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Mittwoch

14

Mai 2014

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Epic – Pivot zur richtigen Zeit?

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InkubatorWenn man einen Säugling aus dem Brutkasten holt, dann ist dieser eigenständig in der Lage zu überleben und hat alle nötige Unterstützung für diesen Lebensabschnitt erhalten. Jetzt muss eigenständig los gelegt werden.  So ist das auch mit Firmen. Der Berliner Inkubator Epic muss erfahren, dass ein zu großer Brutkasten weder dem Baby noch dem Arzt Spaß macht. In einer „kleinen Änderung“ wurde die Holding massiv reduziert und die zentralen Funktionen zurück auf die Portfolio Unternehmen verteilt. Ebenfalls wurde über einige Entlassungen spekuliert. Dies ist einerseits ein Zeichen für verfehltes Kostenmanagement, da eine Holding in erster Linie „lean & mean“ sein sollte. Nur wenn man es als Holding schafft, die einzelnen Leistungen durch effektive Skalierung billiger als die Eigenkosten der einzelnen Unternehmen anzubieten, ist diese Struktur erfolgversprechend. Für Start-Ups ist dies sogar extrem nützlich, da im Schnitt besser qualifiziertes Personal für die Tätigkeit der Holding eingekauft werden kann, als für jedes einzelne Start-Up. Andererseits vergessen CEOs von Inkubatoren häufig, dass sie besonders kostenbewusst sein müssen und als Beispiel für ihre Portfoliounternehmen agieren sollten – nicht als mächtige Finanzholding mit unbegrenzten Budgets. Wenn dies vergessen wird, wie es hier der Fall gewesen zu sein scheint, dann wird die Holding sehr schnell ein Klotz am Start-Up Bein,

da die teure Holding Struktur mit der Hilfe von Verrechnungssätzen und Einkaufszwang an die Start-Ups weiter gegeben wird. Somit ist die Geschäftsführung auf einmal in der ungünstigen Position nicht marktgerecht Leistungen einkaufen zu müssen. Dies hilft weder den Start-Ups noch ist es auf lange Sicht für die Holding gut, da die Portfolio Unternehmen leiden.

Was ich allerdings neben den Verrechnungskosten von Holdings an Start-Ups viel wichtiger finde, ist die Frage der weiteren Finanzierungsrunden. Natürlich sollte ein Inkubator am Anfang zentrale Funktionen wie PR, Finanzbuchhaltung, HR, Lohnbuchhaltung, Marketing und CFO/Controlling Funktionen abbilden – alles was den Gründer vom Kerngeschäft ablenkt ist, pauschal gesagt, innerhalb der ersten Finanzierungsrunde zu vermeiden. Hier liegt ja auch der echte Mehrwert eines Inkubator. Danach müssen alle geschäftsrelevanten Funktionen aber Schritt für Schritt aufgebaut werden. Vor allem, wenn das Start-Up plant weiteres Kapital einzusammeln. Ich würde niemals in ein Unternehmen investieren, das nicht alle Funktionen selber steuern bzw. durchführen kann oder dies perspektivisch vor hat. Neben der Kontrollfrage habe ich dann nämlich auch mit der Holding immer noch einen Hauptgesellschafter im Boot der durch eigenmächtige Preispolitik so viel Kapital wie er denn möchte aus dem Start-Up in die Holding ziehen kann. Die Verrechnungssätze der Holding könne ein sehr effektives Kontrollinstrument sein. In dieser Situation möchte sicherlich kein Investor sein. Somit ist der drastische Schritt von Epic vielleicht nicht das beste für alle Holding Mitarbeiter aber eindeutig der beste Schritt für die Start-Ups – wie bereits oben geschrieben, will ja jedes Start-Up aus dem Brutkasten raus und mit den großen Jungs im Sandkasten spielen. Dafür ist ein größtmögliches Maß an Eigenständigkeit die richtige Antwort und ob gewollt oder durch ungewollten Kostendruck, die Portfolio Unternehmen werden von diesem Schritt profitieren.

Auch die Fokussierung der Epic Holding auf das eigentliche Investmentgeschäft und den Aufbau von neuen Modellen finde ich genau richtig. Die etwas hämisch klingenden Pressekommentare sind somit meiner Meinung nach fehl am Platz. Epic hat aus den Fehlern beim Aufbau der Holding gelernt und genau wie jedes Start-Up ab und zu mal einen Pivot machen muss, ist das auch für Holding und Investmentunternehmen nicht falsch, sondern zeigt die Bereitschaft aus Fehlern zu lernen. Es bleibt ab zu warten, wie gut Epic ihm wirklichen Kerngeschäft – dem Aufbau von Firmen – denn nun wirklich ist. Die Umbaumaßnahme lässt zu mindestens hoffen, dass jetzt wieder genug Zeit für den fokussierten Aufbau von jungen Unternehmen gibt.

 

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Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

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