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Mittwoch

23

Oktober 2013

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Media-Saturn steigert Online Umsatz um 70% (und erreicht noch nicht einmal Gesamtumsatz Vorjahresniveau)

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Spannend ist es, wie in den Medien bestimmte Zahlen aufgenommen werden. Vor einigen Tagen hat die Metro Gruppe die Quartalszahlen veröffentlicht. In vielen Techblogs wurde daraufhin geschrieben, dass Online Umsätze erheblich gestiegen seien – was an sich keine schlechte Sache ist. Allerdings fällt beim Weiterlesen der Pressemitteilung auf, dass die gesamten Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum flächenbereinigt um 1,8% gefallen sind – im Rumpfgeschäftsjahr 2013 sogar um 2,0%. Hier wird also gezeigt, dass selbst mit 70% Steigerung der (kleinen) Online Umsätze noch nicht einmal das Umsatzvolumen des Vorjahres gehalten werden kann. Der Umsatzeinbruch der stationären Läden muss also erheblich sein. Media-Saturn steckt also in einer massiven Krise und wird das auch nicht durch Meldungen über Umsatzwachstum der Online Sparte verheimlichen können.

Weiterhin würde mich die Deckungsbeitragsberechnung für das 70%  Umsatzwachstum interessieren. Wurden hier einmalige Umsätze sehr teuer eingekauft oder wurde mittlerweile eine Multi-Channel Strategie entwickelt, die diesen Namen auch verdient? Gefühlt wurde in letzter Zeit eher mit der Ausverkaufsaktion und den damit verbundenen Filialschließungen in der öffentlichen Wahrnehmung gepunktet. Hier muss ich allerdings Jochen (LINK) zustimmen, dass es nicht besonders klug ist in der Welt der Praktiker-/Thalia-/Douglas-/Görtz-Geschäftseinstellungen bzw. Einschränkungen damit Werbung zu machen, dass man die Fialen schließt und einfach mal für ein paar Tage den Geschäftsbetrieb einstellt. Sehr interessant ist es übrigens hier zu erfahren, dass der Online Shop ebenfalls vom Netz genommen wurde. Eine Trennung der Offline und Online Kanäle scheint einfach nicht machbar zu sein.

Zu guter Letzt die Meldung und anschauliche Grafik, dass Media Saturn zusammen mit Redcoon den Online Markt durch massive Umsatzsteigerung verändert. Doch auch hier sehe ich keine Parallelen zu Zalando, sondern eher eine noch größere Geldverbrennungsmaschine. Selbst wenn Media Saturn sich massive Umsätze einkauft, kann es niemals die gleiche Kapitalverzinsung (oder zumindest Kapitalverzinsungsversprechen) wie Zalando eingehen. Daher ist die Strategie nur endlich, denn Profitabilität kann nicht unbegrenzt lange durch den Zuschuss von frischem Kapital ignoriert werden. Anleger und Kapitalgeber werden ein weniger langen Atmen bei der Finanzierung einer defizitären Wachstumsstrategie haben, als bei neuen Online Geschäftsmodellen, die noch nicht an der Börse sind. Weiterhin sieht die Grafik der „Umsatzentwicklung ausgewiesene Elektronikversender 2004-2012“ zwar nach einem riesigen Sprung für Media Saturn/Redcoon aus,  aber bitte nicht vergessen, dass es eine negative Linie mit der gleichen Entwicklung gibt – wo sonst kommen die -2% im Gesamtumsatz her? Media Saturn tritt im besten Fall auf der Stelle, und das Gesamtgeschäft bleibt rückläufig. Wie fast immer bei der Metro/Media Saturn im Onlinebereich – too little –too late!

Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

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