Q4 2025 Reportings und aktueller Ereignisse.

    In Seattle rüstet man weiter mit ganz großen Geschützen im KI-Rennen auf. Das zeigt der Blick auf die kürzlich veröffentlichten Q4-Zahlen für 2025. 200 Milliarden USD für neue Investitionen sind eine Kampfansage.

    Kurz notiert, es läuft gut für den Mischkonzern: Trotz Konsumflaute wächst das Kerngeschäft im Handel solide, und AWS baut seine Position als Nummer 1 weiter aus, auch wenn Wettbewerber prozentual schneller wachsen. Es deutet sich also schon an, dass die früheren Investments in eigene Chips sowie Infrastruktur sich auszahlen. Ich empfehle dazu noch einmal die Lektüre meines Beitrags „Amazon im KI-Zeitalter: Evolution statt Revolution – und die gnadenlose Optimierung des Bestehenden“.

    Die neuen, gewaltigen Investitionen in KI und Cloud sind keine Spielerei oder blinde Wette, sondern strategische Notwendigkeit: Gewinne von heute werden für die Märkte von morgen geopfert. Kurzfristig mag das die Börse verstimmen, auf lange Sicht kann sich das Ganze umso mehr auszahlen.

    Schauen wir einmal genauer auf AWS (der Handel wächst dank Optimierungen in der Logistik weiter zweistellig, das ist schon beachtlich; allein: das Bundeskartellamt beziffert Amazons Anteil am deutschen Online-Handel mittlerweile auf 60 Prozent, bei 45,9 Milliarden Euro Umsatz 2025! Dazu kommt vielleicht mal eine eigene Analyse…):

    Im Q4 2025 legte AWS um 24 % auf 35,6 Milliarden USD zu, laut CEO Andy Jassy das schnellste Wachstum seit 13 Quartalen. Damit übertraf AWS die Markterwartungen (ca. +21 %) und beschleunigte deutlich gegenüber dem Vorjahr (Q4 2024: +19 % auf 28,8 Milliarden USD).

    Angesichts der KI-Chancen fährt Amazon die Investitionen massiv hoch. 2025 flossen rund 50 Milliarden USD zusätzlich in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur. Ganz klar ein Hauptgrund, warum der Free Cashflow trotz höherem Gewinn ins Minus drehte und auf 11,2 Milliarden USD sank.

    Amazon-CEO Jassy betont die Notwendigkeit dieser Ausgaben, um der starken Nachfrage gerecht zu werden und im Wettrennen bei KI, Chips, Robotik und Satelliten tonangebend zu sein. Für 2026 kündigt Amazon deswegen ein rekordhohes CapEx-Budget von etwa 200 Milliarden USD an – überwiegend für den AWS-Ausbau – und stellt damit sogar die Investitionspläne von Meta, Microsoft oder Alphabet (die jüngst Ausgaben zwischen 175 und 185 Milliarden USD angekündigt haben) in den Schatten.

    Und es geht munter los: Amazon ist mit 50 Milliarden USD neben NVIDIA und Softbank Teil einer 110-Milliarden-USD-Runde bei OpenAI. Ich weiß nicht, wie viele europäische Unternehmen, egal welcher Größe bzw. welchen Alters, solch einen Deal auch nur im Traum stemmen könnte… Dazu geht es um eine strategische Partnerschaft, AWS-Kapazitäten und die hauseigenen Tranium-Chips. Ich muss an der Stelle deutlich machen: Mein „Code Alpha“ mit Blick auf Amazon bezieht sich nur aufs Handelsgeschäft! Bei Cloud/KI dürfte hier zu merken sein, dass ich extrem beeindruckt bin von der Amazon-Strategie.

    Übrigens: Wer die KI-Blase gern platzen sehen will, wird sich an dieser Etappe des KI-Wettlaufs bestätigt sehen. Viel Geld, viel Hitze im Markt, immer undurchsichtigere Verquickungen der diversen Akteure. Wie auch immer es ausgeht: Das KI-Wettrüsten erfordert eine enorme finanzielle Ausdauer.

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  • Amazon im KI-Zeitalter: Evolution statt Revolution – und die gnadenlose Optimierung des Bestehenden

    Amazon im KI-Zeitalter: Evolution statt Revolution – und die gnadenlose Optimierung des Bestehenden

    Amazon verliert sich nicht in KI-Träumereien. Stattdessen nutzt der Konzern die KI-Euphorie als strategischen Schutzschirm – um Effizienzmaßnahmen zu kaschieren, seine Marktposition auszubauen und die eigenen Infrastrukturen zu zementieren.

    Das ist auf den ersten Blick weniger spektakulär als das, was andere Tech-Unternehmen mit viel Rhetorik und Vision verkaufen. Doch der zweite, genauere Blick lohnt sich (das sage ich durchaus selbstkritisch, weil mein Urteil zu Amazon jüngst auch nicht gut ausfiel): Amazon ist dabei, zum elementaren Omni-Dienstleister und Versorger unserer Gesellschaft zu werden. Aber der Reihe nach.

    Die Erzählung der Effizienz: KI als Etikett, Restrukturierung als Realität

    Wenige Tage vor den Q3/25-Zahlen sickerte der Plan durch, weltweit bis zu 30.000 Büro-Jobs zu streichen. Die Botschaft ist eindeutig: Amazon will die Kosten senken, die Margen stabil halten, die Story für den Kapitalmarkt kontrollieren.

    Andere Firmen würden von „Sparprogrammen“ sprechen. Amazon erzählt die Geschichte des technologischen Fortschritts, wie ich auch gegenüber der Süddeutschen Zeitung kommentiert habe. KI wird zum Narrativ, das unangenehme Maßnahmen legitimiert. Doch man sollte sich vom Buzzword nicht blenden lassen. Das ist keine KI-Revolution – das ist klassische Restrukturierungspolitik im Tech-Label.

    Parallel dazu bereitet Amazon den massiven Einsatz von Robotik vor: interne Dokumente sprechen davon, dass bis 2033 bis zu 600.000 Logistikjobs in den USA nicht mehr nachbesetzt oder durch Maschinen ersetzt werden. Die offizielle Kommunikationslinie: Alles nur Szenarien. Die inoffizielle Realität: Automatisierung ist Amazons größte Leidenschaft. 

    Und damit die Story nicht nach „Kahlschlag“ klingt, investiert Amazon parallel 2,5 Milliarden Euro in Weiterbildung (“Future Ready 2030”). 50 Millionen (!) Menschen sollen „fit für die Zukunft“ gemacht werden. Clever: erst die Belegschaft verschlanken – dann global „Umschulung“ versprechen.

    KI im Handel: Amazon baut den perfekten Einkaufsagenten – aber nur für sich selbst

    Während Microsoft und OpenAI versuchen, das Interface der Zukunft zu erschaffen, baut Amazon still und sehr konsequent seine eigene Form des Agentic Commerce: „Help Me Decide“. In den USA testet Amazon das KI-Feature zur Analyse von Suche, Browsing und Kaufhistorie. Es ist ein personalisierter Produktempfehlungs-Agent mit Budget-Option und Premium-Alternative. Das ist keine „Shopping-Revolution“, sondern die nächste Evolutionsstufe des klassischen Amazon-Funnels: Amazon ersetzt das Vergleichen, nicht das Kaufen.

    Und Amazon gibt die Kundenschnittstelle dabei nicht aus der Hand: Das System läuft auf Amazons eigener KI-Stack (Bedrock, SageMaker, OpenSearch). Externe Agenten? Werden ausgesperrt.

    Dass Amazon den OpenAI-Crawler blockiert und Perplexity wegen angeblich unautorisierter Bestellautomatisierung verklagt, ist kein Zufall. Das ist Plattformlogik: Wer die Kundenschnittstelle kontrolliert, kontrolliert den Handel. Ein Shopping-Agent, der Bestellungen direkt im Chat tätigt, ist für Amazon nichts anderes als ein Angriff auf das Flywheel. Deshalb öffnet Amazon dem Nutzer – der sein Kaufverhalten schon weitgehend auf Amazon eingerichtet hat – die Tür, aber schließt sie für alle anderen Agenten.

    Amazon als globaler Versorger

    Die wirklich großen Moves spielen sich jenseits der KI-Buzzwords ab. Amazon-CEO Andy Jassy formuliert im „Letter to Shareholders 2024“ (veröffentlicht im April 2025) zwei wichtige strategische Schritte:

    1) Versorgung der Landbevölkerung – physisch und digital

    Amazon investiert bewusst in Regionen, die bisher als nicht profitabel gelten: Same-Day- und Next-Day-Delivery in Tausende ländliche ZIP Codes, über 1 Milliarde Pakete pro Jahr in dünn besiedelte Gebiete senden – die Ziele gibt Jassy aus. Helfen soll dabei der Aufbau kleinerer, verteilter Logistikpunkte im Hinterland – das Gegenteil dessen, was klassische Händler tun. Parallel dazu entsteht eine zweite Versorgungsebene: Amazon Leo (früher Project Kuiper) liefert Satelliten-Internet à la Starlink und damit die Voraussetzung dafür, dass noch mehr Kunden Amazon nutzen. Zielgruppe: 400–500 Millionen Haushalte weltweit ohne Breitband. Was wirkt wie Digitalpolitik, ist ökonomisch gesehen Folgendes: Amazon schafft sich neue Märkte, indem es Regionen erschließt, in denen Handel, Prime, Werbung, Streaming – und bald Healthcare – heute nicht stattfinden.

    2) Healthcare wird Amazons drittes Fundament

    Jassy wird im Shareholder Letter in Sachen Healthcare ungewöhnlich klar: Das US-Gesundheitssystem sei ineffizient, frustrierend, teuer, schwer zugänglich. Amazon bietet die Alternative: One Medical, Arzttermine am nächsten Tag. Amazon Pharmacy, transparente Preise, einfache Abwicklung. Medikamenten-Automaten direkt in Arztpraxen mit QR-Code-Abholung in Minuten (Tests ab Dezember 2025). Ich lese daraus: Healthcare ist kein Nebenprojekt von Amazon. Das ist ein Kernelement des Versuchs, die komplette Infrastruktur zu beherrschen – wiederkehrend, datenintensiv, hochprofitabel. Healthcare bietet Amazon drei strategische Vorteile: Wiederkehrende Nachfrage, extreme Kundenloyalität und sensible Daten, die Amazon helfen, KI-Modelle bestmöglich zu personalisieren.

    AWS: Amazon wird zum Rückgrat der KI-Welt

    Während alle von KI-Agenten reden, baut Amazon im Maschinenraum das, was wirklich zählt: Computer-Kapazität über die Cloud. Der 38-Milliarden-Dollar-Deal von AWS mit OpenAI ist dabei eine deutliche Ansage: OpenAI wird über Jahre AWS-Infrastruktur nutzen, inklusive NVIDIA-GPUs in gigantischen Mengen, die zukünftig durch Amazons eigene Chips (Trainium, Inferentia) ergänzt/ersetzt werden. 

    Amazon macht KI zu einer Frage der Grundversorgung: AWS ist gewissermaßen das Rückgrat der KI-Wirtschaft. Ein Geschäft, das in den nächsten zehn Jahren extremen Wert schaffen wird, wenn die KI-Blase nicht platzt.

    Amazon baut kein KI-Produkt – Amazon baut einen Staat im Staat

    Wenn man die Bausteine zusammensetzt, entsteht folgendes Bild: 

    • Satelliteninternet für Kontinente
    • B2C: Einkaufsmöglichkeiten von A bis Z (nur Food bleibt schwierig…)
    • B2B: Händler-Ökosystem auf globalem Traffic-Fundament plus Top-Logistik (überall!)
    • Healthcare-Services vom Arztbesuch bis zum Tablettenkauf
    • AWS als Rückgrat der KI-Wirtschaft
    • KI-Anwendungen/-Agenten, die jede Interaktion optimieren

    Amazon wird damit zum Grundversorger, ja zum Betriebssystem für digitale Gesellschaften. Und genau das ist der Grund, warum der Konzern langfristig stärker aus dieser Phase hervorgehen wird als viele Konkurrenten: Amazon nutzt KI, um sein bestehendes Modell unbezwingbar zu machen. Schneller, günstiger, breiter, unausweichlicher. Ich bin wieder sicher: Peak Amazon kommt erst noch!

  • Beauty lies in data: Wie die Beauty-Branche online und stationär von Daten profitiert

    Beauty lies in data: Wie die Beauty-Branche online und stationär von Daten profitiert

    Wer in der Beauty-Branche den Ton angeben will, kommt um eine zentrale Ressource nicht herum: Daten. Vor allem, weil das Online-Geschäft stetig wächst. Aber auch im stationären Bereich gibt es viel zu lernen.

    Mehr als 50 % der globalen Beauty-Umsätze laufen mittlerweile über soziale Netzwerke und E-Commerce-Plattformen, wie eine Studie von NielsenIQ zeigt, die unter anderem bei Forbes aufgegriffen wurde: 

    E-commerce is driving global beauty sales, with varying levels of growth across regions. In China, a remarkable 87% of total hair and skincare sales are made online. In India 17% of beauty products are purchased online, while in Brazil, this number is under 10%. Despite these variations, one overarching trend is the dominance of online sales over in-store sales. 

    US online sales continue to significantly outpace instore purchases, accounting for 41% of all beauty and personal care sales through e-commerce platforms. Over the past four years, platforms like Amazon have gained 7.3 share points by offering competitive pricing, fast shipping, and a wide selection. Increasingly, customers are turning to Amazon to replenish their favorite products, with spending rising each year. While digital commerce has seen tremendous growth in the past 5 years, in store retail has largely stayed the same. The retailers of the future will need to transform the in-store experience to meet the needs of modern consumers.  

    Consumer gravitation to e-commerce is a mix of the market expansion and taking share from stores. The shift toward online shopping is more than just a pandemic-driven trend – it’s a structural change in consumer behavior, particularly among younger generations. 

    Konsumentinnen und Konsumenten informieren sich nicht nur online, sondern kaufen dort zunehmend auch direkt (oder um geliebte Produkte nachzubestellen) – angetrieben auch durch Influencer-Empfehlungen, Live-Shopping-Formate und nahtlose Kaufprozesse. Das verschiebt die Marktanteile zugunsten digital starker Handelsunternehmen und Marken, die diese zu nutzen wissen.

    TikTok Shop als potenzielle Wachstumsmaschine für Beauty…

    Und TikTok Shop setzt da noch einen drauf: kurze Clips, ein Klick zum Kauf und Creator, die ihrer Community echte Produkte empfehlen. Das ist Social Commerce auf Speed. Mit seinem Shop-Feature und der nahtlosen Verbindung von Content und Commerce bietet TikTok Beauty-Unternehmen eine riesige Spielwiese:

    • Entertainment + Commerce: Kurze Videos zeigen sofort Texturen, Farben, Anwendung – und führen direkt zum Kauf.
    • Creator Power & Community-Effekt: Authentische Beauty-Tipps von Influencern sorgen für Vertrauen und beschleunigen Kaufimpulse.
    • Schnelles Feedback: Marken sehen in Echtzeit, wie gut Produktneuheiten ankommen, und passen sie frühzeitig an.
    • Nahtlose Customer Journey: Alles passiert in der App. Wenige Klicks zwischen Inspiration und Bezahlvorgang bedeuten weniger Abbrüche.
    • Brand Building & Awareness: Wer mit kreativen Formaten überzeugt, wird oft organisch viral – ideale Voraussetzungen für schnelles Wachstum.

    In Deutschland ist TikTok Shop am 31. März 2025 gestartet, bei n-tv habe ich über das Potenzial gesprochen. In den USA hat sich TikTok-Shop laut NielsenIQ bereits als achtgrößter E-Commerce-Händler für Beauty & Health entwickelt und einen Umsatz von einer Milliarde US-Dollar in diesem Bereich erzielt. Da könnte man glattweg meinen: Der Beauty-Sektor rast rasant Richtung Social Commerce. 

    … oder doch der Laden um die Ecke? Wie Amazons Store-Experiment zu werten ist

    Gleichzeitig wagt Amazon erneut den Versuch, Offline- und Online-Kanäle zu verbinden, mit einem „Amazon Parafarmacia & Beauty“-Store in Mailand. Dabei zeigt sich ein bekanntes Muster: Amazon testet stationäre Konzepte, wertet Daten aus und zieht sich bei mangelndem Erfolg ebenso schnell wieder zurück. 

    Für Amazon geht es primär darum, die „Shortfalls“ des Online-Geschäfts – also Aspekte, die im digitalen Raum schwer abzubilden sind (z. B. Duft, Haptik) – auszugleichen. 

    Ich habe dazu bei Etailment geschrieben

    Bestseller-Beauty-Produkte erhalten mehr „Shelf Space“ und Möglichkeiten zum Testen direkt am Regal. Gleichzeitig liefert Amazon dank riesiger Datenmengen Informationen darüber, welche Produkte beim Kunden besonders gut ankommen, und entwickelt passgenaue Sortimente – im Laden und online.

    Ein weiterer Vorteil: Amazon investiert traditionell stark in Forschung und Entwicklung, bevor Gewinne oder Dividenden an erste Stelle rücken. Das bedeutet, dass „Offline-Experimente“ wie „Amazon Parafarmacia & Beauty“ durchaus einige Zeit finanzielle Verluste generieren dürfen, solange ein valider Lerneffekt erzielt wird.

    […] Was lehrt uns das Ganze aus Handelssicht? Zum einen, dass Amazon konsequent da hingeht, wo die Kunden sind. Das schließt physische Präsenz genauso ein wie ein umfassendes Online-Sortiment. Zum anderen sollte jeder stationäre Händler (unabhängig von der Größe) genau hinsehen, wie Amazon seine weltweiten Online-Daten für das Offline-Geschäft nutzt. Marken, die online bei Amazon hohe Abverkaufszahlen erzielen, dürften im Laden einen prominenten Platz erhalten – was gleichzeitig für „Seller“ zu einem Anreiz wird, im Marketplace noch erfolgreicher zu sein.

    Mit einer datengetriebenen Herangehensweise kann Amazon Trends schnell erkennen und in Sortimentsentscheidungen, Ladenbau und Marketing übersetzen. „Amazon Parafarmacia & Beauty“ ist daher weniger eine klassische Konkurrenz-Offensive als vielmehr ein groß angelegter Versuch, stationäre und digitale Stärken zu vereinen und neue Kundenbedürfnisse zu bedienen.

    Beauty lies in data

    So oder so zeigt sich: Beauty braucht Daten – ob im Laden um die Ecke oder im TikTok-Feed. Während Amazon versucht, sein Online-Know-how auch ins Stationäre zu verlängern, sorgen TikTok und Co. für eine noch radikalere „Verlängerung“ des Einkaufs ins soziale Umfeld der Kunden. Für Beauty-Brands eröffnen sich so zwei große datenbasierte Spielwiesen: optimierter physischer Marktzugang (Amazon) und knallhartes Forcieren von Online-Impulskäufen (TikTok). Wer in diesem Markt bestehen will, darf sich nicht länger fragen, ob Online-Daten relevant sind, sondern wie schnell er sie integriert.

  • Amazon-Aggregatoren: Der Traum ist ausgeträumt

    Amazon-Aggregatoren: Der Traum ist ausgeträumt

    Mal wieder rumort es bei den Amazon-Aggregatoren. Nachdem sich Berlin Brands Group letzten Sommer von 100 Mitarbeitern trennen musste  und das Urgestein des Segments Thrasio im Herbst Pleite ging, fragen sich jetzt viele, wer da als nächstes keine Chance mehr haben wird. Der Traum, durch Übernahme und Bündelung vieler kleiner Seller auf Amazon es zu einer relevanten Größe und attraktiver Marge zu bringen, scheint endgültig ausgeträumt zu sein.

    Regelmäßige Digitalkaufmann-Leser wissen: Diesem Traum hielt ich schon damals für unerfüllbar, als es noch in den Boom-Jahren für möglich gehalten wurde. Und spätestens 2022 musste es klar sein, dass es sich beim Konzept nur um eine Gewächshausblüte handeln konnte, die den kalten Winden der Krisenzeit nicht gewachsen sein würde. Denn nur mit starkem Wachstum auf Amazon gewässert und viel Wagniskapital gedüngt hatte die Aggregatoren-Wette überhaupt eine Chance aufzugehen.

    Nun stockt das Wachstum im E-Commerce und selbst Amazon war davon betroffen. Folglich sind Investoren vorsichtig geworden – und zwar derart, dass selbst sehr günstige Einkaufspreise sie nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken. Vorbei die aufgeheizten Zeiten, in denen man nur dann Marken akquirieren konnte, wenn man sofort viel Geld auf den Tisch legte und due diligence in den Wind schlug („Wir kaufen innerhalb von 30 Tagen nach Erstgespräch!“, wie es Pleitiers Brands United einst ankündigten…). Ja, man könnte nun in diesem Käufermarkt richtiggehend auf Einkaufstour gehen, aber mögliche Kapitalgeber bleiben lieber auf ihrem Geld sitzen, als Aggregatoren einen erneuten Kaufrausch der Kleinhändler zu finanzieren.

    Allein deshalb ist trotz der in solchen Situationen obligatorischen ‚Sanierungspläne‘ und ‚Turnaround-Versuche‘ nichts mehr von den Aggregatoren erwarten. Zumal es zwei weitere triftige Einwände gibt, die unabhängig von der jeweiligen Marktstimmung gegen das Konzept sprechen.

    „Operational excellence“: Fehlanzeige

    Erstens hat sich die oft beschworene „operative Exzellenz“ der Aggregatoren als genau die Mär entpuppt, für die ich sie nach näherer Inaugenscheinnahme mehrerer im Segment schon länger hielt. Die Logik der Bündelung hörte sich zwar erst einmal bestechend an: ‚Als große Digitalfirma voller Profis, die den lieben Tag lang nichts anderes machen, als Marken nach allen Regeln der Kunst auf Amazon hochzupushen, haben wir bessere Chancen, das Beste aus ihnen auf der Plattform herauszuholen…‘ So ging die Darstellung für Investoren.

    Wie sich aber schnell zeigte, lag das wirkliche Wissen darum, wie man auf Amazon erfolgreich ist, oft eher bei den aufgekauften Marken, nicht bei den Aggregatoren. Einkauf, Operatives, Kundentreue-Tricks und Ranking-Kniffe: Im Lagerhausbüro in Castrop-Rauxel verstand man oft intuitiv mehr davon als in den schicken Räumlichkeiten in Berlin-Mitte. Noch schlimmer: Einige der Aggregatoren waren bloße Trittbrettfahrer, die hier nicht einmal über eigene Expertise verfügten und auch diese mit viel Geld einkaufen mussten. Und selbst bei Thrasio oder Berlin Brands Group, die zum Teil von echtem Können Beweis machten, war man nicht so viel schlauer als der Durchschnitt – und die erhoffte Wirkung versprochener datenbasierter automatisierter Ansätze glänzte mit Abwesenheit.

    Auf Amazon aufbauen: Abhängigkeitsfalle

    Zweitens hat man mit dem Modell Aggregator ein elementares strategisches Problem. Letztendlich ist Amazon ein machtvoller Monopolist, der die Regeln auf der eigenen Plattform erfindet und durchsetzt – zum eigenen Vorteil. Wessen Geschäftsmodell also nur auf Amazon aufgebaut ist, lebt gefährlich. Denn Seattle ist kein neutraler Marktplatzbetreiber, sondern ein Megakonzern der – übrigens für eine Aktiengesellschaft vollkommen nachvollziehbarerweise – seine Stärken zum eigenen kommerziellen Vorteil auszuspielen versucht.

    So werden, jetzt, da sich Amazon rund die Hälfte des Volumens im E-Commerce gesichert hat, die einst für Kunden und Verkäufer so attraktive Bedingungen sukzessive zugunsten der Monetarisierung verschärft: Seller kriegen höhere FBA-Kosten aufgedrückt und müssen auf einmal Werbebudget in die Hand nehmen, um bloß die Position im Ranking zu halten, die sie einst mit organischer Optimierung erreichten. Da kann ein Thrasio oder ein BBG so viel Erfahrung in der Disziplin Amazon-SEO mitbringen, wie sie wollen: Amazon wird sie in Richtung SEA drängen und sich so ihre Marge einzuverleiben versuchen.

    Wer diese Darstellung für übertrieben hält, sollte Prime-Kunden fragen. Früher blieben sie von Werbung verschont, weil sie ja Amazon einen jährlichen Mitgliedsbeitrag überließen. Mittlerweile werden aber auch sie mit Anzeigen und Sponsored-Listings traktiert – bloß nicht mehr so viel von Marken, die Thrasio oder Berlin Brands Group gehören…

  • Jeff Bezos tritt ab: Jetzt kommt Day Two

    Jeff Bezos tritt ab: Jetzt kommt Day Two

    Der Paukenschlag ist mittlerweile verhallt. Aber als er im Februar ankündigte, an der Spitze seines Unternehmens den Platz für einen Nachfolger zu räumen, war der Überraschungscoup perfekt. Viele hadern damit, am Zenit ihrer Macht abzutreten und damit der alten Weisheit Folge zu leisten, dass man dann besser gehe, wenn es am Schönsten ist. Bezos tat es einfach. 

    Klassisch Jeff Bezos. Ein Mann, dessen Vorgehensweise, wäre er denn Norddeutscher, mit dem Motto „Nicht lange snacken, Kopp in Nacken“ gut beschrieben wäre. Mit seinem Hang zum Machen, wo andere zaudern, hat er Amazon gegründet, ausgebaut und zu bislang ungekannten Höhen geführt. Dabei machte er selten einen Hehl daraus, wie ihm seine Kunststücke gelangen. Deswegen genossen seine Letters to Shareholders immer so viel Aufmerksamkeit: Hier erklärte ein – vielleicht: Der – Ausnahme-Unternehmer seiner Generation freimütig, Jahr für Jahr, Schritt für Schritt und in aller Offenheit, wie er seinen Weltkonzern erschuf. 

    Nun also erschien vor ein paar Wochen sein letztes Schreiben an die Aktionäre. Was sagt uns denn dieses Finale über Bezos und über das nach seinem Bilde erschaffene Amazon?

    Eine glänzende Bestandsaufnahme – mit einigen Überraschungen

    Vielleicht das Offensichtlichste zuerst: Hier lässt einer seine Erfolge Revue passieren – und zwar berechtigterweise. Denn nach nur 25 Jahren Bestand steht das Unternehmen Amazon nämlich folgendermaßen da:

    Last year, we hired 500,000 employees and now directly employ 1.3 million people around the world. We have more than 200 million Prime members worldwide. More than 1.9 million small and medium-sized businesses sell in our store, and they make up close to 60% of our retail sales. Customers have connected more than 100 million smart home devices to Alexa.

    Es handelt sich also um ein Unternehmen der Sonderklasse, bei der es zur Verbildlichung nur noch Ländervergleiche tun. Amazon hat so viele Mitarbeiter wie Estland Einwohner. Und wären Prime-Mitglieder ein Land, würde sich dessen Bevölkerungszahl vermutlich an fünfter Stelle – direkt nach dem bevölkerungsreichen Inselstaat Indonesien (264 Millionen Menschen) und noch vor Brasilien und Pakistan (jeweils 207 Millionen) – einpendeln. Bezos lässt übrigens – vermutlich aus Pietätsgründen – den schon länger exorbitant und nun noch einmal in der Coronakrise sprunghaft angestiegenen Gesamtumsatz unerwähnt, der fürs Jahr 2020 als Bruttoinlandsprodukt Amazon zwischen Argentinien und Österreich situieren würde.

    Stattdessen stellt er einige andere interessante Berechnungen an – etwa wer die Aktionäre sind und um wie viel genau sie über die Jahre von Amazon profitiert haben:

    We’ve created $1.6 trillion of wealth for shareowners. Who are they? Your Chair is one, and my Amazon shares have made me wealthy. But more than 7/8ths of the shares, representing $1.4 trillion of wealth creation, are owned by others. Who are they? They’re pension funds, universities, and 401(k)s, and they’re Mary and Larry, who sent me this note out of the blue just as I was sitting down to write this shareholder letter.

    Im Folgenden fügt Bezos einen Brief von besagten Kleinaktionären der ersten Stunde ,Mary und Larry ein, aus dem hervorgeht, dass zwei 1997 gekaufte Aktien mittlerweile reichen, um eine satte Anzahlung für ein Eigenheim aufzubringen. Das ist ein sehr geschickter – und keineswegs tatsachenverdrehender – rhetorischer Schachzug von Bezos, um den sagenhaften Reichtum, zu dem er gekommen ist, ins Verhältnis zu stellen. Tatsächlich ist es mir schon immer zu billig gewesen, auf die Gründer von Jahrhundertunternehmen und deren enormen Verdienste zu schimpfen: Klar, Jeff Bezos hat sich eine goldene Nase verdient – wie Bill Gates oder Henry Ford vor ihm auch. Was oft genug dabei unbeachtet bleibt: Solche Unternehmer schöpfen auch Werte für ihre Anteilseigner. In den USA sind diese zu einem nicht unbeträchtlichen Teil vergleichsweise „kleine Fische“, deren Depots nicht in die Millionen oder Milliarden gehen, die aber dank der Investition einen bescheidenen Wohlstand sichern. Das im Letter to Shareholders einmal herauszuarbeiten, ist legitim. (Übrigens sei hier zum Vergleich einmal angemerkt, dass die reichsten Unternehmer Deutschlands – die ALDI-Brüder – keinen solchen weitverbreiteten Wertezuwachs generiert haben: Wie so viele der größten Konzerne hierzulande scheuen sie Streubesitz und halten lieber alles in Familienhand.)

    Eine weitere ungewöhnliche und äußerst legitime Berechnung aus dem Brief: Wie viel Zeitaufwand Amazon seinen Kunden über die Jahre erspart hat.

    Customers complete 28% of purchases on Amazon in three minutes or less, and half of all purchases are finished in less than 15 minutes. Compare that to the typical shopping trip to a physical store – driving, parking, searching store aisles, waiting in the checkout line, finding your car, and driving home. Research suggests the typical physical store trip takes about an hour. If you assume that a typical Amazon purchase takes 15 minutes and that it saves you a couple of trips to a physical store a week, that’s more than 75 hours a year saved. That’s important. We’re all busy in the early 21st century.

    Auch diese Sichtweise ist typisch Bezos: Erfrischend anders und absolut ehrlich. Gewissermaßen gibt er hier ein großes (Nicht-)Geheimnis des Amazon-Erfolgs preis: Es spart den Leuten Zeit. Wer die Geschichte des Unternehmens kennt, weiß um die Bedeutung des früh eingeführten one-click buy. Kunden lieben Amazon unter anderem deswegen, weil es wahnsinnig schnell geht – vor allem Kunden in den endlosen amerikanischen Haus-mit-Vorgarten-Vororten, die sonst für jeden Kleineinkauf in ihre Autos steigen müssen. (Und eben auch die 60% der Deutschen, die nach wie vor nicht in den größten Ballungszentren der Bundesrepublik leben und die es ebenfalls so langsam leid sind, immer in die Stadt fahren zu müssen, wenn ihnen im Neubau-Eigenheim mit Carport das Küchenkrepp ausgeht.)

    Die Schattenseiten des Amazon-Erfolgs – ebenfalls mit Überraschungen

    Ebenso interessant wie der gut begründete Bombast der ersten Hälfte seines letzten Aktionärsschreibens ist allerdings der Platz, der sich Bezos in der zweiten Hälfte für einen vorauseilenden Widerspruch gegen Kritik an Amazon – und daher an ihm und seinem Vermächtnis – einräumt. 

    Eine erste Feststellung: Rund ein Viertel der ca. 4100 Wörter im 2021 Letter to Shareholders entfallen auf Absätze, in denen Bezos entweder die Vorwürfe dementiert, Amazon würde seinen Lagerhallenarbeiter schlecht behandeln oder Amazons neue Initiative beschreibt, der weltbeste Arbeitgeber mit den weltweit sichersten Arbeitsplätzen zu werden. 1170 Wörter zu Arbeitnehmerthemen sind enorm viel, wenn man bedenkt, dass der legendäre erste 1997 Letter to Shareholders überhaupt nur 1630 Wörter zählte, von denen bloß 126 den Arbeitnehmern galten – und wo maßgeblich ihre „Aufopferungsbereitschaft“ beschworen wurde.

    Lange schien Bezos – und mit ihm sein Konzern – nach dem Motto zu verfahren: „Einmal den Ruf ruiniert, lebt es sich herrlich ungeniert“. Vielleicht wird einem allerdings der Ruf doch wieder etwas wichtiger, wenn man sich mit wachsendem Alter fragt, was von einem zurückbleiben wird. Klar ist, Bezos will nicht als Menschenschinder in die Geschichte eingehen und versucht nun einiges zurechtzurücken:

    If you read some of the news reports, you might think we have no care for employees. In those reports, our employees are sometimes accused of being desperate souls and treated as robots. That’s not accurate. (…) Employees are able to take informal breaks throughout their shifts to stretch, get water, use the restroom, or talk to a manager, all without impacting their performance. These informal work breaks are in addition to the 30-minute lunch and 30-minute break built into their normal schedule.

    Ich lasse das mal so stehen, merke aber lediglich an, dass zahlreiche systematische Verstöße gegen arbeitsrechtliche Standards in verschiedenen Ländern von so vielen Mitarbeitern, Gewerkschaften und unabhängigen, vertrauenswürdigen Medien dokumentiert worden sind, dass man eigentlich nur zum Schluss gelangen kann, dass da etwas dran ist. Man darf ebenfalls annehmen, dass Bezos arg suboptimale Zustände in der Amazon-Fulfilment-Maschinerie lange Zeit wenn nicht aktiv so gestaltet, doch zumindest im Streben nach dem besten Kundenerlebnis billigend in Kauf genommen hat.

    So viel gibt er ja auch selbst zwischen den Zeilen zu. Mitten in einer Breitseite gegen Gewerkschaften heißt es dann plötzlich: „I think we need to do a better job for our employees.“ Später kommt dann folgender Schlüsselpassus:

    Despite what we’ve accomplished, it’s clear to me that we need a better vision for our employees’ success. We have always wanted to be Earth’s Most Customer-Centric Company. We won’t change that. It’s what got us here. But I am committing us to an addition. We are going to be Earth’s Best Employer and Earth’s Safest Place to Work.

    Danach folgen weitere 825 Wörter zu einem weiteren Engagement, das der scheidenden Bezos seinem Unternehmen auf die Fahne schreibt: The Climate Pledge. Amazon wolle schnell grüner werden. Auch hier bekommt man den deutlichen Eindruck, es schreibe einer mehr als ein Stück weit an seiner eigenen Geschichte und versuche auf den letzten Metern so einige Versäumnisse zu korrigieren. Weshalb es auch etwas wundert, dass der Begriff „tax“ lediglich einmal im Schreiben vorkommt. Denn neben der Missachtung der Arbeitnehmerrechte sowie den steigenden Emissionen durch den Betrieb von Lagerfläche, Lieferlogistik und Rechenzentren ist die Steuermoral immer der dritte Kritikpunkt, der an Amazon angebracht wird. Allerdings hat Bezos hier bereits vorgebaut: In einer überraschenden Wendung forderte er Anfang April selbst höhere Unternehmenssteuern! Auslöser war wohl, dass kein geringerer als US-Präsident Joe Biden Amazon namentlich unter den Unternehmen erwähnte, die seiner Ansicht nach allzu aggressiven Gebrauch von Steuerschlupflöcher machten. 

    Ich habe bereits darauf hingewiesen, dass Amazon in meinen Augen seine politische Kommunikationsstrategie wohl deswegen vernehmbar in Richtung Versöhnlichkeit verändert hat, weil regulatorische Eingriffe mittlerweile eins der größten Risiken für den Fortbestand des Konzerns darstellen. Man könnte ja Amazon locker in einen Marktplatzbetreiber, ein Werbeunternehmen und einen Hosting-Anbieter aufspalten und hätte immer noch drei der größten Firmen der Welt (die übrigens meine Meinung nach auf längerer Sicht vielleicht kompetitiver wären, als der Großtanker Amazon es künftig noch bleiben wird…). Ob Bezos nun wirklich ein Geläuterter ist oder einfach nur jetzt so tut – um seines Rufs sowie um die Unversehrtheit seines Lebenswerks willen – , ist unwichtig. Ihm ist jedenfalls wohl klar geworden, dass Amazon künftig etwas mehr auf den Unterschied wird achten müssen zwischen dem, was es per Gesetz (oder eben per Gesetzeslücke) darf und dem, was es in den Augen einer zunehmend kritischen politischen Öffentlichkeit eigentlich sollte.

    Das sind natürlich alles Themen für seinen Nachfolger, Andy Jassy, dem er zum Schluss allerdings einen gewichtigen Gedanken mit auf den Weg gibt, der vor allzu viel Anpassung an äußeren Erwartungen warnt: „Differentiation is survival and the universe wants you to be typical.“ Mit einem ausführlichen Zitat aus dem Werk von Evolutionsbiologen Richard Dawkins beschreibt Bezos nichts Geringeres als die Eigenschaften vom Leben an sich: Die Unterscheidung und Abgrenzung von der unmittelbaren Umgebung. Wo es kalt ist, sind Lebewesen wärmer. Wo es trocken ist, halten Lebewesen Flüssigkeit. Arbeiten Lebewesen nicht daran, sich von der Umgebung zu differenzieren, sterben sie. Das Leben ist immer – und auch hier sehe ich in Bezos eine weitere norddeutsche Haltung (allerdings der etwas melancholischeren Sorte) – Streben, Anstrengung, Müh. 

    Bezos schließt sein Schreiben daraufhin mit folgendem Appell samt seiner bekanntesten Lösung: „Never, never, never let the universe smooth you into your surroundings. It remains Day 1.

    Es war aber nur so lange Day One, wie die Ausnahmeerscheinung Bezos an der Spitze seines Unternehmens stand – und nur so lange, wie der Markt und der Staat keine Antwort auf Amazon fanden. Beides ändert sich gerade. Jetzt kommt Day Two.

  • Wie normal ist „Digital“ im B2B? – ein Gastbeitrag von Lennard A. Paul

    Amazon Business sorgte mit dem Einstieg in den deutschen Markt 2016 für eine gesteigerte Wahrnehmung des Themas B2B Digital Commerce. Mit Etribes haben wir damals mit „Knut means Business“ eine extra Studie darüber verfasst. E-Commerce ist im B2B auf dem Vormarsch und die kritischen Stimmen am Geschäftskunden-Online-Handel werden leiser. In den letzten 10 Jahren hat sich das Thema zum Positiven weiterentwickelt. Doch ist „Digital“ schon „Normal“ bei Herstellern und Händlern im B2B?

     

    Rein mit Zahlen ist das Thema schwer zu beantworten. Die Spanne an Zahlen zum Marktvolumen in Deutschland liegt zwischen 50 und über 1.000 Milliarden Euro. Die wirklich spannenden Zahlen, die alle Studien gleichermaßen bestätigen, ist die des Wachstums, mit der sich die Dynamik der Entwicklung gut messen lässt. Zahlen des IFH in Köln zeigen, dass das Volumen von 2012 auf 2018 um fast 50% gewachsen ist. Die durchschnittliche, jährliche Wachstumsrate beim B2B-Handel über Marktplätze, Online Shops und Websites beträgt seit 2012 jährlich 15%. Anders ausgedrückt: Alle B2B-Hersteller, -Marken, -Händler und -Plattformen, die jährlich nicht um mindestens 15% in den E-Commerce-Kanälen wachsen, verlieren mit großer Wahrscheinlichkeit Marktanteile.

     

    Warum wachsen Umsatzvolumen im B2B? Klar, hinter jeder Geschäftskundennummer steckt mindestens ein Mensch, der lieber bequem online als umständlich offline bestellt. B2B-Kunden und Ihre Anforderungen unterscheiden sich, sowohl innerhalb von Branchen als auch über Branchen hinweg. Doch eine Gemeinsamkeit fällt zunehmend auf: B2B-Kunden wollen Ihre Arbeitsprozesse vereinfachen, egal ob Schulen, Zahnärzte, Handwerker oder Gastronomiebetriebe. Gerade bei Artikeln, die zwar wenig finanziellen Wert haben, dafür in der Beschaffung aufgrund der Prozesse viel Aufwand (und somit Geld) kosten, den sogenannten C-Teilen (z.B. Tafelschwämme, Zahnspülbecher, Trennscheiben oder Ketchup), steht Prozessvereinfachung hoch im Kurs. Die Customer Journey verändert sich, digitale Kanäle gewinnen an Bedeutung und der Umsatz verschiebt sich aus den analogen Kanälen herüber. Das Fax verliert, OCI-Punchouts, Web Shops und digitale Marktplätze gewinnen. Neue und schnell wachsende B2B-Unternehmen auf Kundenseite, wie z.B. Thermondo, digitalisieren Ihre Beschaffung fast vollständig.

     

    Für B2B-Händler verändert sich dadurch eine ganze Menge. Ihre Kunden erwarten bereits heute digitale Unterstützung in ihrer Customer Journey. Sie mit digitalen Tools zu begeistern wird zunehmend schwerer, da sie es erwarten und zunehmend erst bemerken, wenn es fehlt. Typische Symptome eines Hygienekriteriums. Für B2B-Hersteller ändern sich dadurch nachgelagert die Anforderungen, die Händler an sie stellen, um die „neue Customer Journey“ bestens bedienen zu können. B2B-Händler und -Hersteller, die sich nicht um die Beherrschung der Customer Journey in der digitalen Welt bemühen, verlieren Ihre Kunden mit zunehmender Sicherheit an die Wettbewerber, die digital besser aufgestellt sind als sie selbst, egal ob Start-ups, gewachsene Plattform oder etablierter Marktbegleiter. Digitaler Handel im Geschäftskundenbereich ist längst kein Selbstzweck mehr. Digital Commerce leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, die B2B-Kunden zu sichern und ans Unternehmen zu binden. Bleiben die Kunden weg, wird es für B2B-Unternehmen schwer, langfristig am Markt zu bleiben. Diese einfache Logik galt schon vor dem Digitalisierungszeitalter, wird jedoch durch die Digitalisierung noch beschleunigt. Grund genug, sich am Kunden zu orientieren und in die digitale Customer Journey zu investieren.

     

     

    Im Grunde sind diese Investitionen nicht zu umgehen. Die Basis für den Erfolg digitaler Handelsmodelle ist die Beherrschung von Programmierung (Code) und der Fähigkeit, große Datenmengen (Data) möglichst in Echtzeit verarbeiten zu können. Diese Kombination fehlt den meisten etablierten B2B-Herstellern und -Händlern. Auch ein dritter Faktor ist in tradierten Unternehmen oft eher ein Hindernis als eine Förderung digitaler Chancen: die bestehende IT-Infrastruktur. Ihre Kernbestandteile entstammen oftmals der analog geprägten Welt und sind auf sie ausgerichtet. Sie kommen mit der Taktung und nötigen Flexibilität in der digitalen Welt nicht zurecht. Das gilt auch für viele bestehende B2B Online Shops, selbst für jene, die erst vor wenigen Jahren oder Monaten neu gelauncht wurden. Ihre Einsteigshürden sind teilweise nach wie vor zu hoch, zu viel wird auf freshes Design statt besserer Prozesse geachtet. Das „Einkaufserlebnis“ für B2B-Kunden bleibt oberflächlich – oder leider ganz aus, da nach wie vor keine Neukundenregistrierung in Echtzeit verfügbar ist, sondern pdf-Anmeldeformulare.

     

    Unternehmen, die diese Basics bereits vor einigen Jahren angegangen und durch Ihre Umsetzung die Voraussetzungen für „den B2B Digital Commerce von morgen“ geschaffen haben, können sich heute gut im Wettbewerb differenzieren. Oftmals wirklich eher eine Frage des Timings als der Größe oder des Budgets. Die passende Beispiele liefert trotzdem ein Unternehmen, dass auch eine entsprechende Größe besitzt und nichts weniger als „Marktführer“ in seinem Segment ist: Würth. Als vorzeige-B2B-E-Commerce-Unternehmen wächst Würth, wie man seit einigen Jahren auf der jährlichen Bilanzpressekonferenz betont, im Online-Bereich jährlich im Schnitt um 20%. Der Online-Umsatzanteil von Würth Deutschland dürfte mittlerweile bei über 30% liegen, was ungefähr 600 Millionen Euro entspräche. Die einen gewinnen also online Marktanteile, die Wettbewerber in der analogen Welt verlieren. Was diese frühzeitig digital erfolgreichen Unternehmen eint ist, dass neben Online Shops als neue Vertriebskanäle zusätzliche, digitale Initiativen und Services gestartet wurden. B2B Digital Commerce geht zunehmend über klassische Online Shops hinaus, aus der „One Touch Purchasing Order“ wird die „No Touch Purchasing Order“

     

    Die Plattformökonomie wird auch im B2B das Spielfeld und die Spielregeln weiter verändern. Die Schnittstelle zwischen Kunden und Lieferanten wird zusehens von Plattformen attackiert und übernommen. Für etablierte B2B-Hersteller und -Händler unangenehme Themen, wie Preistransparenz, werden durch sie weiter im Sinne des Kunden gefördert. Plattformunternehmen – allen voran Amazon – entwickeln Lösungen in Bereichen wie Finanzierung oder Logistik, die diese als klassische Handelsfunktionen ablösen. Versuche von tradierten B2B-Unternehmen, selbst zur Plattform zu werden, scheitern oft frühzeitig an politischen Wirren innerhalb der Unternehmen. Der Versuch der Transformation vom Handels- zum Plattformgeschäftsmodell des alteingesessenen Elektrotechnik-Kataloghändlers Conrad Electronic ist einer der wenigen Hoffnungsschimmer für etablierte Händler. Seit 2017 versucht Conrad, den im klassischen Handelsgeschäft stagnierenden Umsätzen (+0,1% Wachstum von 2016 auf 2017, Umsatz 1,07 Milliarden Euro) und sinkenden (DB1 von 28% in 2014 auf 25,5% in 2017) zu entwachsen. Neben der Handelsplattform will Conrad mit verschiedenen Maßnahmen zur Wissens- und Smart-Home-Daten-Plattform werden.

     

     

    Auch etablierte B2B-Hersteller wie fischer (bekannt für Dübel und „Fischer Technik“), geben Gas (… mehr dazu hier), um in der digitalen Customer Journey im relevanten Set der Kunden zu bleiben. Matthias Schneider als CDO und viele spezialisierte Mitarbeiter von Produktion bis zu Vertrieb und Marketing treiben das Thema „Digitalisierung“ voran. So wurde die Jenaer E-Commerce-Agentur Smart Commerce mit 80 Leuten zu 100% übernommen und mit „Craftnote“ ein neues Unternehmen für digitale Baustellendokumentation und -kommunikation gestartet. Die TAKKT AG, Teil des Haniel-Konzerns, betriebt eine eigene Geschäftseinheit, die „Newport Group“, die sich mit der Entwicklung von reinen B2B- Online-Händlern („Pure Playern“) wie Certeo (Betriebseinrichtungen) befasst und diese übergreifend strategisch weiterentwickelt.

     

    Auch auf der grünen Wiese gibt es Gründungen, die über die digitale Customer Journey in die B2B-Märkte drängen. Im Baustoffbereich, allgemein noch im analogen Tiefschlaf, entsteht so mit „Construction Tech“ eine ganze Generation neuer Unternehmen, die zunehmende Attraktivität auf Venture Capital Fonds ausstrahlen. Auch hier gehen die Geschäftsmodelle bereits weit über „Online Shops“ hinaus. Unternehmen wie magicplan (Augmented-Reality-basierte Raum- und Bauplanung), Inpera (digitale Drehscheibe für die übergreifende Abwicklung von Beschaffung am Bau) oder Roobeo (B2B-Marktplatz für Baustoffe). In der Industrie erhielt das Stuttgarter Start-up Laserhub, eine virtuelle Fabrik für Metallbearbeitung) Anfang 2019 eine Millionenfinanzierung. Die bekannte, tradierte Industriemarke INBUS, vor wenigen Jahren Insolvent gegangen, ersteht neben der neuen Werkzeugmarke Wiesemann1893 als rein digitale Marke wieder auf, mit Fokus auf Amazon als digitaler Vertriebskanal.

     

    Wird „Digital“ also langsam „Normal“ im B2B? Aber hallo! Für B2B-Hersteller, -Händler oder -Plattformen wird die digitale Wertschöpfung an der Schnittstelle zwischen Kunden und Anbietern in Zukunft der Treiber höhere Kundenbindung, neuen Kunden und schließlich Wachstum sein. Analoge Prozesse scheinen heute normal, doch der Trend zu digitalen Wertschöpfungsketten ist unverkennbar. Die Schere zwischen erfolgreichen und zaudernden Unternehmen geht weiter auseinander.

     

    Bei der B2B Digital Masters Convention können B2B-Unternehmen, egal ob fortgeschritten oder an den Anfängen des digitalen Handels, den Grundstein für die Verbesserung ihrer digitalen B2B Customer Journey legen. Warenausgang.com und Handelskraft.de, zwei Blogs, die sich stark mit dem Thema B2B Digital Commerce auseinandersetzen, haben daher die B2B DMC am 06. und 07. November in Böblingen ins Leben gerufen. Mit Vorträgen aus der Praxis (u.a. fischer, Inpera, Certeo oder Inbus) und Masterclasses von ausgewählten Experten (u.a. Spryker, Commercetools, Etribes oder Conrad) zu aktuellen Themen des B2B Digital Commerce bietet das Event die perfekte Plattform für B2B-Digital-Einsteiger, -Fortgeschrittene und -Experten. Etribes präsentiert außerdem die B2B Digital Master Awards, bei denen Preise für digital erfolgreiche B2B-Unternehmen vergeben werden. Unter www.b2b-dmc.de können sich alle interessierten Leser ein Ticket sichern.

     

    Über den Autor

    Lennart A. Paul ist Gründer und Verfasser des Blogs und Podcasts Warenausgang.com, auf dem er sich wöchentlich mit Strategien, Trends, Projekten und Start-ups im B2B Digital Commerce beschäftigt. Zudem ist er Autor und Co-Autor mehrerer Studien, die sich näher mit Themen aus diesem Themenkomplex befassen. Sofern es die Zeit erlaubt, tritt er auch gerne als Vortragsredner zu diesem Thema in Erscheinung. Nach seiner Zeit in der Würth-Gruppe als Vorstandsassistent, Digitalprojektleiter und Corporate-Start-up-Gründer und in der Digitalberatung in Berlin und Hamburg baut er gerade mit bexpress.io ein eigenes Unternehmen im B2B Digital Commerce auf.

  • Ortlieb vs. Amazon: Ein fulminanter Sieg – in einem Nebenkriegsschauplatz

    Ortlieb vs. Amazon: Ein fulminanter Sieg – in einem Nebenkriegsschauplatz

    Diesen Artikel findet ihr ab jetzt auch direkt bei e-tailment

    Nun ist es amtlich: Der Bundesgerichtshof hat es Amazon verboten, Google-Anzeigen auf Suchanfragen wie „Ortlieb Fahrradtaschen“ zu schalten, die dann zu Angeboten von anderen Herstellern auf Amazon führen (hier Meldung nachlesen). Das kommt nicht ganz überraschend. Ist es auch schwer, eine Argumentation zu finden, die diese Praxis rechtfertigen kann: Nicht nur Deutschland, sondern alle hochentwickelten Volkswirtschaften nehmen den gesetzlichen Schutz von Markenrechten sehr ernst, weil sie ein Kernelement des Kapitalismus bilden. Wo kämen wir denn sonst dahin, wenn jeder mit „Porsche“ werben dürfte, um Opels zu verkaufen? Und sagen wir es mal so: Ich möchte sehen, wie lange Amazon tatenlos zuschauen würde, wenn ein Hersteller von No-Name Lesegeräten Google-Anzeigen auf „Kindle“ zu buchen versuchte…

    Ja, solche Raub-Anzeigen stellen schon – auf gut Hamburger Kaufmännisch gesagt – ein fragwürdiges Geschäftsgebaren dar. Ortlieb muss sich wehren können, wenn seine Markenrechte derart beschnitten werden und es ist nur zu begrüßen, dass der Bundesgerichtshof der Firma endlich Recht gegeben hat.

    Ortlieb sieht dieses Urteil allerdings bestimmt als eine Art ‚Etappensieg‘ in seinem Kampf gegen Amazon an – und gerade das ist problematisch. Denn der kleine Premiumhersteller aus der schwäbischen Provinz möchte nichts, aber rein gar nichts mit Amazon zu tun haben und versucht seit Jahren seine Ware partout von der Plattform fernzuhalten beziehungsweise runterzubekommen: „Seit 2011 müssen Fachhändler, die Beutel und Rucksäcke vertreiben wollen, zudem eine Vertragsklausel unterschreiben. Sie dürfen die Ware nicht auf digitalen Marktplätzen wie Amazon anbieten. Wer wiederholt dagegen verstößt, fliegt raus,“ berichtete die ZEIT (29/2019, kostenpflichtig). Es ist der nachvollziehbare Versuch, den Vertrieb exklusiv zu halten und damit dem Preissog und der Beliebigkeit zu entkommen. Es ist aber ein zum Scheitern verurteilter Versuch.

    Klar, Amazon darf jetzt nicht mehr mit dem Markennamen Ortlieb als Lockvogelware im Netz hantieren. Was Ortlieb aber gar nicht verhindern kann, ist, dass Kunden, die schon bei Amazon sind und in der konzerneigenen Sucheingabe nach dem Markennamen suchen, auch andere Produkte angezeigt bekommen. Das, haben Gerichte geklärt, ist nach wie vor zulässig – genau wie es zulässig ist, dass ein stationärer Fahrradhändler, der ebenfalls kein Ortlieb listen darf, Kunden, die sich im Laden nach dieser Marke erkundigen, auf Fahrradtaschen anderer Hersteller aufmerksam macht, bevor sie wieder rausgehen.

    Das Problem für Ortlieb ist: Es suchen und kaufen verdammt viele Leute bei Amazon Produkte. Nach wie vor wird schätzungsweise jeder zweite Euro, der im Online-Handel in Deutschland umgesetzt wird, bei Amazon ausgegeben. So werden entsprechend viele Kunden einerseits von frechen Fachhändlern unautorisiert reingestellte beziehungsweise andererseits vom Konzern irgendwie verschaffte und gelistete Ortlieb-Produkte auf Amazon vorfinden und kaufen oder, schlimmer noch: Sie werden Produkte von anderen Marken kaufen, die auf Amazon eine gute Präsenz haben.

    Das ist für Ortlieb eine reine lose-lose-Situation. Entweder kaufen die Kunden ohne die fachliche Beratung, die Ortlieb ihnen zuteil lassen werden möchte und ohne, dass der Hersteller durch den Kauf den direkten Kontakt zu ihnen aufbauen kann, oder sie kaufen eben gar keine Ortlieb-Taschen.

    Insofern wird sich bald zeigen, dass der Sieg über Amazon vor Gericht zwar fulminant und umfassend war, dass er aber am Verlauf des Krieges wenig ändert, weil er eben auf einem Nebenschauplatz stattfand. Für meine Begriffe kämpft Ortlieb auf verlorenem Posten.

  • Amazon-Retourenvernichtung: Skandal im Sperrbezirk!

    Amazon-Retourenvernichtung: Skandal im Sperrbezirk!

    Noch eine Woche, noch ein Amazon-Skandal. Und ihr werdet merken, dass ich mich nicht sofort hier eingeschaltet habe. Denn mittlerweile kennt man das Erregungsmuster: Mediales Strohfeuer, das schnell aufflackert, bevor es mit Tatsachen und Argumenten begossen wird und genauso geschwind wieder in sich zusammenfällt. Jetzt, da sich alle wieder etwas beruhigt haben, möchte ich aber generell über Amazon-Bashing nachdenken.

    Für diejenigen, die den Riesenskandal, der höchstens ein Skandälchen war, verpasst haben, hier die kurze Zusammenfassung.

    Letzten Freitag kam die Wirtschaftswoche mit den (eigentlich gar nicht so) brisanten Ergebnissen einer mit ZDF Frontal 21 höchst (un)investigativ durchgeführten Recherche raus: Amazon vernichte täglich Tonnen an retournierter Neuware! Beschäftigte „berichteten übereinstimmend“ – um den Duktus der medialen Skandalisierung weiter zu persiflieren –, dass sie täglich mehrere Tausend Euro an neuwertigen Produkten, die von Kunden zurückgeschickt wurden, entsorgen mussten. Ein Riesenskandal sei das! Prompt meldete sich ein Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, in typischem Politikersprech zu Wort und „forderte Amazon auf, die Vorwürfe aufzuklären“, wie WiWo es klassisch journalistisch (aber wenig sinnergebend) schrieb.

    Das tat Amazon sodann. Waren die „Vorwürfe“ eigentlich doch gar keine, sondern die Beschreibung einer Realität, aus der der E-Commerce-Riese keinen Hehl zu machen versuchte. Klar, retournierte Neuware werde mal vernichtet, wenn es nicht verkauft, weiterverkauft, oder gespendet werden könne, oder wenn der Hersteller dies wünsche, antwortete der Konzern untypisch geradeaus. Warum auch nicht mal eine ehrliche Antwort? Denn hätten die an der „Aufdeckung des Skandals beteiligten Journalisten“ (okay, ich stelle es gleich ein, versprochen!) wirklich investigativ gearbeitet, hätten sie schnell rausgefunden, dass dies fast alle Händler – off- sowie online – so handhaben oder gar so handhaben müssen, wenn der Hersteller sie dazu anhält oder das Gesetz sie dazu verpflichtet. Andere Redaktionen durften dann die mühsame Aufklärungsarbeit übernehmen, wie es die Kollegen von T3N mit einem ausgewogenen Informationsstück taten: „Der Amazon-Skandal, der keiner war: Retouren-Vernichtung ist Standard im Handel“.

    Um es hier ganz, ganz deutlich zu sagen: Ja, es ist ein Skandal, das brauchbare Produkte entsorgt werden. Die Ressourcen dieser Welt sind endlich und es sollte, darf, kann keinem egal sein, wenn mit ihnen so umgesprungen wird, als wären sie es nicht. Das ist – nochmal – nichts anderes als ein Skandal der allerhöchsten Größenordnung.

    Aber es ist eben kein Amazon-Skandal.

    Es ist – und das hören deutsche Konsumenten, deutsche Konzerne und deutsche Umweltstaatssekretäre nun äußerst ungerne – unser aller Skandal.

    Retouren: Alle sind schuld und alle machen mit

    Betrachten wir zur Verdeutlichung des Problems kurz die Stellungnahme vom Staatssekretär Flasbarth in der WiWo etwas näher:

    „Das ist ein riesengroßer Skandal, denn wir verbrauchen auf diese Weise Ressourcen mit allen Problemen insgesamt auf der Welt. Ein solches Vorgehen passt einfach nicht in diese Zeit. Ich bin überzeugt, dass viele Verbraucher von einem solchen Verhalten schockiert sind und es auch nicht akzeptieren werden.“

    Den semantisch grenzwertigen Teil „mit allen Problemen insgesamt auf der Welt“ mal beiseite: Ist sich Staatssekretär Flasbarth wirklich so sicher, dass die Konsumenten ein derartiges Problem mit der Retournierung und Vernichtung von Waren haben? War er jemals auf einem Recyclinghof an einem Samstagmorgen? Hat er jemals einen Blick in eine durchschnittliche Restmülltonne geworfen? Ist er niemals bei einem Freund gewesen, der einen ungeöffneten Joghurt weggeschmissen hat, weil er abgelaufen war? Es wird in diesem Land tag ein, tag aus, Funktions- und Genussfähiges weggeworfen auf eine Art und Weise, die sicherlich schockierend ist – die aber keinen schockt.

    Verantwortlich sind aber in erster Linie hier die Verbraucher, die zwar gern von sich behaupten, es sei nicht egal, was mit dem Zeug passiert – die es dann aber möglichst schnell weghaben wollen und es gerne mal in der schwarzen Mülltonne der Nachbarn oder am Wegesrand abladen, wenn die Schlange zum Recyclinghof zu lang war. Zu behaupten, sie würden die Vernichtung von Waren durch Händler „nicht akzeptieren“, ist realitätsfern. Zumal die deutsche und neuerdings die europäische Politik es ihnen hier besonders leicht macht: Händler und Hersteller müssen Retouren unter fast allen normalen Bedingungen annehmen. Der Kunde gibt das unerwünschte Produkt ab und macht im Kopf ein Häkchen drunter. Bei aller Liebe zu meinen Mitbürgern: Dass sie sich darüber hinaus großartig Gedanken machen, was mit der überraschend schlecht sitzenden Hose oder dem doch nicht so einfach zu bedienenden Funkwecker nach Abgabe in der Postfiliale oder beim Paketboten passiert, gilt als ausgeschlossen. Wieso ich das weiß? Auch ich denke nicht darüber nach. Wir sind schließlich in Deutschland hier. Wir trennen unseren Müll. Was soll denn Schlimmes passieren?

    Wenn aber doch Schlimmes passiert, will man es nicht unbedingt zu genau wissen. Wer sich die Mühe macht, mit jemanden zu sprechen, der seinen Lebensunterhalt mit Retouren verdient, gewinnt hier einen ganz anderen Einblick. Stefan Grimm von Restposten.de verkauft – dem Namen entsprechend – Rest- und Retourenbestände online und hat daher einen tiefen Einblick ins Nachleben von Konsumartikeln. „Verbraucher greifen beherzt zu, wenn sie Billigelektronik sehen – und retournieren es genauso beherzt, wenn es sich als Griff ins Klo erwiesen hat. Dabei ist schon in der Herstellung an allem gespart worden, damit das Radiogerät oder der Wecker bloß nicht mehr als 10 Euro kostet.“ Hohe Fehlerquoten seien programmiert, aber weder dem Produzenten, dem Importeur noch dem Kunden sei eine vernünftige Zweitverwendung wichtig. „Dabei wäre eine Reparatur oft nicht einmal möglich, weil die Produkte nicht dafür ausgelegt sind: Es werden beispielsweise Akkustaubsauger verkauft, bei denen alles verklebt ist. So können häufig nicht mal Akkus ausgetauscht werden. Obwohl das Gerät in Ordnung ist, landet es dann zwangsläufig im Müll.“

    Grimm sieht daher die Politik aufgefordert, Regelungen zur Reparaturfreundlichkeit zu erlassen, wenn Retour- und Vernichtungsquoten bei Elektronikartikeln wirklich gesenkt werden sollen. Auch die Konsumenten – also: die Retournierer – sollten seiner Meinung nach ehrlicher und detaillierter Gründe nennen müssen, warum sie ein Produkt zurückschicken. Bei Elektronik würde das immerhin die Ursachensuche verkürzen. Häufig auftretende Probleme bei bestimmten Modellen könnten zudem vermerkt und zurück in die Produktion gegeben werden können. „Aber unter den derzeitigen Bedingungen interessieren sich wenige Hersteller für sauberes Produkt-Management.“

    Amazon: Ausnahmsweise absolut vorbildlich

    Der Witz an diesem „Amazon-Skandal“ ist nicht nur, dass der gute deutsche Konsument das Fehlverhalten des bösen amerikanischen Konzerns mal wieder angeblich nicht akzeptiert, um dann rund 50% seiner Online-Einkäufe bei Amazon zu tätigen. Nein, sondern auch, dass Amazon in diesem Punkt Grimm zufolge „einen professionellen, offenen Umgang“ mit Retouren pflegt, der den Weiterverkauf und -benutzung von B-Ware und wiederaufbereiteten Produkten in vielen Fällen fördert. „Es sind andere Marktteilnehmer, vor allem Herstellermarken aus dem Textil-&-Fashion-Bereich, die aktiv den Zweitverkauf ihrer Waren verhindern. T-Shirts, die nur paar Euro im Einkauf kosten, theoretisch aber jeweils zu 90 Euro verkauft werden können – vorausgesetzt, die Ware wird knapp gehalten – lassen sich allzu leicht schreddern.“ Grimm redet sich beinahe in Rage: „Das ist doppelt unmoralisch: Man nimmt den Näher am einen und den Kunden am anderen Ende aus – und zerstört dabei Ressourcen.“

    „Es gibt auch gute Ansätze in der Branche: Die Jungs von FOND OF zeigen beispielsweise, wie man Taschen zu fairen Preisen mit vernünftigen ethischen Standards auf den Markt bringen kann.“ North Face und VAUDE aus dem Outdoor-Bereich hebt Grimm als Hersteller hervor, die Reparatur und Wiederverkauf ihrer Produkte tatkräftig unterstützen. „Damit aber alle mit gleichen Voraussetzungen arbeiten, müsste auch hier der Staat mit Verboten arbeiten. Warum soll man neuwertige Kleidung vernichten dürfen, nur weil es einem als Unternehmen betrieblich und marketingstrategisch nicht in den Kram passt, sie zu vermarkten?“

    Amazon: Prügelknabe, Sündenbock und Hexe in einem

    Wir Kunden werden die Unternehmen jedenfalls nicht so schnell zum Umdenken bewegen. Spulen wir acht Jahre zurück: Während eines der kältesten Winter seit Jahren wurden die netten Schweden von H&M dabei ertappt, unverkaufte Kleidung zu vernichten. Erinnern wir uns alle noch an diesem Riesenskandal? Ja? Es bleibt ein offenes Geheimnis, dass auch aufrichtige deutsche Mittelständler lieber einen Anzug zerschneiden, als ihn auf den Zweitmarkt zu bringen. Sie haben alle ganz sicherlich den Zorn des deutschen Verbrauchers zu spüren bekommen. Genau wie die Supermärkte, die 2015 von einem Riesenskandal kontinentalen Ausmaßes überrollt wurden: In ganz Europa werfen Lebensmitteleinzelhändler lieber abgelaufenes Essen weg, als es an Bedürftige zu spenden. In Frankreich wurde die Praxis daraufhin verboten. Anfang des Jahres wurde eine europaweite Spendepflicht in Betracht gezogen, weil unter anderem in Deutschland nach wie vor zu viel Essen von Supermärkten sang- und klanglos entsorgt wird. Aber das brauche ich nicht weiter auszuführen, denn wir wissen alle noch ganz genau Bescheid, nicht wahr?

    Für mich offenbart der Nicht-Skandal über Retouren bei Amazon eine sehr unschöne Seite des Journalismus: Auch seriöse Redaktionen sind keineswegs vor Sensationslüsternheit gefeit. Und es zeigt die äußerst unschöne Tendenz, das Unheil immer „bei amerikanischen Großkonzernen“ zu suchen. Ich möchte ausdrücklich nicht das Geschäftsmodell von Amazon mit allen Schattenseiten unkritisch gutheißen: Es ist nicht gut, wenn der Konzern erst versucht, die in Deutschland gesetzlich zugesicherte Gründung von Betriebsräten zu verhindern und diese dann das Leben möglichst schwer macht. Aber deutsche Drogerieketten sind bekanntermaßen auch keine Freunde der Mitbestimmung: Das ach-so-nette Unternehmen dm etwa ist für seine Feindseligkeit Betriebsräten gegenüber branchenweit bekannt. Komischerweise bleibt aber hier die mediale Dauerschelte aus.

    Oder wenn Amazon seinen Beschäftigten so wenig zahlt, dass sie in Zelten und Verschlägen in Lagernähe leben müssen und auch mit Krebserkrankungen zu einem immer höheren Arbeitspensum angetrieben werden – wie aus Großbritannien oder USA berichtet –, dann ist das selbstverständlich auch absolut inakzeptabel. Aber ich lebe auf dem Land in Niedersachsen, wo rumänische Schlachthofarbeiter wegen sittenwidrig niedriger Bezahlung in der deutschen Fleischindustrie im Wald übernachten.

    Daran denkt keiner von uns, wenn wir im Supermarkt an der Wursttheke zulangen. Auch das ist ein Skandal.

  • Es eilt: Controlling und die (Nicht-)Digitalisierung

    Letztens stieß ich bei FAZ.net auf einen interessanten Artikel von den Direktoren des Instituts für Management und Controlling der WHU – Otto Beisheim School of Managment, Utz Schäffer und Jürgen Weber. Titel: „Der Controller verliert die Kontrolle“; Tenor: Wie eine Umfrage ergebe, sei der Mangel an Digitalverständnis unter denjenigen, die börsennotierte Unternehmen quantifizieren, betreuen und mitsteuern sollen, regelrecht erschreckend. Die Controller selber stellen sich das niederschmetternde Zeugnis aus: Laut den Autoren gaben nur 26% der Befragten an, die auf ihre Umfrage reagierten, dass sie die bislang getätigten Investitionen in die Digitalisierung des Controllings in deren jeweiligen Unternehmen für ausreichend hielten.

    Was als „Schock-Ergebnis“ daherkommen sollte, überraschte mich ehrlich gesagt nicht. Denn auf die Notwendigkeit eines Controllings, das den Realitäten des digitalen Zeitalters gerecht wird, habe ich schon das eine oder andere Mal hier hingewiesen und dabei wichtige Fragestellungen diskutiert: Wie bewertet man eigentlich E-Commerce-Geschäftsmodelle? Wie führt man eine angemessene Due-Diligence im digitalen Umfeld durch? Etwas breiter gefasst habe ich auch mal über die Rolle des Controllings insgesamt im Konzern- sowie Investorenumfeld  berichtet und welchen Platz Beratungsunternehmen hier einnehmen können. Aber es geht hier nicht um „Hab‘ ich doch gesagt!“ und „Hatte ich doch recht!“ Ich will eben aufrichtig hoffen, dass ein aufsehenerregender Artikel auf einem so reichweitestarken Portal wie FAZ.net seinen Teil dazu beiträgt, dass das Thema breiter in der Wirtschaft verankert und auch endlich angegangen wird.

    Ich stehe mit meinem Gefühl, dass es mit der Digitalisierung im Controlling noch deutlich zu langsam vorangeht, keineswegs alleine da. Der Kollege Alex „Kassenzone“ Graf etwa hat schon mit mehreren profilierten Gesprächspartnern über den Stillstand gesprochen. Im Gespräch mit Iskender Dirik von Microsoft for Start-ups letztes Jahr zum Thema Corporate Venture Capital etwa merkte Letzterer an:

    „Ein alteingesessener M&A-ler, der auf EBIT-Basis einkauft und das Venture-Geschäft nicht versteht, kann hier wenig beitragen. Für den Corporate-VC bringt das nichts – und schlimmstenfalls sitzt er auch noch im Investment-Committee und macht einem ein Strich durch die Rechnung: „Häh? Verstehe ich nicht. Hier sind überall rote Zahlen drunter!“ Da sagt der VC-Mensch: „Rote Zahlen sind doch mein Geschäft!““

    Oder, wie es vor ihm Florian Heinemann – ebenfalls im Gespräch mit Alex – formulierte:

    „Die Beurteilung eines digitalen Geschäftsmodells in der frühen Phase erfordert ein ganz anderes Controlling: Traditionelle Ansätze passen schlecht auf digitale Start-ups. Die Otto-Group controllt schließlich ein AboutYou anders als so ein BonPrix – zu Recht! Aber das will erstmal gelernt werden.“

    Dennoch wird vielerorts im Controlling genauso weitergemacht, wie es schon immer gemacht worden ist. Das Schaurig-Faszinierende an dem FAZ-Artikel ist dabei, dass erstens vielen Controllern in der Deutschland AG völlig klar ist, wo die Versäumnisse liegen. Sie laufen also sehenden Auges mit Milliardenschweren Unternehmen ins Minenfeld. Und zweitens ist der Mangel an Digitalwissen im Controlling nicht nur bei Übernahmen oder Investitionen gefährlich, weil hier falsch gekauft, beziehungsweise aus Missverständnis nicht gekauft wird, sondern er bremst auch eine vernünftige Aufsicht der Vorgänge innerhalb eines bestehenden Unternehmens nach Stand der Technik aus. Dies wird vor allem in Bezug auf Big-Data klar, zu dem die FAZ-Autoren aus ihren Ergebnissen vermerkten:

    „Die befragten Controller sind denn auch ganz überwiegend der Meinung, dass insbesondere im Bereich von Data Science und IT Kenntnissen, aber auch bei eher weichen Fähigkeiten wie Kommunikationsfähigkeiten und Change Management Nachholbedarf besteht. Gleichzeitig registrieren wir vielfach eine gewisse Hilflosigkeit bei der Frage, wie die identifizierte Lücke geschlossen werden soll.“

    Zu meinen Ohren hört sich das nicht nur resigniert an, sondern nach massenhaftem Verstoß gegen das Aktiengesellschaftsrecht. Denn: Wenn die technische Möglichkeit nun gegeben ist, mehr Daten als je zuvor über die Aktivitäten des eigenen Unternehmens zu erfassen und präzise auszuwerten, von dieser Möglichkeit aber kein Gebrauch gemacht wird – worüber sich die zuständigen Abteilungen noch dazu völlig im Klaren sind – dann ist das meines Erachtens grob fahrlässig. Oder, wie die Autoren der Studie es formulieren: „Ausreden sind also nicht mehr möglich. Die Uhr tickt.“

    Nun doch genug der Schelte! Dass die Akteure, auf die es ankommt – also: die Controller selbst –, ein Problembewusstsein entwickelt haben, ist ein großer Fortschritt und stellt eine Basis dar, auf der man aufbauen kann. Unternehmen, die ihre Verantwortung wahrnehmen wollen, in der digitalisierten Wirtschaft sachkundig handeln zu können, stehen zwar vor einer Lernkurve. Aber sie stehen weder alleine noch mittellos da! Leute, die sich zu digitalem Controlling schon länger Gedanken gemacht haben, gibt es ja ein paar.

  • Raus aus der Talfahrt – Befindet sich Movinga wieder auf Erfolgskurs?

    Raus aus der Talfahrt – Befindet sich Movinga wieder auf Erfolgskurs?

    Trotz seiner jungen Unternehmensgeschichte hat Movinga seit der Firmengründung im Jahr 2015 schon die ein oder andere Schlagzeile geschrieben: Von Ermittlungen wegen Urkundenfälschung, über eine umfangreiche Entlassungswelle, das überraschende Ausscheiden der Gründer, bis zum Absprung von Investoren ist alles dabei. Damit bringt Movinga alle Zutaten für einen erfolgreichen E-Commerce Krimi mit.

    Das Geschäftsmodell von Movinga ist auf den ersten Blick aus Kundenperspektive erst einmal nicht ganz eindeutig: Umzugsportal, Online-Umzugsunternehmen oder Full-Service Anbieter für Umzugsdienstleistungen? Movinga bietet seinen Kunden die Möglichkeit online in wenigen Schritten einen Umzug zum Festpreis abzuschließen. Die weitere Organisation übernimmt das Unternehmen und platziert den Auftrag entweder bei einem Umzugsanbieter aus dem Partnernetzwerk oder wickelt den Umzug mit den eigenen Ressourcen ab. Im Rahmen der Kooperation mit Partner-Unternehmen greift Movinga auch auf die Überkapazitäten anderer Umzugsunternehmen zurück, wodurch Kunden nach eigener Aussage besonders lukrative Preise angeboten werden können. Zudem vermittelt Movinga auch umzugsbezogene Zusatzleistungen wie Außenlifte, die Einrichtung einer Halteverbotszone oder eines Nachsendeauftrags sowie Geschäftsabschlüsse rund ums neue Heim wie Vermittlung von Strom- oder DSL-Anbietern, die typischerweise mit einem Umzug einhergehen. Es liegt nahe, dass Movinga neben den Erlösen aus den selbst durchgeführten Umzügen Vermittlungsprovisionen von den Partnern sowie den Drittanbietern von Dienstleistungen erhält. “Ziel ist es, Movinga zu einer One-Stop-Lösung für Dienstleistungen rund um den Umzug zu etablieren“, sagte Geschäftsführer Finn Hänsel gegenüber Startup Valley im Oktober 2017. (mehr …)