Kategorie: Investment Know How

  • Zalando Börsengang: Schrei vor Glück but keep calm and carry on!

    Keep Calm BusinessmanEs wird zur Zeit viel über den Zalando Börsengang spekuliert. Den einen ist das Wachstum um 52% auf 1,76Mrd EUR zu wenig und den anderen fehlt es an Verständnis für die mangelnde Profitabilität des schnell wachsenden Moderiesens. Es scheint jedoch klar, dass die Erwartungen der bestehenden Investoren nur noch durch einen Börsengang erfüllt werden können. Hier werden dann auch immer wieder New York und Frankfurt als mögliche Börsenplätze für eine IPO ins Spiel gebracht. Wobei den deutschen Investoren die mangelnde Profitabilität und den amerikanischen Geldgebern das etwas zu langsame Wachstum und die völlige Unbekanntheit von Zalando in den USA die Stimmung vermiest. Vor allem in Deutschland sind vergleichbare IPOs nicht zu finden und sehr unbedarfte Statements wie in diesem Artikel zeigen, dass deutsche „Experten“ noch nicht das Potential von unprofitablen Firmen verstanden haben. Sowohl Amazon als auch Twitter zeichnen sich ja bekanntlich nicht für ihre Profitabilität aus, haben aber Investoren extrem hohe Gewinne ermöglicht.

    IPOs leben aber immer von den Geschichten, die die Fantasie der Investoren beflügeln. Daher finde ich es erstaunlich, dass die LSE (London Stock Exchange) nicht als klares IPO Ziel benannt wurde. Hier findet sich eine gute Mischung aus anglo-amerikanischen und europäischen Investoren, die Interesse an einer IPO haben könnten. Weiterhin ist ASOS dort bereits gelistet und hat Investoren eine schöne Equity Story durch die Entwicklung des Börsenkurses gezeigt.

    ASOS Share Price

    Dies wäre doch eine schöne Geschichte: Um gegen Amazon und zum Teil eBay zu bestehen, müssen sich größere Player am Markt etablieren. Was ist leichter als der Merger von zwei online Modehäusern, die in unterschiedlichen Märkten stark vertreten sind? Sind diese auch noch an der gleichen Börse gelistet, steht einem Merger der beiden Davids gegen den Goliath Amazon nichts mehr im Wege. Durch diese Geschichte wäre sowohl das Problem des Wachstums als auch das der Profitabilität aus dem Weg geräumt. Sicherlich finden und fanden bereits Gespräche zwischen den beiden Firmen statt, da diese Verknüpfung sicherlich nicht zu übersehen ist und zwischen den Firmen ja bereits im Gesellschafterkreis Verknüpfungen bestehen. Es bleibt abzuwarten, ob nicht sogar eine Übernahme und ein damit verbundener Share Deal die eigenständige IPO von Zalando ersetzen könnte.

  • Media-Saturn steigert Online Umsatz um 70% (und erreicht noch nicht einmal Gesamtumsatz Vorjahresniveau)

    Spannend ist es, wie in den Medien bestimmte Zahlen aufgenommen werden. Vor einigen Tagen hat die Metro Gruppe die Quartalszahlen veröffentlicht. In vielen Techblogs wurde daraufhin geschrieben, dass Online Umsätze erheblich gestiegen seien – was an sich keine schlechte Sache ist. Allerdings fällt beim Weiterlesen der Pressemitteilung auf, dass die gesamten Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum flächenbereinigt um 1,8% gefallen sind – im Rumpfgeschäftsjahr 2013 sogar um 2,0%. Hier wird also gezeigt, dass selbst mit 70% Steigerung der (kleinen) Online Umsätze noch nicht einmal das Umsatzvolumen des Vorjahres gehalten werden kann. Der Umsatzeinbruch der stationären Läden muss also erheblich sein. Media-Saturn steckt also in einer massiven Krise und wird das auch nicht durch Meldungen über Umsatzwachstum der Online Sparte verheimlichen können.

    Weiterhin würde mich die Deckungsbeitragsberechnung für das 70%  Umsatzwachstum interessieren. Wurden hier einmalige Umsätze sehr teuer eingekauft oder wurde mittlerweile eine Multi-Channel Strategie entwickelt, die diesen Namen auch verdient? Gefühlt wurde in letzter Zeit eher mit der Ausverkaufsaktion und den damit verbundenen Filialschließungen in der öffentlichen Wahrnehmung gepunktet. Hier muss ich allerdings Jochen (LINK) zustimmen, dass es nicht besonders klug ist in der Welt der Praktiker-/Thalia-/Douglas-/Görtz-Geschäftseinstellungen bzw. Einschränkungen damit Werbung zu machen, dass man die Fialen schließt und einfach mal für ein paar Tage den Geschäftsbetrieb einstellt. Sehr interessant ist es übrigens hier zu erfahren, dass der Online Shop ebenfalls vom Netz genommen wurde. Eine Trennung der Offline und Online Kanäle scheint einfach nicht machbar zu sein.

    Zu guter Letzt die Meldung und anschauliche Grafik, dass Media Saturn zusammen mit Redcoon den Online Markt durch massive Umsatzsteigerung verändert. Doch auch hier sehe ich keine Parallelen zu Zalando, sondern eher eine noch größere Geldverbrennungsmaschine. Selbst wenn Media Saturn sich massive Umsätze einkauft, kann es niemals die gleiche Kapitalverzinsung (oder zumindest Kapitalverzinsungsversprechen) wie Zalando eingehen. Daher ist die Strategie nur endlich, denn Profitabilität kann nicht unbegrenzt lange durch den Zuschuss von frischem Kapital ignoriert werden. Anleger und Kapitalgeber werden ein weniger langen Atmen bei der Finanzierung einer defizitären Wachstumsstrategie haben, als bei neuen Online Geschäftsmodellen, die noch nicht an der Börse sind. Weiterhin sieht die Grafik der „Umsatzentwicklung ausgewiesene Elektronikversender 2004-2012“ zwar nach einem riesigen Sprung für Media Saturn/Redcoon aus,  aber bitte nicht vergessen, dass es eine negative Linie mit der gleichen Entwicklung gibt – wo sonst kommen die -2% im Gesamtumsatz her? Media Saturn tritt im besten Fall auf der Stelle, und das Gesamtgeschäft bleibt rückläufig. Wie fast immer bei der Metro/Media Saturn im Onlinebereich – too little –too late!

  • Update: Urbanara und Bergfürst

    Vielen Dank für das viele Feedback bezüglich des Crowdfunding als Chance? Artikels. Hier noch zwei weitere neue Entwicklungen. Urbanara hat die Frage bezüglich der Effektivität von TV Werbung sehr kurz und knapp beantwortet.

    „Die strategische Beteiligung von Pro7Sat1 ist vorerst an unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Beteiligungsstruktur und –höhe gescheitert. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass auch TV einen erheblichen Mehrwert beim Markenaufbau in Deutschland erzielen kann.“ (Link zur Antwort)

    Weiterhin wurde das Thema von Alex bei Kassenzone aufgegriffen und das WSJ Deutschland hat die Verschiebung der Zeichnungsfrist ebenfalls kritisch bewertet und eine sehr gute Analyse von Bergfürst mit aufgenommen.

    Es bleibt spannend und wir werden alle mehr wissen, sobald die Zeichnungsfrist abgelaufen ist. In der Zwischenzeit profitieren aber hoffentlich die Verkaufszahlen von Urbanara, durch die gemeinsame Werbeaktion mit Bergfürst.

    Bergfürst Werbung

  • VC industry changing due to new platform – death or life?

    VC industry changing due to new platform – death or life?

    Engel in TrauerRecently, I have read a very interesting article that continuous my argument that aside from many sectors the financial sector is also changing rapidly due to digitalization. The author states that:

    “In my life, I have been very fortunate to chronicle the emergence of the commercial internet (as we know it) from its early days. Over next decade or so, I came to realize the amazing deflationary powers of the internet. It was — and still is — a great deflator, squeezing out middle men, friction and of course, profits.” 

    The author argues that the next wave of change will affect the way businesses raise venture capital. Intransparencies will be broken open by Angel List and other fundraising platforms that force a secretive VC industry to differentiate their offerings beyond the initial cash injection. While I agree with the broad thesis of the argument I would highlight two aspects that seem to be overlooked frequently.

    As previously reported the VC industry as a whole does not generate positive returns. It is an assets class where only very few firms make money. These firms generally are not “smarter” than others but have a strong PR function and therefore get more deal flow than the other industry participants. If platforms now “socialize” deal flow and every investment is instantly shown to the entire industry then the professional selection becomes even less important. An automated investment distribution among Angel List offerings based on a set of pre-determined criteria would probably beat the returns of most VC firms and would require minimal direct investment attention. This would not alter the VC industry but give it the last punch in its current death struggle.

    Secondly, the start-up market is now becoming an asset class that is open to the broad public. Crowd funding platforms and projects like kickstarter are already expanding the available investor base. In my opinion, this is not a positive development. Start-Ups as an asset class are much to volatile and hard to read – if professional VCs cannot create a substantial return – how can private investors do so? These platforms are setting 99% of private investors up to lose all their money invested in this asset class.

    In addition, there are just a lot of businesses out there that do not deserve funding. The current funding market is a Darwin based system that kills of a lot of bad companies prior to raising capital. If the investor and funding base is now drastically increased we will see more and more zombie start-ups that live much longer than they should based on a “stupid-money” infusion through crowd funding platforms. If you look at the quality of start-ups coming out of places that received a large cash infusion (e.g. Berlin in Europe) you see so, so many ideas that should never have been funded but are now raising funds because way too much money chases too few good ideas.

    Crowd funding and platforms like Angel List will significantly disrupt the VC industry but it remains to be seen if this is positive or negative for start-ups and investors alike.

     

     

     

     

     

  • Bergfürst und Urbanara – Crowdfunding als Chance?

    Insgesamt ist die Verschiebung der Zeichnungsfrist von Urbanaras Angebot bei Bergfürst keine Überraschung. Es zeigt auch, dass die zahlreichen Privatinvestoren in Deutschland nicht völlig ahnungslos in Investments tappen, sondern fundierte Informationen verlangen. Weiterhin stellt sich die Frage, warum ein Unternehmen, das bereits zahlreiche Finanzierungsrunden durchlaufen hat und sogar durch Werbedeals erhebliche Außenwerbung schalten konnte, nun bei einer Crowd Funding Platform versucht, Investoren zu finden. Dies hört sich auf den ersten Blick nach einer Liquiditätslücke an, die die sogenannte „smart-money“ nicht mehr zu füllen bereit war. Vor allem, da die €3m sehr niedrig gegriffen sind, wenn man die beachtliche Liste von Ausgabezwecken wie z.B. Marketing, ERP System, HR, Internationalisierung etc. sieht. Da es also für diese Zwecke kein ausreichend neues Geld von professionellen Investoren gab, wird nun die Crowd bemüht.

    Ich würde sagen, dass wir das nur als PR Material zu bezeichnende Factsheet* sowie die Equity Story außer Acht lassen sollten, denn einem nicht voll informierten Investor spiegeln diese Dokumente eine unrealistisch positive Situation vor und lassen meiner Meinung keinen wirklichen Rückschluss auf die Geschäftsentwicklung zu.

    Wobei der PR Effekt sich hoffentlich auch auf die Verkaufszahlen auswirkt, da Besucher anscheinend durch die zusätzliche PR auf den Shop stossen, wie die Auswertung von Google Trends zeigt.

    Urbanara vs. Bergfürst Google Trends

    Aber wir alle haben ja einen wirklich „gut ausgearbeiteten“ und „informativen“ Disclaimer gelesen:

    „Eine Anlageentscheidung kann ausschließlich auf Grundlage des Wertpapierprospektes in seiner jeweils gültigen Fassung getroffen werden. Der Wertpapierprospekt ist die alleinige Grundlage für die Beteiligung. (…) Interessenten wird dringend empfohlen, vor Zeichnung des Aktienangebots den gesamten Wertpapierprospekt in seiner jeweils gültigen Fassung aufmerksam zu lesen.“ (Quelle: Wertpapierprospekt)

    Im ersten Schritt stellt sich nun jeder Investor die Frage, was genau mit dem neuen Kapital gemacht werden soll. Basierend auf den geplanten Ausgaben ergibt sich dann eine Liste mit Punkten, die in einer Due Dilligence hinterfragt werden sollten. Im zweiten Schritt ist es, gerade bei einer Firma, die bereits seit 2011 am Markt ist, natürlich interessant, warum Geld von der Crowd eingesammelt wird, wenn bereits namhafte und finanzstarke Investoren vorhanden sind. Eine komplette Offenlegung der Finanzzahlen und Geschäftspläne von Urbanara mit zusätzlich mindestens €320.000 Kosten wird ja sicherlich nicht einfach so aus Spaß gemacht.

    Nun zur Fragestellung des ersten Schritts. Es sollen zwischen €3-3,75m eingesammelt werden. Diese werden zu ca. 50% in Marketing investiert und zur anderen Hälfte in operative Themen wie z.B. IT, Supply Chain und HR.

    Marketing spielt also eine große Rolle, vor allem da bereits eine weitere Kapitalrunde für Marketingausgaben von €2m in 2014 angekündigt wird. Dies bedeutet, die Investoren wissen bereits, dass sie in Bezug auf weitere Marketingausgaben verwässert werden. In den jeweiligen Dokumenten wird dargestellt, dass Urbanara effektiv und Performance orientiert Werbung schaltet und dies auch im Onlinebereich mit erfolgreichen Zahlen belegen kann. Das ist zwar gut zu wissen, nur wird auch überall gesagt, dass im Weiteren Printwerbung und vor allem Fernsehwerbung weiter ausgebaut werden soll. Hier wird es schon wesentlich schwieriger auf Performance zu optimieren. Vor allem muss man sich durch 42 Seiten Equity Story, 4 Seiten Factsheet und dann noch 78 Seiten Wertpapierprospekt kämpfen, um einen sehr interessanten Paragraphen zu finden.

    „Eine Zusatzbelastung ergibt sich aus den vorerst gescheiterten Verhandlungen mit der Pro7Sat1 Gruppe über eine strategische Beteiligung an der URBANARA Gruppe. Dies hat (gemäß Medialeistungsvertrag vom November 2012) zur Folge, dass sämtliche Ende 2012 und Anfang 2013 bereitgestellte Media (TV-Spots) nachträglich bezahlt werden muss. Für diese Szenario waren schon Ende 2012 und im ersten Halbjahr 2013 bei der URBANARA GmbH Rückstellungen in einer Gesamthöhe von TEUR 888 gebildet worden welche nun in den kommenden neun Monaten in Form von einheitlichen Monatsraten aufgelöst werden. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass es trotzdem noch zu einer Beteiligung und somit zu einem Wegfall dieser Verbindlichkeiten kommt.“ (Quelle: Wertpapierprospekt)

    Wenn also die Zukunft von Urbanara von TV Werbung abhängig ist (wie auch in den PR Dokumenten immer wieder geschrieben wird) warum ist der Deal dann geplatzt? Ist ProSieben Sat1 nicht interessiert, eine erfolgreiche Beteiligung mit Urbanara einzugehen? Wurde bei der Schaltung der TV Spots festgestellt, dass der Return negativ war und es gar nicht möglich ist, den Umsatz grenzenlos durch TV Werbung zu hebeln? Antworten auf die historischen Erfolge/Misserfolge wären im Dokument wichtiger als belanglose „Fakten“.

    Weitere Einschätzungen zur Wiederkaufrate und Wettbewerb wären ebenfalls interessant. Bei der Wiederkaufrate wird nebulös auf eine starke Marke verwiesen. Welches Online Geschäftsmodell hat es jemals geschafft, eine Marke aufzubauen, die eine hohe Wiederkaufrate erzielt und keine zusätzlichen Werbekosten beansprucht? Amazon? Selbst Zalando – mit ungleich mehr Fernsehwerbung als Urbanara – hat hier wahrscheinlich keinen einfachen Stand, sondern muss viel investieren, um die Quote auf einem starken Niveau zu festigen. Weiterhin wird gesagt, dass der Hauptwettbewerb im offline Handel passiert. Werden hier Unternehmen wie West Wing einfach ausgeblendet (bis auf die Darstellung in einem Chart habe ich zu ernsthaften Online Wettbewerbern, die bereits am Markt aktiv sind, nichts gesehen)? Ich würde zumindest beim Online Marketing hier eine substantielle Schnittmenge sehen. Google ist immer noch ein Bietsystem und zu sagen, dass hier nur geringer Wettbewerb herrscht ist falsch – die Bietpreise und somit die Kundenakquisitionskosten werden weiterhin steigen. Das müsste auch so gesagt werden.

    In Bezug auf die Verwendung des restlichen 50% Kapitals werden IT, HR und eine weitere Internationalisierung genannt. Wobei hier die Angaben zum Wachstum im UK keine große Hoffnung erwecken, dass die mageren €500.000 genug wären für irgendeinen Markteintritt, da das internationale Umfeld oft sogar noch schwieriger ist als in Deutschland. Wieso wurde dann eigentlich Großbritannien als Markt ausgesucht? Wie ist die Qualität des Managementteams in Bezug auf Entscheidungsfindung bei der Internationalisierung? Das UK Umfeld ist anscheinend noch schwieriger als Deutschland:

    „Im Gegensatz zum deutschen Markt ist der Wettbewerb in Großbritannien sehr viel weiter fortgeschritten. Wettbewerber wie The White Company, Heal’s und Designer’s Guild setzen fast ausschließlich auf Eigenmarken und haben sowohl den Online- als auch den stationären Vertrieb als erfolgreiche Kanäle für sich erschlossen. Wenn Fremdmarken angeboten werden, dann nur, um das Eigenmarkenportfolio zu ergänzen. Amazon ist der einzig verbliebene Wettbewerber, der mit einem großen Portfolio voll und ganz auf Fremdmarken setzt. Auch traditionelle Kaufhäuser wie John Lewis und Selfridges haben den Schritt ins E-Commerce sehr erfolgreich vollzogen und erwirtschaften dort bereits einen Großteil ihrer Umsätze. Das Markenbewusstsein für Interior-Produkte ist in Großbritannien stärker ausgeprägt als in Deutschland. So sind die Markteintrittsbarrieren für einen neuen Wettbewerber zwar höher, Nachhaltigkeit und Viralitätseffekte jedoch umso stärker.“ (Quelle: Wertpapierprospekt)

    Wenn jetzt die Entwicklung in Großbritannien nicht besonders gut läuft und der groß angekündigte Eigenmarkenanteil ein besonderes Merkmal ist, warum kann das in anderen Märkten so leicht von so vielen Mitbewerbern ausgehebelt werden?

    Jetzt aber zum zweiten Punkt. Warum wollen die Investoren nicht mehr Geld geben bzw. warum wird eine Crowd Funding Runde nach bereits erfolgten Finanzierungsrunden durchgeführt? Die bisherigen Investoren beteiligen sich zwar mit ca. 800k, aber der Großteil des benötigten Kapitals soll von der Crowd gestellt werden. Ich gehe einfach davon aus, dass den bisherigen Investoren sicherlich das entsprechende Kapital zur Verfügung steht, aber hier bewusst nicht weiter investiert wird. Wieso wird hier die Crowd „Notbremse“ gezogen und das Investitionsrisiko auf Kleinanleger abgegeben? Dieser Punkt sollte bei den Dokumenten viel offensiver erklärt werden. Ansonsten wird leicht der Eindruck erweckt, dass hier nicht ganz mit offenen Karten gespielt wird. Weiterhin steht eine Crowd Runde auch viel früher im Finanzierungscyclus eines Start-Ups wie z.B. bei bekannten US Angeboten wie Kickstarter und wird nicht zu Finanzierungen im Bereich der Series A,B,C genutzt. Vielleicht ist es aber auch eine geschickte PR Story, die es ermöglicht, Geld zu verdienen, während man gleichzeitig einer großen Auswahl an potentiellen Kunden über eine Crowd Plattform vorgestellt wird? Der Prospekt und alle weiteren Angaben lassen hier auf jeden Fall keinen Rückschluss zu.

    Am Ende noch kurz etwas zur Bewertungsgrundlage. Die eigentlichen Buchprüfer der Gesellschaft geben selber an, dass die Bewertung zweifelhaft sei. Wie soll denn hier eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft überhaupt eine fundierte Aussage treffen können? Jeder Analyst kann zwar irgendwelche Zahlen in ein DCF Modell tippen und dann hoffen, dass die Discount Raten richtig gewählt wurden, aber es ist doch einer traditionellen Prüfungsgesellschaft gar nicht möglich, die Zahlen überhaupt nur ansatzweise zu verstehen. Liebe Wirtschaftsprüfer – wie werden denn die Kundenakquisitionskosten im Jahr 2016 aussehen und wie teuer wird es, den Umsatzwachstum einzukaufen? Auf welcher Grundlage wurde die Richtigkeit der Angaben ermittelt? Weiterhin kann ein potentieller Investor schon bei dem willkürlichen Reduzieren der Firmenbewertung sehen, dass hier in der Bewertung erheblicher „Spielraum“ herrscht. „Als Platzierungsanreiz wird ein Abschlag von rund 10% gegenüber dem Wertgutachten der Wirtschaftsprüfer gewährt.“

    Zusammenfassend würde mich interessieren, ob Urbanara, basierend auf diesen Grundlagen, erfolgreich Geld einsammeln wird. Insgesamt hätte ich mir jedoch für eins der größten deutschen Crowd Investments wesentlich professionellere Unterlagen gewünscht. Traditionelle Wertpapierprospekte mit irrelevanten Finanz- und Steuerinformationen spiegeln nicht die Informationen wider, die ein erfolgreiches digitales Investment begründen.

    *Warum mag ich das Factsheet nicht:

    Hier werden leider keinerlei für Investoren relevante Fakten geliefert. Es werden einige pauschale Aussagen zu den Alleinstellungsmerkmalen gemacht, die mehr als PR Statements zu verstehen sind. Es werden jedoch keinerlei Aussagen zu den wirklich wichtigen Themen über ein junges Unternehmen gemacht. Weder Profitabilität, Teamqualität noch Ausgabenstruktur werden erwähnt. Es folgen  Angaben wie z.B. Trusted Shop Siegel, Kundenservice via E-Mail und Telefon, Chat und Social Networks – was sollen solche pauschalen Angaben aussagen? Selbst die Umsätze 2011 wurden vergessen und nur 2012 und 2013 erwähnt. Hier wären z.B. die Steigerung der Umsätze in Bezug zu eingesammelten Mediabudgets und Marketinginvestments interessant. Falls ein „unprofessioneller“ Investor diese Zahlen sieht, dann stellt er sich nicht unbedingt die Frage, welche Ausgaben notwendig waren, um diese Umsätze zu erzielen. Urbanara hat bereits viel Geld verbrannt und diesen Punkt bei den Fakten nicht zu erwähnen, ist nicht gut, da hier Investoren nicht notwendigerweise genug Verständnis für die Online Geschäftsrealität mitbringen. Zu guter Letzt gibt es dann noch ein paar Marktstatistiken ohne Bezug zu der Firma, in die investiert werden soll. Wieso findet hier keine weitere Aufbereitung für Investoren statt? Die normalen Benutzer von Bergfürsten und ähnlichen Anbietern werden sicherlich nicht eine fundierte Analystenmaschine im Hintergrund haben, die diese Zahlen verständlich aufbereitet.

    Dieses Factsheet zeigt weder interessante Fakten noch trifft es irgendwelche Aussagen zur Firmenentwicklung. Ich weiß nicht genau, was mit diesem Factsheet bezweckt werden soll, aber eine vollständige Informationspolitik sieht anders aus.

  • Poor CFO…

    These videos are becoming more and more entertaining – after the stunning Visa Commercial Add I have now found a video from Oracle that literally draws a very different picture of CFOs and their daily challenges.

    [youtube=http://www.youtube.com/watch?v=IsKCRHsm2-U]

  • Digital investment strategy …

    Sell vs. BuyWhen and how is the digital industry shift/storm/tsunami going to reach global capital markets? So far companies like Facebook, Google and Apple already provide shining examples of new businesses that mostly rely on new web-based technologies. These businesses have created substantial shareholder value and firmly put „digital“ investments on the radar of any professional investor.

    Significant amount of funds are already allocated towards these businesses – but this is only one side of a not so shiny coin. If there are new sources of capital allocation there should be other sectors where funds are withdrawn.

    Here in Germany more and more companies are going bankrupt – established merchants like Praktiker (Bloomberg News) are going belly up. In my opinion this is not just a continued chain of bankruptcies that are linked to failed business strategies/bad management but clearly a seismic shift in terms of consumer behavior. Traditional business models can no longer keep up with online models that have proven higher agility. Through this agility they are much better at attracting customers while being highly price competitive due to lack of „legacy“ structures. This asks for a rapid change in capital allocation and provides opportunities for some interesting trading strategies. So it becomes interesting to predict who is going to be next and to see if it is possible to short stocks like crazy 😉

  • VCs vs. Angel

    VCs vs. Angel

    Venture CapitalRecently, there have been two interesting blog posts that once again highlight the ambivalence between choosing either a VC or private/business angel investor. One very entertaining rant(!) from Paul Jozefak (Liquid Labs) that focuses on the „more than money“ promise each VC makes. He has a very clear opinion what VCs really provide and how their „advertising talk“ should be evaluated by future entrepreneurs. (LINK) „Enough with the Kool-Aid though….without your money most entrepreneurs wouldn’t really care much about you. It’s OK, you still have your triathlon, cycling or foodie friends.“!

    Protonet on the other hand has chosen to ignore higher valuations and instead go with angel investors. More about their rational here: (LINK). Interestingly enough they left money on the table in order to go with business angels among other reasons due to the easier negotiations and less tight up management time. This is often an overlooked point – VCs are experts when it comes to negotiating deals (given that aside from trying to get a proprietary deal flow that is their only other expertise ;)). If you negotiate with experts you have to take into account that these negotiations will be very drawn out. Your starting point will most likely be documents drafted by a VC who has written many, many preferable treatment clauses in the documents before negotiations have even started. So time and complexity of negotiations is an important consideration beside the price tag.

    Does that mean you should leave VC cash on the table and always go with angels? Probably not … this approach will only work for smaller financing rounds – angels will bottom out if you are looking for 1m+ x – or you have to take so many angels on board that it becomes annoying to keep all of them in the loop. They will also have a very limited ability to go for another round or to provide additional capital on short notice.

    So chose carefully when you are planning to raise additional funds. Make sure you understand the major pros and cons between investors and try to determine what your long-term strategy looks like. Are you going to raise more funds down the road? Do you need certain individuals in order to grow your business? Will VC connections support your business right now? … … lots of thinks to ask yourself and unfortunately this is highly subjective and there is no clear right or wrong here.

  • Digital Capital – new accounting approach needed.

    Digital Capital – new accounting approach needed.

    AssetsHere a true eCFO topic – accounting! Before you stop reading –  this is really important – so stay with me. I first picked up on the topic when I started working with our Facebook agency on their generic group concept.  By now we have over 1 million fans in general Facebook groups that we „rent“ out to clients in order to advertise to a specific target segment. I argued back and forth with our accountant that the capital we invested is in fact not a period expense in our P&L but that we are actually building a long-term asset that should show up on our balance sheet. I lost the argument but still know that I am right – just our accountings standards have not yet caught up with the „digital revolution“. Now McKinsey seems to agree – the consultancy published a new story that focuses on „digital capital“ (LINK)

    In their conclusion they highlight that even though accounting has not caught up – companies need to act now and explain to investors that they are building assets even if their balance sheet does not reflect it (yet). Capital allocation needs to be quickly adjusted in almost all industries to catch up with changes brought by the rapidly developing digitalization:

    „The need for growth and competitiveness will force companies to build strong digital capabilities. Viewing them as assets rather than additional areas of spending requires a new set of management and financial lenses. Embracing them is a major shift—but one worth making for companies striving to master a still-evolving landscape.“

    They continue to highlight that companies really need to focus on collecting and analyzing data from their activities. The digital development combined with big-data analysis capabilities offers new business opportunities but also threatens established players that are to slow to react.

    „Since identifying intangible assets is difficult, companies may be missing growth opportunities. Many have realized only recently that they can use social-media interactions with their best customers to leverage innovation efforts or that they may have unused data they could restructure into valuable big-data assets to sharpen business strategy. Similarly, companies should take stock of how digital capital they don’t own may be relevant to the business. A retailer that doesn’t have access to digital behavioral data on consumers, for example, may be at a disadvantage. So could a bank whose customers access products through a third-party platform that limits the bank’s ability to capture information.“

    So what now? We need better accounting methods that reflect the real value of digital capital allocation but this is not going to happen quickly. eCFOs will need to do a much better job explaining to markets, shareholders and capital providers how they are planning to make money due to their digital capital investment. Financial statements will again become more irrelevant for company valuations and future earnings expectations.

  • Startup valuation…

    … remains a mystery. There is very little data and often very differing views on future start-up developments and valuations between entrepreneurs (IPO here we come), investors (hopeful but very cautious) and parents (you are doomed). Here comes a very good summary and an even prettier graphic from Anna Vital on Funders and Founders!