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DIGITALKAUFMANN

DIGITAL ENTREPRENEUR HAMBURG

Mittwoch

21

September 2016

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eKommunismus – am Ende gewinnt der Konsument!

Written by , Posted in Kaufmann

Die jüngsten Geschäftsergebnisse sowie weitere Finanzierungsrunden der zurzeit spannendsten Geschäftsmodelle der Digitalbranche lassen mal wieder spannende Schlüsse ziehen. So haben beispielsweise die Investoren von Tesla, Uber, Amazon und WeWork (USD16bn) einen gemeinsamen Marktwert von insgesamt 486 Milliarden USD bestätigt. Diese Firmen haben vor allem eines gemeinsam: die Grundregeln eines kapitalistischen, profitgetriebenen Geschäftsmodells wurden ausgehebelt. Bei den genannten Unternehmen ist das Erzielen und subsequente Ausschütten von Gewinnen nicht die Norm, sondern ein Sonderfall, der im Falle Amazon von der Wirtschaftspresse erstaunt hervorgehoben wird.

Für Unternehmer sind das erstmal keine guten Neuigkeiten – auf Kassenzone.de und bei Gesprächen mit E-Commerce Experten kann man weiterhin oft hören, dass die “Party” vorbei ist und die Entwicklung von nachhaltig erfolgreichen bzw. profitablen digitalen Geschäftsmodellen fast unmöglich erscheint. Hinzu kommt, dass zahlreiche klassische Geschäftsmodelle immer mehr in Frage gestellt werden und Kunden, Umsätze und Investoren verlieren.  Das ist z.B. bei Traditionshäusern wie Karstadt deutlich zu beobachten, wo durch die zunehmende Digitalisierung Stück für Stück jede Grundlage für eine Weiterführung des Unternehmens verschwindet. Wenn also alte und neue Geschäftsmodelle verlieren und Investoren nicht mehr mit satten Gewinnausschüttungen rechnen, dann stellt man sich schon die Frage – wer gewinnt denn eigentlich? Wo bleibt denn nun das ganze Geld und die vielen Milliarden die von Investoren in den Markt gedrückt werden?

In großen Teilen sicherlich bei sehr gut kompensierten Angestellten, die wiederum durch Konsum diese Gewinne der allgemeinen Wirtschaft wieder zur Verfügung stellen. Aber der eigentliche Gewinner ist der Konsument – genau der arme Konsument der eigentlich immer ausgenutzt wird. Genau genommen gehen diese Geschäftsmodelle so weit, dass eine Art eKommunismus geschaffen wurde. Schaut man sich die Definition von Kommunismus an:

“gesellschaftstheoretische Utopien, beruhend auf Ideen sozialer Gleichheit und Freiheit aller Gesellschaftsmitglieder, auf der Basis von Gemeineigentum und kollektiver Problemlösung.” (Quelle: Wikipedia),

dann fragt man sich, ob Engels, Marx und Lenin am Ende doch gewonnen haben. Der viel gescholtene Turbokapitalismus hat dazu geführt, dass ein Unternehmen wie Uber von namenhaften Investoren und sogar ganzen Regierungen (Saudi Arabien) Milliarden von USD einsammelt und damit ein öffentlich zugängliches Transportsystem aufbaut. Diese Entwicklung, von Uber hochgradig subventioniert, sorgt dafür, dass Konsumenten überall auf der Welt erschwinglichen Zugang zu Mobilität erhalten. Schaut man sich die Ausgaben von Uber genauer an, so stellt man fest, dass ein Großteil des Defizits  durch Zahlungen an die Fahrer entsteht. Die Fahrer verdienen bisher also mit dem eigentlichem Geschäftsmodell von Uber nicht ausreichend Geld und müssen daher aus Investorengelden zusätzlich kompensiert werden; Am Ende eine riesige Umverteilung von Geldern zu Gunsten der Konsumenten, die einen wesentlich günstigeren Service erhalten.

WeWork vermietet Schreibtische in der Hoffnung, aus weiteren Services Gewinne zu machen und öffnet damit erschwingliche Bürogebäude für Einzel- bzw. Kleinunternehmen. Amazon drückt die Preise für Konsumenten mit allen erdenklichen Mitteln und Tesla subventioniert die erfolgreiche, globale Einführung von Elektroautos. Diese Unternehmen wollen “die Welt verändern”, nichts “böses tun” und vieles mehr – nur Profite zu erzielen kommt höchstens mal in der Investorenpräsentation vor. Kaum ein Investor weiss eigentlich, wann die traumhaften Bewertungen der Unternehmen denn nun auch zu traumhaften Gewinnen führen sollen. Durch die momentane Geldschwemme ist diese ist das aber auch gar kein Problem. Bei immer weiteren Finanzierungsrunden zu hohen Bewertungen können Anteile auch gegen Liquidität getauscht werden. Soweit also erstmal keine Katastrophe.

Daher sollten wir uns über die aktuelle Entwicklung im Sillicon Valley als Konsumenten alle freuen. Es bleibt abzuwarten, ob einzelne Unternehmen es schaffen, mit dieser Strategie ein GAFA-ähnliches Monopol aufbauen, was dann wiederum langfristig zu geringerer Konsumentenrente durch hohe Preise führt, da die Unternehmen ihre Monopolstellung ausnutzen. An diese These glaube ich aber nur sehr eingeschränkt, da der ständige, disruptive Entwicklungszyklus von Technologie die neuen Geschäftsmodelle immer wieder stark verändert und verhindert, dass ein beständiges Monopol entsteht. Daher leben wir eigentlich in glücklichen Zeiten – ich würde behaupten, dass noch niemals in der Geschichte zuvor private Unternehmen so eine massive Rückverteilung von Kapital an Konsumenten durchgeführt haben.

Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

Weitere Informationen auch unter Xing und LinkedIN.



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