Wieso hört man eigentlich von den Heuschrecken der frühen 00’er Jahre jetzt so wenig? Für Private Equity Unternehmen müssten die Zeiten eigentlich glänzend laufen – die Limited Partner haben mehr Geld zu vergeben als jemals zuvor – sichere Anlageklassen laufen nicht mehr und dazu gibt es Geld auch noch fast ohne Zinsen. Ein nicht zu verachtender Hebel für die auf Finanz-Ingenieure angewiesenen Private Equity Fonds (PE Fonds). Allerdings führen diese unvorstellbar großen Mengen an Geld dazu, dass Kaufpreise erheblich ansteigen und Portfolio-Firmen dadurch in nicht seltenen Fällen unattraktiv werden. Das können wir aber in der Marktdynamik schon fast vernachlässigen: vielmehr beobachte ich nämlich, dass die Private Equity Firmen zurzeit ausgiebig mit ihrem Portfolio beschäftigt sind und dort erhebliche Probleme haben. Typische Private Equity Funds waren immer darauf ausgerichtet, die bestehenden Assets zu optimieren und innerhalb ähnlicher Parameter weiter zu entwickeln.
Fehlendes Verständnis für die Herausforderungen der Digitalisierung
Die Entscheider in üblichen Strukturen sind dabei ein bunter Mix aus Industriefachleuten und vor allem IVY League ausgebildeten Finanz- und Unternehmensberatern. Diese Investment Manager haben vor allem ein Problem – ihnen fehlt völlig das Verständnis für die Digitalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen. Es reicht eben nicht mehr, das Unternehmen im bestehenden Markt zu optimieren. Oftmals haben sich die Vorzeichen völlig geändert, die Märkte gewandelt und das Optimieren in einer sterbenden Industrie bringt dann auch nichts mehr. Dazu kommt, dass die etablierten Portfoliounternehmen immer öfter rechts und links von digitalen Schnellbooten überholt werden, und dabei eigentlich nur noch überfordert zusehen können. (mehr …)





Bei Zalando wird zur Zeit ein gutes Ergebnis nach dem anderen gefeiert. Der Börsenkurs des Unternehmens steht bei knapp EUR 40 und somit deutlich höher als der Ausgabepreis von EUR 21,50 vor drei Jahren. Somit also alles in Butter beim deutschen Aktien-Digital-Vorzeigebeispiel? 



Der Nachwuchsmangel ist in der digitalen Industrie immer ein Thema. Alleine in unserem Firmennetzwerk sind über 200 Positionen nicht besetzt und die Suche nach guten Entwicklern wird von allen aus der Branche immer nur mit einem müden Lächeln quittiert. Grade in unsere Industrie überrascht es mich immer wieder, wie analog der Prozess von Unternehmen und Headhuntern betrieben wird. Bisher habe ich das Gefühl, dass einfach nur simple Prozesse optimiert wurden. Selbst neue Anbieter am Markt wie Personio – die eine wirklich gute Softwarelösung für Start-ups anbieten – fokussieren sich im Prinzip nur auf die Digitalisierung der Prozesse, aber nicht auf die neue Definition von Recruitment selbst. Xing und LinkedIn bieten eine bessere Suchfunktion innerhalb der Mitglieder, aber automatisierte Such- bzw. Matching-Prozesse befinden sich immer noch in den Kinderschuhen. Passives schalten von Anzeigen scheint immer noch die Hauptmotivation von LinkedIn, Xing, Stepstone und anderen Recruitment Plattformen zu sein. Zudem werde ich bei zahlreichen Headhuntern das Gefühl nicht los, dass dort am Anfang jeder Suche auch erst einmal ein Prakti mit einem Xing Premium Account auf die Nutzer angesetzt wird. Die spätere Qualifizierung erfolgt dann im persönlichen Gespräch, d.h. es ist ebenfalls immer noch ein sehr analoger Prozess.