Monat: Februar 2021

  • Amazon Dorf Talk – Wie verankern Unternehmen Amazon erfolgreich?

    Amazon Dorf Talk – Wie verankern Unternehmen Amazon erfolgreich?

    Frank Holzweissig, Leiter E-commerce Rotho Kunststoff AG, diskutiert mit uns am eigenen Praxisbeispiel, was geschehen muss, damit ein Unternehmen Amazon erfolgreich mit einbinden bzw. verankern kann.

    • Intro Frank Holzweissig und Thematik
    • Warum sollte ein klassischer Vendor darüber nachdenken sich auch das Seller Model einmal genauer anzuschauen? (ab 3:55)
    • Woher kommt die Zurückhaltung beim Thema Verhandlungen mit Amazon? (ab 10:58)
    • Frank Holzweissig über seine Erfahrungen mit Amazon bei Rotho (ab 19:03)
    • Überzeugungsarbeit im Unternehmen in puncto Amazon (ab 27:25)
    • Der Wechsel vom Vendor zum Seller, wie kommt es zum Scheitern bzw. wo muss ein Umdenken stattfinden? (36:43)
    • Zusammenfassung und Abschluss (ab 41:54)

     

  • Im Flächenbrand Einzelhandel ist Corona bloß Beschleuniger

    Im Flächenbrand Einzelhandel ist Corona bloß Beschleuniger

    In den letzten verrückten zwölf Monaten habe ich oft geschrieben, dass ich Corona als Beschleuniger, nicht als Verursacher der Krise im stationären Handel sehe. So zum Beispiel hier und dann hier in Analysen des Marktgeschehens – und zuletzt wieder hier in meinem Kommentar zur erneuten Rettung von Galeria Karstadt Kaufhof. Daraufhin haben mir ein paar Gesprächspartner entgegengehalten, ich unterschätze die Wucht von Corona. Schließlich seien die wirtschaftlichen Auswirkungen des Virus und seiner Bekämpfung nicht nur für Warenhausketten, sondern auch für bislang sehr erfolgreiche Unternehmen wie Lufthansa brandgefährlich.

    Natürlich will ich keineswegs behaupten, dass Corona in der Schieflage der Einzelhändler unwesentlich ist. Ist es doch völlig unstrittig, dass es sich bei der Pandemie um einen unerwarteten Schock beinahe allumfassenden Ausmaßes handelt, der einige tiefgreifende Veränderungen nach sich zieht. Und ebenso natürlich würde ich der Aussage zustimmen, dass es dem stationären Einzelhandel jetzt viel schlechter geht, als es ihm jetzt zu diesem Zeitpunkt ohne Corona gegangen wäre.

    Nur: Bereits vor der Pandemie ging es ihm schlecht genug – schlecht auf eine terminale Art, in der es etwa der Luftfahrt und vielen anderen betroffenen Sektoren nicht schlecht ging. Und: Auch ohne die Pandemie würde es dem stationären Einzelhandel heute schlechter gehen, als es ihm schon länger ging.

    Kunden bleiben nicht erst seit Corona aus

    So lehnte ich mich bereits im März 2019 – also wirklich weit vor Corona – aus dem Fenster und sagte, eine Insolvenzwelle rollte auf den Einzelhandel zu. Rückläufige Frequenz, immer höhere Ladenmieten und oft beliebige oder austauschbare Filialistenware, die günstiger oder besser im Netz zu kaufen sei: Die Diagnose habe nicht nur ich aufgestellt, sie war bereits Konsens. Galeria Kaufhof (ja, noch ohne Karstadt!) war auf Schrumpfkurs; Gerry Weber, Tom Tailor und Esprit waren alle in einer Dauerkrise. Und dann rutschte im Mai 2019 prompt auch noch Bree in die Insolvenz.

    Das schreibe ich nicht im Sinne von „Ich habe es euch doch gesagt!“ Ich will uns nur kurz zwei Jahre – und gefühlt: sehr weit weg – zurückversetzen, damit wir uns vergegenwärtigen, dass dem stationären Einzelhandel die Kunden nicht erst seit Corona ausbleiben. Klar, man kann auf den eklatanten Corona-bedingten Frequenzrückgang vom vergangenen März zeigen und sagen: „-80 %! Das hat den Einzelhandel umgebracht.“ Oder aber wir nehmen das Jahr 2018, in dem in 10 von 12 Monaten die Frequenz unter der des Vorjahresmonats lag, wie eine Studie Anfang 2019 (eben vor zwei Jahren) herausfand. Weiterer Befund: Als Durchschnittsnote für ihre Innenstadt vergaben die deutschen Verbraucher lediglich eine „Drei plus“. Man kann auch noch weiter zurückgehen und sehen, dass bereits 2014 rund 40 % der Befragten in einer Umfrage zum Thema Innenstadtfrequenz antworteten, sie führen weniger häufig rein, weil sie mehr online kauften. 

    Sagen wir es mal so: -80 % sind heftig und werden, zusammen mit den anhaltenden Beschränkungen, einigen Händlern den Todesstoß versetzen; aber im Sterben lagen sie bereits. Ob sie wussten, dass sie sterben müssen, steht auf einem anderen Blatt. Aber die 80 %-ige Frequenzrückgang hätte es über die kommenden zehn Jahre auch ohne Corona gegeben: Jedes Jahr um die 10 % weniger im Schnitt tut es ja auch. Tod durch die Corona-Keule oder Tod durch tausend Stiche: Am Ende ist es dem Insolvenzverwalter auch egal.

    „Man kann das nicht wegdiskutieren“

    So meine ich das – und auf diese faktische Grundlage stütze ich mich –, wenn ich schreibe, dass Corona bloß ein Beschleuniger von Prozessen ist, sie sich so oder so ereignet hätten. Die Frage ist dann nur, ob die betroffenen Unternehmen den Ernst der Lage schon vor Corona begriffen hatten und ob sie jetzt das Tempo ihrer Maßnahmen rechtzeitig erhöhen. Einigen Filialisten dämmerte es nämlich bereits vor Corona, dass das Modell stationäre Einzelhandel nicht zukunftsfähig und dass es für den Ausbau von Online-Vertriebskanäle höchste Eisenbahn war. Diese haben es jetzt leichter, radikale Schritte zu unternehmen. So Tina Müller von Douglas, die sich bereits im Sommer 2019 beim Kollegen Alex Graf folgendermaßen äußerte: „Man kann das nicht wegdiskutieren: In einer Vielzahl mittelgroßer Städte ist ein deutlicher Frequenzrückgang zu spüren. So gestalten wir das Filialnetz gerade neu und überlegen uns, wie viele wir wirklich brauchen – und wo.“ Diese Neugestaltung vollzieht sich jetzt im Angesicht der Corona-Krise um ein Vielfaches schneller als gedacht: Im Spiegel letzte Woche sprach Tina Müller nun von „einer logischen Konsequenz aus dem Trend zum Online-Handel“, als sie die Schließung von rund ein Fünftel der Douglas-Filialen europaweit bekanntgab. Gerade rechtzeitig hat Douglas in den letzten Jahren mit Douglas.de einen eigenen Online-Vertriebsweg aufgebaut, der zwar keine Digitalunternehmer-Herzen höher schlagen lässt, der aber bereits im Einsatz erprobt ist und in der Krise skaliert werden kann. Das ist die halbe Miete. 

    Bei einigen anderen ist diese halbe Miete auch im zwölften Monat der Pandemie – und im wohl zwölften Jahr der Frequenzrückgang der Innenstädte und Stagnation des stationären Einzelhandels – nicht einmal auch nur angezahlt. Wer ein solches Geschäftsmodell noch Anno 2021 fahren will, der ist wohl nicht mehr für Argumente zugänglich. Vor allem für Hersteller, die noch zu einem nennenswerten Anteil über solche Strukturen verkaufen, heißt es daher, sich konsequent und schnell selbst zu digitalisieren und auf E-Commerce-Lösungen zu setzen. Dass die Veränderungen im Handelslandschaft wieder gemächlicher vonstatten gehen, behauptet übrigens keiner mehr.

  • Superbowl 2021: Wie hollywoodreife Werbung den stationären Handel persifliert

    Superbowl 2021: Wie hollywoodreife Werbung den stationären Handel persifliert

    Wenn ich eines aus meiner Studentenzeit in den USA mitgenommen habe, dann dies: Die Amerikaner verstehen es, eine Show abzuziehen! Keine andere Kultur beherrscht im selben Ausmaß die Verdichtung von teils komplexen Zuständen auf elementare, packende Einzelmomente – im guten wie im schlechten Sinne. In ausgesprochen schlechter Form fiel diese Eigenschaft letztens bei der Erstürmung des Kapitols auf. Etwas positiver gewendet stellt sie die Basis für die wohlverdiente Dominanz US-amerikanischer Serien und Filme dar: Denn sie sind im Schnitt nun einmal einfach besser als das, was in Deutschland und anderswo für gewöhnlich produziert wird.

    Dieser Flair in Sachen showmanship fällt nicht zuletzt beim alljährlichen USA-Sportfest Superbowl auf. Da schaffen es unsere amerikanischen Freunde aus einem zum Einschlafen langweiligen Zuschauersport wie Football (Verzeihung an alle, die ihn spielen, aber wir wollen ja hier mal offen und ehrlich sein) eine Riesenshow mit globaler Ausstrahlung zu machen. Wie sie das schaffen? Möglichst wenig tatsächlicher Football und möglichst viel lustige Werbung!

    Dafür – und für die Nostalgie nach der Zeit, als ich 19 Jahre alt und mit mehr als 10 Menschen in einem Raum war – gucke ich gern Superbowl. Dieses Jahr hat es mir ein Spot von einem Online-Gebrauchtwagenhändler namens Vroom besonders angetan.

    https://www.youtube.com/watch?v=haXc74orwhg&feature=youtu.be

    Erst einmal: Großes amerikanisches Kino! Die drastische Inszenierung einer Geiselnahme mit angedeuteter Gewalt – genau richtig viel Nervenkitzel, genau richtig viel Kontroverse, ohne ins Gewaltverherrlichende zu gehen. Meine Aufmerksamkeit hat es auf jeden Fall sofort bekommen.

    Zweitens: Es zeugt davon, wie schlecht mittlerweile einige stationäre Einkaufserlebnisse geworden sind, dass sie als gemeingültige Vorlage für solche humoristische Werbungen dienen. Wenn die Druckmittel des Verkäufers auf dem Autohof derart sprichwörtlich geworden sind, dass jeder sofort den Vergleich mit einer gewalttätigen Geiselnahme versteht, spricht das nicht gerade dafür, dass es besonders gut um die branchenübergreifend immer gleichen Argumente des stationären Handels bestellt ist: „freundliche Fachberatung in angenehmer Atmosphäre“ usw.

    Ein Auto online kaufen? Mag sich gewöhnungsbedürftig anhören (wobei hierzulande ja jüngst mit Auto1 ein Player an die Börse gegangen ist, der daraus ein riesiges Business gemacht hat). Genauso gewöhnungsbedürftig wie die Vorstellung damals, als ich noch am Babson College studierte, Kleidung und Schuhe online zu bestellen. Da habe auch ich meine Hemden höchstpersönlich bei Brooks Brothers geholt. Aber die Zeiten ändern sich und wir Kunden ändern uns auch – vor allem, wenn das stationäre Einkaufserlebnis zusehends schlechter wird und neue Online-Konzepte es eben besser machen. Zugegeben: Mit einem Stromkabel bin ich zwar noch nicht irgendwo in einem Geschäft malträtiert worden; als besonders freundlich oder auch nur einigermaßen kompetent ist mir aber lange kein angestellter Verkäufer mehr irgendwo aufgefallen. 

    So zurückhaltend würde jedenfalls ich das formulieren. Die amerikanischen Kollegen würden da wohl nach etwas drastischeren Sprachbildern greifen…

  • Werben als Seller bei Amazon – diskutiert mit Annemarie Schuster

    Werben als Seller bei Amazon – diskutiert mit Annemarie Schuster

    Wie können Seller erfolgreich bei Amazon werben? Diese Frage habe ich Annemarie Schuster, Amazon PPC Expert, gestellt. Annemarie Schuster hat 2013 selbst als Onlinehändlerin angefangen und konnte so über Jahre hinweg ihre Erfahrungen aufbauen und vertiefen. Inzwischen hat sie ihre eigene Agentur „Annythinks – die E-Commerce Agentur“ gegründet und bietet Beratung im Bereich E-Commerce an. Vielen Dank Annemarie für dieses Gespräch.

     

    • Intro und Vorstellung Annemarie Schuster
    • Was sind die ersten Schritte, die unternommen werden müssen bevor man bei Amazon als Seller werben sollte? (ab 5:09)
    • Wie wird die Werbung dann erfolgreich geschaltet? (ab 11:17)
    • Welche Werbeformate gibt es bzw. welche Lohnen sich? (16:52)
    • Einschätzungen zum aktuellen Stand der Option Werbung auf Amazon schalten zu können. (ab 21:03)
    • Nimmt der Konsument den Anbieter war oder nur das Produkt? (ab 22:58)
    • Nacherfassung und Optimierung der bereits aufgesetzten Kampagnen (ab 25:11)
    • Wieviel Werbung sollte man schalten? (ab 28:29)
    • Tipps für Karriereeinsteiger in diesem Umfeld (ab 31:32)
    • Abschluss (ab 36:05)

  • Angriff der Klonkrieger

    Angriff der Klonkrieger

    Ja, Amazon gehört definitiv zu den Gewinnern des letzten Jahres. Davon profitieren auch unzählige E-Commerce-Unternehmen, deren Geschäftsmodell darin besteht, Amazon Seller – also Händler, die Amazon als Marktplatz nutzen – zu kaufen und irgendwann profitabel zu machen.

    Das bekannteste ist Thrasio aus den USA: Mittlerweile wird das Unternehmen mit über einer Milliarde Dollar bewertet. Allein im Jahr 2020 flossen über 300 Millionen Dollar in die Kassen. Kriegskassen, muss man sagen.

    Denn um die Herrschaft im Amazon-Universum ist ein harter Kampf entbrannt. Immer mehr Unternehmen, die Seller aufkaufen und sie so gebündelt „Synergien heben“ lassen wollen, treten auf den Plan. Die Internet World Business führt dazu sogar Buch – und registrierte bis Ende 2020 mindestens eine Milliarde Dollar Funding in Summe.

    Auch in Deutschland gibt es Thrasio-Klone. Sie heißen etwa SellerX (mit 100 Millionen Euro ausgestattet) oder Razor Group (hier gab es zuletzt immerhin 25 Millionen Euro). Ganz neu dabei: BRANDED, die bis vor Kurzem im Stealth Mode für 150 Millionen Euro Amazon Seller aufgekauft haben. Bei dem sich hierzulande aufheizenden Markt will natürlich auch Thrasio selbst mitmischen und hat dafür 225 Millionen US-Dollar zur Seite gestellt. (Erwähnen will ich gern noch die Londoner Heroes – auch gut finanziert –, die das „europäische Thrasio“ werden wollen.)

    Reihenweise werden also dreistellige Millionenbeträge in Thrasio und seine Klone gesteckt. Wem bei diesen Zahlen die Ohren nicht schlackern, der hat den E-Commerce nie geliebt.

    Wie kann es sein, dass Händler, die zum Großteil mit Billigprodukten versuchen, nur durch Masse eine halbwegs vernünftige Marge zu erzielen, solch Begehrlichkeiten wecken? Und was verleitet Investoren dazu, so horrende Summen in Unternehmen zu pumpen, die diese Händler aufkaufen?

    Klar, wer auf Amazon die Nase vorn hat, bekommt ein ordentliches Stück vom E-Commerce-Kuchen ab. Ich denke, dass Investoren hier eine Möglichkeit sehen, indirekt vom Amazon-Hype zu profitieren: Wächst die Plattform, wachsen die Händler und ihre Marken. Und wer die Händler kontrolliert, verdient das große Geld.

    Das ist meiner Meinung nach aber ein großer Denkfehler – schließlich hat eine Marke auf Amazon nicht lange Bestand, weil es immer jemanden gibt, der den Preis unterbieten wird. Wachstum ist nur möglich, wenn möglichst viele Regionen beherrscht werden; aber auch da gibt es irgendwann ein Limit, zumal sich beispielsweise Synergieeffekte wohl kaum zwischen deutschen und spanischen Händlern ergeben werden, weil der Markt (zumindest in Europa) zu segmentiert ist. 

    Es ist daher wohl nur eine Frage der Zeit, bis den Thrasios dieser Welt die Marge durch die Finger rinnt – und Investoren beim Platzen einer Blase sehr viel Geld verlieren werden.

  • Amazon Dorf Talk – Amazon Vendor vorgestellt und diskutiert mit Phil Layer

    Amazon Dorf Talk – Amazon Vendor vorgestellt und diskutiert mit Phil Layer

    In der heutigen Ausgabe des Amazon Dorf Talks haben Christian Kelm und ich uns einen Experten rund um das Amazon Vendor Modell  hinzu geholt. Phil Layer ist selbstständiger Berater und unterstützt viele verschiedene Unternehmen und Marken deren Vendor Account zu steuern, teilweise setzt er es auch selbst für sie um. Phil, vielen Dank für ein spannendes, informatives Gespräch!

    • Intro und Vorstellung Phil Layer
    • Unterschied Vendor und Seller kurz erklärt (ab 2:58)
    • Weihnachten steht vor der Tür – was sollte ich als Vendor Manager noch umsetzen? (ab 4:24)
    • Was sind die Werbe- und Marketing Basics auf die bei einer Account-Übernahme geachtet werden sollten (ab 9:40)
    • Die Wichtigkeit der Werbung für Vendoren und die häufigsten Fehler im Überblick (ab 14:55)
    • Phil Layer über seine ersten beruflichen Erfahrungen im Bereich Amazon und die Veränderungen bzw. erweiterten Möglichkeiten heute (ab 19:09)
    • Verfügbarkeit von grundlegenden Daten und deren Messbarkeit im Kanal Vendor (ab 30:26)
    • Kann bzw. sollte heutzutage noch eine einzige Person, unabhängig von der Größe des Accounts, alleine zuständig sein für einen Vendor, also für den Markenauftritt einer Marke?  (ab 46:34)
    • Sollte ich mich als Vendor mit dem Seller Konstrukt beschäftigen? (ab 47:54)
    • Wie steht es um Kanalspezifische Sortimente? (ab 48:50)
    • Abschluss (51:30)