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WandAus meinen bisherigen Beiträgen wird ersichtlich, dass ich nicht der größte Fan der bisherigen Leistung der Media Markt- Saturn Group bin. Die verfehlte Geschäftspolitik war auch wieder in den jetzigen Quartalszahlen erkennbar. Das Unternehmen verliert ständig an Umsatz und die noch bestehenden Umsätze kommen immer stärker durch den unprofitablen Online Kanal. Das ist ein Problem. Das Geschäftsmodell ist außerdem fehlerhaft und dem Unternehmen geht es insgesamt einfach nicht mehr gut.

Wenn ich jetzt die Jobanzeige für den CEO sehe und mir vorstelle, diesen Job zu haben oder aber ein Restrukturierungsmandat über eTribes für Media Markt- Saturn zu übernehmen, dann stelle ich mir mir die Frage: „Was jetzt?“. Sicherlich ist es aus einer externen Perspektive einfach, die Kritik an der bestehenden Strategie zu formulieren, aber konstruktive Vorschläge zum weiteren Vorgehen zu geben, ist nicht so einfach. Was würde ich denn als CEO von Media Markt-Saturn jetzt machen? Welche Strategie würde ich einführen?

Steht Media Markt-Saturn vor dem Graf’schen Exodus?

Der Graf´sche Exodus ist nach zahlreichen Optionen von kassenzone.de bekannt. In dem Modell heißt es, dass oft nur noch die Immobilie eines Händlers einen Wert darstellt und diese möglichst schnell „ so lange es noch etwas dafür gibt“ veräußert werden sollte. Es gibt sicherlich die Möglichkeit das Geschäft zu beerdigen, schnellstmöglich die jeweiligen Immobilien zu verkaufen und die Daten aus dem bestehenden stationären Geschäft zu nutzen, um möglichst attraktive neue Ideen in anderen Geschäftsmodellen zu erarbeiten. Ob da die Media-Saturn Franchisenehmer mitspielen? Sicherlich nicht!

Media Markt-Saturn als Dienstleister der Metro Gruppe?

Könnte man die Erfahrungen von Media-Saturn bündeln und als Dienstleister der Metro Gruppe auftreten lassen? Sicherlich würde dies erst einmal einen Vorteil darstellen, denn man hätte dann den Kunden gleich in-house aber auch das ist nicht der richtige Weg, denn ein Misserfolg im Hauptgeschäft würde die anderen Gesellschaften der Metro Gruppe nicht unbedingt zur direkten Zusammenarbeit ermutigen. Allerdings verfügt die Metro Gruppe sicherlich über einige Geschäftsmodelle die ebenfalls im digitalen Umfeld erheblich Unterstützung gebrauchen könnten.

Online Show Room?

Wie bereits aktuell die Regale an andere Unternehmen vermietet werden, können auch gesamte  Filialen als online „Technik Show Rooms“ bei externen Unternehmen präsentiert werden. Kleine in-store Kioske gibt es ja bereits und mit diesem Konzept sollte weiter experimentiert werden. Hier könnte das Unternehmen der neue, flexible Show-Room Anbieter für viele Online Modelle sein, die zur Zeit versuchen im offline Geschäft Fuss zu fassen. MyMüsli ist sicherlich ein Beispiel aber auch die wirklich großen wie Amazon könnte sicherlich mit einem Show Room Konzept bei Ihren Kunden in den Innenstädten punkten.

Digital ausblenden – stationär nach vorne treiben?

Die Filiale 2.0 kommt und Verbraucher wollen nach wie vor Sachen berühren und fühlen. Sollte das ausgenutzt werden und wird mit neuen Konzepten Schwung in die stationären Flächen kommen? Analog zur Geniusbar könnten Beratungs-, Reparatur- und Weiterbildungsangebote die neuen Produkte von Media Markt-Saturn werden. In dieser Idee liegt sicherlich viel Potenzial, denn Fragestellungen und Reparaturen werden online nicht optimal abgedeckt. Der Service-Gedanke als Treiber erfordert sicherlich ein Umdenken von den unmotivierten, unqualifizierten Verkäufern hin zur Geniusbar. Wäre das zu bewerkstelligen? Wenigstens existieren beim aktuellen Geschäftsmodell so wenige Verkäufer, dass Entlassungen am Arbeitsmarkt nicht spürbar wären 😉

Aufbau von Eigenmarken?

Das wäre sicherlich hilfreich um den Preisvergleich zu unterbinden. Aber die benötigten Investitionen und Marketingkosten für den Aufbau von Eigenmarken im technischen Bereich sind sicherlich ein großer Faktor der schwer zu decken ist. Es sind hier enge Grenzen gesetzt und die Flagship-Produkte von Apple, Microsoft und anderen Anbietern werden weiterhin einen Großteil des Angebotes ausmachen.

M&A – Kauf von Online Unternehmen?

Diese Strategie wurde bereits vom Unternehmen eingesetzt,  führte aber eindeutig nicht zur profitablen Stärkung des stationären Geschäfts. Außerdem ist es ja nicht so, dass die Pure Player besonders gute Ergebnisse oder Margen aus dem Online Geschäft erzielen. Hier wird ebenfalls nur Geld gedreht und keines verdient.

Sollte Media Markt-Saturn von Best Buy lernen?

Was macht Best Buy denn so? Die drastische Verkleinerung des stationären Geschäfts und des Show Room bzw. in-store Kioskgeschäft wurden hier ja schon sehr mutig erprobt. Was sagen die Aktienmärkte so dazu:

Der Aktienkurs von Best Buy liegt derzeit nahe am 12 Monats Höhepunkt, nach einer negativen Entwicklung im April 2014 zeigt der mittelfristige Markttrend eine positive Tendenz. Die Gewinnerwartungen der Analysten sind momentan neutral. Vielleicht also ein einfaches Copy & Paste vom Modell des US amerikanischen Vorbilds? Dies könnte eine valide Strategie sein.

Daten?  

In der digitalen Welt werden Daten immer wichtiger! Über welche wichtigen Daten verfügt aber Media Markt-Saturn? Könnte man vielleicht als Einkäufer oder Einkaufsverbund für eine größere Anzahl von Online Unternehmen agieren? Hier wäre eine Nähe zum Bestandsgeschäft gegeben und ein Einblick in die internen Strukturen des Unternehmens würde sicherlich zeigen, ob hier der ein oder andere Daten-Rohdiamant schlummert.

Insgesamt finde ich keine der oben genannten Option besonders attraktiv für Media Markt-Saturn. Das spiegelt sicherlich auch in gewisser Weise die Aussichtslosigkeit des aktuellen Geschäftsmodells wieder. Gibt es vielleicht bei den Digitalkaufmann.de weitere Ideen? Ich freue mich über weitere Kommentare.

Die Unternehmensführung hat diese Probleme ja bereits erkannt und ist sicherlich wesentlich qualifizierter um eine Lösung zu finden als ich aus der externen Perspektive. Aber auch sie kann nur in den bestehenden Strukturen arbeiten und ein Befreiungsschlag im Rahmen eines Graf’schen Exodus möchte  sie sicherlich nicht riskieren. Die dezentrale Aufstellung des Unternehmens war sicherlich Anfangs für die schnelle, Franchise getriebene Entwicklung des stationären Handels richtig, hat aber die frühe Digitalisierung unterbunden und alle Versuche, die jetzt unternommen werden, können einfach nicht darüber hinweg täuschen, dass der Zug nun einmal abgefahren ist. Schade!

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Showing 5 comments
  • Stranger3
    Antworten

    Hallo Herr Seebach,

    Bevor Sie über MSH urteilen sollten Sie vielleicht doch die eine andere Minute investieren um genau zu recherchieren das MSH irgendwie kein Franchaiseunternnehmen ist ? Auch finde ich es sehr erschreckend wie Sie so einfach über Personal und deren Jobs entscheiden. Hut ab. Ich gebe ihnen recht das viel unmotiviertes z.T. schlecht oder gar nicht ausgebildetes Personal gibt. Aber das ist wie mit Fleischskandal. Der deutsche Verbraucher möchte alles immer billiger oder gar umsonst und wundert sich dann das daraus ein Skandal entsteht oder ein MSH Geschäftsführer nur das minimalste Tarifgehalt zahlt.

    Aber ich würde Sie doch mal auffordern stellen Sie sich doch mal 5 Tage die Woche 8 Stunden in den Verkauf. Vielleicht würden Sie sich den ein oder anderen Kommentar verkneifen.

    • Nils Seebach
      Nils Seebach
      Antworten

      Hallo

      Entschuldigen Sie die späte Antwort – Urlaubszeit! Zum Thema Personal stimme ich Ihnen völlig zu, dass der deutsche Verbraucher (wie auch beim Fleisch) nicht bereit ist für Service zu bezahlen bzw. vom Handel bisher nicht dazu bewegt werden konnte eine Zahlungsbereitschaft zu entwickeln. Das ist und darf aber keine Entschuldigung für MSH sein sich nicht über motiviertes und qualifiziertes Personal zu differenzieren. Als Kunde kann ich nur sagen, dass es mir ziemlich egal ist, ob jemand 5 Tage die Woche 8 Stunden seinen Job machen muss – das müssen wir ja schliesslich alle und viele von uns viel, viel länger als 40 Stunden – was hier zählt ist das Kundenerlebnis, Motivation und Beratung. Wenn selbst die Mitarbeiter nicht bereit sind für ihre Jobs zu kämpfen und einen Mehrwert gegenüber dem Online Handel zu geben, dann hat MSH nur die Insolvenz verdient. Wie sollte sich MSH denn nun Verhalten? Welche Überlebenschance hat ein Unternehmen, dass keine guten Gehälter bezahlt, darauf basierend schlechte Mitarbeiter hat und trotzdem durch hohe Ladenmieten nicht im Preiswettkampf mithalten kann?

  • Hans Dampf
    Antworten

    Nunja, der Fauxpas mit dem Franchsise ist sicherlich verzeihlich, zumal das Beteiligungsmodell der Geschäftsstellenleiter immerhin in eine ähnliche Richtung geht. Auch mir kam der Gedanke: was dann?
    Vielleicht eine Allianz im Sinne eines erweiterten Showroom-Konzepts mit Firmen wie AMAZON oder ALIBABA, die es einfach besser können als REDCOON. Auch ich schaue mir die Ware erstmal im Laden an, bevor ich dann eventuell zum günstigsten Preis online bestelle und da bin ich sicherlich nicht der einzige und es dürften immer mehr werden, die vor dem Kauf das Look-and-Feel der Ware einem Webfoto mit dürftiger Beschreibung vorziehen und wenn das Teil auch noch annähernd preisgleich im Laden zu haben ist, greift man auch gern dort gleich zu, um sich den ganzen Bestellstress zu sparen. Außerdem hätte man später, wenn es Probleme gibt, dort womöglich auch einen Anlaufpunkt für Reklamation und Service. Das Konzept ließe sich eventuell auch noch ausbauen, indem man über geeignetes Personal ein kompetentes Marketing-Feedback installiert. Ich möchte nicht wissen, wie viele Gadgets für die finale Verramschung oder Entsorgung auf den globalen Markt geworfen werden, weil die asiatischen Hersteller die Akzeptanz in überseeischen regionalen Märkten falsch einschätzen, für die sie aber überwiegend produzieren und Kleinserien für Testmärkte aufzulegen ist unrentabel. In einem solchen wechselseitigen Zusammenspiel würde der Händler zum Brandlabel-Hersteller als Trend-Scout für asiatische Fabriken. Die Textilbranche hat das doch recht erfolgreich vorexerziert. Auch sollte der Basar-Effekt nicht übersehen werden – das Shopping-Erlebnis in der Kundenmenge und das verbale Kommunikationsbedürfnis des Kunden mit dem hoffentlich fachkompetenten und vielleicht verhandlungsbefugten Verkaufspersonal. Geiz ist geil aber ein ertrotztes Schnäppchen ist doch noch allemal geiler und wer gerade nicht zum Schachern aufgelegt ist
    oder es eilig hat, der zahlt halt spontan gern auch ein wenig mehr – so geht die Margen-Mischkalkulation.

    • Nils Seebach
      Nils Seebach
      Antworten

      Hallo

      Auf jeden Fall eine spannende Sichtweise, um das Show-Room Konzept weiter aus zu bauen. Grade Alibaba bringt ja auch die notwendige Finanzierungsdecke (post IPO mit) um schnell in Europa zu expandieren. Vielleicht könnte durch so ein Konzept zumindestens die Infrastruktur von MSH weiter genutzt werden.

  • Hans Dampf
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    Naja die ganze Infrastruktur vielleicht nicht – die Transformation würde wohl kaum ohne einen zumindest vorübergehenden Schrumpfungsprozess möglich sein, aber einen Teil kann man ja auch umwidmen und parallel eine eigene technische Designkompetenz aufbauen, etwa um nachhaltigere und ästhetischere Produkte vorzuentwickeln, die dann in eine asiatische Massenfertigung überführt werden können. Hier bietet etwa das SmartHome ein interessantes Kompetenzfeld, in das GOOGLE schon Milliarden investiert hat und das wohl kaum aus Jux und Dollerei – BigData ist schließlich deren Geschäftsmodell. Die wissen schon wo es langgeht aber in der Bevölkerung wächst auch die Angst vor den Datenkraken. (Weiß mein Fernseher wann ich zu Bett gehe, meine Kaffemaschine, wann ich aufstehe oder weiß der Hacker, wann ich das Haus verlasse, ohne dass er vor meiner Tür warten muss und mein SmartPhone, wo ich dann bin?). Damit eröffnet sich z.B. die Chance, das Zeug mit Sicherheitszertifikat gegen Ausspähung, Manipulation und Sabbotage alternativ auf den Markt zu bringen.

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