Monat: Oktober 2013

  • Media-Saturn steigert Online Umsatz um 70% (und erreicht noch nicht einmal Gesamtumsatz Vorjahresniveau)

    Spannend ist es, wie in den Medien bestimmte Zahlen aufgenommen werden. Vor einigen Tagen hat die Metro Gruppe die Quartalszahlen veröffentlicht. In vielen Techblogs wurde daraufhin geschrieben, dass Online Umsätze erheblich gestiegen seien – was an sich keine schlechte Sache ist. Allerdings fällt beim Weiterlesen der Pressemitteilung auf, dass die gesamten Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum flächenbereinigt um 1,8% gefallen sind – im Rumpfgeschäftsjahr 2013 sogar um 2,0%. Hier wird also gezeigt, dass selbst mit 70% Steigerung der (kleinen) Online Umsätze noch nicht einmal das Umsatzvolumen des Vorjahres gehalten werden kann. Der Umsatzeinbruch der stationären Läden muss also erheblich sein. Media-Saturn steckt also in einer massiven Krise und wird das auch nicht durch Meldungen über Umsatzwachstum der Online Sparte verheimlichen können.

    Weiterhin würde mich die Deckungsbeitragsberechnung für das 70%  Umsatzwachstum interessieren. Wurden hier einmalige Umsätze sehr teuer eingekauft oder wurde mittlerweile eine Multi-Channel Strategie entwickelt, die diesen Namen auch verdient? Gefühlt wurde in letzter Zeit eher mit der Ausverkaufsaktion und den damit verbundenen Filialschließungen in der öffentlichen Wahrnehmung gepunktet. Hier muss ich allerdings Jochen (LINK) zustimmen, dass es nicht besonders klug ist in der Welt der Praktiker-/Thalia-/Douglas-/Görtz-Geschäftseinstellungen bzw. Einschränkungen damit Werbung zu machen, dass man die Fialen schließt und einfach mal für ein paar Tage den Geschäftsbetrieb einstellt. Sehr interessant ist es übrigens hier zu erfahren, dass der Online Shop ebenfalls vom Netz genommen wurde. Eine Trennung der Offline und Online Kanäle scheint einfach nicht machbar zu sein.

    Zu guter Letzt die Meldung und anschauliche Grafik, dass Media Saturn zusammen mit Redcoon den Online Markt durch massive Umsatzsteigerung verändert. Doch auch hier sehe ich keine Parallelen zu Zalando, sondern eher eine noch größere Geldverbrennungsmaschine. Selbst wenn Media Saturn sich massive Umsätze einkauft, kann es niemals die gleiche Kapitalverzinsung (oder zumindest Kapitalverzinsungsversprechen) wie Zalando eingehen. Daher ist die Strategie nur endlich, denn Profitabilität kann nicht unbegrenzt lange durch den Zuschuss von frischem Kapital ignoriert werden. Anleger und Kapitalgeber werden ein weniger langen Atmen bei der Finanzierung einer defizitären Wachstumsstrategie haben, als bei neuen Online Geschäftsmodellen, die noch nicht an der Börse sind. Weiterhin sieht die Grafik der „Umsatzentwicklung ausgewiesene Elektronikversender 2004-2012“ zwar nach einem riesigen Sprung für Media Saturn/Redcoon aus,  aber bitte nicht vergessen, dass es eine negative Linie mit der gleichen Entwicklung gibt – wo sonst kommen die -2% im Gesamtumsatz her? Media Saturn tritt im besten Fall auf der Stelle, und das Gesamtgeschäft bleibt rückläufig. Wie fast immer bei der Metro/Media Saturn im Onlinebereich – too little –too late!

  • Update: Urbanara und Bergfürst

    Vielen Dank für das viele Feedback bezüglich des Crowdfunding als Chance? Artikels. Hier noch zwei weitere neue Entwicklungen. Urbanara hat die Frage bezüglich der Effektivität von TV Werbung sehr kurz und knapp beantwortet.

    „Die strategische Beteiligung von Pro7Sat1 ist vorerst an unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Beteiligungsstruktur und –höhe gescheitert. Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass auch TV einen erheblichen Mehrwert beim Markenaufbau in Deutschland erzielen kann.“ (Link zur Antwort)

    Weiterhin wurde das Thema von Alex bei Kassenzone aufgegriffen und das WSJ Deutschland hat die Verschiebung der Zeichnungsfrist ebenfalls kritisch bewertet und eine sehr gute Analyse von Bergfürst mit aufgenommen.

    Es bleibt spannend und wir werden alle mehr wissen, sobald die Zeichnungsfrist abgelaufen ist. In der Zwischenzeit profitieren aber hoffentlich die Verkaufszahlen von Urbanara, durch die gemeinsame Werbeaktion mit Bergfürst.

    Bergfürst Werbung

  • VC industry changing due to new platform – death or life?

    VC industry changing due to new platform – death or life?

    Engel in TrauerRecently, I have read a very interesting article that continuous my argument that aside from many sectors the financial sector is also changing rapidly due to digitalization. The author states that:

    “In my life, I have been very fortunate to chronicle the emergence of the commercial internet (as we know it) from its early days. Over next decade or so, I came to realize the amazing deflationary powers of the internet. It was — and still is — a great deflator, squeezing out middle men, friction and of course, profits.” 

    The author argues that the next wave of change will affect the way businesses raise venture capital. Intransparencies will be broken open by Angel List and other fundraising platforms that force a secretive VC industry to differentiate their offerings beyond the initial cash injection. While I agree with the broad thesis of the argument I would highlight two aspects that seem to be overlooked frequently.

    As previously reported the VC industry as a whole does not generate positive returns. It is an assets class where only very few firms make money. These firms generally are not “smarter” than others but have a strong PR function and therefore get more deal flow than the other industry participants. If platforms now “socialize” deal flow and every investment is instantly shown to the entire industry then the professional selection becomes even less important. An automated investment distribution among Angel List offerings based on a set of pre-determined criteria would probably beat the returns of most VC firms and would require minimal direct investment attention. This would not alter the VC industry but give it the last punch in its current death struggle.

    Secondly, the start-up market is now becoming an asset class that is open to the broad public. Crowd funding platforms and projects like kickstarter are already expanding the available investor base. In my opinion, this is not a positive development. Start-Ups as an asset class are much to volatile and hard to read – if professional VCs cannot create a substantial return – how can private investors do so? These platforms are setting 99% of private investors up to lose all their money invested in this asset class.

    In addition, there are just a lot of businesses out there that do not deserve funding. The current funding market is a Darwin based system that kills of a lot of bad companies prior to raising capital. If the investor and funding base is now drastically increased we will see more and more zombie start-ups that live much longer than they should based on a “stupid-money” infusion through crowd funding platforms. If you look at the quality of start-ups coming out of places that received a large cash infusion (e.g. Berlin in Europe) you see so, so many ideas that should never have been funded but are now raising funds because way too much money chases too few good ideas.

    Crowd funding and platforms like Angel List will significantly disrupt the VC industry but it remains to be seen if this is positive or negative for start-ups and investors alike.