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Montag

31

Juli 2017

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Private Equity ist tot – lange lebe Private Equity! (1 von 4)

Written by , Posted in Kapital, Private Equity

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Wieso hört man eigentlich von den Heuschrecken der frühen 00’er Jahre jetzt so wenig? Für Private Equity Unternehmen müssten die Zeiten eigentlich glänzend laufen – die Limited Partner haben mehr Geld zu vergeben als jemals zuvor – sichere Anlageklassen laufen nicht mehr und dazu gibt es Geld auch noch fast ohne Zinsen. Ein nicht zu verachtender Hebel für die auf Finanz-Ingenieure angewiesenen Private Equity Funds. Allerdings führen diese unvorstellbar großen Mengen an Geld dazu, dass Kaufpreise erheblich ansteigen und Portfolio-Firmen dadurch in nicht seltenen Fällen unattraktiv werden. Das können wir aber in der Marktdynamik schon fast vernachlässigen: vielmehr beobachte ich nämlich, dass die Private Equity Firmen zurzeit ausgiebig mit ihrem Portfolio beschäftigt sind und dort erhebliche Probleme haben. Typische PE Funds waren immer darauf ausgerichtet, die bestehenden Assets zu optimieren und innerhalb ähnlicher Parameter weiter zu entwickeln. Die Entscheider in üblichen Strukturen sind dabei ein bunter Mix aus Industriefachleuten und vor allem IVY League ausgebildeten Finanz- und Unternehmensberatern. Diese Investment Manager haben vor allem ein Problem – ihnen fehlt völlig das Verständnis für die Digitalisierung und die damit verbundenen Herausforderungen. Es reicht eben nicht mehr, das Unternehmen im bestehenden Markt zu optimieren. Oftmals haben sich die Vorzeichen völlig geändert, die Märkte gewandelt und das Optimieren in einer sterbenden Industrie bringt dann auch nichts mehr. Dazu kommt, dass die etablierten Portfoliounternehmen immer öfter rechts und links von digitalen Schnellbooten überholt werden, und dabei eigentlich nur noch überfordert zusehen können.

Eine weitere Ebene der Problematik sieht man übrigens auch an den Due Diligence Prozessen, die von Private Equity Unternehmen durchgeführt werden. Da prüfen Ernst & Young, KPMG & Co. doch ernsthaft digitale Geschäftsmodelle auf deren kurz- und mittelfristige Wirtschaftlichkeit und erstellen seitenweise (!) Gutachten voller KPIs die eigentlich nur von E-Commerce und Online Marketing Experten evaluiert werden können. Selbst einem Experten, der sich jeden Tag mit den Themen beschäftigt, fällt es bei einzelnen Fachgebieten schwer, eine Meinung ohne einen Industrieexperten zu entwickeln – glorifizierte Buchhalter werden hier sicherlich keine brauchbaren Resultate liefern. Genau genommen bin ich oftmals entsetzt, wenn ich diese Reports lese, da die dort dargestellten Zahlenverläufe schon oft extrem fahrlässig sind. Mein Lieblingsbeispiel sind z.B. im Verhältnis zum Umsatz fallende Marketingausgaben was in den Reports mit der Skalierung des Geschäftsmodells begründet wird (ohne einen ernsthaften Anstieg der Wiederkäufer). Da hat jemand die Biet- und Auktionssysteme der digitalen Welt (Facebook, Google, Amazon etc.) mal einfach nicht verstanden, aber schreibt einen Report, auf dem Entscheidungen über 9-stellige Investmentsummen getroffen werden. Ich bin immer wieder überrascht, dass Private Equity Unternehmen substantielles Geld für Financial und Legal Due Diligence ausgeben, aber nicht genauso selbstverständlich eine DDD (Digital Due Diligence) zum Standardprogramm gehört. Wenn ein Geschäftsmodell nicht genau auf die Chancen und Risiken der Digitalisierung geprüft wird, dann ist das aus Sicht des Investors offensichtlich keine gute Idee. Weiterhin sollten im Voraus nicht nur Optimierungspotentiale analysiert werden, sondern es sollte sofort ein Plan existieren, wie ab Tag 1 der Übernahme die Digitalisierung nach vorne getrieben wird und wie die bestehenden Marktveränderungen das neue Portfoliounternehmen vor neue Fragestellungen und Probleme stellen wird.

Neben einem klaren Plan, wie das einzelne Unternehmen optimiert werden soll, muss eine Due Diligence auch immer eine GAFA-Analyse beinhalten. Wie stellt sich das Unternehmen in Bezug auf Google, Amazon, Facebook und Apple auf? Es gibt, meiner Meinung nach, keine Industrie und keinen Geschäftsbereich, der sich diese Frage nicht stellen muss. Einen spannenden Auszug von „betroffenen“ Industrien findet ihr in dieser Graphik.

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Quelle: http://www.nsuchaud.fr/2015/02/gafa-disruptin-all-industries/

Hier ist es wichtig zu sehen, ob das Geschäftsmodell einerseits angreifbar ist wie z.B. ein Modell, das auf einem eintransparenten Pricing bzw. Produktsourcing ausgebaut wurde. In dem Fall ist zu erwarten, dass Amazon und/oder Google mehr Transparenz in den Markt bringen werden. Gleichzeitig funktionieren die GAFA Unternehmen aber auch als ein Türsteher, wenn es um den Kundenzugang im B2C und auch immer mehr im B2B geht – auch hier ist zu evaluieren, wie das Unternehmen aufgestellt ist und welche Handlungsalternativen es zukünftig hat. Neben der Bedrohung sollte man sich aber auch immer die Chancen genau ansehen. Wenn ein Hersteller beispielsweise bei Amazon Business noch nicht aktiv ist, dann kann man hier sehr gut eine Vertriebsstrategie neu definieren und schnell neue Marktanteile erobern. Daher ist auch diese Analyse unbedingt notwendig und wird viel zu oft übersehen.

Was die Digitalstrategie und deren Chancen betrifft, treffen Unternehmen mit ihren Investoren auch nicht immer auf Verständnis, geschweige denn Begeisterung. Treffendes Beispiel ist hier der Multi-Channel Juwelier Christ, der sich vor kurzem von (dem digital ausgerichteten) Teil seines Managements getrennt hat, laut Presse weil man sich über die Digitalstrategie nicht einig werden konnte. Dass aus einer Anti-Strategie nichts werden kann, muss ich denke ich an dieser Stelle nicht weiter erklären.

Nun gut – so viel zur Kritik. Aber was soll man denn nun machen? Was sind konkret die Handlungsempfhelungen, wenn die McKinsey Bestandsoptimierer keine Chance mehr haben? Meine Sicht der Dinge im nächsten Artikel, in dem ich die “neue” strategische Ausrichtung von Private Equity Funds beschreibe und ebenfalls darauf eingehe, was jeweils schon vor dem unterzeichneten Deal betrachtet werden sollte, damit im Portfolio im Anschluss keine bösen Überraschungen warten.

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Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

Weitere Informationen auch unter Xing und LinkedIN.



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