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  • Gesundheitscheck: Infrastruktur für Digital-Health (Teil 2)

    Gesundheitscheck: Infrastruktur für Digital-Health (Teil 2)

    Demnächst erscheint „Digitaler Puls“, eine ganzheitliche Analyse der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen, die ich zusammen mit Luisa Wasilewski geschrieben habe. In dieser kurzen Artikel-Serie stelle ich aus dem Buch drei Fallbeispiele von Marktentwicklungen vor, die gerade in der Corona-Krise besonders aktuell sind und die drei Säulen der sich abzeichnenden Infrastruktur für Digital Health in Deutschland darstellen. 

    Zudem verdeutlichen diese Beispiele unsere Kernthese: dass sich Patienten zu Gesundheitskunden wandeln, die Konsumgewohnheiten und -erwartungen auf Gesundheitsleistungen übertragen. Im ersten Artikel ging es dabei um den Online-Handel und das E-Rezept. Im zweiten Teil sehen wir uns den Stand der digitalen Patientenakte an.

    Fallbeispiel Nr. 2: Digitale Patientenakte

    Folgendes Fallbeispiel. Es ist dunkel draußen und seit Tagen regnet es auf das gefallene Laub. Du fährst zu schnell in eine Kurve und fällst mit dem Fahrrad hin. Dabei fällst du auf das Handgelenk und, obwohl du es nach Hause schaffst, kannst du später am Abend deine Hand kaum mehr bewegen. Am nächsten Tag gehst du zum nächstgelegenen Internisten zum Röntgen. Du bist neu in der Stadt und warst noch nie in der Praxis – zum Glück kommst du aber bald dran. Zudem gibt es gute Nachrichten: Es ist nur eine Prellung. Klingt bald ab. Fahren Sie vorsichtiger usw. 

    Nur: Wann war eigentlich Ihre letzte Tetanusimpfung? Die Haut war an der einen Stelle ganz schön aufgescheuert… Der Arzt sagt, so eine Impfung kann ziemlich schmerzhaft sein. Wenn du die aber in den letzten zehn Jahren hattest, brauchst du sie nicht. Sonst müsse er sie aber auffrischen. Du ärgerst dich über dich selbst, dass du nicht mal mehr weiß, wo dein Impfpass liegt. Aber auf die Idee, du könntest den jetzt brauchen, wärest du ohnehin nicht gekommen. „Wie kann es eigentlich sein,“ denkst du, „dass ich jetzt sofort auf Amazon nachgucken könnte, was ich alles in den letzten zehn Jahren gekauft habe, mein Handy mir hier aber überhaupt nicht weiterhilft.“ „Hätten wir bloß schon die elektronische Patientenakte!“ ruft der Arzt mitleidsvoll, während er die dicke Spritze präpariert. 

    Beim Begriff „elektronische Patientenakte“ fragen sich viele Zeitgenossen, ob es sich nicht doch um eine längst versandete Initiative handelt, die irgendwann in den 2010er an verfassungsrechtlichen Bedenken scheiterte. Nein, das war die Vorratsspeicherung. Die elektronische Patientenakte (kurz: ePA) gibt es noch – aber die Frage nach ihrem Verbleib ist nicht unberechtigt. Schließlich wurde sie schon 2005 in die Wege geleitet, konnte aber bislang nicht so eingeführt werden, dass Patienten und medizinisches Personal etwas davon gemerkt haben. 

    Mal waren es Zuständigkeitsrangeleien zwischen Krankenkassen und Leistungserbringern, mal lag es an datenschutzrechtlichen Bedenken und die daraus folgenden Klagen. Jedenfalls: Fast 20 Jahre, nachdem es die ersten ernsten Bestrebungen gab, der notorischen Zettelwirtschaft des deutschen Gesundheitswesens mit etwas Effizienterem, Eleganterem, Elektronischem ein Ende zu bereiten, hantieren die Bundesbürger noch mit vollgestempelten Bonusheften beim Zahnarzt und suchen vor jeder Fernreise verzweifelt nach dem Impfpass, der eigentlich in dieser Schublade mit den ganzen Arztbriefen liegen sollte… In der Notfallversorgung gibt es noch haarigere Situationen, wenn jemanden bewusstlos eingeliefert wird. Und all das, obwohl alle spätestens seit 2015 elektronische Krankenversichertenkarten haben, auf denen sämtliche Angaben zur zahnärztlichen Vorsorge, zum Impfstatus und zu notfallrelevanten Allergien, medikamentöse Einstellung usw. gespeichert werden könnten. Betonung auf die Konjunktivform.

    2021 soll daraus endlich ein Indikativ werden. Zum 01.01.2021 sind Krankenkassen nun verpflichtet, ihren Versicherten die einheitliche ePA anzubieten. 2019 schon wurden Arzt- und Zahnarztpraxen sowie Psychotherapeuten ans System angeschlossen; Apotheker und Krankenhäuser folgen gerade. Bis 2022 sollen dann Versicherte zur Entscheidung bewegt worden sein, welche Daten sie speichern oder sperren lassen möchten – und ob diese Daten auf ihrer Krankenversichertenkarte zugänglich sein sollen. Jetzt wird also Nägel mit Köpfen gemacht.

    So besteht die Hoffnung, dass unser Fallbeispiel in nur noch 18 Monaten damit zu Ende geht, dass der Arzt dich fragt, ob er bitte in deiner elektronischen Patientenakte die Datei „Impfungen“ einsehen darf. „Klar, machen Sie das gern,“ sagst du und freust dich, als er liest, dass du zuletzt 2014 eine Tetanusimpfung hattest (Wirklich? Ich war auf einen rostigen Nagel getreten? Ach, stimmt, beim Einzug damals…) „Fahren Sie vorsichtiger!“ sagt der freundliche Mediziner zum Abschied.

     

    Mehr Infos zu „Digitaler Puls“: https://digitalerpuls.healthcare 

    Ab sofort kann das Buch vorbestellt werden: https://www.amazon.de/Digitaler-Puls-Gesundheitsmarkt-digital-handeln/dp/3456860803/

  • Digitalisierung: Was die Healthcare-Branche vom Handel lernen kann

    Digitalisierung: Was die Healthcare-Branche vom Handel lernen kann

    Die digitale Transformation der Healthcare-Branche beschleunigt sich seit Ausbruch der Covid-19-Pandemie mit jedem Tag. Dass die Akzeptanz für digitale Gesundheitsservices steigt, hat aber auch mit dem sich immer stärker wandelnden Konsumverhalten der Menschen zu tun. Konsumenten sind es dank der Innovationen im E-Commerce gewohnt, Produkte und Services jederzeit, schnell und preiswert zu bekommen. Ihnen ist dabei primär egal, welche Marke dahinter steckt – Hauptsache, sie bekommen bequem das, was sie wollen.

    So ermöglicht die Digitalisierung den Aufstieg und den Erfolg von Unternehmen, die eines verstehen: ihr Angebot auf die Bedürfnisse der Kunden zuzuschneiden. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass Patienten nicht länger nur passiv agieren und “alles mit sich machen lassen”, sondern mehr und mehr Aspekte ihrer “Patient Journey” – das Gegenstück zur “Customer Journey” im Handel – hinterfragen. Von der Kompetenz von Ärzten über Methoden zur Diagnose und Therapie aller Arten von Krankheiten bis hin zur Wahl der Medikamente: Patienten können online und mobil mit wenigen Klicks eine geeignete Praxis ausmachen, Behandlungsansätze vergleichen und – schon heute in einem bestimmten Rahmen – Pharmaka bestellen. Es zeigt sich: Das veränderte Konsumverhalten überträgt sich mehr und mehr auf den Gesundheitsmarkt. Aus “Patienten” werden gewissermaßen “Gesundheitskunden”.

     

    Drei Lehren aus dem Handel

    Was bedeutet das für die Healthcare-Branche? Nun, sie hat einen gewaltigen Vorteil: Die Entwicklungen, die die Digitalisierung provoziert, sind gewissermaßen absehbar und vom kundenzentrierten E-Commerce ableitbar. Die Parallelen lassen sich wie folgt darstellen:

    • Steigende Transparenz sorgt für Wegbruch von klassischen Intermediären

      Das Internet hat Schritt für Schritt dafür gesorgt, dass die Vergleichbarkeit von Services und Produkten für den Einzelnen immer einfacher wird. Dadurch wird etwa die Preisgestaltung transparenter. Zudem sorgen digitale Kanäle dafür, dass Hersteller und Konsumenten direkt in Kontakt treten und Geschäfte abwickeln können. Das führt zum Wegbruch von Zwischenhandelsstufen und begünstigt den Aufstieg von Plattformen. Das wird  – so die Anforderungen an die Datensicherheit gewährleistet sind – im Gesundheitsbereich nicht anders sein.

     

    • Bisherige Gatekeeper werden in Frage gestellt oder obsolet

      Weil sich Konsumenten an den ständigen Vergleich und einen nahezu uneingeschränkten Zugang zu Informationen gewohnt haben, hinterfragen sie heutzutage viel eher die Aussagen und Handlungen von Gatekeepern – seien es Verkäufer oder Mediziner. Das merken besonders Ärzte, die immer öfter in Konkurrenz zu “Dr. Google” stehen. Auch Krankenkassen agieren immer öfter nach “Kundenbedürfnissen” und zahlen deshalb zum Teil sogar für homöopathische Behandlungen. In letzter Konsequenz bringt die Digitalisierung so eine Verschiebung im Machtgefüge zwischen Patienten und Teilnehmern des Gesundheitsmarktes.

     

    • National geprägte und regulierte Märkte werden durch internationale Player disruptiert

      Durch die Digitalisierung werden Geschäfte globaler, die Markteintritte für internationale Player immer denk- und umsetzbarer. Derzeit bestimmen die drei As den Handel: Amazon, Alibaba und Apple. Weil im Gesundheitsmarkt viel Potenzial liegt, wachsen Investments und Einfluss auch dort. Im Fall von Apple denke man an die Smart Devices zum Tracking von Gesundheitsfunktionen des Körpers sowie die gesamte, daran anschließende “App Economy”. Die Technologie ist der anderer (etablierter) Hersteller und zum Teil auch unserer deutschen oder europäischen Gesetzgebung meilenweit voraus. Wer will aber ernsthaft daran zweifeln, dass Gesundheitsangebote künftig nicht auch aus dem Ausland kommen?

     

    Die gute Nachricht für all die, die in der Digitalisierung missbilligend nur den Weg zum effizienteren Verkauf von Schuhen gesehen haben: Hier geschieht etwas, das unser aller Leben wirklich besser machen wird.

     

    ### In eigener Sache: Unser Buch “Digitaler Puls” erscheint! ###

    Gemeinsam mit Luisa Wasilewski habe ich ein Buch über die Digitalisierung der Healthcare-Branche geschrieben. „Digitaler Puls“ ist Wissensspeicher und Ratgeber für alle, die den Wandel im Gesundheitsmarkt verstehen und in der neuen Marktdynamik relevant bleiben wollen. Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die letzten 20 Jahre Digitalisierungsgeschichte des Gesundheitsmarktes und gibt einen umfassenden Einblick in den heutigen Status quo. Abschließend wird diskutiert, wie und ob sich eine Plattformökonomie, ähnlich zum E-Commerce, auch im Gesundheitswesen durchsetzen wird und wer die relevanten Player sein könnten.

    Mit „Digitaler Puls“ wollen wir unseren Teil dazu beitragen, dass die Chancen der Digitalisierung im Healthcare-Bereich verstanden und genutzt werden können. Also: Lasst und jetzt digital handeln!

    Mehr Infos zu „Digitaler Puls“: https://digitalerpuls.healthcare 

    Ab sofort kann das Buch vorbestellt werden: https://www.amazon.de/Digitaler-Puls-Gesundheitsmarkt-digital-handeln/dp/3456860803/