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Montag

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August 2017

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Die 3 Säulen der Digitalisierung für Private Equity Unternehmen (2 von 4)

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Nachdem im letzten Artikel dieser Serie beschrieben wurde, vor welchen Herausforderungen Private Equity Unternehmen in Bezug auf die Digitalisierung stehen, möchte ich hier zeigen, wie eine sinnvolle Digital Due Diligence aussehen könnte. Ebenfalls ergibt sich dann aus der Due Diligence gleich ein genauer Plan für das weitere Vorgehen nach der Akquisition eines Unternehmens. Neben der normalen Optimierung des Unternehmens sehe ich die folgenden 3 Schritte bei der Digitalisierung. Ebenfalls gebe ich für jeden der drei Schritte ein konkretes Beispiel, wie eine Due Diligence mit Handlungsempfehlungen aussehen könnte.

1. Prozess Digitalisierung

Hier ist das oberste Ziel die Steigerung der Effizienz im bisherigen Handeln des Unternehmens. Ein einfaches Beispiel wäre die Änderung der Bestellprozesse von Telefon/Fax auf ein E-Commerce-nahes Portalsystem. Neben einer verbesserten Bestellabwicklung sind auch oft die Kundendaten und Marketingprozesse durch verschiedene digitale Methoden leicht zu optimieren. Die Potentiale der Digitalisierung sind je nach Branche und Unternehmen unterschiedlich, jedoch gibt es meist in etlichen Bereichen großes Potential

Einige Beispiele:

  • Ein zeitgemäßes CRM (Customer Relationship Management) System in Kombination mit grundlegenden Online Marketing Maßnahmen kann die Effizienz des bestehenden Sales Teams deutlich verbessern und außerdem für die neuen Private Equity Gesellschafter deutlich mehr Transparenz und ein verbessertes Reporting schaffen.
  • Durch digitales internes Sourcing kann der Einkauf oft deutlich verschlankt werden und die Transparenz der Aufwände unterschiedlicher Unternehmensbereiche deutlich erhöht werden. Neben beschleunigter Einkaufszyklen profitieren auch Bereiche wie Budgetierung, Verrechnung und Ressourcenplanung von der Digitalisierung des Einkaufs.
  • Im HR und Operations Bereich können auf riesen Potentiale der Digitalisierung liegen. So kann das Hiring digitale Produkte wie etwa Hiring Management und Software zur effizienten Kandidaten-Kommunikation nutzen und seine Reichweite stark verbessern. Auch die Kommunikation und das Teilen von Dokumenten unter Mitarbeitern gewinnt mit der richtigen digitalen Orientierung erheblich.
  • Die Produktentwicklung kann durch digital unterstütztes Kundenfeedback und digitale oder digital gestützte Produkttests extrem verbessert werden und bei einigen Unternehmen erstmalig hilfreiches Feedback in großer Anzahl erzielen.

Die Liste kann endlos weitergeführt werden. Der Punkt ist: Jeder Unternehmensbereich kann hier erheblich profitieren und sich mit Hilfe digitaler Stützen auf seine Hauptkompetenz konzentrieren. Gewonnen wird hier im ersten Schritt der Digitalisierung vor allem Effizienz. Herausforderung ist sicher, die richtigen Werkzeuge zu wählen und die Implementierung deren erfolgreich umzusetzen. Hier sind viele Unternehmen schon an den kleinsten Projekten gescheitert. Doch der Aufwand lohnt sich – nicht nur wird Effizienz gewonnen, sondern auch Stück für Stück eine neue Denkweise geschaffen, die jedes Unternehmen für ein langfristiges Bestehen am Markt in Zukunft brauchen wird.

2. Digitalisierung einzelner Geschäftszweige

Im nächsten Schritt steht nach der Optimierung einzelner Aspekte der Unternehmenswertschöpfung die Digitalisierung und Optimierung der einzelnen Geschäftszweige an. Hier wird eine wesentlich tiefergreifende Analyse in Bezug auf die einzelnen Wertschöpfungsstufen durchgeführt. Durch die Digitalisierung lassen sich traditionelle Wertschöpfungsketten erheblich optimieren. Diese Optimierung kann zum Beispiel den Anschluss von Zwischenhändlern beinhalten und den damit verbundenen Aufbau eigener Kapazitäten im Unternehmen. Wenn man als Hersteller noch keinen eigenen Key Account für Amazon Business als Vertriebsweg hat, sondern Zwischenhändler den Marktplatz bedienen, dann liegt es auf der Hand, die Vendoren-Erfahrungen auch im eigenen Unternehmen zu verankern.

Der zweite Schritt kann besonders auf Umsatz-Seite eine richtig große Durchschlagkraft haben. Steigert die richtige Kooperation mit digitalen Vertriebswegen beispielsweise den Kundenkreis, so besteht großes neues Umsatzpotential. In der Realität ist das keine Seltenheit – noch häufiger ist allerdings der Effekt, eine sinkende Umsatzentwicklung stoppen zu können und den Absatz durch die Digitalisierung zu stabilisieren.

Werden Teile der Wertschöpfungskette erfolgreich überholt und optimiert, so ist außerdem die Steigerung oder Erreichung der Profitabilität ein zu erstrebendes Resultat und kann ganze Geschäftsbereiche quasi „grundsanieren“, vorausgesetzt das Digitalisierungsprojekt wurde richtig ausgesucht und umgesetzt.

3. Digitales Neugeschäft

Die dritte Stufe und sicherlich die Königsdisziplin ist die Schaffung von völlig neuen Firmenbereichen, die einen erheblichen Wertezuwachs für das Unternehmen darstellen können. Dies kann einerseits über den gezielten Zukauf von jungen Unternehmen geschehen oder aber in eigener Regie aufgebaut werden. Es muss auch nicht immer extrem komplex sein. So kann man zum Beispiel über einen neuen Vertriebsweg anstelle von klassischen B2B Kunden einen Geschäftszweig für B2C Kunden mit neuen Produkten bzw. Produktangeboten/ -stückelungen bespielen. Anderseits können “Liabilities” aus dem alten Geschäft in “digital Assets” umgewandelt werden. Wenn das Unternehmen beispielsweise eine R&D Abteilung hat, die bislang als reines Kostencenter gesehen wurde – dort aber ständig viele neue und relevante Publikationen erstellt werden, dann könne diese in einem Google-Umfeld ein wirkliches Goldlager für das Unternehmen darstellen und die Sichtbarkeit und Umsatz des Unternehmens deutlich steigern.

Die dritte und weiteste Stufe der Digitalisierung hat vor allem die folgenden drei positiven Effekte:

  • Steigerung des Firmenwertes: Das Gewinnen von digitalem Neugeschäft kann ein Unternehmen nachhaltig wettbewerbsfähig machen und dadurch in den Augen der Investoren die Bewertung des Unternehmens deutlich erhöhen.
  • Erschließung neuer Märkte: neue Produkte bringen neue Potentiale und im besten Fall sogar die Erschließung neuer Märkte aus Teilsortimenten oder dem gesamten Sortiment. So können beispielsweise durch neue relevante Produkte international ganz neue Märkte erschlossen werden, die vorab sowohl Sortiments-seitig, wie auch Vertriebsstruktur-seitig unerreichbar waren.
  • Generierung neuen Wissens: neues Wissen lässt Unternehmen möglichst schnell auf neue Kundenwünsche reagieren oder kann signifikant helfen, Produkte und Dienstleistungen besser zu gestalten und dem Kunden einen größerer Nutzen zu liefern. Es lässt das Produkt nicht still stehen, sondern entwickelt es im besten Falle steht nah am Kunden weiter.

Das hier beschriebene dreistufige Vorgehen kann bereits in einer Due Diligence vorbereitet werden und sollte bei dem Kauf eines Unternehmens genau geplant werden. Erst wenn ich einen Plan bzw. eine Strategie  für die Digitalisierung habe, kann ich diesen auch in meine Finanz- und Bewertungsmodelle einfließen lassen. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der in allen drei Stufen eine Rolle spielt, ist eine genaue Evaluierung des Führungsteams des Unternehmens. Hier sollte zumindest ein digitaler Experte im Team vorhanden sein bzw. dort installiert werden. Wenn in der Unternehmensleitung die bedingungslose Digitalisierung oder die Vorbereitung darauf nicht mitgetragen wird, dann ist zwingend ein Austausch des Management Teams notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit und am Ende des Tages natürlich den Wert des Unternehmens nicht zu gefährden.

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Über den Autor


Nils Seebach

Nils Seebach ist Autor und überzeugter Blogger bei Digitalkaufmann.de. Er hat sich auf die betriebswirtschaftliche Analyse und Einschätzung von digitalen Geschäftsmodellen spezialisiert. Mehr Informationen über Ihn finden Sie hier.

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