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Juni 2017

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Venture Debt für europäische Startups

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Die verfügbaren Quellen einer Startup-Finanzierung erscheinen relativ überschaubar: ein VC, Business Angel oder anderer Risikoinvestor kauft sich über Anteile (Eigenkapital) in das junge Unternehmen ein und dieses kann das Investment nun nutzen, um zu wachsen. Das muss aber nicht immer die einzige Finanzierungsquelle sein. Es gibt zum Beispiel zahlreiche Förderprogramme bzw. Fördermittel, über die ein Startup signifikantes Kapital entweder als Zuschuss oder als Darlehen akquirieren kann. Daher sollten Gründer neben Finanzinvestoren auch immer Fördermittelquellen prüfen. Daneben gibt es natürlich auch die Möglichkeit, Fremdkapital aufzunehmen. Das sind dann Bankkredite oder Convertible Loans, aber auch eine weitere Finanzierungsmöglichkeit nimmt jetzt in Europa langsam Geschwindigkeit auf – Venture Debt.

Venture Debt kann für Startups erhebliche Vorteile bringen, wenn es richtig strukturiert und zum richtigen Zeitpunkt aufgenommen wird. Und spätestens seit auch die Bundesregierung von einem eigenen Venture Debt Fund spricht, lohnt es sich, das Thema etwas genauer zu betrachten.

Was ist Venture Debt?

Bei dieser hybriden Finanzierungsform werden Fremdkapital-Strukturen aus dem klassischen Bankengeschäft mit Venture Capital Ansätzen verheiratet. Dieses Hybrid kennzeichnet sich in der Regel durch kurze Laufzeiten und relativ hohe Zinssätze. Ein Unternehmer kann so verhältnismäßig schnell Kapital aufnehmen, ohne weitere Anteile an Investoren abzugeben. Oft wird Venture Debt als Überbrückung oder als Zusatzfinanzierung einer VC-Runde genutzt, womit erheblich mehr Liquidität für das Unternehmen generiert werden kann, ohne dass bestehende Anteile verwässern.

Die Finanzierung läuft meist über 2-3 Jahre mit 10-12% Zinssatz, oft verbunden mit geringen Upsides oder Bezugsrechten, bei denen es vorrangig um Partizipierung im Falle einer Liquidation geht.

Für wen macht Venture Debt Sinn?

Sinn macht es vor allem für solche Unternehmen, die im Growth oder Later Stage sind und die eine Equity-Finanzierung aus KPI-Sicht nicht schaffen würden oder ihre Anteile nicht verwässern wollen und lieber eine Fremdfinanzierung hätten, aber ohne klassischen, starren Kredit.

Davidson Capital, der wohl prominenteste Venture Debt Investor in Deutschland, erklärt das wie folgt:

„Our typical borrowers are mid-late stage tech companies with €10-100M annual revenues, cash-flow positive or close to break-even. We would like you to use the loan to grow the business, expand to new markets, hire talent and increase shareholder value. Solid management team and ability to pay back the loan out of cash-flow are essential.“

Warum ist Venture Debt gut für Gründer?

Im Prinzip ist es nicht so “teuer” wie die Vergabe von Anteilen und ermöglicht dem Gründer schnellen Zugang zu Liquidität. Daher kommt es oft auch in der Wachstumsphase zum Einsatz oder ist mit der Erreichung von einem bestimmten Meilenstein verbunden.

Venture Debt Investor Patrick Gordan erklaert an diesem Schaubild, wie die Hybridfinanzierung einem Startup helfen kann, Engpässe zu überbrücken und am Ende besser aufgestellt zu sein, was Bewertung und damit Wert der eigenen Anteile angeht.

 

Wo liegt das Risiko?

Wie immer steckt der Teufel im Detail. Die einzelnen Dealterms müssen genau vom Unternehmer verstanden und evaluiert werden. Wie bei jedem Kredit müssen Zinsen und Kapital irgendwann zurückgeführt werden. Ein Gründer sollte sich genau im Klaren sein, wann das ist und was passiert, wenn die Rückführung aus irgendwelchen Gründen nicht klappen sollte. Hier sollte mit großer Vorsicht und noch größerem Sachverstand agiert werden.

Wer sind die Anbieter in Deutschland?

Generell ist der deutsche Markt für Growth Stage und Late Stage Finanzierung chronisch unterbedient. Das gilt schon für Venture Capital, und gilt ganz sicher für Venture Debt. In den USA beträgt der Venture Debt Markt in etwas ein Viertel aller VC-Deals (Schätzungen schwanken zwischen 15 und 30%), in den UK sind es nur noch 10% und in Deutschland verschwindend geringe 1-5%, was ein Marktvolumen um die 50 Mio. vermuten lässt.

Zwei der aktiveren Player sind Davidson Capital (Berlin) und der europäische Arm der Silicon Valley Bank (London). Bekannte Deals aus den letzten Jahren sind Soundcloud, Nu3 und Monoqi.

Der Markt bleibt auf jeden Fall zu beobachten und spannend zu sehen, was aus dem Tech Growth Fund des Wirtschaftsministeriums wird. Wer noch etwas in die Tiefe gehen will, findet in diesem Whitepaper von Bessemer Ventures einen sehr guten Überblick (allerdings aus der amerikanischen Perspektive).

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Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

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