Amazon bleibt sich treu: Statt auf kurzfristige Gewinnmaximierung setzt der Konzern auf langfristige Dominanz. Eine Analyse des Q4 2025 Reportings und aktueller Ereignisse.
In Seattle rüstet man weiter mit ganz großen Geschützen im KI-Rennen auf. Das zeigt der Blick auf die kürzlich veröffentlichten Q4-Zahlen für 2025. 200 Milliarden USD für neue Investitionen sind eine Kampfansage.
Kurz notiert, es läuft gut für den Mischkonzern: Trotz Konsumflaute wächst das Kerngeschäft im Handel solide, und AWS baut seine Position als Nummer 1 weiter aus, auch wenn Wettbewerber prozentual schneller wachsen. Es deutet sich also schon an, dass die früheren Investments in eigene Chips sowie Infrastruktur sich auszahlen. Ich empfehle dazu noch einmal die Lektüre meines Beitrags „Amazon im KI-Zeitalter: Evolution statt Revolution – und die gnadenlose Optimierung des Bestehenden“.
Die neuen, gewaltigen Investitionen in KI und Cloud sind keine Spielerei oder blinde Wette, sondern strategische Notwendigkeit: Gewinne von heute werden für die Märkte von morgen geopfert. Kurzfristig mag das die Börse verstimmen, auf lange Sicht kann sich das Ganze umso mehr auszahlen.
Schauen wir einmal genauer auf AWS (der Handel wächst dank Optimierungen in der Logistik weiter zweistellig, das ist schon beachtlich; allein: das Bundeskartellamt beziffert Amazons Anteil am deutschen Online-Handel mittlerweile auf 60 Prozent, bei 45,9 Milliarden Euro Umsatz 2025! Dazu kommt vielleicht mal eine eigene Analyse…):
Im Q4 2025 legte AWS um 24 % auf 35,6 Milliarden USD zu, laut CEO Andy Jassy das schnellste Wachstum seit 13 Quartalen. Damit übertraf AWS die Markterwartungen (ca. +21 %) und beschleunigte deutlich gegenüber dem Vorjahr (Q4 2024: +19 % auf 28,8 Milliarden USD).
Angesichts der KI-Chancen fährt Amazon die Investitionen massiv hoch. 2025 flossen rund 50 Milliarden USD zusätzlich in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur. Ganz klar ein Hauptgrund, warum der Free Cashflow trotz höherem Gewinn ins Minus drehte und auf 11,2 Milliarden USD sank.
Amazon-CEO Jassy betont die Notwendigkeit dieser Ausgaben, um der starken Nachfrage gerecht zu werden und im Wettrennen bei KI, Chips, Robotik und Satelliten tonangebend zu sein. Für 2026 kündigt Amazon deswegen ein rekordhohes CapEx-Budget von etwa 200 Milliarden USD an – überwiegend für den AWS-Ausbau – und stellt damit sogar die Investitionspläne von Meta, Microsoft oder Alphabet (die jüngst Ausgaben zwischen 175 und 185 Milliarden USD angekündigt haben) in den Schatten.
Und es geht munter los: Amazon ist mit 50 Milliarden USD neben NVIDIA und Softbank Teil einer 110-Milliarden-USD-Runde bei OpenAI. Ich weiß nicht, wie viele europäische Unternehmen, egal welcher Größe bzw. welchen Alters, solch einen Deal auch nur im Traum stemmen könnte… Dazu geht es um eine strategische Partnerschaft, AWS-Kapazitäten und die hauseigenen Tranium-Chips. Ich muss an der Stelle deutlich machen: Mein „Code Alpha“ mit Blick auf Amazon bezieht sich nur aufs Handelsgeschäft! Bei Cloud/KI dürfte hier zu merken sein, dass ich extrem beeindruckt bin von der Amazon-Strategie.
Übrigens: Wer die KI-Blase gern platzen sehen will, wird sich an dieser Etappe des KI-Wettlaufs bestätigt sehen. Viel Geld, viel Hitze im Markt, immer undurchsichtigere Verquickungen der diversen Akteure. Wie auch immer es ausgeht: Das KI-Wettrüsten erfordert eine enorme finanzielle Ausdauer.
Leser, denen die Analyse hier gefällt, könnte auch diese interessieren:
Etribes-Kollegin Karo Junker de Neui schaut bei LinkedIn genauer auf das Handelsgeschäft von Amazon.
Langzeitwegbegleiter Alexander Graf sieht den „Peak Amazon gesamt noch in ferner Zukunft“, beim Handel sei er schon erreicht.

