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  • Zalando Börsengang: Schrei vor Glück but keep calm and carry on!

    Keep Calm BusinessmanEs wird zur Zeit viel über den Zalando Börsengang spekuliert. Den einen ist das Wachstum um 52% auf 1,76Mrd EUR zu wenig und den anderen fehlt es an Verständnis für die mangelnde Profitabilität des schnell wachsenden Moderiesens. Es scheint jedoch klar, dass die Erwartungen der bestehenden Investoren nur noch durch einen Börsengang erfüllt werden können. Hier werden dann auch immer wieder New York und Frankfurt als mögliche Börsenplätze für eine IPO ins Spiel gebracht. Wobei den deutschen Investoren die mangelnde Profitabilität und den amerikanischen Geldgebern das etwas zu langsame Wachstum und die völlige Unbekanntheit von Zalando in den USA die Stimmung vermiest. Vor allem in Deutschland sind vergleichbare IPOs nicht zu finden und sehr unbedarfte Statements wie in diesem Artikel zeigen, dass deutsche „Experten“ noch nicht das Potential von unprofitablen Firmen verstanden haben. Sowohl Amazon als auch Twitter zeichnen sich ja bekanntlich nicht für ihre Profitabilität aus, haben aber Investoren extrem hohe Gewinne ermöglicht.

    IPOs leben aber immer von den Geschichten, die die Fantasie der Investoren beflügeln. Daher finde ich es erstaunlich, dass die LSE (London Stock Exchange) nicht als klares IPO Ziel benannt wurde. Hier findet sich eine gute Mischung aus anglo-amerikanischen und europäischen Investoren, die Interesse an einer IPO haben könnten. Weiterhin ist ASOS dort bereits gelistet und hat Investoren eine schöne Equity Story durch die Entwicklung des Börsenkurses gezeigt.

    ASOS Share Price

    Dies wäre doch eine schöne Geschichte: Um gegen Amazon und zum Teil eBay zu bestehen, müssen sich größere Player am Markt etablieren. Was ist leichter als der Merger von zwei online Modehäusern, die in unterschiedlichen Märkten stark vertreten sind? Sind diese auch noch an der gleichen Börse gelistet, steht einem Merger der beiden Davids gegen den Goliath Amazon nichts mehr im Wege. Durch diese Geschichte wäre sowohl das Problem des Wachstums als auch das der Profitabilität aus dem Weg geräumt. Sicherlich finden und fanden bereits Gespräche zwischen den beiden Firmen statt, da diese Verknüpfung sicherlich nicht zu übersehen ist und zwischen den Firmen ja bereits im Gesellschafterkreis Verknüpfungen bestehen. Es bleibt abzuwarten, ob nicht sogar eine Übernahme und ein damit verbundener Share Deal die eigenständige IPO von Zalando ersetzen könnte.

  • Neue Märkte brauchen neue Analysen!

    Wie ich bereits in meinem Artikel zum „Neuen Markt 2.0“ angedeutet habe, braucht es für eine erfolgreiche Start-Up-Kultur eine Anpassung der vorherrschenden Analysemethoden. Zu viele Finanzanalysten haben nicht erkannt, dass mit der Digitalisierung auch sehr viele neue Datenpunkte zur Geschäftsmodellanalyse hinzu gekommen sind. Noch nie war es so einfach große Datenmassen schnell und effizient zu prüfen. Dennoch stößt man in Analyseberichten in Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Arbeiten oder Veröffentlichungen von Banken immer noch vornehmlich auf Datenquellen, die im besten Falle vor 20 Jahren interessant waren. Noch schlimmer finde ich den ständigen Bezug auf Finanzberichte, die auf jeden Fall Monate bzw. Jahre alte Zahlen nutzen, wenn gleichzeitig im großen Umfang tagesaktuelle Zahlen zur Verfügung stehen.

    Was meine ich damit?

    Alex hat in seinem Blog Kassenzone.de vor ca. 1 Jahr die Frage gestellt, was denn nun das beste Shopsystem ist. Hierzu wurden viele qualitative Faktoren besprochen und in den Kommentaren diskutiert, aber es wurden wenige quantitative Angaben gemacht. Wie viele Leute sind denn nun konkret an welchem Shopsystem interessiert? Wie sieht dieser Trend im Zeitverlauf aus?

    Falls sich jetzt also irgendwo ein CFO die Frage stellt, welchen Shopsystem-Anbieter er kaufen sollte, dann wäre eine Marktanalyse essential. Welcher Shopsystem-Anbieter ist auf dem absteigenden und welcher auf dem aufsteigenden Ast? Die Analyse basierend auf Suchanfragen von Google über Google Trends gibt hierzu bereits sehr viele interessante Ansätze. Im Graphen unten kann diese Statistik auch noch einmal angeschaut werden.

    Die Trendentwicklung des „Platzhirsches“ Magento ist zwar abflachend, aber insgesamt dominiert der Shopsystem-Anbieter in Deutschland. Shopware ist der klare Aufsteiger und hat bereits XT Commerce und Hybris hinter sich gelassen und gerade zu Oxid aufgeschlossen. Wäre ich also auf der Suche nach einem M&A Target, um mit den großen Akquisen des letzten Jahr (z.B. Hybris/SAP) mitzuhalten, dann würde ich sehr schnell nach Schöppingen fahren und würde mich dort umschauen.

    Als ein praktisches Beispiel für die Aussagekraft kann ich aus eigenem Hause berichten, dass wir bereits seit Längerem genau diese Daten für unsere Geschäftsmodelle nutzen. eTribes hat dieses Vorgehen geholfen, sehr früh auf Shopware als neuen Agenturschwerpunkt zu setzen – die Erfolgreiche Positionierung von NetShops hat sicherlich auch mit der konsequenten und frühen Entscheidung für Shopware zu tun.

    Weiterhin frage ich mich, ob SAP-Analysten diese Übernahme untersucht haben und sich die Mühe gemacht haben, die unten angegebenen Marktinteressen zu analysieren. Hat SAP hier auf das richtige Pferd gesetzt? Wird sich die Entwicklung von Hybris nach der Übernahme hier widerspiegeln? All diese Fragen lassen sich mit neuen Analysemethoden sehr einfach beantworten und sollten einen festen Platz in den Analysemodellen im Finanzbereich erhalten.

    Zum Abschluss noch ein Fun-Fact: Wie sieht eigentlich die E-Commerce-Landschaft in Deutschland aus? Gibt es hier starke regionale Tendenzen? Welche Aussagen kann man hier für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung der deutschen Regionen schließen? Schaut Euch doch einfach mal die regionalen Ergebnisse der Suchanfragen unten an … hier beginnt man mit den tiefer gehenden Analysen, die noch viel mehr Rückschlüsse auf die Geschäftsentwicklung zulassen.

    Ich frage mich, machen hier einige Firmen nur selektive Werbung? Welche Marketingstrategien verfolgen die Unternehmen? Gibt es weniger Nachfrage? Bei einigen Systemen scheinen die neuen Bundesländer in der Tat noch ein weißes Tuch zu sein!

    Diese Analysen sind nur Beispiel um zu zeigen, welche substantiellen neunen Informationsquellen zur Verfügung stehen – diese sollten bei Analysen auch konsequent genutzt werden.

    Shopsysteme im Vergleich

     

  • Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer – IPO Plattform bringt noch keine IPO Kultur –

    Kapital durch IPO?Die Bundesregierung in Person von Philip Rösler (FDP) profiliert sich passgenau vor der Bundestagswahl mit immer wieder neuen Start-Up Ideen, Zuschüssen und Initiativen. Dieser Schritt in Richtung einer politisch unterstützten Start-Up-Förderung in Deutschland ist sehr wichtig und sendet auch ein richtiges Signal an die vielen deutschen Start-Ups und jungen Unternehmer. Einige Initiativen sind bereits jetzt implementiert worden und zeigen schon eine Wirkung bzw. sind eine absolute Bereicherung für den Standort Deutschland.

    Heute wurde das Projekt „Neuer Markt 2.0“ öffentlich gemacht. Hierbei geht es darum, den schnell wachsenden Start-Ups einen potentiellen weiteren Exit-Weg zu ermöglichen. Die Möglichkeit der IPO (Initial Public Offering) d.h. des Börsengangs wird in Deutschland von Gründern schon lange nicht mehr debattiert, da es in den letzten Jahren keine besonders erfolgreichen IPOs gegeben hat und weder Investoren noch die so langsam ausklingende Finanzkrise machen diesen Exit-Kanal attraktiver. Insgesamt ist das Volumen weltweit nicht besonders vielversprechend und selbst die IPOs von Branchenführern wie Facebook sind von den Märkten bestenfalls verhalten betrachtet worden. Auch die Berater, die einen Börsengang zur Geldgewinnung benötigen, können das IPO Volumen in Deutschland nur begrenzt schön reden.

    Nun startet die Bundesregierung den Vorstoß ein neues Marktsegment zu eröffnen um das IPO-Fieber in Deutschland wieder zu entfachen. Diese Initiative hat sicherlich den Vorteil, die IPO-Kosten und Restriktionen weiter zu lockern, um möglichst vielen Kandidaten die IPO zu ermöglichen – dies kann sicherlich auch erfolgreich zwischen dem Verband der deutschen Start-Ups, der Bundesregierung und der Deutschen Börse ausgehandelt werden. Doch ist das nur ein unwesentlicher Aspekt im Vergleich zur Gemütslage der Investoren. Bei einer IPO geht es darum, dass der Markt eine Firma akzeptiert und bereit ist in diese Firma Geld zu investieren. Eine attraktivere Plattform hierfür zu schaffen ist sicherlich ganz nett, aber in keinem Fall ausreichend. Die notwendige Liquidität und somit der Investorenappetit für IPOs von Start-Ups benötigt viele andere Grundlagen.

    Zuerst müssen genügend Banken bereit sein, die IPO-Kandidaten nicht nur zur betreuen, sondern den Markt durch beständige Broker Coverage bzw. Broker Reports auch informiert zu halten. Wie soll die Initiative das in der rückläufigen Bankenlandschaft garantieren? Ich gehe davon aus, dass jeder neue IPO-Kandidat allerwenigstens von 5 Banken begleitet werden sollte, um wirkliche Liquidität zu bieten. Gibt die deutsche Bankenlandschaft das noch her? Weiterhin finde ich das Verständnis von Business Analysten gegenüber Start-Ups aus der 2.0 Welle im besten Fall antiquiert. Hierzu werde ich noch einen längeren Beitrag schreiben, aber die traditionellen DCF, Peer-, Market-Comps-basierten Bewertungsmodelle sind einfach nicht ausreichend um das tatsächliche Marktpotential von Start-Ups 2.0 zu zeigen und vor allem das Echte Potential für Investoren klar darzustellen.

    Im nächsten Schritt müssen Anleger und Kapitalgeber überzeugt werden, dass diese Investitionskategorie überhaupt interessant ist. Dies würde sicherlich durch einen besseren Broker Coverage angestoßen werden, allerdings ist dieses Verständnis nur die Basis für institutionelle Investoren ihre Investmentkriterien zu ändern – dieser Prozess dauert lange und kann nicht bzw. nur sehr wenig politisch beeinflusst werden. Daher erwarte ich eher einen Zeitraum von 3-5 Jahren bis potentielle institutionelle Investoren erstens ein Verständnis aufgebaut haben und zweitens ihre Investitionsrichtlinien geändert haben um signifikante Liquidität(EUR750m+) für den Start-Up 2.0 IPO Markt zur Verfügung zu stellen.

    Eng verbunden mit den zwei Themen ist die „Anschlussfinanzierung“, d.h. das notwendige Interesse von weiteren Investoren weitere Liquidität im Markt zu garantieren. Dies ist natürlich abhängig von der betriebswirtschaftlichen Fähigkeit der Firma, das vom Markt zur Verfügung gestellte Kapital erfolgreich einzusetzen, aber auch von dem Interesse weiterer Investorenkreise nach einer IPO. Auch dies wird sich nicht von heute auf morgen materialisieren.

    Im letzten Schritt müssen die richtigen Start-Ups überzeugt werden diesen Weg auch zu gehen. Eine IPO ist teuer, aufwendig und vor allem sehr publik. Hier besteht ein signifikantes Risiko für Unternehmen sich mit dem Prozess zu verzetteln bzw. das Geschäft durch zu starke Ablenkung des Management-Teams zu gefährden. Dies ist zwar auch der Fall bei einer „traditionellen“ Finanzierungssuche, aber diese Prozesse sind höher standardisiert, es gibt hierfür zahlreiche Beispiele und sie sind normalerweise nur in einem kleinen Kreis von potentiellen Investoren bekannt. Eine IPO-Vorbereitung ist wesentlich komplexer und nach der Veröffentlichung sicherlich auch nicht einfacher. Daher frage ich mich, ob es viele Firmen gäbe, die sich nach einer Risikoabschätzung für diesen Weg entscheiden würden? Mir fallen dazu aus der deutschen Start-Up-Landschaft nur eine handvoll Firmen ein, für die eine IPO relevant sein könnte.

    Insgesamt finde ich die Initiative der Bundesregierung sehr sinnvoll, aber die Idee muss noch wesentlich weiter ausgearbeitet werden. Die Plattform ist sehr interessant, aber dies wird Kapitalgeber, Marktbeobachter und Berater nicht sofort dazu bringen ein liquides und erfolgreiches IPO-Umfeld zu schaffen. Es bleibt weiterhin zu hoffen, dass solche Initiativen auch nach der Wahl im September aktuell bleiben und weiter nach vorne gebracht werden.